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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Rückkehr von Val'heoru Dhakra


16-12-2001, 20:34
Die Sonne stand tief am Himmel, und liess ihren rötlichen Schein über die Wipfel der Bäume scheinen. Nicht mehr lange und sie würde untergehen, und der Nacht weichen, aber bis dahin waren noch einige Stunden. Die Luft war erfüllt von dem Gezwitscher der Vögel, als wollten sie dem wunderschönen, ausklingenden Tag ein Ständchen bringen. Es war zwar warm, aber auch nicht zu heiss. Überall im Wald konnte man das Leben fühlen.

Ein Reh lief mit seinen zwei Kitzen durch den Wald, auf der Suche nach Nahrung. Es behielt die beiden Jungen gut im Auge, wie jede Mutter es tun würde, als sie plötzlich auf eine Lichtung stiessen. Das Reh hielt inne, und sofort stoppten auch die beiden Kleinen. Witternd hob die Ricke den Kopf, und blickte mit ihren scheuen Augen auf die Lichtung. Ihr bot sich ein ungewöhnliches Bild dar. Auf der Lichtung stand ein menschenähnliches Wesen mit grauer Haut und langen grau-weissen zusammengebundenen Haaren. Das Reh hatte solche Wesen schon öfter gesehen, und wusste das es ein Elf sein musste. Elfen, das spürte sie, konnte man im Gegensatz zu anderen Wesen trauen. Dennoch war es bei dieser Elfe anders. Eine seltsame Aura umgab dieses Wesen, es war nicht böse, aber dennoch war seine Präsenz unangenehm. Das Reh nickte seinen Kindern mit dem Kopf zu und sie trotteten in die andere Richtung davon.

Der Elf hatte von alledem nichts bemerkt. Er stand auf der Lichtung in einer Art Kampfstellung mit einem Katana in der Hand, welches in der untergehenden Sonne blitzte, und vollführte langsame präzise Schwerthiebe in der Luft. Seine Augen waren geschlossen und er schien in tiefer Konzentration.

Auf den ersten Blick mochte diese Elfe, in Menschenjahren gerechnet, Mitte 20 sein. Doch bei genauerem Hinsehen sah man, dass die Zeit Spuren hinterlassen hatte : Eine nicht zu übersehende Narbe zog sich von der Spitze seiner rechten Augenbraue bis hinunter über seine linke Wange. Auch wenn es seltsam klingt, schien es als hätte jemand die Spitze seines rechten Ohres angeschnitten, wenn auch das linke typisch elfisch spitz war.
Seine Gesichtszüge waren leicht angestrengt verzerrt.
In Gedanken war er nicht, wie sonst üblich, bei seinen Übungen, sondern weit in der Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die fast auf den Tag genau fünf Sonnenumrundungen zurück lag.

Es war ein perfekter Morgen. Die Sonne schien zwei Stunden alt, am östlichen Himmel, und verbreitete schon eine angenehme Wärme. Val'heoru stand in der Tür seiner Behausung, mit einem lautenähnlichen Instrument in der Hand, und beobachtete den offenen Platz vor seinem Haus, der noch von anderen Häusern umsäumt wurde. Er beobachtete interessiert die anderen Elfen die er auf dem Platz sah.
Einige ältere fey, Magier wie Val'heoru wusste, saßen auf einer Bank, unterhielten sich lachend und reichten eine Zauberrolle untereinander rum.
Val musste grinsen. Die Magier waren ein seltsamer Teil ihrer Sala, sie hatten einen eigenwilligen Humor, aber vielleicht gerade deswegen mochte er sie besonders gern. Möglicherweise empfand er sie auch nur als seltsam weil er erst 238 Jahre war, also für eine Elfe noch ziemlich jung.
Einige kleinere Elfen spielten fangen, und ihr fröhliches Geschrei hallte zwischen den Häusern.
Am Rande des Dorfes sass eine junge Elfenfrau mit einer jungen Menschenfrau. Das war nichts ungewöhnliches in dieser Sala, denn die Familie der Elfenfrau, hatte den Menschen aufgenommen, als er fast noch ein baby war, weil sie niemanden mehr hatte, und sie fortan wie ein eigenes Kind behandelt.
Obwohl sie ein Mensch war mochte Val diesen Menschen mindestens so gerne wie die anderen Elfen, wenn nicht sogar noch etwas mehr.

Er lächelte den beiden zu und machte sich daran, zu ihnen herüber zu gehen, um ihnen ein Morgenlied zu spielen. Als er den Dorfplatz halb überquert hatte hielt er inne und lauschte. Die anderen Elfen schienen auch etwas gehört zu haben, selbst die Magier hielten in ihrem Gespräch inne.

In der ferne konnte man das Getrappel wie von zig Pferden hören, und es kam immer näher.
Die Kinder rannten ängstlich in die Häuser. Und die Alten blickten misstrauisch in die Richtung aus der das Getrappel kam. Auch Val'heoru blickte dem Lärm entgegegen. Langsam sah man eine Herschar von Perden näherkommen, auf den dunkle Reiter sassen.
Ein Gedanke schoss durch's Val's Geist : "Mein Schwert !". Er hatte es auf Reisen stets bei sich, und nun lag es eingerollt in einem Tuch unter seinem Bett. Val'heoru grollte. Dort lag es gut. Er konnte nicht zurück und es holen, denn die Reiter waren schon angekommen. Es waren Dunkelelfen, und sie waren unmaskiert und alle bewaffnet.
Die Anführerin schien eine weibliche Dunkelelfe mit nahezu schwarzer Haut und schneeweissem Haar zu sein, ihre Gesichtszüge waren hart wie Stein.
Ihr Blick schweifte flüchtig über den Dorfplatz und blieb dann auf Val hängen, der direkt vor ihr stand, und sie trotzig anblickte. "Was wollt ihr hier Fey'badoc, ihr habt hier nichts zu suchen !", sagte er mit klarer Stimme. Die weibliche Dunkelelfe schaute ihn nur spöttisch an, und machte eine schnelle Handbewegung. Sofort sprangen fünf Dunkelelfen von ihren Pferden und stürzten sich auf Val, bevor der sich überhaupt rühren konnte. Sie zwangen ihn auf die Knie, und drückten seine Kopf nach unten. "Knie nieder, wenn du mit der Ilharess sprichst", sagte einer der Drow ihm zischend in's Ohr.
Die Ilharess, wie der Dunkelelf sie nannte, stieg von ihrem Pferd ab und baute sich vor Val'heoru auf. Blitzschnell zog sie einen Dolch mit gezackter Klinge, griff an Val's rechtes Ohr, und schnitt die Spitze ab, danach fuhr sie im mit der Klinge noch mal quer übers Gesicht. Er schrie auf, ohnmächtige Wut trieb ihm die Tränen in die Augen, sein linkes Auge brannte wie Feuer und Val konnte mit diesem Auge nichts mehr sehen. Mit aller Kraft stemmte er sich gegen seine Unterdrücker, doch die hielten ihn nur noch stärker fest.
Die weibliche Dunkelelfe streckte die Hand aus, und sofort sprang ein anderer Dunkelelf herbei und reichte ihr ein Schwert. Langsam beugte sie sich zu ihm herunter und hielt ihm die Spitze seines Ohre vor das noch gesunde Auge, mit leiser Stimme voller Hass sagte sie : "Das hier, werde ich als Andenken behalten, ansonsten gibt es nichts, was ich von euch Elfenpack will, ausser euch Tod sehen !". Mit diesen Worten rammte sie ihm das Schwert in den Körper, zwischen Bauch und Lunge. Val'heoru sackte stumm in sich zusammen, in eine todesähnliche Ohnmacht, und während er umfiel, konnte er noch die Schreie der anderen Elfen hören, während sich die Drow wie ein schwarzes Tuch über sie warfen. In das Geschrei mischte sich das hohle Lachen der Ilharess. Und dann wurde es um ihn herum dunkel.
Er war schwer getroffen, aber nicht Tod wie seine Peiniger dachten.
Nach vielen Stunden der Ohnmacht, erwachte Val. Mittlerweile war es Nacht geworden. Aber es war nicht dunkel. Um ihn herum glühten, dort wo die Häuser einst standen Aschehaufen. Überall verstreut lagen verstümmelte Elfen.
Die Drow hatten die Häuser angezündet, und die Elfen alle niedergeschlachtet.

Er raffte sich auf, hielt die noch leicht blutende Wunde, und schleppte sich zu dem Aschehaufen, der einst sein Haus gewesen war. Die Drow hatten alle die er geliebt hatte getötet, er konnte ihre Leichen nicht länger sehen. Als er bei dem Aschehaufen ankam, fiel er auf die Knie, und stiess einen lauten verzweifelten Schrei aus. Er war nichts wert, er hatte seine Sala nicht beschützen können, seine Ehre war nichts mehr wert.
Sein Blick fiel auf ein blitzendes Stück Metal, das aus Asche hervorschaute. Er schleppte sich dorthin und holte sein Katana aus der Asche, das heisse Metal brannte sich sofort in seine Hand ein. Aber Val verzog nur leicht die Miene. Jegliche Emotion schien aus seinem entstelltem Gesicht gewichen zu sein. Er umwickelte seine Hand mit einem Stück Stoff, das er sich aus seiner Kleidung riss, und nahm mit der Hand das Katana. Dann wendete er sich in die Richtung wo der Wald lag, und schleppte sich in die Nacht hinaus.

Mit schweissüberströmten Gesicht öffnete Val'heoru die Augen. Er war auf der Waldlichtung. Das Katana in seiner Hand. Sein linkes Auge war milchig trüb. Mittlerweile war schon die Dämmerung hereingebrochen, und es war etwas kühler geworden. Er zog sich einige Sachen an, die er neben sich abgelegt hatte zum trainieren. Dann steckte er sein Katana in eine Art Ledergurt den er um die Taille trug, und streifte sich eine Augenklappe aus grau-weissem Leder über das verletzte Auge. Normalerweise wäre es ihm egal gewesen, aber nach nunmehr fünf Jahren in der Wildniss wollte er wieder zurückkehren in die sogenannte Zivilisation.
Er hatte es satt immer davon zu laufen. Möge da kommen wer will, er Val'heoru Dhakra würde nicht mehr weglaufen.

Nachdem er sich noch einmal umgeschaut hat, läuft er in den Wald, um sich sein Nachtlager zu suchen .