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Alt 28.02.2012, 11:25
#4
Melien Vithran
Reisender
 
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10 im Glarim (Sommer) 1307

Liebster Stern,

der Herbst – die Zeit, in welcher augenscheinlich viel Leben von uns geht. In der die Bäume ihre herrlich bunten Blätter verlieren, in der alle Völker der Welt die letzte Ernte einholen, in der der Wind, mit geschlossenen Augen eingeatmet, kühl und fast schon winterlich riecht. Der Herbst im Jahr 1306 war ein Herbst in dem ich kein Wort niederschrieb.

Ebenso schrieb ich kein Wort nieder im Winter 1306/1307. Die Zeit in welcher die Wärme des Heimes aufgesucht wird. Die Zeit, in welcher viele Lebewesen der Welt kämpfen – um ihr Überleben kämpfen. Die Zeit des Schnees – die Zeit in welcher die ganze Welt wie verzaubert wirkt. Eine Zeit, die ich mag.

Auch im Frühling 1307 schrieb ich nichts nieder. Frühling – erwachen, leben, Freude, Feste, Liebe, Geburt… all die Jahrzehnte zuvor war vor allem der Frühling meine Lieblingsjahreszeit. Doch dieses Mal war der Frühling …

Nun ist Sommer. Die Zeit der Hitze, die Zeit der Dürre, die Zeit der dünnen Kleidung, die Zeit der Schönheit, der Brände – eine Zeit die von so viel Positiven wie auch Negativen bestückt ist. Die Jahreszeit, in der ich endlich einen Stift in die Hand nehme, um Gedanken, Vermutungen und Tatsachen nieder zu schreiben.

Wenn ich mir die letzten Seiten des Buches durchlese, malt sich ein Lächeln auf meine Lippen. Irgendwie scheint diese Zeit so lange vergangen – und doch ist es nicht einmal ein Jahr her.

Der Nebel ist verschwunden, der Süden aktuell kein Thema in unseren Gedanken, Anon… er war lange fort, dann war er wieder da und nun sah ich ihn schon wieder eine ganze Weile nicht mehr.

Bei dem Thema mag ich gern ein wenig ausschweifen, da es mich aktuell sehr belastet – was ich allerdings versuche zu verbergen.
Anon war, wie schon im vorigen Bericht niedergeschrieben, stets der „große Bruder“ für mich. Die Tatsache, dass er irgendwann verbannt wurde – war, wenn ich es heute betrachte – wie ein Schlussstrich dieser Beziehung. Natürlich liebe ich Anon noch sehr. Natürlich ist er in meinem Herzen verwurzelt – für immer und ewig! Natürlich krampft meine Brust vor Trauer und Wut wenn ich mich von ihm ungerecht behandelt fühle – oder, wenn ich das Gefühl habe, das Andere ihn ungerecht behandeln. Und genau dies ist der Fall!

Vorweg möchte ich betonen, dass ich Altintil _sehr_ liebe. Zu sehr, nehme ich an.
Würde ich ihn nicht so lieben, hätte es mich wohl nicht so verletzt. Er hat von einem Menschen erfahren, dass Anon eine Liebesbeziehung zu einer Menschenfrau hatte. Nebenbei sei erwähnt, dass Altintil den Menschen gegenüber nicht positiv gestimmt ist. Nun denn – dieser Punkt hat Altintil wohl wieder bewiesen, welch schlechter Elf Anon ist. Diese Menschenfrau ist verschwunden – und der Mensch vermutet, dass Anon etwas damit zu tun hat – und Altintil vermutet gar, dass Anon sie hätte umbringen können!!! Verzeih wenn die Schrift gerade nicht so feinfühlig geführt aussieht – aber diese bloße Vermutung regt mich schon wieder auf! Wie kann Altintil diesen Gedanken schon DENKEN?! Wie kann er davon ausgehen, dass irgendein Elf einen Menschen tötet – der Eifersucht wegen?! Das ist absurd! Diese Tatsache – das Altintil dieses dachte und sicher noch denkt hat mich…m… nennen wir es gehemmt. Ich habe wirklich versucht nicht zu zeigen wie wütend, verletzt und verzweifelt ich deshalb bin. Doch – natürlich wurde es bemerkt. Ich glaube, Altintil und ich hatten seit gut vier Wochen keinen „schönen Moment“ mehr. Alles was er sagte war in meinen Augen absolute Provokation – und scheinbar auch anders herum. Denn war auch er mir gegenüber… „anders“.

Die Tatsache, dass wir gerade von einem schwarzen Elfen terrorisiert werden macht alles nicht einfacher. Das ganze Volk ist gehetzt, erregt und empfindlich. Es wurde bereits getötet – und bedroht.

Meine liebe Avalin wurde von ihm aufgesucht. Sie hat sich so viele Vorwürfe gemacht… Avalin- ich habe noch nicht von ihr geschrieben!
Avalin begleitete mein Leben vom ersten bis zum etwa 85. Lebensjahr. Sprich, ich habe die Kindheit mit ihr verlebt. Dann zog sie mit ihrer Familie in ein fremdes Land… und wir verloren den Kontakt. Doch hat die Silberne wohl gewollt, dass wir zueinander finden. Denn eines Tages sah ich in ihre schönen Augen und ich muss gestehen… sie ist eine wunderschöne Elfenfrau geworden. Wie sich früher schon abgezeichnet hatte, ist ihr Weg tatsächlich der einer Schneiderin. Sie ist sehr feinfühlig, sanft im Gemüte, tiefsinnig, offen, entzückend und sensibel. Insgeheim bin ich gar ein wenig „neidisch“. Wobei dieses Wort zu negativ belastet ist, als dass es stimmen würde. Sie wirkt so weiblich-perfekt. Ich bin oftmals ein wenig durcheinander – ich sage manchmal Dinge aus dem Bauch heraus ohne nachzudenken – ich bin wohl weitaus impulsiver als Avalin es ist. Sagen wir es so – Avalin ist mehr „Dame“ als ich es bin. Das tut der Freundschaft aber gut! Ich glaube, wir ergänzend uns recht gut – wenn wir uns denn „lassen“. Ich weiß, dass Avalin sich sehr gut mit Altintil versteht. – Er hatte es mir gestern auch gesagt, dass er und sie näher zusammengerückt sind … der Umstände wegen. Ich vermute, das hatte ich bereits gemerkt und mich Avalin deshalb nicht ganz öffnen können. Ich möchte sie nicht in eine unangenehme Lage bringen. Und das sie viel Zeit mit Altintil verbringt ist doch gut – oder?!

Schlecht hingegen ist, dass ich sehr viel Zeit alleine verbracht habe. Ab und zu streunerte ich stundenlang durch die verschiedensten Wälder. Ab und zu merkte ich nicht einmal, dass es bereits dunkel war. Warum ich in den Wäldern war? Ich habe begonnen mich meinem „alchemistischen Geschick“ hinzugeben. Es ist entspannend und aufregend zugleich zu beobachten wie gewisse Kräuter – vermischt mit gewissen Wurzeln oder Sonstigem reagieren. Ich habe Stunden über Stunden in der Bibliothek gesessen und mir alchemistisches Wissen angeeignet. Ich vermute auf der einen Seite, weil mich dieses Thema brennend interessiert, andererseits aber auch um „zu fliehen“.

Das hört sich alles irgendwie sehr negativ an… eigentlich geht es mir aber gut! Es ist eben nur eine schwierige Zeit.

Mit Altintil konnte ich mich gestern aussprechen. Wir waren seit längerer Zeit einmal allein und hatten wohl beide das Bedürfnis darüber zu sprechen. Also taten wir es – und letztendlich… ist es einfach so, dass Altintil aber auch ich sehr starke Persönlichkeiten sind. Wir beide sind ein wenig zu „stark“ in unserer Meinung und das was Avalin etwa an Feinfühligkeit besitzt, ist bei uns beiden nicht so ausgeprägt. Daher ist es einfach so, dass unsere Meinungen, wenn sie verschieden sind, aufeinander rammen – wie Steinböcke aufeinander rammen wenn sie um ein Weibchen buhlen. Ich werde in der Zukunft versuchen … Altintil klar zu machen was mich verletzet oder beschäftigt – wenn es denn so ist. Er ist ein Mann… sehr selbstverliebt, selbstsicher und meinungsstark. Doch ist er auch ein liebender Mann – er kann verstehen, wenn er will… ich muss es ihm nur erklären und ihm danach meine Liebe zeigen… so wie gestern.

Nun steht erst einmal die Versammlung bevor in welcher wir Elfen uns wegen dem schwarzen Elfen beraten wollen. Wir tragen Wissen zusammen und versuchen Wege zu finden, wie wir handeln können. Es ist… irgendwie peinlich das EIN schwarzer Elf uns so terrorisieren kann! Wenn es ein ganzes Volk wäre… gut… aber EINER?! Wir werden sehen, wie sich alles entwickeln wird…

Melien
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Geändert von Melien Vithran (28.02.2012 um 11:29 Uhr).
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