Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 15.07.2016, 17:25
23. im Estif (Sommer), des Jahres 1320
#3
Klara Ergain
Reisender
 
Registriert seit: 09 Jun 2016
Beiträge: 104
Liebes Tagebuch,

ich sitze hier, auf der Tierwiese des Herzoglichen Hofes und schreibe nieder - wobei ich hoffe, ehrlich zu bleiben.

Ich muss gestehen, es gefällt mir nicht... aufzuschreiben was ich denke und fühle und derlei Mädchensachen. Ich bin ein Mädchen - natürlich... aber so etwas liegt mir nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich nie eine Mutter hatte oder irgendwen, der diese Rolle übernahm.

Doch ich gebe mir Mühe. Ehrenwort.

Ich habe derzeit zwei riesengroße Themen in meinem Leben. Die Themen heißen: Abris und der Hof.

Ich denke, ich fange mit Abris an - dann habe ich es hinter mir.

Ich war beim letzten Mal nicht so ganz ehrlich. Wobei, gelogen habe ich auch nicht! Ich habe einfach nicht alles nieder geschrieben...

An dem Tag, an dem Abris zu mir kam, um meine Brandwunde zu salben, gab es anschließend noch eine Nacht. In dieser Nacht waren wir beide allein - Herr von Britain hatte sich bereits verabschiedet.
Wir haben uns gemeinsam in den Pavillon an der Sanddühne gesetzt und geredet... geredet... geredet.... so viel geredet. Es war wunderbar frei. Er denkt wie ich, lacht über die selben Dinge und ist so ... wunderschön...

Es ist absolut seltsam, fremd, tragisch - unangenehm wie angenehm zugleich... wenn er nicht da ist denke ich IMMER an ihn. Selbst das lästige Zweibelschälen hat nicht geholfen! Es ist mir so so so so so sehr peinlich! Warum? Weil wir diese Nacht durchsprachen - und am Morgen, als die Sonne aufging, schon so ... weit waren. Ich war ihm gegenüber ehrlich und er mir gegenüber. In Geschichten ist der Weg, bis man einem anderen sagt, dass man ihn sehr gern hat und schätzt ein sehr langer Weg! Wir haben gerade einmal 12 Stunden gebraucht....

Ist das gut?... Ich weiß es nicht.

Abris hatte ein Vorstellungsgespräch. Leider war der Hofkanzler an jenem Abend nicht da - doch der Herzog! Der Herzog bot ihm wohl auch die Option des Bibliothekar an... und erwähnte, dass es keinerlei Liebeleien am Hof geben sollte. Ich hoffe wirklich sehr... dass es ein Zufall war, dass der Herzog so etwas ansprach...

Abris und ich sprachen darüber und wir waren uns einig, dass wir es trotzdem tun wollen. Ich meine, am Hof arbeiten! Liebeleien gibt es in meinem Glauben eh nicht - !

Ich bin nun 18 Jahre alt - Abris ist eben so jung. Ich denke, wir werden es "aushalten" ein paar Jahre ohne das zu leben - was... nun!

Er lebt nicht nach dem Glaruben Glarons. Und ich hatte schon in der ersten Nacht eindringlich erwähnt, dass ich es aber tue! Er sollte wissen, dass er- nun,... herje, mir fällt es so schwer darüber zu schreiben...
Er sollte es nicht wagen mich einfach zu küssen oder derlei Schandkram. Das Werben ist wichtig - das einjährige Verlobungsjahr ist wichtig... es gibt einem Paar Zeit sich wirklich kennen zu lernen! Und das haben wir -Abris und ich - ja eigentlich nicht.

Nun ist es aber so, dass wir beide uns sehr sehr sehr mögen. Das weiß er und das weiß ich. Und nun wissen wir beide auch, dass sich das nicht ändern wird - obwohl wir beide am Hofe arbeiten. Aber wir werden es nicht ausleben... Regel ist Regel - nicht wahr?!

Kanzler Rolin, Baron von Valboug hat mich auch überrascht. Er führte mein Einstellungsgespräch und war zu jener Stunde eher... sachlich. Hat mir alles gezeigt und derlei...
Wir, Abris und ich - trafen ihm in der Taverne zum lachenden Tala in der Stadt Britain. Und er war so... so... ich mag ihn! Auch wenn ich ihn ab und zu nicht verstehe. Vielleicht liegt es an seiner Erziehung - an seinem Wissen, das ganz sicher ganz anders ist als meines! Er deutete, meiner Meinung nach, so unheimlich viel an! Er sagte unter anderem, dass ich in den höfischen Kleidern wundervoll aussehe - sicherlich jeden Mann für die Ehe begeistern könne... oder so. Ich war so verwirrt, dass ich die genauen Worte nicht mehr weiß!!! Es pochte in meinen Schläfen und ich wusste gar nicht, was er wollte... wollte er mir damit sagen, dass er ... eine Frau sucht... und ich in Frage komme? Sehr seltsam... unangenehm und trotzdem nett! Er war offen und scheinbar ehrlich... hat mich nach meiner Meinung gefragt und niemals locker gelassen. Auch, wenn die Verwirrung und Unsicherheit meinerseits ganz sicher nicht zu übersehen war... wir werden sehen, was es auf sich hatte...

Abris und ich vergnügen uns ein wenig mit dem "Was würde ich tun"-Spiel. Wir stellen uns vor, wir dürften tun, was wir gern wollten und erzählen es uns. Das ist sehr spaßig und - aufregend! Es ist schön zu hören, wie er gern um mich werben würde - was er dann tun würde und .. derlei... Sachen. Ich denke, dass wird uns beiden helfen - die Jahre zu überstehen... !

Ich hoffe es... zumindest!

Klara
Klara Ergain ist offline  
Mit Zitat antworten