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Reisender
Registriert seit: 09 Jun 2004
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Der Blick des alten Elfen schweifte zum sternenklaren Nachthimmel, während sich die Flammen eines kleinen, wärmenden Feuers in seinen goldenen Augen spiegelten. Dort oben zwischen den Myriaden kleiner Lichter verharrten seine Pupillen fast sofort auf einem ihm ganz besonderen. Dort oben war sie nun. Die, die ihn vor ein wenig mehr als drei Sonnenwenden verlassen hatte. Hier an diesem Strand hatte er das Erthad an en Aear vollzogen und ihren Körper auf einem selbstgeflochtenen Schilfboot hinaus auf das von den roten und goldenen Strahlen der untergehenden Sonne schimmernde Meer geschoben. Nur seine Schwester Rai und einige sehr enge Freunde, die wenigen, die ihm nach über 700 Jahren vergangener Lebenszeit geblieben waren, besangen Shi`nayns Heimgang.
So heilig, wie ihm damals dieser Augenblick war, so heilig ist ihm die Insel, auf der dies alles stattfand und auf deren Grund er nun wieder stand. Hier, so scheint es, nimmt alles seinen Anfang und auch sein Ende. Shi'nayn und er wurden hier geboren und kehrten zugunsten einer langen Wanderschaft der Insel den Rücken. In der Fremde hörten sie vom Niedergang Occlos und dem Tod vieler Edhel. Eine Insel, die ihm viel Freude, aber auch viel Leid gebracht hatte. Doch eine, die er nie missen mag. Nie hatte er es lange in Cerinor, der neuen Heimat der Edhil ausgehalten. Schön ist Cerinor, wahrlich. Doch an Occlo hängt seine Jugend und seine Geschichte, die ihn im Alter wieder herführte. Ein leichter Wind, der nun vom Meer landwärts wehte, trocknete einige wenige Tränen, die ihm ob der Erinnerung entfleucht waren, während seine Gedanken weiter in die Vergangenheit schweiften. Der behagliche Innenraum eines elfischen Hauses erschien vor seinem inneren Auge. Ein alter Elf, wohl in dem Alter, in dem er nun war, redete mit sanfter Stimme von Magie, den Geheimnissen der Natur und der Welt. Vor ihm sass ein sehr junger Edhel, der ihm mit goldenen Augen gebannt lauschte. Ein Name nahm Gestalt an. Ein Name, den Sevarion mehr als alles andere mit der Magie in Verbindung brachte, die in ihm schlummert und deren Meisterschaft er immer zu erreichen trachtete, ihm aber nie in dieser Perfektion gelang. Sastradil, der Lehrer seiner Jugend. Auch einer, der ging, um als heller Stern das nächtliche Firmament zu erhellen. So wie viele andere, deren Anlitz nun in seinen Gedanken erschien und verging. Mutter, Vater, Geschwister, Verwandte, alte Freunde. Er zog den langen Mantel aus weichem Baumwollstoff enger um sich, während der seewärtige Wind auffrischte. Ein Stück Besitz, welches ihn seit seinem Aufbruch von Occlo, damals vor 600 Jahren, begleitete. Dieser Mantel hatte, ebenso wie er selbst, viele Dinge gesehen; fremde Länder, fremde Völker und auch die vergangenen Freunde. Er dachte an seinen ersten Kontakt mit den Edain, welche Shi'nayn und ihn voll des Staunens anblickten, als sie ihren Fuss auf die Landungsbrücken von Britain setzten. Er fühle sich damals unbehaglich und ein wenig verloren in dem rastlosen Treiben des Hafens. Lange Zeit kämpfte er nach diesem ersten Schritt in die Welt der Edain, ihnen neutral und möglichst ohne Vorurteil gegenüberzutreten. Allzusehr, so fand er, waren sie der Anhäufung unwichtiger materieller Dinge zugewandt. Zudem schien ihr Denken nur auf den Augenblick gerichtet und wenig weitsichtig. Doch er lernte auch, dass dies wohl die Eigenschaft sein müsse, die den Menschen das Überleben in ihrer kurzlebigen Welt ermöglichte. So akzeptierte Sevarion schliesslich deren Lebensart. Doch er blieb stets distanziert und zurückhaltend. Zu verschieden sind Edhil und Edain, als dass richtige Freundschaften entstehen könnten. Und so nannte er auch nur wenige aus deren Reihen Freund. Das Feuer flackerte nun in den Böen des Seewinds. Eine unstete Bewegung, die auch Sevarions Gedanken ergriff. Ebenso unstet wie sein Leben. Oft hatte er sich als junger Elf gefragt, warum er ein Leben ausserhalb der Gemeinschaft der Edhil wählte. Lange hatte es gedauert, in den nördlichen Wäldern eine Anwort darauf zu finden. In der Gesellschaft der Lindel suchte er sein Lied und in der Eimsamkeit ihres grünen Reiches unter den mächtigen Stämmen der Yewbäume. Immer sangen die Töne von Weiten und Höhen, dem Unerforschten und Unbekannten. Und mit der Zeit komponierte sich ein Lied der Offenheit und des Voranschreitens. Die nagenden Fragen in ihm wurden stiller, bis sie letztlich verstummten und nur der Klang seiner selbst blieb. In dieser Zeit gingen er und Shi'nayn oft getrennte Wege, fast ein Jugendalter der Edain lang. Nun kam es ihm vor wie gestern, dass sie sich im Schatten einer Ulme wiederfanden. Beide mit einem Bündel ihrer Habseligkeiten bepackt. Ihre Augen trafen sich. In ihren klaren Tiefen ein Lächen. Wortlos umarmten sie sich, sagten ihren Geschwistern, den Lindel, lebwohl und wanderten von nun an gemeinsam, ohne Zweifel und Fragen. Aus dem rebellischen Drang der Freiheit der Jugend war die Reise für beide Weg und Ziel geworden. Die Weite und Unergründlichkeit des nächtlichen Meeres, in dem sich das Silber des Sternenhimmels spiegelte, ähnelte seiner Wanderung, die er damals, als er mit Shi'nayn von den Verwandten der Wälder aufbrach, antrat. Von den Weiten des Osten bis zu den Wundern des Südens und weit hinaus über das Meer nach Westen führte sie ihre Lebensreise, um schliesslich hier auf Occlo ihr Ende zu finden. Es ist ein Kreis, der sich schliesst in dieser Nacht. Der Kreis eines langen Lebens, der seine Vollendung dort findet, wo alles begann. Oder sollte man sagen, wo er selbst begann. Abermals fand sein Blick den Stern Shi'nayns. Das Feuer nun fast hinuntergebrannt, wie sein bisheriger Weg. Das Schiff wartete. Einige letzte gemurmelte Worte hinauf zum Firmament. Ein Versprechen und ein Wunsch. Beides jedoch unhörbar verweht vom kräftigen Wind der See. Er würde es Rai erzählen, wenn er sie im Grauen des Morgens begrüssen würde, auf den Strassen von Cerinor. |
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