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Alt 29.10.2024, 08:50
#16
Isabelle Embris
Spieler, Mensch
 
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Logbucheintrag - 16
- 15. Lorica im Jahr 1340 -

Mir war noch nie aufgefallen, wie leer und riesig diese Burg eigentlich ist, wenn man alleine dort ist. Korad muss sich hier echt verdammt einsam fühlen. Er hatte mir einen Schlüssel und einen Brief auf den Tisch gelegt, in dem stand, dass er die nächsten Tage wohl nicht da sein würde. Ich hatte nicht viel zu tun und war irgendwie mitten in der Nacht hellwach, also ging ich zur Burg, um dort meine „Wachrunde“ zu drehen. Ich stellte mich bei Svea vor, und sie zeigte mir alles Wichtige auf der Mauer. Zusammengefasst: Hin- und herlaufen, die Waffe an der Brust, ernst schauen und hoffen, dass nichts passiert. Das Interessanteste daran war, dass sie scheinbar von der einen Nacht nichts mitbekommen hat – oder Korad hat ihr ein ordentliches Sümmchen gezahlt, damit sie vergisst, was sie gehört hat.

Gedankenverloren lief ich bis in den frühen Morgen die Mauer hin und her, und Svea konnte endlich mal eine Pause machen. Eigentlich kam mir das ganz gelegen, da ich die letzten Tage ständig beschäftigt war und noch nicht richtig realisiert hatte, dass ich ein neues Kapitel in meinem Leben aufgeschlagen hatte. Ich bin nun Tochter eines Händlers, eines Kontorbesitzers. Die Frage ist nur, ob es dem Mann, der sich mein Vater nennt, gut geht oder nicht. Seitdem ich meine Dokumente habe, überlege ich, ob ich dem Herzog offiziell vorstellig werden und ihn bitten sollte, nachzuforschen, ob die Unruhen in Volaren endlich ein Ende gefunden haben oder ob dort immer noch die Hölle herrscht. Ich werde da wohl Korad um Rat bitten müssen – ob das klug ist oder unfassbar dumm. Angst habe ich keine; ich weiß, dass ich das schaffen könnte. Aber vielleicht ist es besser, einfach weiterzuleben wie bisher.

Nach dem dreihundertvierundvierzigsten Mal des Ablaufens der Mauer kam Svea dann zurück. Ich überließ ihr die Wache und beschloss, dass das Bad nun dran ist. Mir ist es völlig egal, was Korad sagt – das Bad wird jetzt geputzt! Ich schnappte mir also alles, was ich brauchte, und begann, die Wanne, die eher einem sumpfigen Tümpel glich, gründlich zu schrubben und das alte Wasser abzuschöpfen. Anstelle sein eigenes Bad zu reinigen, geht der Leutnant nämlich lieber ins Badehaus, um mit alten, faltigen Kerlen zusammen zu baden. Morgen kümmere ich mich darum, dass es wieder befüllt wird. So kann auch Svea endlich mal wieder ein Bad nehmen, denn sie riecht wie eine ganze Mannschaft. Als ich sie fragte, warum sie das Bad nicht sauber gemacht hat, antwortete sie lediglich, dass das nicht ihre Aufgabe sei. Nein, das ist es wohl nicht, Fräulein, aber wenn du dort baden willst, kannst du deine Hände auch schmutzig machen und es sauber halten.

Diese Mentalität der Stadtmenschen werde ich wohl nie verstehen. Warum nicht einfach erledigen, was erledigt werden kann? Nein, es wird nicht bezahlt, also tue ich es nicht. Sei's drum. Es ist jetzt erledigt, und ich werde die Erste sein, die sich frech ein Bad darin gönnt. Mal sehen, was Korad dazu sagt.
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