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Alt 25.01.2003, 23:44
Ein weiter Weg
#1
Trostal
Gast
 
Beiträge: n/a
Er kam aus Cove. Einer keinen verschlafenen Stadt. Ja, verschlafen, das war sie wohl und gerade deshalb nicht der Ort an dem sich ein Bettler lange aufhielt. Zu schnell war man bekannt unter den Bürgern. Zu schnell waren sie es leid ihm Gold zuzustecken, welches sie im Schweisse ihres Angesichtes erarbeitet hatten. Dennoch mochte er diese Stadt irgendwie. Überall waren sie gegenwärtig. Die wundervollen Gefolgstiere seiner Göttin. Er genoß ihr Quieken und ihr leises Trappeln. Gelegentlich liess er sich an einer abgelegenen Stelle nieder und teilte mit ihnen sein erbetteltes Essen. Sie waren mehr, als nur seine Tischgesellen. Mehr doch seine Familie.

Die Erträge waren mager geworden. Jeden Tag den gleichen Menschen über den Weg zu laufen um sie wieder mit einer neu erdachten Geschichte zu bereden, auf dass man ihm etwas zusteckte. Es war anstrengend und so gar nicht in seinem Sinne.
So zog er aus gen Süden. Er wollte nach Britain um dort zu verweilen und die Reichen dort um etwas Gold zu erleichtern.
Auf dem Wege ließ er sich Zeit. Er machte kleine Streifzüge ab vom Wege und erkundete die für ihn neuen Gegenden. Seine kleinen Pausen, die er einlegte nutzte er so sinnvoll wie möglich, indem er wieder und wieder seine Betteltiraden durchging. Jedes Wort mußte passen und gut gewählt sein. Er wollte Perfektion. Perfektion in allen belangen. Jede erdenkliche Begegnung mit den Bürgern dort würde ihn vor eine herausforderung stellen und er mußte eine reiche Anzahl an Antworten parat haben. Immer wieder begann er von neuem, weil er unzufrieden war mit dem Klang seiner Worte, oder weil ein Wort nicht in seine Tirade passte. Er hatte Zeit, viel Zeit.

Als er sich am Fuße eines Baumes niedergelassen hatte und einer Krähe dabei zusah, wie sie ihren Jungvogel versorgte und ihn fütterte kam ihm ein Gedanke. Die Starken sorgen für die Schwachen. Sie machen es aus Liebe, oder aus Mitleid. Einen Fremden liebte man kaum, vor allem nicht, wenn er so heruntergekommen aussah wie er selbst. Fettiges Haar, geschwärzte Fingernägel, die Haut vom Wetter und der Sonne gegerbt, seine Kleidung zerschlissen und eingerissen.
Nein, sie mußten ihn so sehr bemitleiden, dass sie ihm Summen gaben, die sie sonst keinem Bettler auch nur annähernd zu geben gedachten. Immer weiter vertiefte er diesen Gedanken, sponn ihn aus und webte ihn zu einer Geschichte, seiner zukünftigen Geschichte.
Krank würde er sein. Ein schlimmes Leiden. Jeder Atemzug würde ihn Schmerzen ob einer Krankheit seiner Lugen. Dies würde sein Bettler dasein beinahe ad absurdum führen, da er doch darauf angewiesen war, die Leute mit seiner Beredsamkeit zu überzeugen. Es würde nochmals unterstreichen, wie verzweifelt er doch war. Wofür sie ihm Gold geben sollten lag auf der Hand. Sie sollten ihm spenden, auf dass er sich eine ominöse Medizin kaufen kann, die ihn wieder gesund machen sollte. Die Zeit würde drängen, damit sie selbst keine Zeit hatten es sich anders zu überlegen. Vor allem auf diese Bürger hatte er es abgesehen, die an diesen Glaron glaubten. Nach den Geschichten, die er aufgeschnappt hatte, residierten sie dort. Er würde sicher nicht in offener Feindseligkeit ihnen gegenübertreten. Warum auch? Waren sie doch diejenigen, die möglicherweise die Mildtätigsten unter ihnen waren.

Zwei Wochen vergingen. Wochen voller Sorglosigkeit. Die Bäume trugen reichlich Obst und liessen ihn nicht hungern, wenngleich es ihm verlangte nach einem Laib Brot oder einer fetten Lammkeule.
Seine Geschichte war gut, dass wusste er, sein Tonfall voller Bedauern, voller Trauer und Verzweiflung. Es war Zeit für die Ernte, seine Ernte. Zufrieden blickte er aus der Entfernung auf einem Hügelkamm stehend hinab auf Britain. Die Stolze Stadt, die einmal an genau diesem Stolz zu Grunde gehen sollte, so es nach seinen Plänen ging. Doch bis dahin, war es ein weiter, weiter Weg....
 
Geändert von Trostal (25.01.2003 um 23:49 Uhr).
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Alt 27.01.2003, 11:43
"Die Honigtopfansprache" und "Der d
#2
Trostal
Gast
 
Beiträge: n/a
Gut gelaunt und beinahe fröhlich begab er sich zu den Stadttoren. Er mühte sich die einstudierte Mine aufzusetzen, die er von nun an in dieser Stadt aufzusetzen hatte. Es fiel ihm wahrlich nicht leicht. Am Stadttor schien auch schon die erste Prüfung zu warten. Eine erste Probe die ihm zeigen sollte, wie gut es in dieser Stadt mit dem betteln funktionieren könnte. Also machte er sich auch sogleich daran die junge und hübsche Frau mit seinem Gebahren auf sich aufmerksam zu machen. Es dauerte nicht lang und sie kamen ins Gespräch. Ein junger Mann stiess zu ihnen und es wurden zunächst Höflichkeitsfloskeln gewechselt, bis er schliesslich zur Sache kam und all seine Wortgewandheit ins Gespräch legte. Vergebens. Eine Katastrophe. Nicht nur, dass sie nichts gaben, nein, seine Menschenkenntnis hatte ihm nicht die offensichtlichen Anzeichen vermittelt, dass diese holden Spender, die sie sein sollten, wohl ärmer waren als er selbst. Welch peinliche Situation , die er durch seinen überschwenglichen Tatendrang herbeigeführt hatte.
Doch schnell hatte er diese Begegnung als lehrreichen Fehler abgetan und hatte sich den beiden angeschlossen, die ebenso neu in der Stadt waren. Auch wenn sie wohl kaum etwas gemein hatten, so verband sie die Erkundung der Stadt. Sie wandelten durch die Strassen und Gassen der Stadt unter den musternden Blicken der Wachen. Anmutig und in prachtvollen Rüstungen patroullierten sie und schienen auch die dunklen Winkel und verlassenen Nischen ständig im Auge zu behalten. War das nicht eine Gelegenheit? Ein Wink des Schicksals sich gleich an einer Wache zu messen? Warum eigentlich nicht? Der Stadt verweisen konnten sie ihn sicher, doch es gab sicher mehr zu gewinnen als zu verlieren. So ging er gebeugt der ersten Wache hinterher und begann zu sprechen. Es folgte seine "Honigtopfansprache". Sie beinhaltete einfache Grundregeln eines erfolgreichen Bettlers. Komplimente, Darstellung der Nichtigkeit seines eigenen Lebens im Vergleich zum Angebettelten und zum Abschluß sein Wunsch nach einer Spende indirekt zum Ausdruck gebracht. Er sprach auswendig, doch mühte sich, dass es so klang, als würden die Worte spontan aus ihm heraussprudeln. Seine Begleiter, die ihm überrascht hinterher sahen und lauschten staunten nicht schlecht.

"Ihr seid gross, voller Anmut und Stärke, euer Antlitz leuchtet und
geht mit Grazie einem jedem ins Aug. Wert bin ich nicht, dass ihr
Elend wie mich ansehen muesst, oder gar euer Antlitz zu schauen.
Solch Weisheit in euren Augen, der ihr sicher über wichtige dinge euch Gedanken macht, während ich nur der Abschaum bin, dessen einzig Begehr sich um ein Stück Brot dreht, weil der Hunger mich zu keinem anderen Gedanken befähigt. Doch geht besser vorbei und seht nicht zu so einem wie mir, einem Armen, mit dem es die Götter nicht gut meinten. Ich bin es nicht wert."


Mitgefühl spiegelte sich im Gesicht der Wache wieder und er gab bereitweilig ein paar Münzen seines Soldes. Er hatte wohl erwartet, dass der Bettler nun mit einer Verbeugung und einem "Habt dank" davonzog, doch zu seiner Verwunderung hagelte ein weiterer Wortschwall auf ihn ein. Trostal nannte ihn, den "Dankbaren Segen".

"Oh habt dankt, ihr seid so grossherzig, so milde und Beschützer
der Armen und Kranken. Moeget ihr gesegnet sein! Gesegnet sei euer Leib, gesegnet sei eure stärke! Mögt ihr immer in Weisheit und Freude durchs Leben wandeln. Beschämt blicke ich zu euch auf für die Mildtat die ihr erbringt, für euer Opfer das ihr darbietet, wo ich doch nicht vergelten kann so viel Gutmütigkeit, ausser euren Namen preisen und mich an euer edles Antlitz erinnern."


So zog Trostal mit den beiden anderen weiter, die sich köstlich amüsiert zu haben schienen. Sie benahmen sich, als hätten sie einem Schauspieler bei einem Lustspiel zugesehen und sie lobten ihn für seine gute Umsetzung. Es hätte nur noch gefehlt, dass sie ihm applaudierten und damit seine Mühen zu Nichte machten, so sich die Wache sicher nicht zum Narren hätte halten lassen, auch wenn dies nun unbemerkt der Fall war. Sie schienen zu denken es sei ein Spaß. Für ihn jedoch war es das keinesfalls, es war ihm ernst, es war bittersüsser ernst...
 
Geändert von Trostal (27.01.2003 um 11:47 Uhr).
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