Vadrak Larthay
06-05-2002, 23:36
Es war stockfinstere Nacht. Seinem Gefühl nach war die Mitternacht gerade vorüber, als Vadrak Larthay aus unruhigem Schlafe erwachte. Die Frist war verstrichen, ohne daß er ein gesockeltes Flammenschwert gefunden hatte. Allerdings hatte er sich schon gleich am Tag nach der Abmachung damit abgefunden, daß er die gestellte Aufgabe vermutlich nicht würde erfüllen können. Sicherlich entsprach es auch Glarons Willen, daß er mit leeren Händen vor den Nekromanten treten müßte, denn eine solche Waffe in den Händen des Feindes wäre fürchterlich! Um seine eigene Seele machte sich Vadrak keine allzu großen Sorgen, hoffte er sie doch sicher bei Glaron aufgehoben. Das Gespräch mit Elias hatte ihn in dieser Hoffnung bestärkt und ihm Zuversicht verliehen. Auch Vertragsbruch konnte der Seelendieb ihm nicht vorwerfen, denn schließlich hatte Vadrak ihn am Abend der Abmachung mehrfach darauf hingewiesen, daß er nichts verpfänden könne, was schon im Besitze Glarons sei, doch war der Schwarze nicht auf diesen Einwand eingegangen.
Der Templer rechnete fest damit, daß der erzürnte Nekromant ihn dafür töten würde, und sicherlich würde er sich viel Zeit dafür nehmen, um ihm einen möglichst schmerzhaften Tod zu bescheren. Der Gedanke daran, daß ihm kein rascher Tod durch das Schwert vergönnt wäre, wie er es immer erwartet hatte, jagte ihm eisige Schauer über den Rücken. Bleich und mit bebenden Fingern tastete er nach dem Amulett an seinem Hals, bis ihm einfiel, daß er das Amulett Melina geschenkt hatte. Was ihm auch immer bevorstand, welche Prüfungen ihm auferlegt sein würden: er würde letztendlich Glarons Paradies sehen. Dieser Gedanke beruhigte seinen rasenden Puls ein wenig und er versuchte, sich mit dem Schlimmsten abzufinden und Vorkehrungen für seinen Tod zu treffen.
An Schlaf war sowieso nicht mehr zu denken, auch waren die letzten Stunden seines Lebens zu kostbar, um sie im Bett zu vergeuden. Der Templer stand auf, entzündete die Kerzen mit bebenden Fingern und füllte die Waschschüssel mit dem eiskalten Wasser eines irdenen Kruges, den ein umsichtiger Bruder extra zu diesem Zweck gestern abend bereitgestellt hatte. Rasch wusch er sich fröstelnd und zog sich an. Nachdenklich setzte er sich an seinen Schreibtisch und versuchte, seine Gedanken zu ordnen und unter Kontrolle zu bringen. Lange Zeit schrieb er Briefe, wobei er sehr oft innehielt und aus dem Fenster auf den heraufdämmernden Morgen starrte. Das eine oder andere Mal legte er kurz das Schreibgerät beiseite und wischte sich mit einer fahrigen Geste beider Hände über das Gesicht, bevor er sich wieder sammelte und weiterschreiben konnte. Mit einem der Briefe schien er besonders unzufrieden zu sein, denn wieder und wieder zerriss er die geschriebenen Blätter, die mit „An Seylarana Ryell...“ beschriftet waren. Schließlich gab er es auf. Die übrigen Briefe waren alle geschrieben. Vadrak schlüpfte unbemerkt aus dem langsam erwachenden Ordenshaus und ging in Richtung Schrifthalle. Wie anders war es doch, durch die Straßen Britains zu gehen, in der Gewißheit, sie das letzte Mal zu sehen! Der Morgen war noch jung und nur wenige Leute bevölkerten die Straßen, so daß Vadrak beschloß, einen kurzen Abstecher in den Park zu wagen. Er wollte niemandem begegnen und keine Fragen beantworten müssen, keine Sorgen anhören müssen. Ja, er wollte gern seine letzten Stunden allein verbringen und seinen Geist ganz auf Glaron richten. Nachdenklich verweilte er tief in Gedanken an die Vergangenheit versunken auf einer der Parkbänke, bis ihn die Strahlen der langsam höher kletternden Sonne darauf aufmerksam machten, daß er noch viel zu erledigen hatte. Rasch ging er zur Schrifthalle, wo er seine Briefe dem verdutzten Schreiber in die Hand drückte, der es gewohnt war, sonst ein kleines Schwätzchen über Glaron und die Welt mit ihm zu halten, und der nun mit offenem Mund hinter ihm herstarrte. Als nächstes begab er sich ins Badehaus, ließ sich den Bart zurechtstutzen, sein Haar ordentlich scheren und nahm ein ausgiebiges Bad. In frische Gewänder gekleidet, lenkte er anschließend seine Schritte zurück ins Ordenshaus. Ruhig und mit nur wenigen Worten nahm er Abschied von seinen Brüdern und legte ihnen nahe, sich an Seldrick Ralkon zu wenden, sollte er selbst nicht zurückkommen. Dann schloß er sich für den Rest der verbliebenen Zeit im Ordenstempel ein, wo er auf Knien Glaron für alles im Leben dankte und demütig für seine Seele bat. Gern hätte er sich Bruder Josephus, Kallor, Elias oder Thorus anvertraut und ein letztes Mal seine Sünden gebeichtet, doch war keiner von ihnen im Lande. Also beichtete er Glaron allein und ohne Beistand, doch fühlte er tief in sich die Gewißheit, daß Glaron auch so seine Beichte erhörte. Inständig betete er darum, daß es wider aller Wahrscheinlichkeit doch eine Möglichkeit geben möge, die Begegnung mit dem Nekromanten zu überleben. Am meisten aber beherrschte ihn der Gedanke um die Art seines Todes und er bat Glaron flehentlich, für ein rasches Ende zu sorgen. Als die Zeit gekommen war, erhob er sich entschlossen und begab sich ohne Umschweife nach Britain, um seinem Tod bleich, aber äußerlich ruhig und gefaßt, ins Auge zu sehen.
Der Templer rechnete fest damit, daß der erzürnte Nekromant ihn dafür töten würde, und sicherlich würde er sich viel Zeit dafür nehmen, um ihm einen möglichst schmerzhaften Tod zu bescheren. Der Gedanke daran, daß ihm kein rascher Tod durch das Schwert vergönnt wäre, wie er es immer erwartet hatte, jagte ihm eisige Schauer über den Rücken. Bleich und mit bebenden Fingern tastete er nach dem Amulett an seinem Hals, bis ihm einfiel, daß er das Amulett Melina geschenkt hatte. Was ihm auch immer bevorstand, welche Prüfungen ihm auferlegt sein würden: er würde letztendlich Glarons Paradies sehen. Dieser Gedanke beruhigte seinen rasenden Puls ein wenig und er versuchte, sich mit dem Schlimmsten abzufinden und Vorkehrungen für seinen Tod zu treffen.
An Schlaf war sowieso nicht mehr zu denken, auch waren die letzten Stunden seines Lebens zu kostbar, um sie im Bett zu vergeuden. Der Templer stand auf, entzündete die Kerzen mit bebenden Fingern und füllte die Waschschüssel mit dem eiskalten Wasser eines irdenen Kruges, den ein umsichtiger Bruder extra zu diesem Zweck gestern abend bereitgestellt hatte. Rasch wusch er sich fröstelnd und zog sich an. Nachdenklich setzte er sich an seinen Schreibtisch und versuchte, seine Gedanken zu ordnen und unter Kontrolle zu bringen. Lange Zeit schrieb er Briefe, wobei er sehr oft innehielt und aus dem Fenster auf den heraufdämmernden Morgen starrte. Das eine oder andere Mal legte er kurz das Schreibgerät beiseite und wischte sich mit einer fahrigen Geste beider Hände über das Gesicht, bevor er sich wieder sammelte und weiterschreiben konnte. Mit einem der Briefe schien er besonders unzufrieden zu sein, denn wieder und wieder zerriss er die geschriebenen Blätter, die mit „An Seylarana Ryell...“ beschriftet waren. Schließlich gab er es auf. Die übrigen Briefe waren alle geschrieben. Vadrak schlüpfte unbemerkt aus dem langsam erwachenden Ordenshaus und ging in Richtung Schrifthalle. Wie anders war es doch, durch die Straßen Britains zu gehen, in der Gewißheit, sie das letzte Mal zu sehen! Der Morgen war noch jung und nur wenige Leute bevölkerten die Straßen, so daß Vadrak beschloß, einen kurzen Abstecher in den Park zu wagen. Er wollte niemandem begegnen und keine Fragen beantworten müssen, keine Sorgen anhören müssen. Ja, er wollte gern seine letzten Stunden allein verbringen und seinen Geist ganz auf Glaron richten. Nachdenklich verweilte er tief in Gedanken an die Vergangenheit versunken auf einer der Parkbänke, bis ihn die Strahlen der langsam höher kletternden Sonne darauf aufmerksam machten, daß er noch viel zu erledigen hatte. Rasch ging er zur Schrifthalle, wo er seine Briefe dem verdutzten Schreiber in die Hand drückte, der es gewohnt war, sonst ein kleines Schwätzchen über Glaron und die Welt mit ihm zu halten, und der nun mit offenem Mund hinter ihm herstarrte. Als nächstes begab er sich ins Badehaus, ließ sich den Bart zurechtstutzen, sein Haar ordentlich scheren und nahm ein ausgiebiges Bad. In frische Gewänder gekleidet, lenkte er anschließend seine Schritte zurück ins Ordenshaus. Ruhig und mit nur wenigen Worten nahm er Abschied von seinen Brüdern und legte ihnen nahe, sich an Seldrick Ralkon zu wenden, sollte er selbst nicht zurückkommen. Dann schloß er sich für den Rest der verbliebenen Zeit im Ordenstempel ein, wo er auf Knien Glaron für alles im Leben dankte und demütig für seine Seele bat. Gern hätte er sich Bruder Josephus, Kallor, Elias oder Thorus anvertraut und ein letztes Mal seine Sünden gebeichtet, doch war keiner von ihnen im Lande. Also beichtete er Glaron allein und ohne Beistand, doch fühlte er tief in sich die Gewißheit, daß Glaron auch so seine Beichte erhörte. Inständig betete er darum, daß es wider aller Wahrscheinlichkeit doch eine Möglichkeit geben möge, die Begegnung mit dem Nekromanten zu überleben. Am meisten aber beherrschte ihn der Gedanke um die Art seines Todes und er bat Glaron flehentlich, für ein rasches Ende zu sorgen. Als die Zeit gekommen war, erhob er sich entschlossen und begab sich ohne Umschweife nach Britain, um seinem Tod bleich, aber äußerlich ruhig und gefaßt, ins Auge zu sehen.