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Reisender
Registriert seit: 24 Jun 2006
Beiträge: 282
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Wieder einmal stieg Fabrizio selbstsicher wie immer von Bord eines der Schiffe seines Vaters. Er würde es hier genauso handhaben, wie auf den Inseln zuvor. Mit dem Geld seines Vaters einen Kontor kaufen, Leute anlernen und, wenn alles läuft, aufbrechen zur nächsten Insel. Und für zwischendurch gab es ja die Frauen für die Kurzweile.
So betrat er also an einen sonnigen Tag den Hafen von Britain. Man konnte die riesige Baustelle, die sich im Hafen auftat. Er kam scheinbar zur rechten Zeit, um sich einen guten Platz in den neuen Häusern zu sichern. Jetzt musst er nur noch die wenigen Tage überbrücken, ehe die Bankanleihe seines Vaters mit einem Boten eintraf und er mit seinem Werk beginnen konnte. Und in der Zwischenzeit machte er sich auf die Jagt. Schöne Frauen schien es hier im überfluss zu geben. Und schnell machte er auch einige Bekanntschaften. Lediglich eine blieb recht hartneckig in seinen Gedanken haften. Seronie. Sie hatte ein bezauberndes, noch immer jugendliches Gemüt. Und er genoss es sichtlich, wenn er sich mit ihr unterhalten konnte. Aber es gab auch Schattenseiten. So kam es gleich am zweiten Abend, vor dem Gottesdienst zu ehren Glarons zu einer kleinen, verbalen Auseinandersetzung mit einer Dame am Marktplatz. Nichts desto trotz breitete er schnell seine Beziehungen aus. Hierbei muss er zweifelos Ardenius Peret, den Richter Britains, hervorheben. Durch ihn kam er zu recht vielen Kontakten. Und das sie nützlich waren, stellte sich ebenso schnell heraus, wie er sie bekam. Doch was ihm blühte, damit konnte er nicht rechnen. Der Tag war da. Ein Bote brachte eine Schriftrolle von seinem Vater. Zweifellos die Bankanleihe, so dachte er. Doch als er die Rolle entrollte, traute er seinen Augen nicht. Sie enthielt nur eine Botschaft, keine Anleihe. Er laß sie wieder und wieder. *Mein geliebter Sohn. Jene Zeilen gebe ich dir mit auf den Weg, um dein Leben mit guten Vorsätzen und einem Ziel zu beginnen. Dieses mal sende ich dir nicht, wie gewohnt, eine Bankanleihe mit einigen Zeilen zu. Diesmal sollst du beweisen, das du auf deinen eigenen Beinen stehen kannst. Handele nach deinem Gedünge, wenn du zurück kommen magst. Doch lege ich es dir im moment nicht ans Herz. Du weist, dein Bruder Jiaro mag dich nicht sehr zu schätzen. Er war stets deinem Eifer neid. Doch er ist der älteste und nach dem Gesetz der Erbe. So will ich Versuchen, dir ein vielleicht unangenehmes Leid zu vermeiden. Aus deinem letzen Brief entnahm ich, das du nun im Herzogtum Britain bist. Eine schöne Insel. Ich war selbst einmal dort. Und ich denke, das du dort dein neues Leben aufbauen kannst, ohne auf die Probleme hier bei uns zu achten. Mein Sohn, es tut mir nicht leid, das es so gekommen ist. Viel mehr bedrückt mich, das ich es dir nicht selbst unterbreiten konnte und ich mich nicht von dir verabschieden konnte. Doch wirst du stets in meinem Herzen bleiben. Doch du weist, ich werde alt. Bald wird Jiaro das Handeln übernehmen. Und damit auch die Geschicke in der Grafschaft. Ich hoffe, er ist so weise, wie du es sein würdest. So wünsche ich dir alles nur erdenklich gute. Möge Glaron einen nicht so schweren Weg dir ausgebreitet haben. *Das Schreiben trägt das Zeichen der Grafschaft Nelassar. Einen Sack in der Mitte, Hammer zur linken, einen Teil einer Waage zur rechten.* Dein Vater, Govaneo Sareso, Graf von Nelassar* Fabrizio konnte es nicht fassen. Es hämmerte in seinem Kopf und alles um ihn herum schien zu verblassen. |
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Reisender
Registriert seit: 24 Jun 2006
Beiträge: 282
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Wie betäubt sahs er in seinem kleinen Zimmer. Es dämmerte und die Paradestraße lag schon schwer in Schatten. Doch er hatte sein Zeitgefühl verloren. Zu viele Gedanken spukten in seinem Kopf. Doch das lauteste, was er vernahm, war WARUM?
Warum, Vater? Habe ich nicht immer alles zu deiner vollsten Zufriedenheit erledigt? Habe ich nicht immer in deinem und im Sinne der Familie gehandelt? Habe ich nicht alles getan? Wo liegt meine Versagen? Viele Fragen, auf die er keine Antwort fand. Und was hatte sein Bruder damit zu tun? Ja, Jiaro neidete dich und deine Schwester immer. Aber daran war er selber schuld. Wenn er auch nur Faul seinen eigenen Fransen nachging... Seine Gedanken glitten nach Hause. Das Landgut, wo er aufwuchs. Die weitläufigen Ländereien, der kleine See. Die Kinder der Bediensteten, mit denen er spielte. Und die Kinder aus der näheren Umgegend, die immer mal wieder kamen um mit zu spielen. Und heute arbeiteten auch sie für seine Familie wie einst ihre Väter Doch dann bekam er es mit der Angst. Was nur, wenn er es nicht schaffen würde, nach Hause zu kommen? Würde er je wieder seine Familie sehen? Oder wäre es gar besser, wenn es nicht mehr zurück käme. Warum hatte ihn sein Vater gewarnt?` Als er das nächste mal aufblickte, war es stock finster. Nur ein schwacher Lichtschein dran durch sein Fenster. Etwas verwirrt entzündete er die Kerze auf dem kleinen Nachttisch neben seinem Bett und stellte sie auf die Komode. Sein Blick glitt aus dem Fenster. Unten kam ein Gardist mit einer Laterne vorbei. Warum gerade dieses Eiland? Was dachte sich mein Vater dabei? Er konnte sich keinen Reim darauf machen, warum er gerade hier sein Leben neu Ordnen sollte. Dabei war es garnicht geplant, das sein nächster Stopp hier sein würde. Doch das Schiff nach Norrland hatte Havarie und konnte nicht auslaufen. Bevor er noch einen Tag länger in diesem Loch, wie er es nannte, verweilen musste, nahm er lieber das nächste Schiff, das auslief. Nur deswegen landete er auf Britain und nicht in Norrland. Oder war es Absicht? Hätte mein Vater es so oder so getan? Wollte er nur bei den beiden Malen davor sehen, ob du reif für dein eigenes Leben bist? Mit diesen Gedanken sah er erneut den Gardisten vorbei trotten. Er wusste, es war Zeit, ins Bett zu gehen. Doch er wusste genauso, das er nicht schlafen konnte. So kam, was kommen musste. Er bekam die gesamte Nacht kein Auge zu und erst als die ersten Sonnenstrahlen durch sein Fenster lugten, schloss er seine Augen. Was würde nur noch alles kommen... |
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