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Alt 07.01.2005, 12:11
#10
Yanya Larthay
Reisender
 
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Beiträge: 72
11 Ador 1285

Der Tag gestern war sehr, sehr ereignisreich und mit einer Vielzahl von aufregenden Vorkommnissen gefüllt. Ich werde versuchen, mich an alles genau zu erinnern:

Laniria, die Gemüsehändlerin ein Stück die Straße hinauf hat sich mit Dorian angefreundet. Sie hat selbst drei kleine Kinder, alle in Dorians ungefährem Alter. Der Sommer zieht ins Land und es ist wunderbar warm draußen. Die vier toben den ganzen Tag draußen herum. Laniria ist ein Schatz, sie passt oft auf Dorian auf, damit ich, wie sie sagt noch ‚genügend Raum für das Leben’ übrig habe. Lieb von ihr, nicht wahr? Wenn ich ihr mit schlechtem Gewissen beichten will, dass es mir fast unangenehm ist, lacht sie mich bloß mit ihren Blauaugen aus und meint, vier Kinder sind ohnehin besser, dann kriegen sie sich nicht so schnell in die Haare, weil sie immerhin immer auch in Zweiergruppen spielen können. Auf jeden Fall kann ich sicher sagen, dass es Dorian gut geht.

Ich beobachte ihn immer sehr genau, um zu merken, wie viel von all den Verwirrungen und Ortswechseln der letzten Jahre in seiner kleinen, sonnigen Seele haften geblieben sind. Ich bin heilfroh darüber, wie gut er alles zu meistern scheint. Eigentlich erstaunlich, wie viel Kraft so ein kleines Wesen hat. Ich genieße diese Tage und unternehme sehr viel mit Angelina. Dorian scheint es wiederum gut zu tun, endlich einmal oft unter Kindern sein zu können.

Manchmal sieht er mich abends, wenn wir nebeneinander gekuschelt liegen und ich ihm erfundene Geschichten erzähle, von sprechenden Tieren und hübschen Prinzessinnen und all so etwas, auf einmal ernst an und verlangt mit seiner artigen, lieben Stimme, ich solle ihm von Mama und Papa erzählen. Nun, und das versuche ich dann eben so gut ich es vermag. So behutsam es geht, denn ich will ihm nicht erzählen von Vadraks Bündnis mit Pumar, dem Schatten oder seiner Halbschwester Annabelle. Noch nicht.. dafür ist er einfach noch zu klein und ahnungslos. Ich hoffe bloß, er hört das auch nie anderswo. Im Moment lebt er ja noch sehr behütet und beschützt, aber falls wir Angelinas und meinen Plan wahr machen wollen..

Oh ja, das war das beste überhaupt gestern! Wir trafen uns durch Zufall im Lachenden Tala und sprachen darüber, wie wunderbar es wäre, wenn wir nebeneinander wohnen könnten. Und wirklich könnte das wahr werden.. ich wage gar nicht, es mir vorzustellen. Ich könnte einfach aus meiner Türe spazieren und wäre nach ein paar Schritten schon bei Angi.
Neuerdings habe ich gelernt, Vanyo anders zu behandeln, nach Art von Angelina, oder der Elfen, je nach Sichtweise. Er folgt mir tatsächlich auch ohne Halfter. Seelenruhig trabte er hinter mir her, als wäre daran gar nichts Besonderes. Mein Herz macht dabei jedes Mal einen Sprung. Ist es nicht schön, wenn einem so viel Vertrauen entgegengebracht wird?
Angelina hat mich dann zu Bolwen Govaine begleitet. Mit ihrer Hand, die meine umschlossen hat, war dieser schwere Gang ein klein wenig leichter. Der Major war sehr höflich zu uns, es ist interessant wie gut seine Wortwahl den Kern der Sache trifft. Ob ich Melina um eine Versöhnung bitten soll? Vielleicht wäre es wirklich an der Zeit.. ich werde mal mit Angelina darüber reden.

Wir saßen dort also in unseren Stühlen, dem Major gegenüber. Mein Mund fühlte sich ganz eigenartig an, wie ausgetrocknet. So geht es mir jetzt immer, wenn ich von Vio sprechen soll. Ich bekomme ein flaues Gefühl im Bauch, als hätte mich jemand getreten.

Bei Major Govaine erfuhr ich von einem Mann, der als Vorian Elion bekannt war. Melina schrieb mir ja bereits, die Garde hätte einen Mann eingekerkert, vor dem Mama sich gefürchtet haben soll. Das eigentlich Seltsame ist: jener Mann starb in seiner Zelle.
Mir wurden noch viele andere Fragen gestellt, über Arian Karex beispielsweise. Ich habe Major Govaine alles gesagt, was ich mir dachte. Er fragte mich irgendwann mit seinem offenen Blick, ob ich es für möglich hielte, dass Arian Karex etwas mit Mamas Verschwinden zu tun haben könnte. Ich sagte, ich hielte es für möglich, aber würde es nicht glauben. Angelinas Händedruck war mir während der ganzen Unterhaltung die größte Hilfe.. Ich will niemanden fälschlich beschuldigen, das musste ich auch noch los werden.
Was folgte war noch das Versprechen, mir sofort jeden Hinweis über Mama zukommen zu lassen, das auch ich dem Major gab. Dann geleitete er uns zur Türe.

An dieser Stelle sieht man, dass die Feder abgesetzt wurde.


Ich glaube mit mir stimmt etwas nicht ganz. Was ich da eben geschrieben habe ist nicht wahr. Zumindest fehlt ein sehr wichtiges Stück: dieser Mann war ein Unsterblicher!! Angelina erzählte mir von ihnen!! Was ist nur mit mir los? Wie konnte ich das vergessen? Es ist doch der wichtigste Punkt.. jetzt fällt mir alles wieder ein.. aber nun der Reihe nach.

Man sieht an der immer steiler werdenden Handschrift, wie Yanyas Feder immer schneller über das Papier gezeichnet hat.

Mit einem Mal wurde mir schwarz vor Augen. Ich musste mich sehr beherrschen, um es weder Angi noch den Major merken zu lassen. Eine Welle von Zorn stieg in mir hoch. So etwas habe ich noch nie erlebt, ich konnte kaum mehr sehen, so.. blind war ich vor Wut auf diesen Unbekannten, der meiner Mutter solche Angst gemacht hat. Ich stellte mir vor, was ich mit ihm gemacht hätte, wäre er nicht gestorben. Draußen empfing uns die angenehm kühle Luft des Sommeranfangs. Wir liefen auf dem schnellsten Weg zum Tala. Und dort offenbarte mir Angelina ihr Wissen.. sie hatte mir schon einmal von den ‚Unsterblichen’ erzählt, wie sie es nannte. Immer senkte sie dabei ihre Stimme und wisperte mir alles in furchtsamem Ton zu. Sehr untypisch für meine mutige, beherzte Angelina. Es scheinen wirklich sehr gefährliche Wesen zu sein. Sie sind nur des Nachts draußen und haben Furcht vor Feuer. Außerdem fallen sie Menschen an.. aber das habe ich irgendwie nicht richtig verstanden. Erst hielt ich ihre Erzählung für einen Schwindel, aber sie sah so ernst und angstvoll aus.. es ist denke ich Wirklichkeit.

Es läuft mir ein seltsamer Schauder über den Rücken, sogar wenn ich nur davon schreibe. Gut, bei Tom drüben brennt noch Licht.. es ist wirklich unheimlich, hier alleine in dem Haus zu sein und es ist gerade Nacht. Das Holz knackt bedrohlich und ich zähle die Geräusche mit. Eben dachte ich, jemand steigt durchs Fenster ein.. es war aber nur ein Stück Feuerholz, das zerborsten ist. Dorian schläft, aber ich sehe Schatten am Fenster.. grauenhaft. Ich muss weiter schreiben, sonst fürchte ich mich zu Tode.

Angelina berichtete mir flüsternd und mit bohrendem Blick, Vorian Elion sei derselbe Mann, der versucht hat, ihren Vater zu töten! Ist das nicht unglaublich?

Erst dort im Gasthaus konnte ich meinem Zorn Worte verleihen. Ich weiß nicht, woher die Idee kam, Artes nach diesem Mann in der Zelle zu fragen, vielleicht dachte ich einfach, als Leibwächter würde er auch einiges an Gerüchten aufschnappen. Fauchend gab ich Angi Kontra, als sie mich mit erhobener Stimme bat, das nicht zu tun. Sie findet Artes gefährlich und hat wohl den Eindruck gewonnen, er sei verschlagen und wolle mir nur Böses. Ich war nicht auf Angelina böse, als ich sie so anzischte, ich wollte nur, dass sie verstand wie wichtig es für mich ist, endlich Klarheit über Mama und ihr Schicksal zu erlangen. Sie wollte mich dringend an einen anderen Ort bringen und zog mich herrisch an der Hand Richtung Türe. Angelina ist leider ziemlich kräftig, ich bin ihr in so etwas immer unterlegen und versucht nur noch halsstarrig, mich dagegen zu stemmen. Da stolperte ich über den Saum meines Kleides und stürzte auf den Boden. Irgendwie konnte ich mich noch abfangen, so dass der Aufprall nicht allzu stark war. Nun war es aber völlig vorbei mit jeglicher Gelassenheit, ich klopfte mein Kleid ab und japste nach Luft. Da bot eine mir bekannte Stimme mir mit ausgesuchter Höflichkeit an, mir aufzuhelfen. Du ( bald muss ich dir einen Namen geben, ich fühle mich albern.. wie wäre es mit.. Nell? so hieß eines von meinen Stofftieren früher.. ) kannst dir nicht vorstellen, wie eisig mir von einem Moment auf den anderen war. Erst warf ich einen vorsichtigen Blick über die Schulter, aber er war es wirklich. Artes reichte mir lächelnd die Hand.

Ich wisperte Angi böse zu, ob sie wisse was das Sprichwort ‚wenn man vom Teufel spricht’ bedeutet und bat ihn um ein Gespräch, doch es sollte an einem anderen Ort stattfinden als mitten in der vollen Taverne. Ich spürte die Blicke vieler schon auf uns und wollte nur noch rasch hinaus an die Luft. Angelina protestierte erst ausgiebig, dann beharrte sie darauf, wenn ein Gespräch stattfinden sollte, würde sie auch dabei sein. Der ruhigste Ort in ganz Britain ist natürlich der Stadtpark, dort liefen wir also hin.

Ich ließ mich müde auf einer Bank nieder, das ganze Gerangel war erschöpfend und die Suche um Mama zermürbend. Angelina verharrte zwei Schritte weiter, ich wandte mich nun also an Artes und berichtete ihm erst von Mamas Verschwinden und dann von dem Mann im Kerker. Ich muss wirklich sehr erschöpft gewesen sein, denn ich kann mich nicht mehr sehr genau erinnern, was er mir geantwortet hat, als ich ihn nach Gerüchten fragte. Scheinbar bin ich dann kurz eingenickt. Als ich wieder aufwachte, war er verschwunden. Wie vom Dunkel verschlungen..

Immer noch hatte ich das Gefühl, nur einen geringen Teil der vorhandenen Luft einatmen zu können. Ich fühle mich wie zugeschnürt und bat Angelina nur noch bittend um Ablenkung. Wir entschieden uns für die Übungshalle. Damit begann eine weitere Fechtstunde. Angi warf mir ihr Holzschwert zu und grinste bis zu den Ohren. Sie ist wirklich ausgesprochen hübsch und anziehend wenn sie so herausfordernd tut. Wir wissen natürlich beide, dass ich nicht sehr viel Chance hab, gegen sie zu bestehen. Nun ja, Übung macht den Meister, nicht wahr? Ich zog mich seufzend um ( eigentlich trage ich ja ungern Hosen, aber im Kleid zu kämpfen ist recht unpraktisch ). Als ich mich Angi wieder zuwandte, trug sie mir auf, ich solle versuchen, sie zu treffen mit dem Holzschwert. Das klingt recht einfach, stellt sich aber bei intensivem Üben als ganz schön schweisstreibend heraus. Angelina wich mühelos all meinen Schlägen aus, nur zweimal schaffte ich es doch irgendwie, sie zu treffen. Wenn man ihr beim Kämpfen zusieht, wirkt es wie ein Tanz. Meine Art zu kämpfen ist bestenfalls ein Hüpfspiel für Kinder fürchte ich.. nicht sehr anmutig. Mein Ziel ist aber auch nicht, Schwertreiterin von Yil’Dan zu sein. Ich will mich im Notfall nur ein wenig verteidigen können um nicht völlig wehrlos zu sein. Es war spaßig, dieses Spiel, aber wir wurden unterbrochen von zwei Neugierigen. Auf solche Unterhaltungen hatte ich keine Lust, ich trollte mich nach draußen zu meinem wunderbaren, pechschwarzen Vanyo. Verspielt schnaubte er und ließ mich ihn bereitwillig streicheln. Ich berichtete ihm verschämt von meiner abermaligen Niederlage. Da spazierte plötzlich ein Junge, der wohl auch um die siebzehn Jahre sein muss um die Ecke und verlangte frech, er wolle wissen, ob das Pferd der Gans gehöre. Erst dachte ich ich höre nicht recht. so ein dahergelaufener Bengel! Er meinte mit der ‚Gans’ Angelina, die einen Augenblick später herausspaziert kam und dieses Bübchen prüfend musterte. Sie führten einen Wortwechsel, der mich verwirrte, andauernd war die Rede von Kerker. Angi erklärte mir dann rasch, der Bengel habe einen der Yil’Daner in den Schritt getreten und ihren Vater beleidigt.
Ein ganz schön starkes Stück oder? Angelina und ich gaben ihm freche Antworten, als er anfing, frech zu werden. Kannst du dir denken wie das endete? Natürlich hat meine todesmutige Angi ihn zum Kampf aufgefordert. Neugierig kletterte ich auf einen der Baumstammstümpfe, die den Ring säumen und sah ihnen zu. Erst schlug Angi sich ganz gut, aber ich glaube sein ‚Stil’ ( wenn man das so nennen kann ) hat sie ziemlich verunsichert. Kein Wunder, er kommt wohl von der Straße. Mit einem Mal lag Angelina schon zu Boden gedrückt. Das konnte ich natürlich nicht tatenlos mit ansehen!

Ich schlich von hinten herum und versuchte, ihn mit den Armen zu würgen. Das muss ein recht komisches Bild abgegeben haben, aber ich muss nun einmal jede Möglichkeit ausnutzen, nicht? Für Faustkampf bin ich zu untrainiert und zu klein. Triumphierend merkte ich, wie ihm die Luft ausging. Es gelang ihm aber auch nicht, mich abzuschütteln, ich ließ ihn dann doch noch los. Nach dieser körperlichen Verausgabung waren wir alle drei wieder versöhnlicher gestimmt.

Unsere Unterhaltung schien Neugierige anzuziehen, schon wieder betrat ein fremder Mann die Übungshalle und sah uns interessiert an. Mit Angelinas Ausdauer hab ich nicht gerechnet, sie stürzte sich gleich in den nächsten Kampf, während Taro, so heißt der schmutzige, freche Junge, und ich von der Seite her zusahen.

Angelina verlor leider auch hier, vielleicht liegt es daran, dass sie später im Tala der Hafer dann so gestochen hat. Wir schlenderten zu viert hin, Lyrens, der Neugierige von eben, tischte uns Wein auf. Ich trinke ja nicht zum ersten Mal welchen, allerdings geb ich mir immer Mühe, es nur ja nicht zu übertreiben. Manchmal mag ich das angenehm warme Gefühl im Bauch und die gelöste Stimmung, die Rotwein bei mir auslöst, aber an dem Tag war mir eigentlich nicht besonders danach. Taro, dieser Frechdachs und Angi, die den Wettkampf natürlich auch nicht lassen kann, beschlossen begeistert, um die Wette zu trinken. Ich fand mich auch darein, aber nur weil ich meine beste Freundin nicht im Stich lassen wollte. ( Außerdem hatte ich genug gegessen, so dass ein oder zwei Gläser Rotwein mir schon nicht schaden würden. ).

Übermütig und mit funkelnden Augen stürzten wir den funkelnd roten Wein hinunter, während Lyrens nur belustigt zusah. Es brauchte nicht viel mehr, und Angelina war stockbetrunken. Im Nachhinein könnte ich mich Ausschütten vor Lachen, weil sie wirklich süß ist, selbst angetrunken, aber zu dem Zeitpunkt reizte sie meine Geduld ziemlich aus. Erst warf sie sich mal auf mich zu und schwörte mir ihre Liebe, das war ja noch das Harmloseste! Ich wollte sie dann vorsichtig dazu bewegen, mit mir nachhause zu gehen, davon wollte Angi allerdings überhaupt nichts wissen.

Nachher kletterte sie dann auf Taros Schoß.. ich mahnte sie so streng wie ich konnte bei ihrem alten Namen, sie solle aufstehen. Ohh, da wurde sie erst recht trotzig und böse. Schließlich blieb mir nur noch eines: Ich erinnerte Angelina an Lyonel und was er wohl davon halten würden, wenn er das hier sähe.. mein nächster Versuch war eine Notlüge, schmeichelnd log ich Angi vor, Lyonel würde bei ihr Zuhause sein. Endlich ließ sie sich überreden, Lyrens stützte sie mit einem breiten Grinsen, während Taro schon an der Tür war.
Als ich die Türen vom Lachenden Tala öffnen wollte, gab dieser freche Trunkenbold mir doch tatsächlich einen Klaps auf den Hintern! Ich fauchte ihm noch irgendwas zu, dann war er auch schon verschwunden. Lyrens brachte Angelina nach Hause, ich kümmerte mich um die beiden Pferde. Am Tor des Decram – Anwesens bedankte ich mich noch kurz bei Lyrens und brachte Angi dann ins Bett. Ihr Kopf hatte kaum das Kissen berührt, als sie auch schon eingeschlafen war. Bei den Göttern, was für ein Tag!
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Geändert von Yanya Larthay (07.01.2005 um 12:13 Uhr).
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