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Reisender
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Logbucheintrag - 11
- 01. Lorica im Jahr 1340 -
Schon seit einem Mondlauf lebe ich nun an Land. Gestern war ein anstrengender Abend. Bron, Fil, ein gewisser Har – und ja, ich lache immer noch darüber, dass er wie ein Piratenlacher heißt – und meine Wenigkeit waren zum Gardehauptquartier eingeladen worden. Naja, ich wurde eher inoffiziell von Korad eingeladen und habe auch angeboten, dabei zu sein, sei's drum. Wir kamen dort an, und die anderen waren scheinbar sehr aufgebracht und genervt, dort erscheinen zu müssen. Eine gewisse Anspannung lag in der Luft, genauso wie eine absolute Unlust, und die Kooperationsbereitschaft schien auch nicht vorhanden zu sein.
Ich versuchte zu verstehen, worum es bei der ganzen Sache ging, und entnahm den Gesichtern, dass es sich wohl um eine wichtige Angelegenheit handelt. Bevor wir überhaupt in dem Raum Platz nehmen konnten, wo das Gespräch stattfinden sollte, kamen von Fildaris bereits erste freche und unnötige Kommentare. Im Versammlungsraum angekommen, versuchte ich den drei anderen zu erklären, dass ich verstehe, dass ein gewisser Unmut besteht, aber dass es eher zielführend wäre, wenn alle Ruhe bewahren und wir gemeinsam eine Lösung finden. Und dann eskalierte es ein wenig. Korad bat um Ruhe, die meisten verstummten, aber Fildaris warf der Garde vor, nie tätig geworden zu sein, und machte MIR den Vorwurf, nicht dagewesen zu sein. Was zur Hölle will dieses Mädchen eigentlich von mir?! Sie weiß, dass ich erst seit einem Mondlauf hier lebe. Was kann ich denn dafür, dass seit zwei Jahren ein Auftrag der Götter unerledigt ist? Es fiel mir schwer, mich zurückzuhalten und ihr nicht gleich eine Faust zu verpassen. Wie kann man nur so kindisch sein und dann so eine Medaille tragen? Und ja, natürlich musste sie sie immer wieder berühren und zur Schau stellen. Elend – diese Fildaris kann einem den letzten Nerv rauben. Ich mag sie irgendwie; sie war grundsätzlich bisher immer nett zu mir. Naja, zumindest bekam sie dann die Quittung für ihr Verhalten. Korad ließ sie von diesem strengen, ernsten Korporal hinausführen. Noch im Raum nahm sie ihre Medaille ab, die sie bis dahin ganz stolz getragen hatte, und tauschte sie gegen ein Amulett aus. Innerlich fuhr ich mir nur durchs Gesicht. Ich will nicht wissen, was noch auf sie zukommt.
Har erzählte dann die Geschichte von vorne, aber in einer Kurzfassung. Ich fasse es in meinen Worten zusammen: Was ein Kuddelmuddel mit unfassbar vielen Akteuren und Rätseln. Eine schwierige Sache, und es erinnerte mich sehr an die eine Schatzkarte, die wir einst gefunden hatten. Es waren viele kleine Hinweise, die man nach und nach abarbeiten musste, bis wir den Schatz bergen konnten. Man wusste jedoch nicht, womit man beginnen sollte. Ich spürte, dass Korad teilweise den Überblick verlor, und Har erzählte manche Dinge so, dass ein Außenstehender kaum folgen konnte. Zwischendurch stellte ich meine Fragen, mahnte mich jedoch immer wieder, nicht zu viel zu reden oder zu fragen. Mein altes Piratenherz wurde angesprochen von dieser komplexen Geschichte, die vor mir aufgefächert wurde. Aber niemand nahm es mir übel. Interessanterweise schienen meine Fragen Anklang zu finden, da ich die Dinge aus einer anderen Perspektive sah.
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, frage ich mich, warum ich mich so investieren möchte in eine Sache, die mich Hals und Kragen kosten könnte, da ich nun auffallen könnte. Die Antwort ist vermutlich, dass ich Korad helfen möchte. Meiner neuen Heimat helfen möchte. Ich weiß es einfach noch nicht recht. Fakt ist aber, dass alle, die dort saßen, sehr von sich selbst überzeugt waren. Man hörte auch immer wieder heraus, wie die beiden Männer Fil versuchten, in den Vordergrund zu stellen. Sie hatte schon vieles gemacht, um diese schwierige Aufgabe anzugehen, aber wenn sie so weitermacht, wird all ihre Mühe umsonst gewesen sein, weil sie dann ganz und gar aus der Sache ausgeschlossen wird, da sie eine helfende Hand wegschlägt.
Noch auf der Insel, wo wir den göttlichen Riss gesucht haben, habe ich Har geraten, mit Fildaris zu sprechen und zu versuchen, sie zur Vernunft zu bringen. Sie spielt offenbar eine Rolle in der ganzen Angelegenheit, die nicht zu ignorieren ist. Ich hoffe, dass er einen Weg findet, mit ihr zu reden, und dass sie sich letztlich fängt.
Naja, wir werden sehen, was passieren wird. Eine Sache frage ich mich jedoch dennoch, und darüber sprachen Korad und ich, als wir von dieser Insel runter waren, wo einst ein göttlicher Riss war: Wie konnten sie die anderen Völker nicht mit einbeziehen? Ja, es ist schwierig, mit ihnen zu reden, vor allem, wenn sie sich – soweit ich es verstanden habe – nach dem letzten harten Schicksalsschlag auf dieser Insel vollkommen zurückgezogen haben, aber es muss doch eine Möglichkeit geben, sie mit einzubeziehen, da es doch jeden etwas angeht, was hier geschieht. Ich habe Korad also vorgeschlagen, dass man Handwerksgüter aller vier Völker zusammensuchen sollte, um den guten Willen zu zeigen. Um den Göttern zu zeigen, dass wir sie einbeziehen wollen, und sei es nur symbolisch. Ich habe Sorge, dass die restlichen Speere nicht funktionieren werden, wenn sie alle von Menschenhand geschaffen worden sind.
Ich muss mich aber zurückhalten, und das habe ich auch Korad gesagt. Ich will nicht zu sehr auffallen. Ich will auf keinen Fall, dass jemand rumschnüffelt und eventuell herausfindet, wer ich eigentlich bin – beziehungsweise war. Ich mache mir da weniger um mich Sorgen, sondern mehr um Korad. Wie würde es ihm gehen, wenn er mich zum Schafott bringen müsste, so wie er es mir versprochen hat damals? Würde er es einfach wegstecken und sich denken „Ahjo, noch ein Mensch weniger“, oder würde er daran wieder ein Stück seines bereits angebrochenen Herzens verlieren? Ich will gar nicht so richtig darüber nachdenken. Die Zeit wird zeigen, was passieren wird. Ich muss aber Vorsicht walten lassen.
Bald treffen wir uns nochmal und wollen der Göttin Cunna Gaben darbieten. Ich werde mein Fernglas darbieten. Ich habe es nun schon so unfassbar lange, und hier an Land wird es mir leider nichts mehr nützen, aber es liegt mir am Herzen. Einar hatte es speziell für mich anfertigen lassen. Die Wölbungen der Linsen ermöglichen es, dieses Fernglas auch in der Nacht zu verwenden, da es das Licht irgendwie anders bricht oder was auch immer – ich muss nicht verstehen, wie es funktioniert, ich weiß aber, dass es funktioniert und dass dies eine Gabe ist, die vom Herzen kommt und viele Erinnerungen in sich trägt.
Ich muss noch einen Boten losschicken und den Jungs mitteilen, dass sie die Sache mit dieser Frau bleiben lassen können. Ich erzählte Korad davon, und er wirkte nicht begeistert, da die Bäckerin ein Risikofaktor darstellte. In meiner Sorge und meinen Bemühungen hatte ich das vollkommen außer Acht gelassen, und er hat absolut recht. Ich muss einen anderen Weg finden. Das erledige ich aber morgen – ich bin müde, und Korad kommt gleich noch vorbei.
Als wir im Versammlungsraum saßen, ertappte ich mich dabei wie ich es eigenartig anziehend fand, wie streng Korad als Leutnant ist. Es machte mich nur noch verrückter nach ihm. Na mal sehen was der strenge Leutnant zu meinem "Nachtgewand" sagt.
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