Terra Mystica
Spendenbarometer
Terra Mystica | Foren

Zurück   Terra Mystica | Foren > Rollenspiel > Chroniken

Antwort
 
Themen-Optionen
Alt 15.12.2013, 12:42
Dornenkind
#1
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Enefah Shitabis bedeutet übersetzt Dornenkind.

Dornen sind kleine Auswüchse an Pflanzen.
Meist kommen sie an Jenen vor, welche etwas begehrenswertes tragen.
In sichtbarer oder kaum ersichtlicher Art umgeben sie meist in großer Zahl das zu schützende Objekt. Einige von ihnen weisen an ihren Spitzen winzige Haken auf und andere tragen sogar ein Gift. Sie bohren sich in Fell und Haut, reißen brennende Wunden, hinterlassen Entzündungen oder werden unbewusst mit getragen.

Die Kinder sollten gerade höchstens ihr drittes Lebensjahr erreicht haben, wenn man sie ihren Familien entnimmt. Das Risiko eine verblasste Erinnerung an ihre Mutter zu hinterlassen, eine klaffende Lücke welche später den Wunsch nach erfüllender Suche auslöst, ist somit geringer.
Sie werden bald nicht mehr nach ihren Eltern schreien, sind kaum vorgeprägt von Verhaltensweisen und anderen Eindrücken und somit ohne Weiteres formbar für das, wozu man sie bestimmt hat...
Yasuo ist offline  
Geändert von Yasuo (16.12.2013 um 20:46 Uhr).
Mit Zitat antworten
Alt 16.12.2013, 20:46
#2
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Während der ersten Jahre werden die Kinder einer strikten Erziehung unterwiesen. Belohnungen sowie Strafen haben daran teil und werden konsequent angewandt. Dabei ist es von Wichtigkeit, dass die Kinder diese nicht nur klar erkennen und zwischen ihnen zu unterscheiden wissen, sie sollen auch deren Bedeutung verstehen und erkennen woraus Belohnung sowie Strafe resultieren. Aus diesem Grund bekommen die Kinder, sobald sie kognitiv dafür in der Lage sind, nach jeder Einheit, egal ob Strafe oder Belohnung, die Möglichkeit ihr Verhalten in der Situation in Bezug auf die Auswirkung selbst zu reflektieren. Das ist in so fern wichtig, dass die Kinder ihr eigenes Verhalten und die Folgen verstehen und folgende Situationen besser einschätzen zu lernen.

Kinder, die sich den Vorgaben nicht beugen oder anpassen wollen, werden härteren Maßnahmen unterwiesen.

Jene, die durch Verhalten trotz Sondermaßnahmen noch immer durch das Raster fallen, werden aus der Gruppe entfernt.
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 18.12.2013, 23:30
#3
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Bereits im sehr jungen Alter werden die Kinder auf ihr späteres Leben vorbereitet. Dies geschieht zunächst unterschwellig mit Variationen aus Spielen wie ‚Verstecken und Finden‘ oder ‚Schatzsuche‘ auf unterschiedlichem Gelände und verschiedener Umgebung. Dabei ist vor allem Geduld, Einfallsreichtum und Kombinationsgabe gefragt. Ebenso lernen die Kinder, sich auf ihre unterschiedlichen Wahrnehmungsbereiche zu konzentrieren, beispielsweise fremde Geräusche aus der Umgebung eines Waldes zu filtern. Selbstverständlich gehört zum Training auch der Kampf. Sie sollen ihren Körper einschätzen können. Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit…Konstitution. Ihr Körper soll ihr Werkzeug sein.
Auch der Kampf mit Waffen gehört zur Ausbildung. Sowie das Zweckentfremden von Gegenständen in einem Kampf.

Hast du dich schon mal gefragt, warum du nach einem widerlichen Ungeziefer benannt wurdest?
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 19.12.2013, 23:03
#4
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Enefah Shitabis – es bedeutet Dornenkind

Unter ihnen gibt es etwas, was Außenstehende und Ahnungslose als Rangordnung bezeichnen würden.
Jedoch handelt es sich um die Bezeichnung der unterschiedlichen, aufsteigenden Klassen und Aufgabenbereiche. Respekt wird einem Jeden entgegengebracht, egal welcher Bezeichnung er angehört.
Niemand wird in seinem Wert einem anderen hervorgehoben und Unterdrückung oder Herablassung wird nicht geduldet und bestraft. Die unterschiedlichen Gruppen ergeben unter sich und zusammen ein undurchdringbares, feinmaschiges Netz. Schwachstellen darin dürfen nicht riskiert werden.

Zeeks – Es sind die Begleiter, Lehrer und Unterstützer

Neshii – Die Samen, die Kleinsten und Neuen

Ensk – Die Sprösslinge, die zweite Schicht

Kherubs – Die Sucher und Späher

Xzeraphs – Die Beschaffer, Krieger

Enefahs – Die Dornen, Beschützer

….und dann gibt es noch die Cadianii…die Mutter…..
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 22.12.2013, 13:16
#5
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Der Junge war kaum elf Jahre alt. Er kniete auf Holzboden auf. Der nackte Oberkörper vorn übergebeugt, die Stirn aufs Holz gepresst und die Hände neben ihm aufliegend. Eine Ehrerbringende Haltung. Der Junge lauscht dem Rauschen des Regens, dem Tropfen und Herabrinnen des Wassers von der Überdachung über ihm. Dem Pöckeln und Klopfen, das ihn umgab. Damit versuchte er den Schmerz zu ignorieren. Zu Anfang hatte es sich aushalten lassen. Jedoch zog sich der Moment, in dem der Zeeks neben ihm kniete und die Farbe nach und nach unter seine Haut brachte, scheinbar unendlich in die Länge. Doch der Schmerz war es wert. Es war sein erstes Bild. Zwei Federn umgeben von einem Halbmond. Ein Geschenk und ein Zeichen, seine erste Aufgabe erfolgreich abgeschlossen zu haben.

Ezumire – bedeutet übersetzt Lebensspur

Während ihrer Ausbildung werden den Dornenkindern immer wieder Aufgaben gestellt, welche sie einzeln oder in der Gruppe zu lösen haben. Je nach Aufgabe bezieht sich die Zeit auf ein oder mehrere Tage. Dabei wird jedes Mitglied einzeln beobachtet und ausgewertet in wie fern er selbstständig oder sich in einer Gruppe einfügend arbeitet. Für jede erfolgreich beendete Aufgabe erhält ein Mitglied ein Ezumire auf die Haut. Dies bezieht die Rolle und den Charakter der Person sowie die Art des Auftrags in seiner Bedeutung ein.
Die Farbe des Ezumire besteht aus Pflanzenextrakt und wird mit Hilfe einer langen Nadel aus Tier oder Menschenknochen und einem kleinen Holzhammer unter die Haut gebracht.

Mitglieder, welche zwei der Aufträge entweder nicht lösen konnten oder sich ungenügend bis gar nicht in eine Gruppe einbrachten, wird eine Extraufgabe mit besonderen Anforderungen gestellt.
Wird diese nicht gelöst, wird das Mitglied entfernt.
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 02.01.2014, 17:55
#6
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Regungslos stand er dort und betrachtete den toten Körper der alten Frau. in ihre Kleidung war Feuchtigkeit eingezogen. Winzige Tauperlen befanden sich in ihrem Haar. Sein Blick lag starr auf ihr. Die beständigen Laute von Kröten drangen heran. Auch die Rufe von Goblins waren zu hören. Doch sie befanden sich hinter ihren Palisaden. Wagten sich nicht mehr heraus, nachdem sie sechs der Ihrer fallen sahen und ihre Schreie hörten. Was machte eine alte Frau hier draußen? Er blockierte diesen Gedanken. Zwang sich, nicht tiefer darüber zu grübeln. Bevor er sich niederhockte, schulterte er den Bogen und zog dann seine Handschuhe aus. Er schloss ihre Augen mit den Fingern.

Un'z ar harnie wu Noishii.
Mögest du untergehen wie die Sonne.

Dae Aoktu dan zuh Undash.
Dein Körper infährt der Erde.

Dae Valees dan zuh Yneeshi.
Deine Seele infährt dem Himmel.

Dae Xinksh ni faer.

Dein Geist sei frei.
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 11.01.2014, 13:38
#7
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Sie versammelten sich alle auf dem großen Platz. Standen eng beieinander in straffer Haltung. In vielen ihrer Gesichter war Spannung und Vorfreude zu erkennen. In anderen auch Nervosität. Der Junge, dessen Blick so aufmerksam zwischen Anwesenden wechselte war etwa 14 Jahre alt. Er selbst konnte das Chaos an Gedanken und Gefühlen in sich kaum ordnen. Nur eines stand fest. Die Aufregung war groß. Alle verstummten als sich die hohen Tore öffneten. Alle blickten voraus. Es kam ihm so vor, als würde die Zeit nur zäh dahin fließen und ein Jeder Anwesende den Atem anhalten. Da trat sie herein, begleitet von drei Herren deren Roben denen der Zeeks ähnelten. Nur waren sie in einem dunklen Rot gefärbt. In ihrer Größe wurde die vierte Person von ihren Begleiten um mindestens einen Kopf überragt. Doch ihr Strahlen hob sich über alle anderen Anwesenden weit hinweg. Die Augen des Jungen weiteten sich und alles in ihm war zum Zerreißen gespannt.
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 25.01.2014, 16:20
#8
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Die Cadianii- die Mutter
Sie stellt das höchste Mitglied der Gemeinschaft dar.

Die Frau, welche den Platz betrat, war viel zu jung um die Mutter aller hier versammelten "Kinder" zu sein. Dennoch lag nicht die Spur an Zweifel in ihren Gesichtern. Ihre Blicke drückten höchste Bewunderung und Verehrung aus. Das tiefe intensive Rot ihres Haares erinnerte an Blut auf frisch gefallenen Schnee. Es reichte weit an ihrem Rücken hinab bis zu den Kniekehlen und umgab ihre zierliche, recht klein gewachsene Gestalt wie Gespinste. Ihre Kleidung machte entgegen ihrer persönlichen Erscheinung einen schlichten Eindruck. Ein weißes Kleid dessen leichter Stoff wallend von ihren schmalen Schultern bis fast zu den Knöcheln fiel und darunter beinahe ihre nackten Füße verbarg. Der Junge stieß den Atem aus. Eine unbestimmbare Macht in seiner Brust schien seine Rippen zerbersten zu wollen. Das Gefühl von Zufriedenheit ungab ihn bis hin zur vollkommenen Erfüllung. Als der Blick der Mutter dann dem seinen begegnete, schien die Zeit stehen zu bleiben. Nicht der leiseste Ruf eines Vogels drang in sein Bewusstsein. Nicht einmal das Geräusch des Windes in den Bäumen. Dieser Moment schien perfekt...um zu sterben.
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 19.02.2014, 22:56
#9
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Erbarmungslos prasselte der Regen auf ihn nieder. Unaufhörlich, als schreie der Himmel ihn in einem gewaltigen Zorn herab. Der Junge rührte sich nicht. Saß im Schneidersitz auf der steinernen Plattform, während seine Stoffhose so durchnässte, dass sie an ihm klebte. Wasser rann von seinem Kopf und den Schultern, sammelte sich in einer Pfütze um ihn herum als säße er in einem kleinen See. Er rührte sich nicht. Seine Augen waren geschlossen und die Hände lagen ruhig auf seinen Knien. Niemand sah den Sturm, der in seinem Kopf herrschte. Ein verworrenes Netz aus Gedanken ohne Ziel, außer den Verknüpfungen zu weiteren. Er fand keinen Punkt, der seine Konzentration hielt. Es gelang ihm nur für kurze Momente, all die inneren Fragen und Eindrücke auszublenden. Immer wieder geriet er schleichend erneut in dieses Netz. Ein leiser Atemstoß verließ seine Nase, drückte wage die Ungeduld mit sich selbst aus. Direkt darauf hörte er ein Sirren durch die Luft und der Schlag dünner Bambusfasern traf seinen nackten Rücken. Der Junge versuchte, sich nicht zu rühren. Doch es gelang ihm nicht, ein Auskeuchen zu unterdrücken. Daraufhin folgte ein weiterer Schlag. Diesmal war es der Schmerz, der sich netzartig ausbreitete. Doch die Schmach und die Unzufriedenheit darüber, die eigenen Anforderungen nicht zu erfüllen waren viel größer.
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 09.03.2014, 01:57
#10
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Es war nicht der Körper eines Kriegers, der mit Schwert und Schild in die Schlacht zog. Schon gar nicht der, eines Nordmannes. Seine Muskeln formten sich sehnig unter der Haut. Sie sprachen von einem Training mit leichten Waffen und eben solcher oder gar keiner Rüstung. Was erahnen ließ, dass Wendigkeit gefragt war, so wie Schnelligkeit. Das heiße Bad hatte ihm gut getan. Warmer, feuchter Dampf erfüllte den Raum. Auch jetzt setzte er seine Schritte leise über den Boden. Ohne sich darauf zu konzentrieren. Es war reine Angewohnheit geworden. In Fleisch und Blut übergegangen. Einzig, hinterließ er gerade Spuren. Kleine Fützen erst, dann nur noch feuchte Abdrücke bis zum Stuhl über dem ein Handtuch und seine Kleidung hing. Seine Geschmeidigkeit reichte nicht an die eines Elfen heran. Trotzdem konnte man ihm diese bei keinem Schritt abstreiten.
Während er sich trocken rieb, wirkte seine Miene nachdenklich. Es waren die selben Gedanken, die ihn schon vor dem Bad und sogar bereits am vergangenen Abend beschäftigt hatten. Sie vermischten sich mit Erinnerungen die einerseits erst einige Stunden alt waren und anderen, die schon Jahre zurück lagen. Er weigerte sich, es sich offen einzugestehen. Doch eigentlich war es ihm klar, dass dieser Späheraufbruch ihn gereizt hatte. Er hatte lange versucht es zu vermeiden sich einer Gruppe anzuschließen. Diesen Entschluss hatte er mit Bestimmtheit gefasst. Aber auch ohne zunächst davon zu Wissen, war ihm der kleine Aufbruch von unterschiedlichsten Charakteren nicht verheerend vorgekommen. Jetzt in diesem Moment war ihm klar, dass er bereits bei diesem Gedanken geschwächelt hatte. Als einer nach dem anderen eingetroffen war und die Absichten geplant wurden, hatten sich seine Bedenken völlig aufgelöst. Er war konzentriert auf das, was geleistet werden musste. Es hatte ihn mit Zufriedenheit erfüllt. Die Anweisungen des älteren, großen Mannes zu befolgen und der Gruppe voran durch das Gebiet zu schleichen. An der Seite eines weiteren Spähers. Auch ohne dem Wissen, welches Ende es nehmen würde. Ein herrliches Gefühl. Ja. Es war genau das, wovon er sich hatte abwenden wollen. Genau das, was ihm gefehlt hatte...
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 26.03.2014, 20:40
#11
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Der Junge presste den Stoff seines hohen Kragens gegen seine Lippen, damit der Dampf seines warmen Atems ihn in der Kälte nicht verriet. Er nutzte einen Windstoß durch Laub und Astwerk um sein Gewicht ein wenig zu verlagern. Stumm zählte er vor sich hin, lauschte und behielt den hellen Schein des Lagerfeuers im Blick. Es befand sich kaum sieben Meter von seinem Versteck entfernt. Nicht im Geringsten verlangte es ihn nach den wärmenden Flammen. Er war viel zu fasziniert von den Schatten, die sich immer wieder durch das flackernde Licht bewegten. Menschen. Er konnte ihre Silhouetten erkennen. Es drang sogar manchmal bis zu ihm, wenn sie miteinander sprachen, auch wenn ihm die Worte fremd waren. Niemals zuvor war er außerhalb des Lagers auf andere Menschen gestoßen. Sein Zeek hatte ihn nicht darauf vorbereitet. So war die Überraschung noch größer. Ebenso die Vorsicht.
Zuerst hatte er drei unterschiedliche Gestalten gezählt. Dann, nach einigen Minuten, waren noch zwei weitere hinzugekommen und brachten Gehölz mit. Der Junge konnte ihre Pferde hören und wusste rasch, in welcher Richtung vom Lager aus, sie diese angebunden hatten. Die Gruppe schien sich ungestört zu fühlen und nichts zu befürchten. Denn der Junge meinte in ihrer Art zu reden Ausgelassenheit zu erkennen. Sie lachten sogar. Gleichzeitig bedeutete es, dass sie keine anderen Menschen, geschweige denn ein Lager, in der Nähe vermuteten.
Der Schrei eines Käuzchens mischte sich mit den restlichen nächtlichen Waldgeräuschen und der Junge lenkte seinen Blick mit einer wagen Kopfbewegung nach links hinauf ins Geäst.
Aus einem der Äste wusste er dicht am Baumstamm seinen Zeek hocken. Nur mit diesem Wissen konnte man wage dessen Konturen im Blätterdach ausmachen. Der Junge beobachtete die knappen Handzeichen seines Begleiters. Eine stumme Sprache. Danach wanderte sein Blick wieder voraus zum Schein des Lagerfeuers, von wo wieder ein Auflachen der Männer zu ihm drang. Nein, sie ahnten nicht im Geringsten etwas von der Anwesenheit anderer Menschen. Trotzdem musste darauf geachtet werden, dass sie sich vom Lager der Enefah weg bewegten. Im Notfall musste dafür gesorgt werden.
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 10.04.2014, 14:10
#12
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
...sie war von solch überirdischer Schönheit, dass es einem den Atem stahl und sich alles in der Brust zusammenzog.
Jedes Mal auf Neue breitete sich dieses Gefühl aus und gleichzeitig war es völlige Vollkommenheit, die einen Jeden erfüllte..
.

,,Ich habe sie enttäuscht…“ Er wusste nicht, wie oft diese Worte nun schon über die Lippen seines älteren Bruders kamen. Ein jedes weitere Mal klangen sie verzweifelter, sich selbst anklagend. Es wirkte sinnlos weiter auf ihn einzureden und ihn zu ermutigen. Jede Art von Trost prallte völlig an ihm ab und schien seinen Verstand nicht zu erreichen. Der Junge konnte nur noch vor dem Älteren sitzen bleiben und ihm stumm Gesellschaft leisten. Dabei begann ihn dessen Verzweiflung langsam selbst zu zermürben. ,,Wie…konnte ich nur…warum habe ich es nicht geschafft?“ Seine Frage blieb diesmal unbeantwortet. Jede Erwiderung darauf, war bisher zwecklos gewesen. ,,Sie hat mich vorhin nicht angesehen. Als wäre ich nicht da! Sie muss so schrecklich enttäuscht von mir sein.“ Der Körper des Älteren erzitterte. Dann wog er ihn weiter leicht vor und zurück und umklammerte dabei seine eigenen Schultern. Der Junge betrachtete sein Gegenüber, dessen pechschwarzes, kurzes Haar von seinen eigenen Fingern völlig zerzaust wurde als er in einem Wutanfall daran herumriss. Er hatte seinen Auftrag zwar erfüllen können, doch war er zu langsam und sein Zeek musste ihn vor den Hunden retten. Es waren zu viele Hunde für den Zeek gewesen. Der Ältere war mit ein paar Bissen davon gekommen, aber der Junge konnte sich vorstellen, dass er sich in diesem Moment wohl am liebsten in die Hundemeute zurückwerfen würde. ,,Sie hat mich nicht angesehen….“ Kam es diesmal beinahe nur geflüstert. ,,Was mache ich jetzt nur?“ Der Junge hob seine Hand und legte sie an den Arm des Älteren. Dieser zuckte unter Berührung zusammen. Trotzdem zog er seine Hand nicht fort, sondern gab seinem Bruder zu verstehen, sich hinzulegen. Er würde bei ihm bleiben.

Innere Unruhe riss den Jungen aus dem Schlaf. Wann hatte die Müdigkeit ihn überrannt? Ohne wirklich über diese Frage nachzudenken, lenkte sein Blick zum Lager neben sich. Es war leer. Der Junge erhob sich rasch in den Stand und verließ das Zimmer auf nackten, leisen Füßen. Ein merkwürdiges Gefühl breitete sich in ihm aus, ließ sich mit Angst vergleichen und er wollte sich besser beeilen den Älteren zu finden.
Als er den Hof betrat begannen bereits zögernd die ersten Vögel den Morgen anzukündigen. Nur wage konnte man das wachsende Sonnenlicht hinter den Bäumen ausmachen. Doch bereits jetzt war zu erkennen, dass es ein klarer Tag werden würde. Die Luft war angenehm und bereitete eine leichte Gänsehaut auf dem nackten Oberkörper des Jungen. Er ließ seinen Blick suchend schweifen und beherrschte sich, nicht nach dem Älteren zu rufen. Die Anderen sollten nicht geweckt werden.
Als er dann das Tor zum Garten erreichte, wurden seine Schritte langsamer. Nichts regte sich in seinem Gesicht, während er die Person fixierte deren Füße nicht den Boden berührten, sondern langsam und ganz leicht über diesen hin und her pendelten. Das Seil, an dem der Ältere herab hing, knirschte leise unter der Bewegung. Alles Leben war aus seinem Körper gewichen und der Junge verstand nun das Gefühl, welches ihn hatte warnen wollen. Er war zu spät.
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 13.04.2014, 13:51
#13
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Stille war nun wieder eingekehrt. Sein Blick galt dem Fenster durch welches einzig zu erkennen war, dass die Nacht hereingebrochen ist. Das selbe Fenster, an dem sie vorher gestanden hatte. Ihre Augen hatten die Härte ausgestrahlt, die das stahlgrau ihrer Iris versprach. Er hatte ihr alles erzählt. Das und noch viel mehr. Wie hatte es dazu kommen können? Ihre Reaktion auf all das abzuwarten, war ihm unglaublich zäh und quälend vorgekommen. Jetzt war es ein Gefühl, einerseits Erleichterung und Unsicherheit, ob das alles richtig war. Unter der Last dieser Gedanken entkam ihm ein hörbarer Atemstoß. Den Schneidersitz lösend, legte er sich zurück auf den Holzboden. Es knarzte leise. Damit hatte er gerechnet. In diesem Haus hatte er schnell herausgefunden, an welchen Stellen die Dielen oder Stufen verräterische Geräusche von sich gaben. Es war wichtig das zu wissen und er würde diese Gewohnheit nicht ablegen können. Warum hatte er sich ein Haus gekauft? Glaubte er wirklich daran, hier bleiben zu können? Es wäre eine Lüge zu behaupten, dass nicht auch etwas Hoffnung daran im Spiel war. Es war so lange nichts geschehen. Keine Anzeichen, keine Spuren. Doch vielleicht wollte man, dass er sich in Sicherheit wiegt. Ließen absichtlich so viel Zeit verstreichen und dann…
Er hob die Hände und verbarg unter ihnen sein Gesicht. Abwarten. Er durfte seine Wachsamkeit nicht ablegen. Aber vielleicht war es auch wichtig, die Zeit etwas zu genießen. Langsam brachte ihn das viele nachdenken um den Schlaf. Schlafmangel war schlecht. Es raubte Konzentration. Etwas anderes…
Er rief sich ihr Gesicht ins Gedächtnis. Dann, wenn sie von etwas verwirrt war und man praktisch sehen konnte, wie es hinter ihrer Stirn arbeitete. Sein Auflachen wurde unter seinen Händen gedämpft. Doch konnte man noch die Spuren daran erkennen, als er sein Gesicht freigab und die Arme weit über seinen Kopf hinweg streckte um sie dann abzulegen. Wenn es wirklich eine Zeit des Wartens war, würde er darin auch gute Momente haben…
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 17.04.2014, 13:40
#14
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Der Boden war sandig. Die Luft um ihn herum trocken und heiß. Mit jedem Atemzug fühlte es sich an, als geriete Staub in seinen Mund. Husten konnte er nicht und es meldete sich der leise Gedanke, dass ihn dies langsam zum ersticken bringen würde. Langsam setzte er seine Schritte voran. Lauschte einem leisen Scharren, das um ihn herum echote. Doch er ging zielstrebig auf eine riesige Felswand zu. Sein Blick schweifte wachsam umher. Überall Sand. Trockener, zerrissener Boden und…kaputte Möbelstücke, die darin verschmolzen. Ihm kam das kein bisschen merkwürdig vor. Als er hinauf zum Himmel schaute, konnte er diesen nicht erkennen. Eine Art Nebel lag über ihn…und der Sonne. Er schaute wieder zur Felswand und war dieser erstaunlich nahe gekommen. Das Scharren war lauter geworden und am Fuße der Wand entdeckte er den Auslöser. Ein Junge kniete mit nacktem Oberkörper dicht vor dem Fels, kratzte immer wieder über den Stein. Das lange, schwarze Haar klebte an seinem Rücken. Seine Nägel waren gebrochen, die Fingerspitzen blutig. Doch der Junge scharrte weiter, wie ein eingesperrtes Tier, das verzweifelt nach einem Fluchtweg suchte. Er starrte den Jungen an und eine schmerzliche Gewissheit holte ihn ein. Seine Beine gaben nach, als würde ein viel zu schweres Gewicht auf ihnen lasten. Er fing sich mit den Händen ab. Vorn übergebeugt kniete er im Sand und rang nach Atem. Doch der Staub in seinem Hals fühlte sich an wie viele winzig kleine Splitter. Es schmerzte jeder Luftzug.
Plötzlich spürte er etwas. Jemand legte die Hand auf sein Haupt. Eine zarte Hand und für einen kurzen Augenblick, hatte es auch etwas Tröstendes. Als er jedoch den Kopf heben wollte um zu sehen, wer vor ihm stand, wurde er gewaltsam weiter nach unten gedrückt. So zart diese Hand sein musste, in ihr steckte eine enorme kraft. Er keuchte und rang nach Atem. Etwas streichelte über seine Wange. Dann vernahm er ihre Stimme, so nahe als würde sie direkt in sein Ohr sprechen.

,,Du bist nichts weiter, als mein Instrument.“


Als er erwachte, rang er als erstes tief nach Luft. Das Atmen fiel ihm leicht. Trotzdem nahm er noch mehrere tiefere Züge. Auf seiner Stirn und der Brust glitzerten winzige Schweißperlen. Das Zimmer um ihn herum war stockdunkel und als er es als das Seine wiedererkannte, beruhigte er sich langsam wieder.
Der klare Kopf brachte jedoch auch Erinnerungen mit sich. Flink fand er aus den Fellen auf die Füße und setzte die wenigen Schritte zur Truhe, in welcher das lag, was ihm Frau Darach mit gegeben hat. Seine Finger lagen noch einen Moment auf dem Deckel, ehe er diesen öffnete. Er betrachtete stumm den Inhalt. Das morgige Vorhaben war so nah dran doch es kam ihm noch immer nicht greifbar vor. Immer wieder rief er sich die Unterhaltung in dem Raum des Hauptquartieres ins Gedächtnis. Auch das, mit dem Oberst. Er nahm das Kettenhemd in die Hände. Noch am selben Abend nach dem Erhalt dieser Ausrüstung, hatte er es getragen. War damit in seinem Haus umher gelaufen um sich daran zu gewöhnen. Merkwürdigerweise machte er sich keine Sorgen um das Bestehen der Mission. Es gab viele Lücken, das hatte Frau Darach selbst gesagt. Es war gefährlich. Doch wenn er fiel, dann war es ganz einfach vorbei. Der Tod war etwas Unvermeidbares und etwas, was mit großer Sicherheit irgendwann für ihn eintreten wird. Darauf konnte er sich verlassen. So vieles andere blieb offen und war höchstens nur zu erahnen. Was nach der Schlacht kommen würde...darum machte er sich viel mehr Gedanken.
Ohne das Kettenhemd aus den Fingern zu entlassen, sah er zum Hocker hinüber auf dem sie vorher gesessen hatte. Hatte er zu viel von sich Preis gegeben? Er verfluchte sich für seine Worte an sie...und für seine Taten auch. Was hatte er sich dabei gedacht? Seine Worte kamen ihm in den Sinn. Vielleicht hätte er es ihr…anders erklären sollen. Oder besser gar nicht. Sie hatte einen falschen Eindruck von ihm und dieser Gedanke löste ein merkwürdiges Ziehen in seiner Bauchgegend aus. Er schüttelte den Kopf über sich selbst, lies das Kettenhemd in die Truhe gleiten und schloss den Deckel. Mehr Zurückhaltung. Er durfte sich nicht so gehen lassen. Ohne Anstrengung erhob er sich wieder und blickte durch den Raum. Dabei lauschte er der Stille, welche die Nacht für viele mit sich brachte und filterte aus ihr die kleinen wenigen Geräusche. In Zukunft würde er es sich sehr gut überlegen, was er sagen und wie er handeln würde. Sein Blick fiel auf sein Schlaflager aus Fellen. Wenn es eine Zukunft geben wird…
Eine Gewissheit jedoch hatte er in diesem Moment. Er würde in dieser Nacht nicht mehr schlafen können.
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 07.05.2014, 23:46
#15
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Die Veränderung seiner Umgebung war ihm deutlich aufgefallen. Die Baumkronen über ihm, ließen kaum das Sonnenlicht bis zum Waldboden durch brechen. Was dazu führte, dass er auch anders bewachsen war. Seine Schritte waren fließend, aber nicht eilend und mit Bedacht gesetzt. Das Schweigen der Tiere schien ihn zu alarmieren. Seine Haltung änderte sich. Mehr Bereitschaft schnell zu reagieren war darin erkennbar und sein Blick schweifte wachsam umher.
Keine seiner Bewegungen wirkte dabei versteift. Mit jedem Ducken unter tiefer hängendem Geäst hindurch, war der Bogen auf seinem Rücken mit einberechnet. Es war eindeutig zu erkennen, dass sein Weg ihn nicht selten durch ähnliche Gefilde führte.
Ein scharfes Zischen ließ seinen Blick in entsprechende Richtung rucken. Doch schon bohrte sich der Pfeil dicht vor seinen Füßen in den Waldboden. Für einen Moment starrte er völlig bewegungslos auf das Geschoss. Sein Brustkorb senkte sich minimal unter dem Entlassen des Atems, dabei brachte er seine leeren Hände in sichtbare Position. Ihm war sehr bewusst, dass er nicht versehentlich verfehlt wurde und es dahin gehend auch keine Versehen geben wird. Der nächste Pfeil würde treffen und so hatte er zumindest sein Ziel für heute, die Grenze, erreicht.

Nachdem seine Absichten verkündet waren, wartete er noch drei ruhige Atemzüge lang ab. Die Abschiedsgeste kam ihm, trotz fehlendem - oder lediglich nicht sichtbarem - Gegenüber, nicht albern vor. Die ersten zwei Schritte wurden rückwärts getan, dann drehte er sich herum und trat den Rückweg auf selben Pfaden an, die ihn an diesen Ort gebracht hatten. Er tat weder Markierungen noch wirkten seine Schritte eilend um diesen Ort zu verlassen. Das nächste Ziel würde Moonglow sein…
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 02.11.2014, 14:16
#16
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Faserige Wolken schoben sich langsam vor dem Mond. Er konnte es spiegelnd an den dunklen Fenstern erkennen, zu denen er bereits seit längerer Zeit aufblickte. Es hatte sich nichts getan. Kein Licht erhellte die Zimmer dahinter. Kein sich bewegender Schatten verriet ein geheimnistuerisches Dasein. Wo war sie abgeblieben? Stets pendelte er zwischen jenem neuen zu Hause und ihrem alten Haus in Britain. Es gab keine Spur. Langsam trat er zur Eingangstür heran und prüfte die obere Kante. Dort hatte er einen dünnen Halm, kaum ersichtlich, wenn man nicht auf ihn achtete, an einem Ende mit einem winzigen Klecks Baumharz versehen, angebracht. Das andere Ende, ebenso präpariert, klebte an der Wand, dort wo die Kante anschloss. Wenn die Tür geöffnet worden wäre, würde der Halm ganz einfach abreißen. Ein billiger Trick um zu testen, ob jemand ein und aus ging und ein wenig nagte es an ihm, dies hier anzuwenden. Doch er brauchte Gewissheit. Und der Halm klebte unberührt an seiner bisherigen Stelle. Es ging also niemand ein und aus. Wo war sie also? Hatte er etwas übersehen? Er trat zurück und hob seinen Blick abermals an der Hauswand entlang empor.

,,Du bist recht schnell zu einem Kherub aufgestiegen." Sagte der Zeek, ohne hinter sich zu blicken. Als eine Reaktion ausblieb sah er doch über die Schulter zu dem Jungen, der gerade 12 Winter zählte. Dessen Gesicht war nachdenklich abgewandt während er dem Begleiter folgte.
Sein Körper wirkte fest und athletisch aber nicht massig und bereits jetzt wies sein Gesicht ernste und scharf geschnittene Züge auf. ,,Dein Handeln war unbedacht, junger Enefah." Sagte der Ältere mit etwas mehr Nachdruck in der Stimme und sah nach vorn. Diesmal erhielt er eine Antwort, auch wenn es sich dabei nur um ein knappes ,,Ja." handelte. Es lag nicht mal Trotz darin. Aber auch keine Einsicht, sondern schlichte Hinnahme. Der Zeek schüttelte den Kopf und führte den Jungen nach draußen zum Hinterhof.


- Bei einem Regelverstoß oder Fehlverhalten dienen niemals Prügel der Maßregelung.
Das Anwenden von Schlägen führt unzureichend zur wirklichen Einsicht sondern es drohen daraus Folgen wie Unterwerfung, das brechen des Charakters oder sich aufstauende Rachlust. -


Der Junge starrte auf die dunkle Holzwand vor ihnen, während der Zeek an seiner Seite etwas auf ein kleines Blatt Papier schrieb und dabei sagte. ,,Du darfst den Verlauf einer Aufgabe nicht vorantreiben nur weil du ihr Ziel so sehr ersehnst. Daraus könnten Fehler resultieren, die du übersiehst." Der Junge lauschte den Worten des Älteren, während sein Blick auf den scharfkantigen Steinen ruhte, die den Boden vor der Holzwand übersäten. Dann entkam ihm ein leises Schnaufen. Gerade faltete der Zeek das Papier zusammen als er über die Reaktion des Jungen die Braue hob. Er öffnete den Zettel wieder um ein weiteres Wort hinzuzufügen. ,,Etwas Feinschliff kann dir nicht schaden. Zieh deine Schuhe aus." Die letzten Worte klangen unnachgiebig und der Junge folgte der Anweisung. Die Hand des Zeeks legte sich an seine bloße Schulter und er führte ihn zur Holzwand heran, wo er ihn dazu anwies, sich kniend auf den Steinen niederzulassen. Wortlos kam der junge Enefah den Anforderungen nach ohne sein Gesicht zu verziehen als die Steine sich erst in seine Füße und dann an seine Knie drückten. Die Hand des Begleiters legte sich in den Nacken des Jungen und er drückte dessen Kopf nach vorn, bis seine Stirn an der Wand lehnte. Doch berührte sie das dunkle Holz nicht direkt. Zwischen Stirn und Wand klemmte das zusammen gefaltene Papier. ,,Streck deine Arme zur Seite aus." Sprach der Zeek während er sich aufrichtete und auf den Jungen niederblickte, der auch dieser Anweisung Folge leistete. ,,Lass das Papier nicht herabrutschen. Ich hole dich später ab." Damit drehte er sich herum und ging ruhigen Schrittes davon.

Die Zeit verging. Der Junge hatte aufgehört die Minuten zu zählen. Seine Arme hatten bald angefangen zu schmerzen. Bald folgte das Gefühl sie gar nicht mehr zu spüren. Doch es zog in den Schultern und den Schulterblättern. Zunehmend bohrten sich die Steine in seine Knie und den vorderen Fußballen und er war damit beschäftigt, sein Gewicht so vorteilhaft wie möglich zu verlagern. Während dessen drückte er mit seiner Stirn das Papier weiter an die Holzwand.
Die Stimme des Zeeks neben ihm löste eine kleine Welle der Erleichterung aus. Der Mann legte seine Hand auf die Schulter des Jungen und wies ihm mit sachtem Druck an, sich aufrichten zu dürfen. Danach reichte er ihm das Papier und ging wortlos davon.
Der junge Enefah sah dem Älteren nach, dann senkte sich sein Blick auf das Papier welches seine Finger begannen aufzufalten. Still las er die einzigen beiden Worte darauf:

Geduld & Beherrschung.
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 06.11.2014, 16:25
#17
Yasuo
Reisender
 
Registriert seit: 09 Nov 2013
Beiträge: 215
Er folgte dem Puma nun bereits seit einer Stunde. Vier leichte Pfeile hatte er in seinem Körper stecken sehen. Das Tier verlor viel Blut. Doch schien es einen noch starken Überlebenswillen zu haben. Wer auch immer auf die Raubkatze geschossen hatte, hatte es nicht fertig gebracht sie zu töten. Sie seinem Schicksal überlassen. Yasuo bewegte seine drahtige Gestalt durchs Gehölz.Folgte Blutspuren und frischen Schneisen. Achtete darauf, wo der Reif frisch von den Gräsern, Felsen und Wurzeln gewischt worden ist. Der Rhythmus seines Herzschlages löste eine Art angenehme Spannung in ihm aus. Jeder Muskel war reaktionsbereit und er setzte seine Schritte vorsichtig und in einem gleitendem Tempo voran. Diese Art sich zu bewegen war ihm bis tief ins Mark gedrungen. Er duckte sich unter tief herabhängendes Geäst hindurch wobei seine Augen bereits einige Schritte voraus jeden Schatten durchdrangen. Im nächsten Schritt hielt er inne. Ein unberührter Teppich aus Reif bedeckte das gefallene Laub am Boden. Der Geruch von Blut lag in der Luft und die Erkenntnis griff wie eine eiskalte Hand langsam in seinen Nacken. Noch ehe er seinen Blick herumlenken konnte drang das dunkle Knurren tief aus der Kehle der Raubkatze an sein Ohr. Der Puma sprang von rechts aus einer höher gelegenen Ebene in seine Richtung. Yasuo ließ sich zu Boden fallen und rollte unter das springende Tier hindurch. Schnell zog er seine Beine unter sich, eine Hand umfasste bereits den Messergriff. Doch als er aufblickte, konnte er nur beobachten wie zuerst die Hinterläufe der Katze unter ihr zusammenbrachen. Mit letztem Protest spannte sie ihre Muskeln an, sich aufzuraffen, doch die Kraft versagte ihr gänzlich. Yasuo richtete sich langsam auf. Die vier Pfeile im Körper des Pumas und die Jagd durch den Wald hatten ihren Tribut gefordert. Er konnte sehen wie sich das glänzende Fell unter raschen Atemstößen hob und senkte, meinte den Herzschlag des Tieres hören zu können. Podomm-podomm-podomm. Ihre Blicke begegneten sich während er seine Armbrust nahm. Sie sahen sich an und der Bolzen wurde eingespannt. Oder war es sein eigenes Herz? Podomm....Podomm. Yasuo zielte auf den Kopf des Pumas. Er erwiderte weiterhin den Blick der Raubkatze und eine unbeschreibliche Ruhe legte sich auf beide Geschöpfe...
Yasuo ist offline  
Mit Zitat antworten
Antwort


Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
 

Forumregeln
Es ist dir erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind aus.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 23:45 Uhr.