Terra Mystica | Foren

Terra Mystica | Foren (https://vbulletin.ultimaonline-freeshard.de/index.php)
-   Chroniken (https://vbulletin.ultimaonline-freeshard.de/forumdisplay.php?f=22)
-   -   Liebster Stern (https://vbulletin.ultimaonline-freeshard.de/showthread.php?t=57805)

Melien Vithran 07.10.2011 16:44

Liebster Stern
 
3 im Estif (Sommer) 1306

Liebster Stern,

nun, wo das Leben eine Wandlung vollbracht hat, beginne ich ein neues Buch, in welchem ich Gedanken, Geschehnisse, Eindrücke, Einfälle und noch so viel mehr niederschreiben möchte.

Die Wandlung, von der ich spreche ist in meinem Körper und Geist allgegenwärtig. Manches Mal sitze ich ganz still und ich merke, dass ich eigentlich laufen möchte. Das andere Mal laufe ich und würde gerne einfach dasitzen.
Ich habe schon einige Gedankenszüge von anderen Elfen hören und lesen dürfen, die ihre Gefühlswelt versuchten zu beschreiben in solch einer Situation. In der Situation wo man sich gegen die Eltern wendet. Gegen ihren Willen handelt und sie offensichtlich mit den eigenen Taten verletzt.

Dies ist eine andere Situation als die, die fast ein jeder Elf erlebt. Die Trennung vom Elternhaus ist wohl immer traurig, spannend, gefährlich und irgendwie hemmend. Doch findet man sich in das selbstständige Leben sehr schnell ein und man besucht die Schöpfer des eigenen Lebens ab und zu. Man schreibt Briefe und man erinnert sich an die schöne Zeit aus der Kindheit zurück um in einem nicht so schönen Moment lächeln zu können.

Wenn ich an einen schönen Moment zurückdenke, der sich in meiner Kindheit abspielte, dann sehe ich immer irgend Eine Situation, die mit Anon verknüpft ist.
Sei es, wie er mir beibrachte, wie ich eine Blume der Erde entnehme, ohne die lebensspendenden Wurzen zu zerreißen,
sei es, wie ich nass des Regens wegen heim kam und er mir die Haar trocken rubbelte,
sei es, wie er mich auf seinem Rücken umher trug, weil ich nicht mehr laufen wollte,
sei es, wie er mir den Mund zuhielt auf das ich keinen Ton von mir gab wenn "er" nachts wütete – weil etwas nicht so war, wie "er" es wollte… wie er mich schützte- immer und immer wieder!

Die Tatsache, dass Anon mich vor Jahrzehnten verlassen musste war wohl das Schlimmste, was ich erleben musste. Ich weiß es noch wie heute. Ich kam wie jedem Abend heim – und hatte mir, wie jeden Abend Zeit damit gelassen. Doch je näher ich dem Haus kam, umso mehr Gänsehaut überfiel meine Haut. Meine Sinne waren hellwach und es stieg eine gewisse Panik in mir auf. Als ich Mutter dann am Tisch sitzen sah und hörte wie Vater in Anons Zimmer wütete, indem er seine Möbel wohl zu Feuerholz schlug, wusste ich, es war etwas geschehen, was nicht in meinem Einfluss lag. Mutter hatte in all den Jahren kaum Worte gesprochen. Sie sprach das Wichtigste und jenes in einem doch eher abwesenden Tonfall. Vater erklärte mir, mein geschätzter Bruder seie nicht das, für das wir ihn gehalten haben – er habe es schon immer gewusst! Mehr war nicht aus ihm heraus zu bekommen. An Jenem Abend hatte er das erste Mal meine Zimmertür versperrt und Mutter ruhte ab jenem Abend mit in meinem Zimmer.

Nun, wo ich dies schreibe beginnt meine Hand wieder zu zittern. Eine doch sehr unangenehme Tatsache die immer geschieht, wenn Etwas in mir… wühlt. Daher werde ich aufhören aus der Vergangenheit zu berichten und bleibe lieber im Hier und Jetzt.

Ich wurde gut in Cerinor augefnommen. Anon ist… Anon. Nein – er hat sich verändert. Aber hin und wieder schenkt er mir ein warmes Lächeln und dann weiß ich, Anon ist noch immer Anon. Ich lebe bei ihm in seiner Wohnung und muss gestehen, er hat meine Gesellschaft nötig. Nicht nur, weil er zu viel arbeitet… auch, weil er noch immer keinen Sinn für das Einrichten hat. Er stellt Stühle an unmögliche Stellen. Dies weiß ich natürlich zu verhindern und versuche, mich so Etwas einzubringen.

Erst heute habe ich Itharilde, Samorel und Namatiel kennen lernen dürfen. Sie sind alle drei wirklich sehr herzlich und offen. Keiner schien irgendwie skeptisch oder kritisch. Es war natürlich ein eher oberflächliches Gespräch. Wir sprachen über unsere Aufgaben, über die Stadt, über … Essen, über die Elfen, die hier leben, über Kinder und über einen Handelsposten. Es kristlaisierte sich heraus, dass Itharilde und Samorel sich lieben. Und das sie wohl das einzige Paar unter den Elfen seien – ebenso, dass es in dieser wirklich riesigen Stadt keinerlei Kinder gibt…. Schockierend und interessant zugleich, hm?

Namatiel bot mir an, dass er mir heute noch den Handelsposten zeigen kann. Es ist wohl ein Ort, an dem die hiesigen Elfen mit den Menschen handeln. Ich bin neugierig auf diesen Ort und hoffe, dass ich Namatiel nicht verpassen werde. Es tut gut langsam Anschluss zu finden. Ich hoffe, Anon findet das ebenfalls gut.

Melien

Melien Vithran 08.11.2011 10:03


 
18 im Lorica (Herbst) 1306

Liebster Stern,

-------------------
Den Stern den ich heut' Nacht betracht',
war hell, gülden und rein.
Ich betracht' ihn Stund um Stund
saß dort, am Meer, genoss den Sternenschein.

Hell, gülden und rein wurd' gewandelt,
mein Stern er begann zu flimmern.
Geh' nicht! Ich bang' und flehte!
Bleibe bei mir!... es ward ein leises wimmern.

Er war fort - er ward' nicht mehr geseh'n,
mein Stern, du Prachtvoller, komm zurück!
Du große Mutter, du kraftvoller Stern
schenke mir den Stern voll und ganz in einem Stück.

Mutter Sonne sie lachte, sie schrie,
"Mein Kind du bist nich verlassen!"
Mein Gesicht es flimmerte, es war'd rein
"Oh Mutter, ich konnt' Ihn nicht fassen!"

"Mein Kind, der Stern des Nachtens ist gewahr!"
"Mein Kind fühle den Sonnenglanz!"
Meine Augen ruhten, meinem Geist wurd' bewusst,
Mutter Sonne spielt mit meinem Stern den Lebenstanz.

So sitze ich hier und vergess' die Trauer,
sehne herbei die sternenvolle Nacht,
hoffe das du, du Sternenbringer
dann bei mir bist, mein Stern würd' von dir betracht'.
-------------------

Jene Zeilen schrieb ich vor einigen Wochen nieder. Es war ein Moment, welchen ich nicht vergessen werde. Diese besonderen Momente im Leben die einen überrennen und viel zu schnell vergangen sind… und doch so viel in einem hinterlassen - solch ein Moment war Dieser.

Ich muss gestehen, diese Zeilen hielt sich ein paar Stunden vor mir und las… las… und las. Und ja, ich hatte sehr große Bedenken, die Zeilen tatsächlich an Jenen – den Sternenbringer – zu schicken. Und auch nun ist es mir unmöglich niederzuschreiben was ich denke. Warum? Weil meine Gedanken sich überschlagen. Würde ich ein Wort… nein – einen Buchstaben niederschreiben, wären meine Gedanken schon wieder ganz wo anders…. Sie sausen hin und her und es macht mich langsam verrückt…? Also umgehe ich das Thema Sternenbringer erst einmal…

Es ist Herbst – es ist kühl aber vor allem… und das habe ich noch nie erlebt – es ist überall und ohne Ausnahme unendlich nebelig. Der Nebel ist so dick und verhangen, dass er gar das meine Gehör beeinträchtigt. Ein wirklich hilfloses und einschränkendes Gefühl! Es ist mir so unangenehm, dass ich auf Cerinor verweile – schon einige Wochen… ohne die Insel zu verlassen. Eine Situation, die mir eigentlich gar nicht gefällt! War ich doch Daheim auch immer am selben Fleck dieser unendlich großen Welt und sehnte mich danach zu Reisen – kennen zu lernen – zu entdecken! Doch dieser Nebel…. er hemmt, er schränkt ein, er macht die Welt um einen herum so viel kleiner, enger.

Doch wenn ich an einen Moment zurückdenke, dann war der Nebel auch… angenehm. Denn diese Enge, das Eingeschränkte und die Tatsache, dass die Welt um einen herum „kleiner“ scheint war in dem Moment, in welchem mein Sternenbringer neben mir saß sehr… angenehm. Denn dadurch waren wir uns näher, als wir es wohl ohne Nebel gewesen wären. Der Nebel verschluckt so viele Geräusche aus der Ferne und dadurch blieb uns gar nichts anderes übrig, als nur uns zu… hören – und wahrzunehmen….

Es wird wirklich höchste Zeit, dass Anon wieder heim kehrt. Ich… brauche seinen Rat! Ich muss ihn fragen wie ich… verfahren soll.

Ich sollte meine Gedanken wieder zu einer anderen Gegebenheit lenken… sie beginnen, sich wieder zu überschlagen…

Die Magie? Das Heilen? Die Umbruchsstimmung und Uneinigkeit des Volkes hier auf der Insel?... Wenn ich an diese Themen nur denke, schweift mein Blick aus dem Fenster und bleibt an der Nebelwand hängen. Langweilen sie mich?... Ja, irgendwie schon…. Vielleicht, weil es nicht voran geht, vielleicht weil mir ein bestimmtes Thema verbietet an andere Dinge zu denken, vielleicht weil ich mich sorge? Ja und ja und ja!

Ich werde versuchen zu warten… auf die Rückkehr zweier wirklich… wichtigen Männer in meinem Leben. Mein Bruder und mein Sternenbringer – hoffentlich kommen sie bald wohlbehalten zurück.

Melien

Melien Vithran 18.11.2011 10:47


 
12 im Ronox (Herbst) 1306
Liebster Stern,

ich sitze hier, in einem kleinen Turmzimmer auf dem nackten Steinboden und bin trotz dieser Leere im Hause durchaus erfüllt – gar glücklich!

Wenn ich den Blick zum Fenster hebe, ist er noch immer da…. Dieser Nebel.
Es ist interessant zu ergründen, welch „Beziehung“ ich zu so etwas wie Nebel aufbauen kann. Zuerst hat er mich einfach gestört – denn ich konnte nicht mehr in die Ferne sehen. Wie gerne stehe ich am Strand und schaue auf das Meer hinaus um den Gedanken in meinen Kopf Platz zu geben. Aber dies ist mit Nebel unmöglich.
Dann hat mich der Nebel verängstigt. Verängstigt ist vielleicht ein zu starkes Wort, doch ist es wirklich „beängstigend“ wenn ich nicht mehr sehen UND nicht mehr so hören kann, wie ich es normalerweise kann. Wobei man aus dieser Situation auch sehr viel lernen kann. So weiß ein Jeder von uns diese Sinne, wie wir nun einmal haben zu schätzen! Trotzdem und gerade deshalb habe ich es nicht gewagt Cerinor zu verlassen – ich wollte warten, bis der Nebel sich verzogen hat. Doch verzog er sich nicht! Und dies hat mich nun nach Wochen auf der einen Seite ärgerlich und auf der anderen Seite auch verzweifelt gemacht. Was ist das für ein Nebel?! Warum ist er da?! Warum geht er nicht?! Ist es _normal_? Nein… einen Jeden, den ich frage, hat solches noch nie erlebt. Und einige von Jenen leben seit Jahrhunderten auf dieser Welt… also kommt dieser Nebel nicht von Mutter Natur…!...?
Es ist eine Sache, die mich beunruhigt- scheinbar mehr beunruhigt, als Andere.

Doch gibt es durchaus auch Positives zu berichten – wobei ich das aufregendste erst am Schluss schreiben möchte……

Anon ist wieder im Lande und wir haben bereits einige Zeit gemeinsam verlebt. Ich glaube, dass niemand, der einen großen Bruder hat weiß – wie es sich anfühlt. Nun, wie soll er auch? Aber ich bin der festen Überzeugung, dass die Zusammenstellung „Großer Bruder – kleine Schwester“ etwas ganz besonderes ist! Denn es ist Etwas … das die Naturinstinkte im Manne weckt – und natürlich auch in der Frau.

Die Beziehung zwischen großer Schwester- kleiner Bruder ist oftmals lediglich in der Kindheit intensiv. Denn die große Schwester sieht in ihrem kleinen Bruder eine Zeit lang als „Puppe“ als Wesen, dass es zu umsorgen gilt. Aber dann wird der kleine Bruder oftmals „lästig“ denn er ärgert, wird frech, hat seltsame Phasen und auch sonst ist das Mädchen dem Jungen oft geistig voraus und das sie dann auch noch älter ist – ist oftmals „ungut“ für die Beziehung.
Sind es zwei Mädchen ist es oftmals so, dass sich die Mädchen als Konkurrentinnen sehen. Wer ist hübscher, wer ist klüger, wer bekommt mehr Aufmerksamkeit des wichtigsten Mannes (dem Vater), wer bringt mehr Leistung, wer hat mehr Freunde – es wird geliebt! Natürlich – das ist zwischen fast jedem Geschwisterpaar so, doch es wird auch sehr viel verglichen und ausgestochen.
Zwischen einem männlichen Geschwisterpaar ist es ähnlich wie zwischen einem Weiblichen. Der Unterschied ist lediglich, dass es oftmals zu „Revierkämpfen“ kommt. Unter den Waldelfen ganz sicher extremer als unter uns Hochelfen. Aber auch bei uns ist es oftmals so, dass sich Männer untereinander messen. Sicher – oftmals geistig! Aber auch das kann in einer Art „liebevoller-Kampf“ ausgetragen werden.
Ist der Bruder aber älter und die Schwester dementsprechend jünger, dann werden beide „Interessen“ der Geschlechter absolut gedeckt. Der Bruder ist „der Große“ der Beschützer, der Aufpasser und der, zu dem aufgesehen wird. Der zweite „geliebte Mann“ der kleinen Schwester, neben dem Herrn Papa. Und die Schwester wiederum ist das „Mädchen“ im Hause der Familie. Sie wird umhegt, geliebt und erhält, obwohl sie das zweitgeohrene Kind ist, eine Sonderrolle der Tatsache wegen, weil sie ein Mädchen ist.

Und genau so ist es wohl bei mir und Anon. Er ist älter als ich – weitaus älter. Ich weiß nicht ob es sich seltsam anhört, wenn ich den Gedanken niederschreibe. Aber irgendwie, ist er gar mehr Vater für mich, als mein leiblicher Vater es je war. Vater war oftmals nicht bei mir und wenn er es war, dann war er stets ernst, still, besonnen – wenig liebevoll. Das ist Anon auf dem ersten Blick auch! Er ist _sehr_ sachlich. Wenn man ihm aber Zeit und Raum gibt ist er der liebevollste und „tiefste“ Bruder, den man sich wünschen kann. Ich habe in Anon einen Bruder geschenkt bekommen, zu dem ich _immer_ gehen kann … egal was ist, egal in welcher Lebenssituation er sich gerade befindet. Und ich weiß, dass unsere Liebe besonders ist. Der Tatsache wegen, dass er mich „erzog“. Ich habe große – wirklich sehr große angst ihn irgendwie zu verletzen. Die Tatsache, dass Altintil sich immer mehr einen Platz in mein Herz gräbt ist eine neue Situation für uns – als Geschwister. Denn bisher war stets Anon mein… „Liebster!“. Das wird er auch bleiben- immer! Aber ich möchte nicht, dass er sich verstoßen fühlt, weil ich wen Anderen sehr sehr… mag.
Anon und auch Altintil geben sich reichlich Mühe miteinander. Es ist grausam zu betrachten, wie skeptisch vor allem Anon war… und auch noch immer ist. Aber das schaffen wir – da bin ich mir sicher… Und gerade nun, wo ich Altintil’s Namen niederschrieb… fällt es mir sehr schwer über solch – eher negative Dinge zu schreiben…

Eigentlich wollte ich es am Schluss schreiben- aber ich mag nicht mehr „warten“… Altintil ist etwas unheimlich-großes Besonderes für mich. Die Dichter und Sänger betiteln es als „Liebe“ – so vermute ich! Aber es fällt mir schwer dies einzugestehen. Altintil ist ein… ja, ein Nordelf. Er ist wirklich sehr sehr … vielfältig! Auf der einen Seite kann er wahnsinnig eitel dastehen und etwa Menschen abwertend betrachten… in anderen Momenten sitzt ihm der Schalk im Nacken und ich muss aufpassen keinem Lachanfall zu erliegen. Es gibt so viel Schönes an ihm und ich gebe mir große Mühe ihm das nicht zu sagen. Denn muss so Etwas nicht der Mann zu der Frau sagen?! Wie sähe es aus, würde ich ihm vorschwärmen, wie charaktervoll seine Augenbrauen sind?! Wie wunderschön weich seine Haut?! Wie warm seine Nähe?! Wie inspirierend seine Melodie?! Wie sehr mein Herz schlägt wenn er in meiner Näher ist?! ---- und und und---- ? Noch behalte ich es für mich… auch wenn ich mir sicher bin, dass er es das eine oder andere Male erahnt… meine Melodie und meine Wangenfarbe sprechen sicherlich für sich.
Und die Tatsache, dass er mich gestern küsste macht alles nur noch viel viel _viel_ schlimmer. Ich verstehe nun auch, warum Anon so … vorsichtig ist. Er ist momentan mein „klarer Blick“. Denn wenn ich Altintil betrachte, sehe ich _nur_ Gutes. Nur wundervolle Dinge… eigentlich würde ich einen Elfen anders behandeln, der so menschenfeindlich denkt. Denn ich mag die Menschen sehr gern! Ich hatte über Jahre hinweg eine innige, freundschaftliche Beziehung zu einem Menschen und weiß, wie tiefsinnig sie sein können! Doch bei Altintil… da lächle ich darüber und denke mir … naja, er hat eben noch keine so positive Erfahrung gemacht! Vielleicht wird er eines Tages merken, wie wundervoll manch Menschenwesen sind. Von daher ist es wohl wichtig, dass Anon seinen sachlichen Blick behält und „aufpasst“ – wie es große Brüder bei kleinen Schwestern eben machen…m?

Ich habe mir überlegt bei Zeiten in den Süden zu ziehen. Sathrion berichtete, dass dort auch Heiler eine Hilfe sein können. So werde ich meine Tasche packen und dort hinziehen, wenn ich gebraucht werde. AUCH wenn Altintil und Anon sich da prächtig einig sind, dass ich dies nicht tun soll. Was mich irgendwo ja auch ehrt- denn sorgen sie sich um mein Wohl.

Ich halte es hier auf Cerinor allerdings nicht mehr aus. Und auch wenn meine Sinne durch den Nebel beeinträchtigt sind – ich muss etwas erleben! Ich muss.

Melien Vithran 28.02.2012 11:25


 
10 im Glarim (Sommer) 1307

Liebster Stern,

der Herbst – die Zeit, in welcher augenscheinlich viel Leben von uns geht. In der die Bäume ihre herrlich bunten Blätter verlieren, in der alle Völker der Welt die letzte Ernte einholen, in der der Wind, mit geschlossenen Augen eingeatmet, kühl und fast schon winterlich riecht. Der Herbst im Jahr 1306 war ein Herbst in dem ich kein Wort niederschrieb.

Ebenso schrieb ich kein Wort nieder im Winter 1306/1307. Die Zeit in welcher die Wärme des Heimes aufgesucht wird. Die Zeit, in welcher viele Lebewesen der Welt kämpfen – um ihr Überleben kämpfen. Die Zeit des Schnees – die Zeit in welcher die ganze Welt wie verzaubert wirkt. Eine Zeit, die ich mag.

Auch im Frühling 1307 schrieb ich nichts nieder. Frühling – erwachen, leben, Freude, Feste, Liebe, Geburt… all die Jahrzehnte zuvor war vor allem der Frühling meine Lieblingsjahreszeit. Doch dieses Mal war der Frühling …

Nun ist Sommer. Die Zeit der Hitze, die Zeit der Dürre, die Zeit der dünnen Kleidung, die Zeit der Schönheit, der Brände – eine Zeit die von so viel Positiven wie auch Negativen bestückt ist. Die Jahreszeit, in der ich endlich einen Stift in die Hand nehme, um Gedanken, Vermutungen und Tatsachen nieder zu schreiben.

Wenn ich mir die letzten Seiten des Buches durchlese, malt sich ein Lächeln auf meine Lippen. Irgendwie scheint diese Zeit so lange vergangen – und doch ist es nicht einmal ein Jahr her.

Der Nebel ist verschwunden, der Süden aktuell kein Thema in unseren Gedanken, Anon… er war lange fort, dann war er wieder da und nun sah ich ihn schon wieder eine ganze Weile nicht mehr.

Bei dem Thema mag ich gern ein wenig ausschweifen, da es mich aktuell sehr belastet – was ich allerdings versuche zu verbergen.
Anon war, wie schon im vorigen Bericht niedergeschrieben, stets der „große Bruder“ für mich. Die Tatsache, dass er irgendwann verbannt wurde – war, wenn ich es heute betrachte – wie ein Schlussstrich dieser Beziehung. Natürlich liebe ich Anon noch sehr. Natürlich ist er in meinem Herzen verwurzelt – für immer und ewig! Natürlich krampft meine Brust vor Trauer und Wut wenn ich mich von ihm ungerecht behandelt fühle – oder, wenn ich das Gefühl habe, das Andere ihn ungerecht behandeln. Und genau dies ist der Fall!

Vorweg möchte ich betonen, dass ich Altintil _sehr_ liebe. Zu sehr, nehme ich an.
Würde ich ihn nicht so lieben, hätte es mich wohl nicht so verletzt. Er hat von einem Menschen erfahren, dass Anon eine Liebesbeziehung zu einer Menschenfrau hatte. Nebenbei sei erwähnt, dass Altintil den Menschen gegenüber nicht positiv gestimmt ist. Nun denn – dieser Punkt hat Altintil wohl wieder bewiesen, welch schlechter Elf Anon ist. Diese Menschenfrau ist verschwunden – und der Mensch vermutet, dass Anon etwas damit zu tun hat – und Altintil vermutet gar, dass Anon sie hätte umbringen können!!! Verzeih wenn die Schrift gerade nicht so feinfühlig geführt aussieht – aber diese bloße Vermutung regt mich schon wieder auf! Wie kann Altintil diesen Gedanken schon DENKEN?! Wie kann er davon ausgehen, dass irgendein Elf einen Menschen tötet – der Eifersucht wegen?! Das ist absurd! Diese Tatsache – das Altintil dieses dachte und sicher noch denkt hat mich…m… nennen wir es gehemmt. Ich habe wirklich versucht nicht zu zeigen wie wütend, verletzt und verzweifelt ich deshalb bin. Doch – natürlich wurde es bemerkt. Ich glaube, Altintil und ich hatten seit gut vier Wochen keinen „schönen Moment“ mehr. Alles was er sagte war in meinen Augen absolute Provokation – und scheinbar auch anders herum. Denn war auch er mir gegenüber… „anders“.

Die Tatsache, dass wir gerade von einem schwarzen Elfen terrorisiert werden macht alles nicht einfacher. Das ganze Volk ist gehetzt, erregt und empfindlich. Es wurde bereits getötet – und bedroht.

Meine liebe Avalin wurde von ihm aufgesucht. Sie hat sich so viele Vorwürfe gemacht… Avalin- ich habe noch nicht von ihr geschrieben!
Avalin begleitete mein Leben vom ersten bis zum etwa 85. Lebensjahr. Sprich, ich habe die Kindheit mit ihr verlebt. Dann zog sie mit ihrer Familie in ein fremdes Land… und wir verloren den Kontakt. Doch hat die Silberne wohl gewollt, dass wir zueinander finden. Denn eines Tages sah ich in ihre schönen Augen und ich muss gestehen… sie ist eine wunderschöne Elfenfrau geworden. Wie sich früher schon abgezeichnet hatte, ist ihr Weg tatsächlich der einer Schneiderin. Sie ist sehr feinfühlig, sanft im Gemüte, tiefsinnig, offen, entzückend und sensibel. Insgeheim bin ich gar ein wenig „neidisch“. Wobei dieses Wort zu negativ belastet ist, als dass es stimmen würde. Sie wirkt so weiblich-perfekt. Ich bin oftmals ein wenig durcheinander – ich sage manchmal Dinge aus dem Bauch heraus ohne nachzudenken – ich bin wohl weitaus impulsiver als Avalin es ist. Sagen wir es so – Avalin ist mehr „Dame“ als ich es bin. Das tut der Freundschaft aber gut! Ich glaube, wir ergänzend uns recht gut – wenn wir uns denn „lassen“. Ich weiß, dass Avalin sich sehr gut mit Altintil versteht. – Er hatte es mir gestern auch gesagt, dass er und sie näher zusammengerückt sind … der Umstände wegen. Ich vermute, das hatte ich bereits gemerkt und mich Avalin deshalb nicht ganz öffnen können. Ich möchte sie nicht in eine unangenehme Lage bringen. Und das sie viel Zeit mit Altintil verbringt ist doch gut – oder?!

Schlecht hingegen ist, dass ich sehr viel Zeit alleine verbracht habe. Ab und zu streunerte ich stundenlang durch die verschiedensten Wälder. Ab und zu merkte ich nicht einmal, dass es bereits dunkel war. Warum ich in den Wäldern war? Ich habe begonnen mich meinem „alchemistischen Geschick“ hinzugeben. Es ist entspannend und aufregend zugleich zu beobachten wie gewisse Kräuter – vermischt mit gewissen Wurzeln oder Sonstigem reagieren. Ich habe Stunden über Stunden in der Bibliothek gesessen und mir alchemistisches Wissen angeeignet. Ich vermute auf der einen Seite, weil mich dieses Thema brennend interessiert, andererseits aber auch um „zu fliehen“.

Das hört sich alles irgendwie sehr negativ an… eigentlich geht es mir aber gut! Es ist eben nur eine schwierige Zeit.

Mit Altintil konnte ich mich gestern aussprechen. Wir waren seit längerer Zeit einmal allein und hatten wohl beide das Bedürfnis darüber zu sprechen. Also taten wir es – und letztendlich… ist es einfach so, dass Altintil aber auch ich sehr starke Persönlichkeiten sind. Wir beide sind ein wenig zu „stark“ in unserer Meinung und das was Avalin etwa an Feinfühligkeit besitzt, ist bei uns beiden nicht so ausgeprägt. Daher ist es einfach so, dass unsere Meinungen, wenn sie verschieden sind, aufeinander rammen – wie Steinböcke aufeinander rammen wenn sie um ein Weibchen buhlen. Ich werde in der Zukunft versuchen … Altintil klar zu machen was mich verletzet oder beschäftigt – wenn es denn so ist. Er ist ein Mann… sehr selbstverliebt, selbstsicher und meinungsstark. Doch ist er auch ein liebender Mann – er kann verstehen, wenn er will… ich muss es ihm nur erklären und ihm danach meine Liebe zeigen… so wie gestern.

Nun steht erst einmal die Versammlung bevor in welcher wir Elfen uns wegen dem schwarzen Elfen beraten wollen. Wir tragen Wissen zusammen und versuchen Wege zu finden, wie wir handeln können. Es ist… irgendwie peinlich das EIN schwarzer Elf uns so terrorisieren kann! Wenn es ein ganzes Volk wäre… gut… aber EINER?! Wir werden sehen, wie sich alles entwickeln wird…

Melien

Melien Vithran 07.03.2012 10:07


 
28 im Glarim (Sommer) 1307

Liebster Stern,

es gibt nicht viel berichten – und doch gibt es Gutes zu berichten. Aus diesem Grunde nehme ich abermals Feder zur Hand und möchte niederschreiben was geschah.

Fangen wir damit an, dass der Dunkle nicht mehr unter den Lebenden weilt…. Dies ist erfreulich – das steht außer Frage. Doch wenn ich zurückblicke und darüber nachdenke ist all dies wirklich seltsam. Wer war er… was genau wollte er… und warum war er allein? Den Dunklen sagt man wirklich sehr viel Bosheit nach – und das mag auch stimmen… aber sagt man ihnen auch nach, das sie genau wie wir Hoch- oder Waldelfen gemeinschaftliche Wesen sind die in ihrer ganz speziellen „Familie“ hausen und leben. Es gibt hier und dort – vor allem unter den Hochelfen scheinbar Einzelne, die die Einsamkeit begleitet. Die die Nähe zu uns Anderen nicht unbedingt suchen – und doch nicht für immer darauf verzichten _können_. Es ist uns wohl naturgegeben, dass wir in einer Gemeinschaft leben – wie eigentlich jedes tiefsinnige Lebewesen auf dieser Welt. Also – wo waren seine Brüder und Schwestern? Warum handelte er allein – im Scheine eines Gottes? Ich sollte erleichtert sein und mich freuen, dass die Gefahr vorüber ist. Aber – ich kann dem Schein nicht wirklich aus voller Kraft meines Herzens trauen.

Wie er starb war umso seltsamer… und doch sehr plausibel.
Oftmals sang oder sprach er bardengleiche Worte: „bist makellos wie Sekal du, musst mir lassen meine ruh“, die uns eigentlich von Anfang an vermittelten, dass wir zu „perfekt“ sind um ihn zu töten. Scheinbar war er mit einer Art „Segen“ belegt, der ihn unverwundbar das „perfekte“ Wesen machte. Natürlich ist niemand von uns perfekt! Das ist unmöglich und wäre wahrlich langweilig – aber rein äußerlich sind wir Elfen wohl doch „perfekter“ als manch andere Rasse. Nun bis auf Ammrath. Ammrath… ist vernarbt. Brandnarben bedecken seinen Körper recht offensichtlich. Was seinem Mut und seiner Selbstsicherheit und seinem Können aber nicht an Perfektion nimmt! Doch war dies scheinbar der Schlüssel.
Denn… als der Dunkle vor Avalin stand und ihr das Messer in ihr Herz rammen wollte, war es das Schwert von Ammrath, welches durch des Schwarzen Brustkorb drang und das Herz spaltete…

Viele Leben hat der Schwarze genommen. Mir blutet das Herz wenn ich daran denke, dass eben jene Tote Familien hatten, Freunde, Geliebte… Jene, die nun in Trauer leben und mit sich und der Silbernen vereinbaren müssen, dass es ohne diesen Elfen weitergehen muss. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, würde es etwa Altintil… Avalin…Ammrath… Shayariel oder sonst einen Elfen nicht mehr geben, der in meinem Herzen lebt.

Ich habe ein Problem. Ich weiß nicht, ob es ein wirkliches Problem ist, aber diese Sache schwirrt täglich in meinem Kopf herum und lässt mich schwer ruhen. Vor einigen Tagen waren Altintil, Avalin, Armmath und ich auf einer Tropeninsel. Wir sind mit dem Schiff hinüber gereist und haben dort gegessen. Und ja – wir hatten wirklich viel Freude. Ich glaube die erste _wirkliche_ Freude, die wir zu viert verleben durften. Es kam dazu, dass wir im Meer schwammen. Zuerst nur Avalin und ich – dann kamen aber auch Ammrath und Altintil hinzu…. Und als ich Ammrath so ohne Oberbekleidung sah… kribbelte und zog es in meinen Fingerspitzen. Es ist so schwer zu beschreiben! Immer wenn ich sehe, dass irgendwer irgendwo verletzt ist oder… „unperfekt“, dann zieht es mich ganz magisch zu dieser Person und ich will… nein ich _muss_ helfen. Es ist wie ein kleiner „Heiler-Fluch“ würde ich sagen. Und ich glaube, wegen diesem… „Fluch“ diesem… Ziehen und Drücken… und meiner ab und zu doch zu… intensiven Art habe ich Ammrath überfallen. Ich wollte die Narben betrachten… berühren… ich wollte fühlen, ob seine Haut sehr spannt- sehr verwurzelt ist! Das beeinträchtigt den Bewegungsfreiraum und ich wollte ihn unbedingt salben! … Nun – das wollte er aber nicht…. Er scheint wahrlich sehr sehr sehr… geschändet. Nicht nur körperlich… auch geistig. Ich preschte also vor und… konnte nicht stoppen. Er „floh“ regelrecht vor mir und ich dummes Wesen folgte ihm und redete auf ihn ein… Bis er deutlich wurde. Es zog sich alles in mir zusammen als er mich schalt, mir sagte, ich solle es endlich sein lassen! Ich glaube meine direkte und irgendwie dümmliche Art hat den ganzen Abend kaputt gemacht. Wir stiegen wieder auf das Boot und segelten nach Cerinor zurück. Und ja- Ammrath und ich haben uns ausgesprochen. Er hat sich entschuldigt und ich auch… aber… es schwirrt in meinem Kopf herum… es zieht in meinem Magen und ich habe mich sogar dabei erwischt, wie ich Salben anmischte mit den Gedanken bei Ammrath- bei seinen Narben. Ich _muss_ und ich _will_ ihm helfen… aber ich weiß nicht wie. Ich kenne Ammrath nicht lang genug um ihn „zwingen“ zu können. Ammrath ist „nordisch“ er ist kräftig er ist in seinem ganzen Ich diszipliniert, ruhig, beobachtend, sehr schlau! Ich habe ihn wirklich sehr sehr gern! Vielleicht zu gern. Und das macht es mir nicht leichter. Ich werde versuchen, es mir nicht anmerken zu lassen. Ich möchte ihn nicht ganz in die Flucht schlagen… mit meiner Art.

Melien

Melien Vithran 13.11.2013 13:56


 
Es ist der 2 im Lorica (Herbst), des Jahres 1312


Liebster Stern,

fünf Jahre sind im Leben eines Elfen keine lange Zeit. Für ein Buch, das fünf Jahre auf einem Schreibtisch liegt und nicht geöffnet wird allerdings eine sehr sehr lange Zeit. Der Staub lag fingerdick auf dem Buchdeckel und verwehrte es mir auf dem ersten Blick zu erkennen, welches Buch genau auf dem Schreibtisch lag.

Mein Stern… wohl eine Art Tagebuch, das ich einst führte. Ich nahm mir die Zeit zu lesen, was ich schrieb… Anon, Altintil, Itharilde, Samorel und Namatiel, Sathrion, Munar, Avalin, Liandrel, Ammrath, Shayariel… alles Namen, welche in diesem Buche stehen. Brüder und Schwestern – Geliebte, wirklich tiefsinnige Freunde. Flüchtige Bekannte und mysteriöse Bekanntschaften…. Doch alle hatte gemeinsam, dass sie zu meinem damaligen Leben gehörten – damalig; vor über fünf Jahren.

In diesen fünf Jahren habe ich andere Brüder und Schwestern kennen lernen dürfen. Ich war stets Reisende… es braucht viel Zeit eine tiefgehendere Beziehung zueinander aufzubauen – vor allem bei uns Elfengeschöpfen, mag ich behaupten. Und so war ich stets die, die zwar akzeptiert und gemocht wurde – aber nie wirklich integriert war. Nach meinem Fortgang aus meiner alten Heimat habe ich eine „Nähe“ nur wirklich hier auf Cerinor erleben dürfen. Altintil als mein Partner, Anon als mein Bruder, Avalin als meine engste Freundin. Ammrath als engen Vertrauten. Itharilde, Samorel, Munar, Liandrel und Shayariel als Freunde. Mit Namatiel war ich gut bekannt… und ja, ich sehnte mich nach diesem Verbund.

Ich betrat Cerinor mit Erinnerungen der Vergangenheit im Herzen – und ach, es hat sich viel verändert. Es gibt scheinbar Botschaften anderer Völker auf der Insel. Es gibt einen abgesperrten Bereich – aber vor allem; und das ist entscheidend; gibt es viele neue Gesichter, die ich nicht zuordnen konnte.

In einer Taverne hier auf Cerinor, im Haus der Bibliothek, saßen sie – mindestens 12 Brüder + Schwestern. Der Raum war von Wärme erfüllt, die Melodien kreisten im harmonischen Einklang… und dort, mitten in diesen unbekannten Gesichtern erkannte ich doch durchaus Bekannte! Munar, Samorel und Itharilde – scheinbar haben diese Jahre der Abwesenheit bei Samorel und Itharilde Spuren hinterlassen. Entweder sie haben mich nicht wirklich bemerkt, oder sie sind gar Bös‘ auf mich? Wirklich freudig hat mich nämlich nur Munar begrüßt – wobei Munar kein gefühlsdurchfluteter Elf ist… für eben seine Verhältnisse war es tatsächlich freudig. Samorel stellte sich mir vor, als würde ich ihn nicht wirklich kennen – oder hat er mich gar vergessen? Und Itharilde kam in den Raum und beachtete mich nicht… doch ich kann mir vorstellen, dass sie mich einfach nicht sah – war es doch so voll!

Ich habe diese Gemeinschaft allerdings nicht lange ausgehalten. Neben dem ganzen Neuen prasselten nämlich auch alte Erinnerungen und Gefühle auf mich ein… das Gefühl des Verlustes war wohl das mächtigste was kombiniert mit ein wenig Selbstmitleid und Einsamkeit unheimlich quälend ist. Altintil und Avalin sind fort – was durchaus plausibel ist. Zwar war Altintil mein Partner und Avalin meine liebste Freundin – doch waren eben auch diese zwei Elfen in enger Freundschaft miteinander verbunden… vielleicht gar so eng, wie meine Freundschaft zu Avalin war. Dies vermag ich nicht einzuschätzen. Die Trennung zwischen Altintil und mir hat es uns Dreien fast unmöglich gemacht „normal“ weiterzuleben. Was auch immer normal sein soll… aber es war natürlich nicht mehr so, wie es all die Jahre zuvor war. Ich ging fort – flüchtete eventuell vor all dem und nun sind sie fort. Natürlich hoffe ich, dass ich sie einst wiedersehen werde… aber sie haben sich – sie sind zu zweit eine Art Gemeinschaft; eine Familie. Hätte ich Altintil oder Avalin auf meiner Reise an meiner Seite gehabt, hätte ich wohl anderswo ganz neu begonnen… und so vermute ich, tun sie es nun irgendwo in der Ferne.

Und nun sitze ich hier in meinem verstaubten Wohnraum an meinem verstaubtem Schreibtisch und schreibe in das Buch, das ich vom Staub befreite, bevor ich es vorhin aufschlug.
Ich hoffe sehr, dass ich ein Stück Vergangenheit loslassen kann. Die Zukunft kommt… mit großen Schritten und lässt sich nicht aufhalten. Und nun liegt es an mir, ob ich der Zukunft mit ebenso großen Schritten entgegen trete oder doch lieber schleiche…

Melien

Melien Vithran 17.03.2014 08:41


 
Es ist der 19 im Wyzzin (Winter), des Jahres 1313

Liebster Stern,

ich darf mit Stolz verkünden: meine Wohnung ist staubfrei. Es wäre ja auch ein wenig seltsam, sähe es hier noch immer so aus, wie vor über einem Jahr – an dem Tag, als ich den letzten Eintrag schrieb, nicht wahr?
Trotz meines guten Willen, trotz meiner ganzen Wünsche und guten Vorsätzen, lebte ich das letzte Jahr zurückgezogen. Ich habe hier und da meine Schwestern und Brüder aus dem Fenster heraus beobachtet. Aber war mein Interesse echt…? Nein.

Es braucht Zeit gewissen Kummer zu verarbeiten. Diese einfache und doch so ehrliche Lebensweisheit hat Liandrel in seiner unbedachten Art und Weise verkündet. Und damit hat er wohl recht. Vielleicht ist es bei uns Elfen so, dass wir weitaus mehr Zeit zum Trauern brauchen als etwa der Mensch? Wir haben viel mehr Lebenszeit… was sind da schon 3-4 Jahre?! Die Tatsache, dass ich meinen Seelenfreund Altintil und meine liebste Schwester Avalin verloren habe, nimmt mich noch immer mehr mit, als ich es zuvor eingestehen wollte. Sicher, wir sind alles Geschweister – und ich weiß, es gibt da draußen Elfen, denen ich was bedeute… aber diese beiden Elfen waren mein Herz, mein Geist, mein Leben… Meine Gedanken waren nur bei und mit ihnen. Mit Altintil war es nach all der Zeit so schlimm gewesen, dass sich unsere Melodie anpasste… umso schmerzhafter diese Melodie nicht mehr zu vernehmen… sie ist weg… und ich weiß nicht wo.

Liandrel berichtete, wieder sehr unbedacht und ehrlich, dass Avalin und Altintil gemeinsam aufgebrochen waren – mit einem Zwinkern tat er es und fügte hinzu, dass es noch weitere Männchen gäbe…. Waldelfen… sie verstehen einfach nicht, wie es ist _einen_ Elfen zu lieben – vollkommen und rein. Liandrel geht sicherlich davon aus, dass ich der körperlichen Liebe und der Nähe nachweine… dem ist nicht so.

Und doch stach der bloße Gedanke in mein Herz… die beiden wären nun vereint – in einer Art Seelenliebe?! So etwas nennt man wohl Eifersucht? Ein Gefühl, dass ich noch nie verspürte. Es verwirrt mich – denn ich möchte den beiden nur das Beste der Welt… und wenn das Beste nicht ich bin – sondern die beiden… zueinander gewandt, dann sollte ich es akzeptieren und ihnen alles Glück gönnen. Ich versuche es… tagtäglich.
Ich berichtete bereits, dass ich Liandrel traf. Leider nur sehr kurz – und doch hat das kurze Treffen gereicht, schöne Erinnerungen von früher wach werden zu lassen. So anders wir im Grunde auch sind ist es wunderschön, ihn zu kennen. Vielleicht gerade deshalb, weil wir so verschieden sind und uns doch irgendwie akzeptieren ist es so einfach mit ihm… so unkompliziert und ehrlich.

Neben Liandrel traf ich Samurel an. In meiner Erinnerung ist er ein sehr musischer Elf. Ein Künstler, der irgendwie Tiefsinnigkeit ausstrahlte. Ehrlich gesagt war mir nie wirklich bewusst, dass er auch die Klinge führt. Doch er tut es – und dies scheinbar sehr gut. Denn er führte die Elfen im Süden an. Scheinbar traf ich an einem Zeitpunkt in sein Leben, an dem eine Wandlung oder tiefergehende Entscheidung seinerseits nötig war. Denn nun habe ich vernommen, dass er sein Amt niedergelegt hat. Eine Entscheidung die wir alle respektieren müssen. Eine Entscheidung, die ich sogar verstehe. Er ist kein über Jahrzehnte ausgebildeter Klingentänzer. Im Grunde ist er Künstler – wobei das Schwertführen natürlich auch eine Kunst ist! Aber… auch ich nenne mich nicht Meisterin der Alchemie, weil ich es nun seit ein paar Jahren erlerne… ich würde auch keine Alchemieschule oder etwas in der Art führen wollen – noch nicht. Alles was wir tun – unsere Berufungen – müssen erlernt werden. Über Jahrzehnte oder Jahrhunderte hinweg! Und wir haben die Zeit… also sollten wir uns sie auch nehmen.

Mein fast direkter Nachbar ist nun der Heiler… ich habe mich bereits ein wenig mit ihm ausgetauscht und gerade, weil wir beide ohne Hilfe der Magie heilen – ist er so interessant und bereichernd für mein Leben…. Wissen aneignen und weitergeben – das ist etwas, das ich liebe… und daran halte ich mich nun fest um nicht mehr trauernd am Fenster sitzen zu müssen und das Leben an mir vorbeistreichen zu lassen.


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 16:06 Uhr.