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Reisender
Registriert seit: 27 Jan 2005
Beiträge: 961
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Ein wenig unruhig wälzte Karo sich von einer Seite auf die andere. Sie schlief, doch schlief sie nicht wirklich ruhig oder gar mit angenehm bestickten Träumen.
„Karolyn... meine groooooße liebe Karo!“ Pheas seine Stimme hallte lachend in ihrem Ohr. Er stand etwa drei Meter von ihr weg und sein vergnügt- jugendliches Grinsen eilte seinen Worten nach. „Ich liebe dich mehr als.... als alles auf dieser Welt!“ Dabei hob er seine Nase stolz an und stellte sich demonstativ auf die Zehenspitzen damit er annähernd so groß war wie sie selber. Karo fiel ihrem kleinen Schatz in die Arme und setzte abertausende Küsse in sein rundes Gesicht. Sicher, er war nie ein Mann gewesen, dem andere Frauen nachschwärmte... aber es war ja auch ihr Epheas gewesen!!!! Er legte im Träume beide Hände an ihre Wangen und sah ihr tief in die Augen. Sie kannte jedes kleine Lach- oder Denkfältchen das sein junges Gesicht schmückte. Sie roch ihn... fühlte ihn, konnte ihn überall spühren! Doch seine Augen.... „Pheas... was ist los?“ wisperte sie leise im Traum und spürte wie ihr Herz zu bluten begann. Sein Blick war so voller Trauer, voller Verzweiflung... voll von aufgebenden Gefühlen. „Du hast mich verlassen... meine Karo.... du hast mich verlassen... es tut mir alles so.. so leid....“ Aus seinen Augen tänzelten vereinzelte Tränen und in Karo wirbelte ein Wirbelsturm voller Angst, voller Schuldgefühlte... voller Liebe!!! Mit einem Ruck wachte sie auf und sah sich panisch im kleinem Hause um. Das Kaminfeuer war nur noch ganz klein... nur ein wenig Kohle glimmte noch vor sich hin. Mit zittriger Hand befühlte Karo ihre rechte Wange als sie merkte das eine Träne sie streichelte.... sie war ganz feucht... hatte sie im Schlaf geweint? Als sie tiefer einatmete, schluchzte sie ungewollt etwas zittrig.... Wo war er nur?! Wo ist ihr Epheas???? „Ich brauch’ dich doch...............“ wisperte sie leis und verzweifelt und wusch sich die Tränen mit dem Hemdsärmel ab. Er war nun etwa fünf Monate fort von daheim. „Ach mein Schatz! Ich schreibe dir schon auf dem Schiff... jeden Tag werde ich dir einen Brief senden so das die letzten ankommen wenn ich schon lange wieder bei dir bin hm?!“ Ja, jeden Tag wollte er schreiben..... bisher hatte sie keinen einzigen Brief erhalten... kein einziges Wort.... nichts! Mit humpelnden Schritten ging Karo noch im Nachthemd hinaus an das Meer hinter dem Haus und sah auf die schwarze See hinaus. Wie gespenstisch alles wirkte... als würde die Dunkelheit alles und jeden verschlucken wollen..... Doch sie selbst... in jenem Moment sehnte sie sich danach verschluckt zu werden, wenn sie nur dann erfahren würde, was mit Pheas wär. Vielleicht hatte er eine andere kennen gelernt... eine, die kein Krüppel war, wie sie selber... Eine, die nicht wegen jeder Kleinigkeit herumzickte, wie sie es so oft bei ihm getan hatte... eine, die vielleicht ein wenig mehr als sie selbst im Kopf hatte.... er hatte immer gesagt es seie ihm egal... das sie zum Beispiel nicht gut schreiben oder rechnen konnte... hatte sie es doch nie wirklich gelernt!!! Doch er, er wusste so viel... war so wissbegierig und oft, wenn er von seinen Studien redete nickte sie nur, verstand allerdings kaum was er redete... Nachfragen, hätte sie nachfragen sollen?!... Nein, das war ihr zu peinlich... er sollte nicht noch mehr von ihr enttäuscht sein. Doch heute, da wünschte sie sich nachgefragt zu haben!!! Studienreise... eine Studienreise auf das Fenstland! Damit konnte sie reichlich wenig anfangen!!! Sie konnte ihm nichteinmal nachreisen... um ihn zu suchen, war das Festland doch riesig und sie selbst unheimlich unflexibel mit ihrem tauben, schmerzenden Bein. Langsam sank Karolyn auf die Knie und versteckte ihr Gesicht in beiden Händen.... sie hatte noch nicht geweint... noch nicht um den Verlust ihrer Liebe getrauert... doch nun, wo sie hier allein am Ufer kniete...in die Dunkelheit der Frühlingsnacht gehüllt kam alles hervor was sie so lange unterdrückt hatte. Ihre Schulter zitterten... ebenso ihr Brustkorb. Ihre Stimme war hell- verzweifelt... und wurde immer lauter und schluchzender. „Pheas.... komm zurrück... bitte komm doch zurrück!!!“ Dabei streckte sie die rechte Hand gen Meer als wolle sie ihn ergreifen und an sich ziehen! Doch er war nicht da... kein Zeichen erhellte am Himmel... keine Sternschnupper oder derlei die ihr Hoffnung schenkte.... Es blieb still... und dunkel... und kalt... und sie, sie blieb allein.... Allein?..... Nein, sie war nicht allein... sie hatte sich verliebt... sie hatte sich in einen Mann verliebt in den sich sicherlich viele Frauen verlieben würden... war er doch das, was sich jede Mama für ihre Tochter wünschte. War er doch hübsch, zuvorkommend, erzogen, gebildet... respektvoll den Frauen gegenüber.... er war alles was..... ja, er war alles was Karolyn selbst sich immer gewünscht hatte!!! Rasch wand sie den Kopf zurück und erhob sie auf ihre nackten Füße um zum Haus zu schleichen. Durch ein Fenster sah sie wie Neran sich im Haus umsah und ein klein wenig verunsichert wirkte. Seine Lippen formten ihren Namen und er hob die Bettdecke ein wenig an als würde er sie darunter vermuten. Ein verliebtes Lächeln setzte sich auf ihren Puppenmund als sie ihn beobachtete. Er machte sich gleich daran das Kaminfeuer wieder zu entfachen.... er zog sich aus... reinigte seine Hände und das Gesicht und krabbelte letzendlich mit einem Buch in der Hand in das Bett. Mit einem leisen Seufzen schloss sie ihre Augen und lehnte ihre Stirn einen Moment an die kühle Hauswand. Ihr Herz pochte rasch... rasch aus verzweifeltem Kummer, Pheas wegen! Rasch aus Liebe, die sie in das Bett zog welches im Hause stand.....! Noch einen kurzen Blick warf Karolyn auf das Meer hinaus und strich sich die vorstreichende Strähne aus dem Gesicht. „Was auch immer kommt, es kommt damit zukünftiges geschieht...“ flüsterte sie leise in den Wind... strich sich die letzte Strähne von der Wange und ging in das Haus hinein... um Neran mit einem gewohnt herzlichen Lächeln zu empfangen... Wobei sie wieder all die... unsterblich schmerzlichen Gefühle Pheas gegenüber unterdrückte und hinabschluckte.... doch wie lange? |
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Reisender
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Der Schweiß rann Karolyn über die Stirn hinab. Leis zischelnd wischte sie sich mit dem rechten Handrücken über die Augen als sie die Holzscheite, welche sie in einen großen Sack gehieft hatte und hinter sich herzerrte, neben der Tür ihres Hauses liegen ließ und sich tief einatmend auf den Boden hinabsinken ließ.
Sie brauchte nun erst einmal eine Pause! Mit hochroten Wangen, Schweiß auf der Stirn und am Nacken wühlte sie sich eine Trinkflasche aus dem Rucksack. Den Kopf in den Nacken legend fiel ihr Blick auf das Hausschild, welches sie vor einiger Zeit abgeschliffen hatte, um etwas neues hineinzuritzen. „Karolyn Dogrem, Bognerin & Neran Kean“ stand auf dem Schild... in ihrer hübschesten Schrift! Ein sanftes Lächelnd legte sich auf ihre Lippen als sie die Flasche auf den Boden neben sich legte und sich einfach zurrückfallen ließ um zu liegen. Wie schön der Sommer doch war!!! Die Sonne schien auf sie hinab, doch schützte eine mächtige Tanne Karo vor dem direkten Sonneneinfall. Die Vögel zwitscherten vor sich her, die Kronen aller Bäume raschelten im angenehmen, etwas abkühlenden Windchen.... und Wauwau, der Welpe der mitlerweile höher als ihre Knie waren hörte man leis vor sich herknurren, da er spielerisch mit einem Stock kämpfte. Karolyn nahm Wauwau eigentlich immer mit wenn sich Holz fällen ging... erstens hatte der „Kleine“ große Freude an den Ausflügen in den Wald und zweitens fühlte sie selbst sich sicherer. Wenn er auch kein Monster war... er war ein Hund, der sie beschützen würde, da war sie sich hundert % sicher! Ihre Augen schlossen sich unter einem wohligen Lächeln und ihre rechte Hand legte sich auf den flachen Bauch, der sich gleichmäßig und ruhig hob... um sich wieder zu senken. Wie seine Augen gestrahlt hatten, als er das Schild gesehen hat... es war der erste öffentliche Schritt ihrer Beziehung zueinander. Sie gehörten zusammen und das sollten alle wissen!!! Natürlich hatte Karolyn am Anfang ein schlechtes Gewissen... sie dachte einige Male ganz still und heimlich an Pheas... sprach mit ihm, indem sie zum Meer hinausredete, bat ihn um verzeihung. Doch jetzt? Jetzt war alles ganz anders. Sie war sich so sicher, dass sie Neran liebte. Und NUR Neran... würde Pheas auch wiederkommen, sie würde Neran nicht verlassen... nie und nimmer!!! Es war sehr harmonisch zwischen den beiden. Ihr Geschäft mit dem Bognern lief ganz gut, sie hatte einen Ausbildungsplatz bei Royd Tanbel... und er hatte seine Berufung bei der Garde gefunden, wo er all seine Eigenschaften gut einsetzen konnte und regelrecht aufblühte. Ihre Augen öffneten sich und sie sah zu dem Geäst der Tanne auf...... dabei flüsterte sie leise „aufblühen....“ Ja, er blühte auf... bei allem. Sei es bei der Garde... bei ihr selbst oder aber auch bei anderen. Er sieht so gut aus!!! Karolyn war es nicht gewohnt, dass andere Frauen ihrem Freund _so nachsahen... Voller Interesse und... ach Karo wollte gar nicht wissen, was jene dachten!!! Mit Pheas war das immer anders gewesen... er war nicht wirklich der hübscheste. Er war kleiner als sie... hatte einige Pickel im Gesicht und war ein typisch rothaariger Mensch! Sie wollte es ja nie zugeben, aber sie war die Schöne in der Beziehung gewesen. Und nun?! Neran ist unheimlich groß, sein Körper ist von hübsch angelegten Muskeln besetzt... nicht zuuu extrem aber so, dass es einem schon den Atem stocken kann. Er hat ein unheimlich schönes Gesicht, weiche reine Haut... festes blondes Haar! Herje, er war doch das was sich sicher die Hälfte alles Frauen wünschten! Und dann kam sie, gut... sie war nicht hässlich aber.... Unwillkürlich sah Karo zu ihrem rechten Bein hinab... fast ein wenig hasserfüllt. Nein, sie hatte gar keine Meinung von sich selbst. Vielleicht merkten es all die anderen in ihrem Umfeld nicht aber.... ab und zu, wenn sie alleine war, weinte sie. Sie weinte, da sie sich hässlich fühlte... nicht wirklich hässlich aber sie war sich so sicher, dass Neran etwas besseres verdient hatte. Eine Frau... die schlau und gebildet ist, wie er selbst! Eine Frau die weiß wie... wie man artikuliert, wie er selbst! Eine Frau, die mit ihm mithalten kann... normal geht und nicht humpelt, so das alle ein wenig missbilligend hinter jener Frau hersahen... wie er eben! Unsinn, unsinn!!! Es war Unsinn das redete er ihr immer wieder ein aber herje, was sollte sie tun?! Es gibt schlimmeres... sicher! Aber.... sollte man in einer Beziehung nicht einfach glücklich sein, dass man denjenigen hatten.... das man liebt und geliebt wird?! Und nicht immerzu daran denkt, dass er vielleicht wen anderes viel lieber haben könnte als sie?! In letzter Zeit war es ganz besonders schlimm... Karo wusste selbst nicht woran es lag und sie wollte es auch nicht!!! Aber... immer wenn sie ihn mit einer anderen Frau sah, drehte sich ihr Magen um und sie hatte nicht schlecht lust.... sie schreiend fortzuschicken und ihn... an die Leine zu nehmen um ihn.... irgendwie... immer bei sich zu haben! Aber das war Unsinn... „Unsinn“ brummelte Karo leise vor sich her und erhob sich wieder vom Boden um den Sack mit den Holzscheiten in das Haus zu zerren. Sie war glücklich!!! Sie liebte Neran über alles!!! Mehr, ja... mehr als sich selbst und vielleicht machte ihr genau jenes angst. Würde er sie irgendwann hintergehen, auch nur Ansatzweise, sie würde sterben! Vielleicht nicht vom Körper her.... aber innerlich! Eine Welt würde zusammenbrechen und.... Kopfschüttelnd schüttelte sie den Gedanken ab und ließ sich auf das Bett plumpsen. „Du musst wieder normal werden Karo...“ murmelte sie leis zu sich selbst und wurde von Wauwau entgültig aus den Gedanken gerissen, welcher mit seinen dreckigen, noch immer tapsig groß wirkenden Pfoten auf ihr Bett hopste und matschige Spuren auf der Tagesdecke hinterließ. „WauWau weg da!“ fiepste Karo entgeistert und schubste den Hund vom Bett.. „Hach Männer!“ murmelte sie wütend doch musste gleich darauf kichern.... Wauwau lag auf dem Boden und hatte beide Vorderpfoten über seine Augen gelegt... so, als würde er sich schämen. |
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