Thema: Ernestine
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Alt 29.04.2011, 13:37
#28
Ernestine Remlim
Reisender
 
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(Im Jahr 1304, 19 Jahre alt)

Ernestine’s Kater Michel lag gemütlich auf dem Rücken auf dem Teppich vor dem Kamin und streckte den weißgrauen Bauch in die Luft. Hierbei erfüllte sein Schnurren den ganzen Raum und er tätigte halb schlafend ein paar Milchtritte in die Luft. „Absolute Zufriedenheit…“ flüsterte Ernestine schmunzelnd und setzte sich in einen der Sessel als sie etwas Holz nachgelegt hat.
Das Buch, das sie gerade las, lag geschlossen auf dem Sessel neben sich. Aber sie fand keine Muße es in jenem Moment zu nehmen um zu lesen…

Nachdenklich ruhte ihr braungrüner Blick auf Michel und konnte ein hilfloses Seufzen nicht unterdrücken. Amalia war auswärts – da konnte man sich ein Seufzen ab und zu erlauben.

Der gestrige Abend war sehr seltsam gewesen. Sehr schön!... aber eben auch sehr seltsam. Nach dem Dienst wollte sie eigentlich nur etwas Brot von Teresa holen… doch kam es anders. Im Tala selbst saß Alessandra mit Frau Belatar und Faran an einem Tisch. Mit Faran…?! Trotz eines unangenehme Ziehens im Bauch konnte sie jede Mimik im Gesicht unterdrücken. Der Hass Faran gegenüber war noch immer nicht erloschen. Vielleicht war es falscher Stolz, der ihr verbot diesem Rüpel zu verzeihen…, aber sie konnte nicht anders.
Sie wollte gerade wieder hinausgehen, wand sich um und da stand er vor ihr. Vardr Eduardsson – ihr persönlicher Held für den Abend.

Sie bat ihn, so unauffällig wie eben möglich, sie an einen Tisch zu bitten. So würde sie erstens den unangenehmen Fragen ausweichen warum sie denn einfach wieder gegangen war und zweitens entgehen, sich an diesen verpesteten Tisch zu setzen. Herr Eduardsson bat sich an, ihr zu helfen… jedoch verlangte er hierfür, dass sie ihn Vardr nennen solle. Also gut.
Ernestine und Vardr setzten sich an einen Tisch und tranken „ein wenig“ Honigwein. Und je länger beide beisammen waren, umso schöner fand Ernestine den Abend. Er weckte eine gewisse Gelassenheit in ihr. Gut… im Nachhinein konnte man die Schuld dieser Gelassenheit auch dem Wein geben, aber hätte nicht Vardr vor ihr gesessen – sondern irgendwer Anderes, dann hätte sie gar nicht erst einen Schluck davon gekostet.

Doch so war es angenehm gewesen… sehr angenehm… erschreckend angenehm!

Abermals seufzte Ernestine leise auf und massierte sanft ihre Schläfen, die ein wenig ziepten. Ihr gefiel der Gedanke ganz und gar nicht, wie es weiterging. Nach einigen Stunden begleitete er sie heim. Schon wieder entglitt ihr ein Seufzen und sie wagte nicht einmal daran zu denken, dass sie das gestrige Gespräch genossen hatte.

Es ging unter Anderem um das Thema werben… wie ein Mann werben könne. Sie gab ihm gar Ratschläge, wie ein Mann eine Frau umwerben könne! Höchst peinlich im Nachhinein. Aber noch viel unangenehmer war die Tatsache, dass sie seine Wange berührt hatte. Die Wangen von Vardr waren so rot… und ihre Hände durch die Winterkälte recht kühl… sie hatte ihm nur helfen wollen… so konnte man diese Tat doch entschuldigen, oder?!

Seufzend sackte Ernestine ein wenig in sich zusammen und schloss die Augen. Höchst unangenehm, peinlich, ungehörig… unbeschreiblich und… doch schön?!

„Mach dir nicht so viele Gedanken…“ murmelte Ernestine ein wenig ungnädig sich selbst gegenüber und versuchte mit aller Kraft das Gedanken Wirr-Warr, was Vardr verursacht hatte, zur Seite zu schieben.

Es gab weitaus Wichtigeres zu tun – ihr Dienst verlangte höchste Aufmerksamkeit – es gab Einiges, das sie noch zu erledigen hatte.
Ernestine Remlim ist offline  
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