|
Reisender
Registriert seit: 18 Dec 2017
Beiträge: 32
|
Logbucheintrag - 14
- 10. Lorica im Jahr 1340 -
Diese Warterei macht mich noch wahnsinnig. Der Geber sagte, es dauere ein paar Tage, und nicht Wochen. Ansonsten waren die letzten Tage eher unspektakulär. Ich war mit Korad in den Nordhöhlen; er lieh mir eines seiner verzauberten Schwerter, und damit werde selbst ich effektiv. Der Herbst hält immer mehr Einzug in diese Landen, und mir war im Leben noch nie so kalt. Auf See habe ich noch nie so gefroren wie jetzt. Ich verstehe nicht, warum ich an Land so friere. Ist es, weil ich auf See immer in Bewegung war und nicht den Luxus eines warmen Hauses genießen konnte? Oder ist die Kälte an Land einfach eine andere? Ich weiß es nicht. Ich werde zusehen müssen, dass ich mir Felle besorge und mir daraus Kleider schneidern lasse. Wenn es so weitergeht, werde ich erfrieren, bevor der Winter überhaupt da ist. Nur nachts friere ich nicht. Wenn Korad mich in den Armen hält, wärmt mich sein starker Körper. Ich musste mich gestern sehr zurückhalten, als er neben mir lag. Dieser Mann raubt mir den Verstand, wie eine Sirene den Männern auf dem Meer. Ich fürchte, und das sage ich wirklich ungern, weil ich eigentlich sehr gut alleine zurechtkomme, dass er mir den Verstand geraubt hat.
Nachdem wir gestern mit einem alten Freund von ihm, Raschtor Oddmarr, zusammengesessen haben, um ihn über diese Göttersache aufzuklären, begleitete mich Korad nach Hause. Es war noch unfassbar früh in den Morgenstunden, als wir bei mir daheim ankamen, und Korad bot an, mit hineinzugehen. Wenn ich so darüber nachdenke, war es, glaube ich, das erste Mal, dass er es anbot – und das in seiner Gardeuniform. Ich muss schon sagen, diese Uniform hat etwas. Wir beschlossen, einfach nur zu schlafen heute Nacht – ja, das können wir scheinbar auch. Als mein kalter Körper sich an ihn schmiegte, wurde mir beinahe sofort wärmer, und es tut mir immer noch leid, dass er dies erdulden musste, aber es schien ihn nur einen Bruchteil eines Herzschlags zu stören. Danach drückte er mir wieder einen dieser sanften Küsse auf den Kopf, legte seine warmen, starken, behütenden Arme um mich und streichelte meine Seite, um mich zu wärmen.
Oh, Korad, wenn du nur wüsstest, wie zerbrechlich und angreifbar ich mich in diesen Momenten fühle. Gleichzeitig fühlt es sich aber so unfassbar sicher und richtig an, dass ich meinen Geist zum Schweigen bringe, der immer noch versucht, mich auf die Seite der Vernunft zu ziehen. Als ich wach wurde, war Korad schon wieder fort. Genau in diesen Momenten frage ich mich, ob mein Satz gestern – "Nachher verliebe ich mich noch in euch, Leutnant." – wirklich nur daher gesagt war. Ich kann und darf mich nicht in ihn verlieben. Erstens, weil ich mich nicht verliebe; ich bin Isabelle, ich habe und werde mich nie verlieben. Zweitens, er ist verheiratet und Vater einer Tochter. Auch wenn beide Frauen in seinem Leben derzeit nicht bei ihm sind, ist mir schmerzlich bewusst, dass, sollte ich mich in ihn verlieben, meine Liebe für immer unerwidert bleiben wird – und so sollte das auch sein in einer Ehe.
Ich denke, ich werde heute nochmal nach Hythloth reisen, um Leder und Federn für Kelda zu sammeln. Außerdem ist es dort warm. So entkomme ich zumindest ein paar Stunden den kalten Winden, die in der Stadt durch jede Ritze und jede Gasse rauschen.
|