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Reisender
Registriert seit: 01 Oct 2006
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Es ist der 12.Ador im Jahre 1286
Die untergehende Sonne taucht das Schlachtfeld in ein feuerrotes Licht und überstreicht die darniederliegenden geschundenen Körper mit ihren letzten Strahlen. Es ist nunmehr still geworden, und man kann nur noch vereinzelte Schreie oder auch das ein oder andere unterdrückte Stöhnen vernehmen, das von den vergessenen Kämpfern beider Seiten herrührt, die ihrer Begegnung mit dem Schnitter mit großen Schritten zueilen. Der Boden ist getränkt vom Blut der Gläubigen und Mutigen, die sich der Belagerung der Orken, Ettins und Oger entgegengestellt hatten. Umsomehr war der Boden aber mit dem Blut ebendieser Kreaturen geflutet worden, deren Belagerung Coves mit dieser letzten Schlacht ein Ende finden sollte. Diejenigen unter ihnen, die dieses Schlachten überlebt hatten, und es waren derer nicht sehr viele, waren schon in den weitläufigen, tiefen Wäldern verschwunden. Vor der Silhouette der verschwindenden Sonnenscheibe zeichnet sich noch ein einzelner Schatten eines menschlichen Kriegers ab. Er stolpert, wohl mehr als dass er läuft, über das Totenfeld. In der Rechten hält er noch kraftlos sein Schwert, dessen Spitze über den Boden schleift und bei der Berührung mit Steinen oder Rüstungsteilen einen metallischen Klang abgibt. Sein Schritt kennt kein Ziel, sein Blick kennt kein Erkennen. Er blickt mit müden, blutunterlaufenen und leeren Augen auf die Leiber die er übersteigt, als er dann unversehens stehenbleibt. Er richtet sich nun zu seiner vollen Größe auf, hebt den Kopf und öffnet den Mund leicht, um seine Lungen mit der metallisch riechenden Luft zu füllen. Die letzten Sonnenstrahlen zeichnen durch seinen zerfetzten Umhang ein groteskes Muster auf die hinter ihm liegenden Toten und von manchen Rüstungen wird noch ein letztes Blitzen einer Reflektion zurückgegeben. Dann schließlich zerreißt sein Schrei die lastende Stille. Er brüllt seine Wut hinaus, über den Tod der gefallenen Mitstreiter, brüllt seine Freude hinaus, über die gewonnene Schlacht, brüllt seinen Schmerz hinaus über die erlittenen Wunden, brüllt sein Entsetzen hinaus über die gesehenen und erlebten Grausamkeiten im Kampfe, brüllt die Trauer hinaus über den Tod seines Vaters. Als dann sein Schrei erstirbt, sackt er in sich zusammen, sinkt auf einem Knie auf den Boden, sein Schwert mit beiden Händen vor sich haltend, die Spitze auf den Boden gestellt. Er senkt den Kopf zwischen seine ausgestreckten Arme und ein tiefes Schluchzen entfährt seiner Kehle. Seine Schultern zucken leicht und man könnte meinen, der Krieger weinte. Doch ist er ja ein Krieger, und niemand würde wohl solch vermessene Behauptung wagen aufzustellen. Zu dem so kauernden Krieger dringen vom Rande des weiten Feldes bereits erste Töne des beginnenden Freudenfestes herüber. Volle Becher werden gehoben, schlagen aneinander, und es wird aus ganzen Kehlen gelacht. Doch diese Töne dringen nicht in die Gedanken des jungen 19-jährigen Kämpen. der immer noch mit zuckenden Schultern in dieser Stellung verharrt, bis auch die letzten Sonnenstrahlen von der Dunkelheit verschluckt worden sind, und nur die bleiche Sichel des Mondes das Schlachtfeld in ein fahles Licht taucht, in dem auch noch so schreckliche Szenen zu einem schwarzen Einerlei verschwimmen. Sein Vater hatte Marroc zu dieser, seiner ersten Schlacht mitgenommen, mit den Worten: “Du bist nun alt genug, Sohn und hast ausreichend trainiert, um mir im Kampf zur Seite zu stehen.“ Sein Vater, Belroc Bolmor, hatte sich sogleich freiwillig gemeldet, als der Aufruf kundgetan wurde, dass sich mutige Streiter in den Dienst der Befreiung Coves stellen sollten. Belroc hatte schon immer für die gute Sache gekämpft und war nun auch dafür gefallen. Marroc suchte nun in der Dunkelheit nach dem leblosen Körper seines Vaters, den er im Kampf neben sich, von einem Oger aufgespiesst, sterben sah. Nur war in ebendiesem Augenblick kein Gedanke möglich, da die Schlacht weitertobte und Marroc sein eigenes Leben verteidigen musste. In dieser schlimmen, stillen Zeit nach der Schlacht, die jedem Krieger nur zu gut bekannt war, und wohl den meisten auch verhasster als die Schlacht selber, fand er schließlich seinen Vater und trug ihn auf beiden Armen ins Lager. Hier nun bereitete er den Leichnam für das Begräbnis vor, die nach alter Sitte schon am nächsten Morgen stattfinden sollte. Die Rüstung Belrocs wurde noch einmal, so gut es eben ging, auf Glanz gebracht und der Leichnam selber mit einem, mit Kräutern versetzten Wasser gewaschen. Und so wurde er mitsamt dem Schwert, das ihm stets treue Dienste geleistet hatte, nach eintreffen der ersten Sonnenstrahlen zurück zur Erde gelassen, aus der er auch gekommen war. Marroc verweilte noch am Grabe, bis die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hatte, und begab sich dann auf den Weg nach Jhelom, wie es ihm sein Vater angeraten, sollte ihm etwas zustoßen, um dort sein Glück zu suchen. |
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