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Alt 13.07.2006, 18:48
#2
Aimina Shadar
Reisender
 
Registriert seit: 09 Jul 2006
Beiträge: 36
Das fahle Kerzenlicht zierte den kleinen Raum durch weiche Schatten während Aimina gebeugt über einem der staubigen Bücher versuchte Worte und Lettern zu entziffern die der Hand der Zeit ausgeliefert waren und ihren Inhalt kaum noch Preis geben wollten. Die letzten Tage hatten ihr viel abgeronnen so das Gedanken und Konzentration abglitten bis der fahle Blick der Leere entgegensah, die Zeilen vor ihren Augen verschwammen und keine Wahrnehmung mehr fanden.
Leomar hatte Hand an sie gelegt, sie konnte die Kraft und jene tiefe Wut welche in seinen Schlägen lagen noch immer spüren, konnte die Kälte fühlen welche sich langsam und stetig mit jedem bösen Blick mit jeder Erinnerung an die Vergangenheit durch Venen wand, das Blut gefrieren lies und das Herz in einen von Wärme verratenen Kristall verwandelte. Immer wenn sie glaubte nun würde sie Ruhe vor ihm finden dann stand er wieder vor ihrer Tür. Ablehnung fand kein Gehör, Bitten waren nicht angebracht. Er war zu weit gegangen hatte sich zu weit auf den See aus Eis gewagt. Sein hämisches Lachen, das wissende gefühllose Lächeln auf seinen Lippen, die kalten Worte welche nach Verletzung in ihrem Geist suchten. Die Ruhe vor ihnen welche er ihr nicht gönnte.
„Leg noch einmal Hand an mich und du bist Tod“ Worte welche an ihn gerichtet jedoch scheinbar niemals existiert hatten. Nicht einmal der Dolch welchen sie in einem Moment seiner Unachtsamkeit an seinen Hals gelegt hatte konnte ihn wirklich davon überzeugen wie ernst sie es meinte. Erst als er von Schwindel, Kälte und Hitzeschauern geschüttelt wurde schien er zu begreifen. Als sein Herz raste als würde es jeden Moment den letzten Schlag tun und selbst dann schien er in einem einzigen unwirklichen Atemzug noch amüsiert darüber nachdem Coratheon ihm ein Gegengift verabreicht hatte.
Aimina´s leichtes Gewürz hätte ihn nicht umgebracht, nein es waren nur Gedanken der Warnung welche er auf andere Art uns Weise nicht zu begreifen schien. Ihr Vertrauen das sie ihm entriss auf das er endlich aufwachte und nicht länger glaubte sie empfände auch nur mehr einen Hauch, ein Fragment eines Gefühls für ihn. Mit jedem Tag und jeder Sekunde, mit jedem Augenblick schien die Kälte in ihr zu wachsen, das junge unschuldige Mädchen welches einst so fröhlich und unbeschwert so naiv gewesen war unter der Last erstickend in einen gläsernen Sarg bettend und in der Schwärze des Bewusstseins vergrabend. Das Kind welches sie gewesen war bevor sie zum Dolch gegriffen und ihre Brüder erstochen hatte war mit deren Tod gestorben.
Die Vorwürfe schwanden, immer weniger empfand sie Mitgefühl immer seltener eigenen Schmerz welcher für sie ohnehin nur ein Zeichen war das sie noch lebte. Hatte sie zu weinen so weinte sie, erforderte es die Situation dann gewährte sie dem geschundenen inneren Schmerz dem vor sich dahinsiechenden Etwas das einst sie selbst gewesen war, einen Atemzug ehe sie den Sarg wieder schloss und vergraben lies was ohnehin auf keine Rettung mehr hoffen konnte. Der Versuch ihrer anerzogenen Gesinnung treu zu bleiben als sie den Boden des Landes betrat war von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Sie konnte nicht retten was verloren war und schon gar nicht hatte sie die Macht am Rad der Zeit zu drehen und Leomar war es gewesen welcher ihr die Augen geöffnet hatte, der einzige Dank dem sie ihm noch zusprechen konnte.
Ein letztes Klammern das an eine Beichte erinnerte ehe der letzte Funken Licht vor ihr wie im Bruchteil von Sekunden erlosch. Coratheon hatte sie schließlich auf eine Probe gestellt, eine welche ihr aufzeigte ihr vor Augen führte wie kalt und durchtrieben sie tatsächlich war. Ihm zeigen ob sie es wirklich könne ob sie tatsächlich so war wie sie sich gab, das wollte er von ihr und als sie spürte wie wenig doch übrig war von dem schönen Schein an welchen sie sich ab und an zu klammern versuchte um nicht zu fallen und dabei längst sterbend auf dem Boden des Abgrundes lag, erzeugte einen Strom aus glühender Lava welcher durch ihr inneres Hetzte, sie anstachelte und sie schließlich auf ihn losgehen lies.
Das er sich wehren würde war ihr bewusst gewesen doch gab es ihr noch lange keinen Grund von ihm abzulassen als er dies deutlich werden lies. Erst als das Handgelenk unter einem grausamen Knirschen und Knacken nachgab war sie es die aufgab…

„Fallen gelassen, in den Staub, dieses Lächeln, stumm erstart wie die Masken am Fenster in die Jahre blickend, jeden sehen lassend was er zu sehen wünscht“

Einziger Mensch welcher ihr nun hätte beistehen ihr helfen können damit umzugehen war von ihren eigenen Brüdern verbrannt worden, bei lebendigem Leibe geläutert hatten sie ihre Großmutter. Aimina schloss die Augen, noch immer in der Lage noch immer im Besitz der Erinnerung deren Gesicht, welches trotz der vorangeschrittenen Jahre von so großer Jugend schien, direkt vor sich zu sehen. Das weiche, kühle Lächeln auf ihren Lippen dieser wissende Glanz in den Augen die ruhige Stimme mit welcher sie sprach so sie ihr von Geschichten erzählte welche längst verloren schienen und in den großen tiefblauen Augen Aimina´s Verwunderung wie Unglauben leuchten ließen..
Der Geruch der Alten Bücher welcher sich sanft durch das kleine Holzhaus wand, sich mit jenem der getrockneten Kräuter und Reagenzien mischte, mit dem lieblichen Duft von Rosen und Lavendel welcher ihrer Großmutter stets anhaftete. Sie war bei allen guten Geistern nicht das gewesen was sich ein jeder unter einer Großmutter vorstellte, hatte nie einem anderen Menschen geglichen in keinster Weise. Ihre Bewegungen waren geschickt und bedacht zur selben Zeit und dann das Bild der großen, schweren Truhe welcher eine so unwahrscheinliche Verlockung in Aimina auslöste zu jeder Zeit und jeder Stunde das sie jene zu Gesicht bekam.
Ein einziges Mal hatte sie einen Blick hineinwerfen dürfen und was sie gesehen hatte erst nach Jahren verstanden. Giftgrüne Phiolen in geschnitzten Kästchen, eingelegte, kleine Tiere und Insekten in, mit durchsichtig schimmernder Flüssigkeit, gefüllten Gläsern. Leute die nur des Nachts kamen und selbst dann nervös und unsicher zu sein schienen. Der Missmut ihres Vaters mit welchem er so oft auf ihre Großmutter blickte als wolle er sie verjagen und dem sie nur mit einem kühlen ruhigen Lächeln begegnete, und plötzlich war sie in der Lage zu verstehen…
Aimina Shadar ist offline  
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