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8 im Estif (Sommer), des Jahres 1320
Nun beginne ich also doch die leeren Seite dieses viel zu dicken Buches zu beschreiben. Ich, die so ungern schreibt. Doch habe ich es dir versprochen... Vater. Ein so unendlich seltsamen letzten Wunsch hattest du da! Und nun erfülle ich ihn dir - und beginne.
Nach meiner Überfahrt in dieses Land war ich anfangs sehr enttäuscht. Hieß es bei uns daheim noch: Ein Land voller Reichtümer! Rassen Leben Seite an Seite - der Handel blüht!... Pustekuchen...
Die Hauptstadt wirkte auf mich wie eine Geisterstadt. Fand man hier und dort ein paar Bettler herumstreifen - fand man dort Gardisten in geputzter Rüste ihren Wachposten einhaltend. Es war ... seltsam. Erst als ich das Handelshaus betrat - konnte ich nette Gespräche führen.
Mir wurde sofort viel Interesse entgegen gebracht und ich wusste gar nicht, wie ich mich verhalten soll - bei so viel Gutherzigkeit. Unter Anderem haben wir darüber gesprochen, wie ich mein Gold verdienen würde. Der Herzogliche Hof sucht nach Köchinnen... kochen, dass habe ich in der Taverne meines Vaters gelernt... also habe ich mich beworben.
Es geschah schnell und es geschah ohne wirklichen Verstand meinerseits... doch nun bin ich Herzogliche Hofköchin. ICH?!!!! ...
Es ist noch so unwirklich... Kanzler Rollin steckt so viel Vertrauen in meine Person - und ich möchte ihn auf gar keinen Fall enttäuschen. Doch sind da immer wieder die leisen Stimmen....
Klara, du bist doch gerade erst 18 Jahre geworden... du hast in der Küche einer normalen Volkstaverne ausgeholfen - du hast nie etwas geleitet oder derlei verantwortungsvolle Dinge getan... wie sollst du eine Küche am herzoglichen Hofe verantworten können?!
Aber ich versuche diese Stimmen wegzuwischen - sie haben zwar recht, aber... ich möchte es unbedingt! Ich möchte alles! Ich bin fast ein wenig gierig geworden... Denn ich habe mich auch bei der herzoglichen Garde als Köchin beworben - und wurde, trotz meiner Position am Hofe, angenommen. Nun habe ich also zwei Stellen... dort versorge ich Herzog und Hofsleute - anderswo die Recken der Lande.
Ist es viel Arbeit? Ja. Ist es eine Herausforderung? Ja! Aber das Schlimmste ist, dass es irgendwie einsam ist. Oft studiere ich die herzoglichen Kochbücher für mich allein. Ich probiere dies und das - schmecke ab und bete, dass es dem Herzog schmecken würde.... Bisher habe ich keinerlei Beschwerden gehört...
Ich habe hier in Minoc ein Haus gestellt bekommen. Ich habe Hofkleidung an und bin wegen all dem Abschmecken immerzu satt. Eigentlich ist es ein Paradies!
Doch bin ich ein sehr geselliger Mensch. Das mag daran liegen, dass ich in einer Taverne groß wurde - ja. Ich war eigentlich nie allein! Hier bin ich es eigentlich immer... vor einigen Tagen habe ich Yannick von Britain kennen gelernt. Er wurde am Hofe angestellt! Er kümmert sich alsbald um die Sicherheit. Also nehme ich an, dass er ein Krieger ist?! Ich habe leider nur kurz mit ihm sprechen können... aber er ist erzogen, gescheit, nicht auf den Mund gefallen und trotzdem angenehm zurückhaltend. Meine Gedanken hellen sich auf, wenn ich daran denke, dass er vielleicht öfter in der Küche sein wird um zu schmausen - dann bin ich nicht allein in der riesigen Küche.
Ich habe mich heute sogar dabei erwischt, wie ich wen für den Hof anwarb. Wenn ich nun darüber nachdenke, ist es mir fast ein wenig peinlich. Er ist Heiler - und mein Gefühl sagt mir, dass er ein guter Mann ist... ein guter Heiler. Ich habe ihn auch ein klein wenig getestet. Die Brandwunde an meinem Unterarm ist noch frisch - also habe ich sie ihn untersuchen lassen. Wir sprachen nett und als er mir offenbarte, dass er noch keiner Heilerstube oder derlei hat, präsentierte ich ihm den Hof mit meinen Worten.
Es wäre schön, würde auch er meine Küche besuchen! Und da Herr von Britain auch noch seine Schwester mit an den Hof bringt, wären wir dann schon vier in der Küche!!! Dann müsste ich noch zwei weitere Stühle anschaffen... herrlicher Gedanke. Wir könnten schmausen und dabei über dies und jenes sprechen. Und da wir alle am Hof angestellt sind, wird ganz sicherlich viel gesprochen! Hier muss es doch viel zu reden geben!?
Ich werde bald meine Pferde von Herrn Orak Fenthe abholen - ein so lieber älterer Herr, der sich um die Tiere am Hof kümmert...
Ich habe bestimmt sehr viel vergessen aufzuschreiben - doch fallen meine Augen gleich vor Müdigkeit zu... und ich möchte morgen vor dem Sonnenaufgang aufstehen, barfuß durch das Gras gehen - und frischgelegte Eier von der Tierwiese sammeln....
Klara
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