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Alt 05.06.2013, 17:31
#4
Aimi Reika
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2011
Beiträge: 75
Die eiskalte Winterluft ließ den Atem der jungen Gardistin zu nebeligen Wolken aufsteigen. Die Morgendämmerung sorgte dafür, dass ihre schmalen Augen mehr und mehr von ihrer Umwelt wahrnahmen. Die Bäume, die hinter ihr bätterleer dem Wind trotzten, die raue See, die mit ihrer geballten Kraft immer wieder Wellen gegen das Hangufer stoß…. Und doch sah sie all dies nicht wirklich. Sie trug ihre fellende Hose, einen dicken Pullover, eine fellende Weste und dicke Stiefel. Ihren Kopf hatte sie mit einem einfachen Kopftuch bedeckt was verhinderte, dass ihr kurzes schwarzes Haar wie wild herumflatterte. Ihre Lippen bewegten sich ein wenig – sie zitterten. Doch bekam Aimi gar nicht wirklich mit, dass sie fror.

Noch in der Nacht hatte sie ihren charakteristischen Wüstenhengst gesattelt und war davongeritten. Eine gute Stunde fegte sie mit gestrecktem Galopp die Feldwege entlang – sie genoss die Freiheit, die Kälte, die Geschwindigkeit und die Nähe zu Prio – ihrem Hengst. Nun saß sie hier – an irgendeiner Steilküste und versuchte zu verstehen, dass sie tatsächlich zu lieben begann. Die Tatsache, dass sie noch nie geliebt hatte – noch nie geliebt wurde, machte all das… schwierig. Sie wollte nicht blauäugig wirken!

Die Küsse waren stets sanft und gefühlvoll – nah und eindringlich ohne aufdringlich zu schmecken. Die Berührungen waren vorsichtig und doch beabsichtigt. Die Taten vielleicht ein wenig naiv…. Ein keckes Schmunzeln legte sich auf ihre vollen Lippen, als sie an das gemeinsame Bad dachte.

Ja, sie war verliebt – und ihr Verstand konnte es gar nicht verhindern – obwohl er es stets versuchte. Die Vergangenheit hatte ihr einfach viel zu oft gelehrt, dass Liebe und Gefühle nur dazu da waren um bespuckt und mit den Füßen getreten zu werden. Ein Beispiel war die Tatsache, dass ihre Eltern sich von Aimi abwendeten, weil Aimi sie selbst sein wollte… sie wollte eine Waffe führen, sie wollte für eine Sache kämpfen, die ihr logisch vorkam, sie wollte ihren Körper an gewisse Grenzen führen – ja, sie wollte Hosen tragen! Sie wollte sich in einer eigentlichen Männerdomäne behaupten! Aber wollte sie ein Mann werden, wie sie ihre Eltern schimpften?! Nein…. Natürlich nicht. Sie war noch immer eine Frau – eine Frau mit einer militärischen Ausbildung, eine Frau die sicherlich nicht ganz so…. „weibisch“ ist, wie es viele Frauen sind. Und doch war sie eine Frau! Sie hört es natürlich gern, wenn ihr ein Mann sagt, dass ihre Augen schön sind, er die Zeit mit ihr genießt – vor allem wenn es ein Mann sagt, der ihr durch seine bloße Anwesenheit ein warmes Gefühl schenkt.

Prio schnaufte ungeduldig, schabte dabei wie zur Verstärkung mit dem linken Vorderhuf auf dem vereisten Boden und stubste Aimi auffordernd mit den Nüstern am Rücken – fast so stark, dass sie voran fiel. „Jaja…..“ brummelte die junge Frau schmunzelnd und erhob sich um sich auf den Pferderücken zu schwingen. „Reiten wir heim… wir haben noch genug zu tun, m?“

Auf dem Nachhauseritt drifteten ihre Gedanken zur Garde. Vor allem aber zu Alessandra – sie war fett! Nicht fett im Sinne von… weich dick. Nein – sie trug ein Kind unter dem Herzen. Von einem Mitglied der Garde… Kurz schüttelte Aimi sich. Sie konnte es sich nicht vorstellen mit irgendwem aus der Herzoglichen Garde „lieb zu sein“. Es fiel ihr schon schwer Freundschaften mit Kameraden zuzulassen. Sie wollte solche Dinge nicht zulassen – denn es würde ihre Arbeit doch nur stören?! Hätte sie den einen Gardisten lieber als den anderen – mochte sie den einen nicht – den anderen würde sie aber lieben -… dann wäre sie doch voreingenommen und nicht mehr gerecht? Nicht mehr so, wie sie es sein sollte…. Doch hatte Alessandra sich wohl für diesen jungen, blonden Mann entschieden – und es war ganz sicher die richtige Wahl - für sie. Aimi würde abwarten und schauen, ob sie ihn „mochte“….

Daheim angekommen setzte Aimi sich, nachdem sie den Kamin entzündet hatte, im Schneidersitz auf dem flauschigen Teppich, schlang eine Wolldecke über ihren Körper – schloss ihre Augen, atmete tief ein und konnte ein kleines… verliebtes Lächeln nicht unterdrücken – für eine wirklich tiefe Meditation war sie so wohl nicht fähig… wo ihre Gedanken doch dauernd zu Atron flatterten.
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