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Er kam aus Cove. Einer keinen verschlafenen Stadt. Ja, verschlafen, das war sie wohl und gerade deshalb nicht der Ort an dem sich ein Bettler lange aufhielt. Zu schnell war man bekannt unter den Bürgern. Zu schnell waren sie es leid ihm Gold zuzustecken, welches sie im Schweisse ihres Angesichtes erarbeitet hatten. Dennoch mochte er diese Stadt irgendwie. Überall waren sie gegenwärtig. Die wundervollen Gefolgstiere seiner Göttin. Er genoß ihr Quieken und ihr leises Trappeln. Gelegentlich liess er sich an einer abgelegenen Stelle nieder und teilte mit ihnen sein erbetteltes Essen. Sie waren mehr, als nur seine Tischgesellen. Mehr doch seine Familie.
Die Erträge waren mager geworden. Jeden Tag den gleichen Menschen über den Weg zu laufen um sie wieder mit einer neu erdachten Geschichte zu bereden, auf dass man ihm etwas zusteckte. Es war anstrengend und so gar nicht in seinem Sinne.
So zog er aus gen Süden. Er wollte nach Britain um dort zu verweilen und die Reichen dort um etwas Gold zu erleichtern.
Auf dem Wege ließ er sich Zeit. Er machte kleine Streifzüge ab vom Wege und erkundete die für ihn neuen Gegenden. Seine kleinen Pausen, die er einlegte nutzte er so sinnvoll wie möglich, indem er wieder und wieder seine Betteltiraden durchging. Jedes Wort mußte passen und gut gewählt sein. Er wollte Perfektion. Perfektion in allen belangen. Jede erdenkliche Begegnung mit den Bürgern dort würde ihn vor eine herausforderung stellen und er mußte eine reiche Anzahl an Antworten parat haben. Immer wieder begann er von neuem, weil er unzufrieden war mit dem Klang seiner Worte, oder weil ein Wort nicht in seine Tirade passte. Er hatte Zeit, viel Zeit.
Als er sich am Fuße eines Baumes niedergelassen hatte und einer Krähe dabei zusah, wie sie ihren Jungvogel versorgte und ihn fütterte kam ihm ein Gedanke. Die Starken sorgen für die Schwachen. Sie machen es aus Liebe, oder aus Mitleid. Einen Fremden liebte man kaum, vor allem nicht, wenn er so heruntergekommen aussah wie er selbst. Fettiges Haar, geschwärzte Fingernägel, die Haut vom Wetter und der Sonne gegerbt, seine Kleidung zerschlissen und eingerissen.
Nein, sie mußten ihn so sehr bemitleiden, dass sie ihm Summen gaben, die sie sonst keinem Bettler auch nur annähernd zu geben gedachten. Immer weiter vertiefte er diesen Gedanken, sponn ihn aus und webte ihn zu einer Geschichte, seiner zukünftigen Geschichte.
Krank würde er sein. Ein schlimmes Leiden. Jeder Atemzug würde ihn Schmerzen ob einer Krankheit seiner Lugen. Dies würde sein Bettler dasein beinahe ad absurdum führen, da er doch darauf angewiesen war, die Leute mit seiner Beredsamkeit zu überzeugen. Es würde nochmals unterstreichen, wie verzweifelt er doch war. Wofür sie ihm Gold geben sollten lag auf der Hand. Sie sollten ihm spenden, auf dass er sich eine ominöse Medizin kaufen kann, die ihn wieder gesund machen sollte. Die Zeit würde drängen, damit sie selbst keine Zeit hatten es sich anders zu überlegen. Vor allem auf diese Bürger hatte er es abgesehen, die an diesen Glaron glaubten. Nach den Geschichten, die er aufgeschnappt hatte, residierten sie dort. Er würde sicher nicht in offener Feindseligkeit ihnen gegenübertreten. Warum auch? Waren sie doch diejenigen, die möglicherweise die Mildtätigsten unter ihnen waren.
Zwei Wochen vergingen. Wochen voller Sorglosigkeit. Die Bäume trugen reichlich Obst und liessen ihn nicht hungern, wenngleich es ihm verlangte nach einem Laib Brot oder einer fetten Lammkeule.
Seine Geschichte war gut, dass wusste er, sein Tonfall voller Bedauern, voller Trauer und Verzweiflung. Es war Zeit für die Ernte, seine Ernte. Zufrieden blickte er aus der Entfernung auf einem Hügelkamm stehend hinab auf Britain. Die Stolze Stadt, die einmal an genau diesem Stolz zu Grunde gehen sollte, so es nach seinen Plänen ging. Doch bis dahin, war es ein weiter, weiter Weg....
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