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Reisender
Registriert seit: 22 Feb 2014
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Es goss schon seit Stunden wie aus Eimern vom wolkenbehangenem Himmel herab. In der Ferne erhellte ein schwacher Blitz den Abend. "1 ... 2 ... 3 ..", zählte der junge Elf leise. "19..20...21...22." - Donner. Naja, eher ein leises Rumpeln, im Vergleich zu dem Getrommel, welches das Heer aus Geschöpfen veranstaltete, um sich anzupeitschen, in Stimmung zu bringen. Gerüstete Orks, flinke Goblins in zweiter Reihe dahinter mit Bögen. Oger, Trolle die Belagerungsmaschinerie hinter sich her zogen. Der erbarmungslose Regen hatte den Boden vor der Stadt aufgeweicht und verzögerte den Marsch der Unholde sichtlich. Einige Elfenkrieger amüsierten sich darüber, einige jener, die das Geschehen von den massiven Mauern der Stadt Thudron aus beobachten konnten. Der Großteil der Krieger war jedoch konzentriert auf das Kommende. Der Marsch der Kreaturen traf sie nicht unvorbereitet. Man konnte fast eine Uhr danach stellen, wann sie das nächste Mal auftauchten. Man vernichtete sie und sobald die dunklen Bruthöhlen wieder genug Material ausgespuckt hatte, griff das Böse wieder nach Thudron. Das geschah etwa alle 50 Jahre. Elfische Späher verkündeten den Marsch schon vor einigen Tagen – genug Zeit um alle Vorbereitungen zu treffen.
Für den jungen Elfen war es die erste Schlacht. Seine Gefühle vermischten sich. Stolz ein Teil des Heeres zu sein, das der Brut Einhalt gebieten würde. Die Aufregung, wie es wohl sein würde einem echten Gegner gegenüber zu stehen. Übungskämpfe waren gut, doch konnten sie keine richtige Schlacht nachstellen. Dazu gesellte sich Sorge. Sorge um das elfische Mädchen, welche es ihm so sehr angetan hatte. Die Elfe mit den hübsch geflochtenen Zöpfen, die im Licht golden zu schimmern schienen. Das feine Gesicht, das der beste elfische Künstler nicht besser auf Leinwand bringen könnte. Der zarte Körper, mit den weichen Konturen, welchen sie in edle, dünne Stoffe hüllte und der so verheißungsvoll aussah. Seit einigen Monden trafen sie sich regelmäßig zu langen Spaziergängen. Der junge Elf umworb das Mädchen nach allen Regeln und seine Bemühungen trugen vor einigen Tagen Früchte, als sie ihm einen zarten Kuss auf die Wange hauchte. Es fühlte sich für ihn an wie ein warmer Sonnenstrahl auf der Haut. Das Kribbeln, welches er dabei verspürte, hält bis heute an. Ein Gefühl, dass er nicht vergessen wird. Ein seliges Lächeln zierte sein Gesicht bei dem Gedanken an sie. "Es wird Zeit!" hallte es in elfischer Sprache durch das Gemäuer. "Stoßen wir die Brut zurück in den Abgrund aus dem sie gekrochen ist!" Der junge Elf wurde völlig aus seinen Gedanken gerissen, als der Hauptmann seine Befehle brüllte. Wieder zuckte ein Blitz am Himmel. "1..2..3..." Die Soldaten setzten sich in Bewegung, um Formation einzunehmen. "..8...9...10." - Donner, laut und deutlich. Unaufhörlich peitschte der Wind den Regen in die Gesichter der Elfen. Die Brise war stark und trieb auch das Gewitter weiter zu ihnen. Fast schien es, als hätte die Brut darin einen Verbündeten gefunden, welcher mit ihnen nach Thudron maschiert. Unter lautem Ächzen öffnete sich das große Tor der Stadt. Das massive Eichenholz war seit Jahren nicht bewegt worden, nutzte das Volk doch eher die kleineren Seitentore. Doch um die Streitmacht Thudrons auf das Schlachtfeld zu entlassen, bedarf es eines großen Durchgangs. Schon schepperten die ersten Soldaten in enger Formation aus der Stadt. Vorne weg die Klingentänzer – dahinter elfische Schützen. Immer weiter ergoß sich der Strom aus schimmernden Rüstungen auf das Feld, um dem Feind entgegen zutreten. Über 10.000 Krieger zählte das Heer des edlen Volkes. Die Ungetüme der Unterwelt stapfte, angetrieben von einer gar dämonischen Macht und den Kriegstrommeln, 60.000 Kopf stark auf Thudron zu. Auf einen elfischen Befehl hin kamen die Verteidiger zum Stehen. Während die Trolle, auf der anderen Seite, mit ihrer Maschinerie zu schaffen hatten, rollten Orks und Goblins unentwegt weiter heran. Wieder blitzte es und erhellte die Szenerie für einen Wimpernschlag. "1...2...3..4." - ein Donnerknall. Der junge Elf harrte in den Reihen der Klingentänzer aus, sein Blick gradeaus gerichtet, eine Hand griffbereit am Schwertgriff. Einige Reihen vor ihm stand der Hauptmann, der nun seinen Arm hob. Das feindliche Heer beobachtend, wartete er darauf, dass die Unholde die letzten Schritte überbrückten. Plötzlich schnellte der Arm herunter und schon zischten hunderte elfische Pfeile über die Köpfe der Nahkämpfer hinweg. Ein Wimmern und Quieken aus orkischen Kehlen erfüllte die Abendluft, als die Ersten von ihnen getroffen zu Boden gingen. Die nachfolgenden Scheusale stiegen einfach über ihre toten Kameraden hinweg, als auch schon die nächste Salve heranrauschte. Die nächsten Klagelaute wurden durch heftigen Donner übertönt, zeitgleich mit hellen Blitzen und dem Geräusch prasselnden Regens. Drei, vier und eine fünfte Pfeilsalve folgte, ehe auch die Schützen der Goblins nah genug waren, um ihre Waffen abzufeuern. Einige der Elfen wurden von den krummen Geschossen getroffen. Zufallstreffer, denn wirkliche Meister sind Goblins sicher nicht. Nun flogen die Salven hin und her. Klingentänzer hoben ihre Schilde, doch hin und wieder huschte ein Pfeil hindurch und traf. Die Verluste auf der anderen Seite waren dafür um so ersichtlicher. Die ersten Reihen waren fast nicht mehr existent und einige der Goblins traten nun schon, beim Anblick ihrer gefallenen, orkischen Kameraden die Flucht an. Eingenässt hatten die feigen Biester sich, was die Orks zur Weißglut brachte. Und schon gab es erste Scharmützel untereinander. Unruhe kam bei den Monstern auf, als sich einige gegenseitig zerstückelten – Und in dem ganzen Durcheinander ertönte ein einzelner, gebrüllter elfischer Befehl. Die Klingentänzer setzten sich in Bewegung und trafen schon Augenblicke später auf den Feind. Nun begann das richtige Gemetzel. Metall traf auf Fleisch. Es wurden Rüstungen durchstoßen und Köpfe abgetrennt. Auch das schöne Volk hatte die ersten Toten zu beklagen. Der junge Elf sah sich schon bald in Mitten der feindlichen Reihen wieder. Ein ekelerregender Ork mit zwei riesigen Hauern stellte sich ihm in entgegen, um mit seiner Keule herum zuschlagen. Der Elf wehrte die wuchtigen Schläge mit seinem Schild ab, um Augenblicke später die Bauchdecke des Orks aufzuschlitzen. Schon stand der nächste Feind parat. Ebenso hässlich und ebenso stark. Das schöne Volk kämpfte wild und entschlossen, zeitgleich mit der Eleganz eines Tanzes. Jeder Klingenstreich wurde in präziser Anmut fast zeremoniell ausgeführt. Und so kämpften sie sich tiefer in das Herz der feindlichen Armee. Das Schlachtfeld war nach einer Stunde schon völlig durchtränkt vom Regen und dem Blut, was beide Seiten vergossen hatten. Die schimmernden Rüstungen waren besudelt von den Bestien. Hautfetzen und Knochensplitter klebten mittlerweile in jedem Gesicht. Das Volk Thudrons hatte schon vor etlichen Hundert Jahren gelernt, welche Krankheiten das Blut der Orks übertragen kann, wenn man den Sprühnebel einatmet, oder gar schluckt. So kämpfte fast jeder Elf mit einem Tuch vor Mund und Nase, wollte man doch nicht Gefahr laufen, schwer zu erkranken, wenn alles schon vorbei ist. Unser junge Freund trug ebenfalls solch ein Tuch, um sich zu schützen. Gezählt hatte er nicht, wieviele Feinde er niederstreckte. Zwei oder drei schwere Brocken waren schon dabei. Trolle und Oger hatten mittlerweile ihre Kriegsmaschienerie links liegen gelassen und pflügten erst durch die eigenen Reihen, um sich dann den Verteidigern entgegen zu stellen. Elfische Pfeile schossen durch die Luft, verbohrten sich in die Leiber der kräftigen Feinde, bis sie schliesslich zu Boden gingen. An anderer Stelle stellte man sich einem Oger im Nahkampf. Mit mächtigen Fausthieben schlug er nach den Elfen, zerquetschte einen von ihnen. Der junge Elf stieß zu einer Gruppe, die sich mit einem Troll angelegt hatte. Immer wieder donnerte die große Keule auf den Boden. Elfenmetall bohrte sich in das Fleisch des Trolls. Ein lauter Schrei und ein Aufbäumen. Die mächtige Keule schwang nun unkontrolliert durch die Luft und traf auf einen Elfenkopf, der augenblicklich unter der Wucht brach. Der junge Elf brachte nicht einmal mehr einen Schmerzensschrei über die Lippen, bevor er tot in den Matsch sank. "Nirthel, wir brauchen dich hier!" rief ihm ein Elf zu. Es war Halian, ein Freund Nirthels.. Zwei Schlachten hatten die beiden schon gemeinsam erlebt. Halian und drei weitere Elfen kämpften gegen einen wild gewordenen Troll. Dieser war schon schwer verwundet, schwang seine Keule aber immernoch unkontrolliert duch die Gegend. Nirthel sah, wie ein junger Elf getroffen zu Boden sank. Kurzerhand schlug er dem Ork, der sich ihm entgegen stellte, den Waffenarm ab und lies ihn dann links liegen. Sollte sich jemand anders um ihn kümmern. Das schmerzerfüllte Grunzen des Orks hatte auf irgendeine Weise etwas Enttäuschtes. Auf dem Weg zu dem Amoktroll wies Nirthel noch einen elfischen Schützen an. Während eines kurzen Nickens legte dieser schon einen Pfeil an die Bogensehne, um auf den Troll zu feuern. Nirthel stieß schon einen Wimpernschlag später zum Nahkampf hinzu. Gemeinsam brachten sie das Ungetüm schliesslich zu Fall. Immer weniger Feinde drangen auf die Elfen ein. An manchen Stellen standen sie auch schon herum, schnauften durch, oder versorgten Verwundete. Der Regen prasselte indes weiter erbarmungslos auf das Schlachtfeld – nur das Gewitter war vorüber. Nirthel zog seinen Mundschutz herunter und beobachtete eine Gruppe von Goblins, die wimmernd das Weite suchten, nachdem sie sogar alle Waffen von sich geworfen hatten. Seine Mundwinkel hoben sich. "Jedes Mal das Gleiche mit euch." |
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