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Alt 17.08.2006, 15:39
#11
Aimina Shadar
Reisender
 
Registriert seit: 09 Jul 2006
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Ein Seufzen rann ungewollt über ihre Lippen, so nah an den Klippen stehend als wolle sie sich jeden Moment fallen lassen. In rotes Gold getaucht, pries der Himmel einen warmen Herbsttag an, während die Wellen des Meeres in lautem Grollen gegen die Felswand der Bucht schlugen. Wind und Wetter spielte mit dem zarten Stoff des Umhangs, durchstrich weicher Bewegungen ihr Haar und lies sie die Augen schließen, ehe sich ein fahles Lächeln auf die feinen, so jungen Gesichtszüge legten.

All die vermeidlichen Freunde, Karolyn, Shira, Ria.. keine war gekommen, keine war gekommen weil es keine wirklichen Freunde waren, weil so etwas wie Freundschaft niemals existierte und zu keinem Zeitpunkt Wirklichkeit gewesen war. Man vergaß einen Menschen so schnell wieder wie man sich ein Urteil über ihn bildete, es sei denn man erhoffte sich etwas von jenem. Noch vor wenigen Tagen da waren Ria und Shira bei ihr gewesen während die Nacht längst hereingebrochen, hatten sie sich geneckt und gelacht, hatten gealbert als wären sie kleine Kinder, hatten sich eine Kissenschlacht geliefert, sich gegenseitig zu kitzeln gesucht und der vielen Reden maßlos übertrieben. Bis auf die Straße hatte man das laute Gelächter vernehmen können.

Doch als Shaila tot war, da klopfte es nicht ein einziges Mal an ihrer Tür, stand sie ihr dem äußeren Schein nach, doch so nahe, war da doch ein so dichtes Band gewesen. „Seltsam“ flüsterte sie leise, während die Worte noch im selben Augenblick vom Wind hin fort getragen wurden. Shira und Ria zumindest hatten um Aiminas Jugend gewusst, in ihren Augen wie in denen vieler war sie nicht mehr als ein Kind das dem Trotz nach suchte erwachsen zu wirken. Verlernt.. ja vielleicht hatte sie es verlernt. Sie hatte selbst Karolyn geneckt, sie etwas aufgezogen in der Hinsicht ihres Verehrers, Streiche gespielt, stehts die Maske getragen welche alle sehen wollten. Nur weshalb war da niemand, kein einziger, welcher an ihre Tür geklopft hatte um dem armen, kleinen, unschuldigen Wesen, welches nun völlig durcheinander und ängstlich sein musste zu helfen?

Sie waren alle älter, hatten mehr Erfahrung und konnten einiges mehr ertragen. Wie stand es da um ein halbes Kind welches scheinbar irgendwo dort oben zwischen den Wolken schwebte, welches ganz alleine war? Es war nie ein Tag verstrichen an welchem sie nicht gelacht hatte, war nie eine Stunde gegangen, so sie Besuch gehabt, und niemanden geneckt hatte oder zumindest auf die Albernheiten eingegangen war. Aber gekommen war niemand, ein Beweis mehr in ihrer Hand wie nichtig doch Leben war. Sie hielten alle große Reden, man wurde umarmt und gedrückt, doch ging es schließlich darum etwas zu tun, dann war niemand da, dann war es mit einem mal gänzlich still.

Zwei Mal hatte sie Karolyn gesehen, seitdem diese wieder zurück war. Zwei Mal und kein einziges Mal mehr. Kein Brief während ihrer Abwesenheit, keine Notiz und auch kein Wort welches von Shaila über Karolyn erzählt hätte. Da waren sie die guten Freunde, die Heuchler. In den eigenen Gefühlen so verfangen, um Mitleid bittend so es ihnen schlecht ging, aber keines zurückgebend. Nun musste sie schmunzeln während ein sachtes Kopfschütteln von ihr ausging. Nun sie hatte die eigene Maske zu wahren…
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