Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 21.09.2006, 22:44
#16
Aimina Shadar
Reisender
 
Registriert seit: 09 Jul 2006
Beiträge: 36
Die kleinen Hände auf den verkühlten, schmerzenden Unterleib gelegt, starrte sie leeren Blicks auf das kahle Mauerwerk welches sie umgab. Wie viele Tage es wohl schon waren, welche man sie in der Dunkelheit des kalten Gemäuers verbringen lies. Jegliches Zeitgefühl war ihr abhanden gekommen, die Gedanken drehten sich im Kreis während ihr blasser Körper sacht zitterte. Ab und an spielte sie mit dem dreckigen Stroh, das warten hatte sie aufgegeben, selbst den Gestank welcher die Luft durchdrang nahm sie kaum noch wahr. Ihre Hände waren so kalt wie ihre kleinen Füße auf dem steinernen Boden. Durch jede Ritze kroch der Winter welche von einem Tag auf den anderen Einzug gehalten hatte. Die ersten Flocken hatte sie verschlafen.
Manchmal hört man leise Schritte, ab und an sah sie auf, aber sie kamen nicht näher, waren sogleich wieder verschwunden. Zerkrümeltes, altes Brot lag in der Ecke, in der Hoffnung auf eine kleine Maus oder eine Ratte welche sich hierher verlaufen würde. Manchmal glaubte sie ihre eigene Stimme nicht mehr zu kennen, so lange hatte sie mit niemandem gesprochen und mit jedem Tag der verging, da wuchs die Gleichgültigkeit in ihr heran. Es schien alles der Nichtigkeit ergeben, trotz allem würde sie ihre Worte nicht ändern. Sollten sie sie doch auspeitschen es würde nichts in ihr bewegen. Allein wegen deren Hochnäsigkeit und der Art und Weise wie sie sie behandelt hatten würde sie nichts sagen. Damit schürten sie lediglich das Feuer des kindlichen Trotzes in ihr.
Der Wärter war nicht ganz so schlimm, manchmal wenn er vorüber ging dann schob er ihr unbemerkt einen Apfel oder einen Pfirsich durch die Gitterstäbe, als erinnere sie ihn an seine Tochter oder etwas anderes, Aimina wusste es nicht, aber sie schätzte es. Wie er es nur aushielt, Tag für Tag hier unten zu sitzen, Tag für Tag die Wände anzustarren und darauf zu warten dass Leute kamen und gingen. Einige von ihnen würde man nie wieder sehen. Ein seltsames Gefühl musste es sein, sich das mit anzusehen, nicht darüber nachdenken zu dürfen, damit es einem nicht zu nahe trat und man seiner Arbeit nachgehen konnte.
Einer schwachen, eher taumelnden Bewegung erhob sie sich und setzte sich auf die kleine Bank, welche ein Nachtlager darstellte das sie nicht benutzte. Seit Tagen hatte sie nicht geschlafen, oder waren es Wochen? Wie eine Ewigkeit so erschien es ihr. Vielleicht hatte man sie vergessen, vielleicht war die Welt untergegangen, vielleicht waren sie alle tot…

Ein Lächeln huschte über ihre Lippen und der Tag fand ein Ende ohne das sie es wusste...
Aimina Shadar ist offline  
Mit Zitat antworten