Thema: Drachenburg
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Alt 02.10.2022, 17:52
#4
Har Brehgo
Spieler, Mensch
 
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Cun 1339. Nachtwache. Drachenburg. Nordöstlicher Turm.

Ein Windstoß schickt die letzten Grüße des Winters mit einem Heulen zur Burg. Knurrend zieht die dürre Gestalt den Mantel enger. Die Berufssoldaten sehen nicheinmal mehr herüber, seine Laune ist mittlerweile bestens bekannt. Noch dazu gehört er zum Stoßtrupp. Den Gästen. Man begegnete sich mit gebotenem Respekt und damit hatte es sich. Einen Moment fragte er sich ob die Zuteilung zum Nordöstlichen Turm Zufall war oder ein Zeichen wie weit die Soldaten ihnen vertrauten. Blick auf den Sumpf und das Herzogtum, nicht gerade die Richtung aus der man etwas meldenswertes erwartete. Im Grunde war es ihm gleich.

Sein Blick wandert nach Süden, irgendwo jenseits der dunklen Baumkronen bevor der Horizont das Meer verschlingt liegt Südhafen. Die Erinnerung an ihre Aufklärungseinsätze kroch in ihn wie die Kälte der späten Winternacht. Menschen die miteinander feierten, es sich gut gehen ließen, aßen, tranken, tanzten und belanglose Gespräche führten. Schon bald würde sie die Realität einholen. Es gab keine Güte in dieser Welt, und keinen Platz für Frieden. Früher oder später ging alles zu Ende, der Kreislauf schloss sich. Vandorez hatte ihn gefragt ob er es bereut sich dem Stoßtrupp angeschlossen zu haben. Fast schon wollte er entgegnen das ein Teil von ihm es durchaus bereut. Der romantische Narr der von einer Welt träumt wie sie die Jünger Libanus sich ausmalen. Bar der Dunkelheit in den Herzen der Menschen, der sich in Südhafen ans Feuer gesellt hätte und Geschichten zum besten gegeben hätte. Doch er beließ es bei anderen Gedanken, Erinnerungen an ein anderes Leben. Er wusste sie würde es nicht verstehen. Genauso wusste er das eine solche Welt nur ein Traum war.

Irgendwo im Innenhof unterhalten sich zwei Soldaten, der jüngere hatte irgendeinen Brief von seiner Verlobten erhalten. Der ältere gratulierte lautstark. Ruhe herrsche nie in den Mauern. Menschen lebten ihre Leben gingen dem Ruf ihrer Herzen nach, stolperten, wurden zu Fall gebracht, manche standen nicht wieder auf. Oftmals hatten sie keinen Einfluss darauf. Wie die armen Hunde in Südhafen. Sie würden mit Blut bezahlen für die Nachlässigkeit ihrer Herren. Zwei Jahre, nein länger zweieinhalb? Hätte der Jadethron, wessen Hintern ihn nun auch immer polierte, auch nur einen Finger gerührt um die Festung zu nehmen er wäre heute nicht hier würde sich Körperteile abfrieren, mit Vandorez und den anderen den Soldaten mimen.

Als die Nacht dem Tage wich und die Ablösung kam nickte er ihnen nur knapp zu und sprach die zur Gewohnheit gewordene Formel. "Keine Vorkomnisse." Später würde er im Schneidersitz auf einem Stockbett sitzen, meditieren, warten auf den Tag an dem sich der Kreislauf schließt.
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