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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zeit der Rache


Thorus
16-06-2002, 23:57
Vieles hat sich verändert seit seiner Rückkehr. Nicht nur das Land, welches lange Zeit seine Heimat war, nein auch er selbst. Er spürte, wie es von Tag zu Tag stärker wurde und immer mehr die Kontrolle über ihn bekam. Während seiner lange Reise hatte er sich angewöhnt, im Freien zu übernachten. Auch jetzt wo er wieder zurück war, zog er es vor, im Wald zu schlafen, anstatt in seinem Haus, wo er all die Jahre hier verbracht hat. Lange lag er in dieser Nacht wach und starrte in den fast sternenlosen Himmel. Seit ihm vor einigen Tagen von Seylarana Ryell die Nachricht von ihrer Abreise erhielt, spürte er, das etwas in ihm vorging, das er nicht mehr kontrollieren konnte. Er bewunderte diese junge Frau. Nie hätte er geglaubt, daß sie es jemals so weit schaffen könnte. Mit Argwohn hat er im Stillen ihre Beziehung zum Herzog von Britain verfolgt. Ein Adliger liiert mit einer Bürgerlichen. Das konnte nicht gut gehen. Zu unterschiedlich waren die Welten, aus denen sie kamen. Und seine Vorahnung hat ihn nicht im Stich gelassen. Kaum hatte sie die Hilfe des Herzogs gebraucht, ließ dieser sie fallen. Sie, die ihm, den Adligen, mehr als einmal das Leben gerettet hatte. Sie, die unvorstellbare Qualen ausgestanden, als ihr Geliebter für Wochen in den Krieg gezogen war.
Lange ist es her, daß er so empfand, wie in diesem Moment. Damals als seine geliebte Larissa und seine Tochter A'dala heimtückisch ermordet wurden, hatte er so gefühlt. Hass. Nur dieses Mal ist es anders. Kein Freund war da, der ihn aufhielt. Kein Grishkam, Qen des stolzen Volkes der Zwerge, war in der Nähe um ihn davon abzuhalten, sich ins Unglück zu stürzen. Kein Duban war hier, um mit seinem Rat zur Seite zu stehen. Seine Gedanken schweiften weiter ab. Für einen Augenblick gewannen die Erinnerungen an vergangene Zeiten die Oberhand. Aber der Hass war stärker. Der Hass auf den Mann, der sich selbst Herzog von Britain nannte. Ein weiteres Bild erschien vor seinem geistigen Auge. Er war im Inneren einer Taverne. Viele bekannte Gesichter waren zu sehen: Vadrak Larthay, der Templer, Sedrik Ralkon, als er noch jung und ungestüm war und ein junger Mann, der sich ihnen als Ritter Jarl vorstellte. Allmählich verschwamm das Bild wieder. "Zuviel Macht verändert einen Menschen", hat sein Vater ihm einst gesagt. Aber gab einem diese Macht das Recht, so mit den Gefühlen und dem Leben eines Menschen zu spielen? Unbemerkt hatte er die Hände zu Fäusten geballt und schrie in die Nacht hinaus. All seine Wut lag darin. Er hatte nur noch einen Gedanken und diesen schrie er laut aus sich hinaus: RACHE. Diesmal gab es niemanden der ihn daran hindern konnte.

Immer noch lag er im nassen Gras auf der Waldlichtung, wo er sein Nachtlager aufgeschlagen hatte. Irgendetwas schien nicht zu stimmen. Es war ruhig. Zu ruhig. Kein Käuzchen war mehr zu hören, kein Rascheln der Blätter im Nachtwind. Plötzlich erklang eine Stimme in seinem Kopf. "Lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet. Nun ist die Zeit gekommen, das einzufordern, was mein ist." Verwirrt und erschrocken zugleich sprang er auf und schaut sich in alle Richtungen um. "Wer bist du und was willst du von mir?" rief er in die Dunkelheit hinein. Die Stimme begann zu lachen. "Wer bist du? Was bist du? Zeig Dich!" schrie wie ein Besessener. Erneut erklang ein Lachen, das aber kurz darauf verstummte. "Ich habe geahnt das du es vergessen würdest. Das liegt in eurer menschlichen Natur. Der grosse Thorus, auf dem einst die Hoffnung aller Menschen hier ruhte um ihnen zuhelfen, die Pest zu bekämpfen. Doch um welchen Preis? Welchen Preis hast Du dafür zahlen müssen, um sie retten zu können? Das Kostbarste habe ich von Dir verlangt, das Du besessen hast. Deine Seele." Immerzu weiderholte die Stimme die letzten beiden Worte. "NEIIIIIIN", brüllte Thorus und sank zu Boden. "Nein, nein, nein." Seine Stimme wurde zunehmend leiser. "Ich bin hier um mir das zu holen, was schon seit langer Zeit mein ist. Du brauchst deine Kraft nicht zu verschwenden. Je stärker und länger du dich wehrst um so schmerzvoller wird es für dich werden." Neben ihm erschien wie aus dem Nichts kommend eine Gestalt, so schwarz wie die Nacht. Noch bevor er sie wahrnehmen konnte, verlor er das Bewusstsein.


Stunden später:
Ein einsamer Reiter steht auf einem Hügel. Sein Blick ist auf die aufgehende Sonne gerichtet. Blutrot lässt diese den Himmelerstrahlen. Wortlos setzt der Reiter sein Pferd in Bewegung, angetrieben dem Gefühl der Rache. Der Reiter wusste, das er erst wieder Ruhe finden würde, wenn er seine Rache vollzogen hat. Er würde ihn genauso leiden lassen, wie seine Freunde durch ihn gelitten haben.
Die Bauern, denen er unterwegs begegnete, wichen ihm ängstlich aus, sobald sein Blick sie streifte. Etwas verwirrt darüber, entschied er sich, sein Pferd in Richtung des kleinen Baches zu lenken. Langsam ritt er näher an das Wasser heran, und beugte sich hinab, um sein Gesicht zu betrachten. erschrockenen richtete er sich wieder auf. Das was er gesehen hatte, konnte unmöglich er sein. Die Augen in die er blickte, waren so kalt und gefühllos, das er vor sich selbst Angst bekam. Rasch verflog das Gefühl der Angst und ersetzte seinen Weg lachend fort. Die Zeit der Rache hat begonnen.

Thorus
01-07-2002, 20:36
Wie lange er in seinem Versteck ausgeharrt hatte, vermochte er nicht zu sagen. Ihm war jegliches Zeitgefühl abhanden gekommen. Eigentlich hätte er es wissen müssen, das dieser Feigling nicht kommen würde. Mit jeder Stunde, jedem Tag der vergangen war, wuchsen sein Hass und seine Wut weiter. Irgendwann, als seine letzten Vorräte aufgebraucht waren, kroch er im Schutze der Dunkelheit aus seinem Versteck. Es dauerte einen Augenblick, bis sich seine Augen an die Schwärze der Nacht gewöhnt hatten. Abseits der Wege kämpfte er sich durch das Dickicht des Waldes in Richtung Britain. Kurz vor Sonnenaufgang erreichte Thorus endlich sein Haus. Sorgfältig überprüfte er noch einmal die nähere Umgebung, bevor er die Lichtung betrat und auf sein Haus zuging. Zögernd schloss er die Tür auf und trat ein. Langsam ging er auf die große Kiste neben dem Kamin zu und öffnete sie. Sorgfältig verstaute er die Reste seiner Ausrüstung darin. Einen Augenblick zögerte er, doch dann nahm er einen großen roten Beutel und stellte ihn vor sich auf den Boden. Vorsichtig entfernte er den Staub, der sich darauf angesammelt hatte, bevor er den Beutel öffnete. Gekonnt legte Thorus die Lederrüstung, welche zum Vorschein kam, an. So ausgestattet, begab er sich auf den Weg nach Britain.

Die Stadt war menschenleer, lediglich ein paar Wachen und Händler waren zu sehen. Thorus ritt einige Zeit ziellos durch die Stadt, bis der den Entschluss fasste, die Gegend um die „Goldene Ente“ ein wenig zu beobachten. Aus sicherer Entfernung konnte er Eric und Abrydox erkennen. Er hob nachdenklich eine Augenbraue, bevor er sich auf den Rückweg zu seinem Haus machte.
Wenn sich Abrydox wieder in Britain aufhält, dann kann dies nur bedeuten, das entweder der Baron de Mar ihn begnadigt hat oder der Feigling, auf den ich tagelang gewartet habe, hat es irgendwie geschafft, den Baron zu besiegen.
An das erstere konnte er nicht so recht glauben, also konnte dies nur das zweite bedeuten. Wütend ballte er die Fäuste während er seinen Weg fortsetzte und knurrte dabei leise: „Noch ist es nicht vorbei. Du hast lediglich einen kleinen Aufschub bekommen.“