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Alt 16.04.2006, 16:42
4. Rado 1289 - Gift
#26
Ebana Mashnakh
Reisender
 
Registriert seit: 23 May 2005
Beiträge: 315
Zufrieden lächelnd kehrte sie von Tarlo nach Hause zurück. Schon allein das Anna, die Katze, auf ihrem Stuhl am Tisch eingerollt und leise vor sich herschnurrend sah, wusste sie Marn war nicht im Haus. Wie gern schlich Anna sich zu Marn.
Ebanas Magen knurrte und holte sie jäh aus ihrem Tagtraum. Wenige Augenblicke später sass sie an dem Tisch, vor sich ein Teller mit einer gebratenen Hähnchenkeule, etwas Obst und ein grosses Glas Milch. Sie hatte sich noch gewundert, woher diese Keule kam, als ihr plötzlich schwindlig und übel wurde. Ihr Herz begann zu rasen und ihr war als bekäme sie nicht genügend Luft. Jede Farbe wich aus ihrem Gesicht. Hastig griff sie nach der Milch, doch ihr Blickfeld war schon recht eingeengt, so stiess sie das Glas um und all die Milch ergoss sich über den Tisch und tropfte an der Tischkante langsam herunter.
Eine Hand vor dem Mund gepresst, erhob sie sich schwankend und ging so schnell es ihr möglich war aus dem Haus. So schnell wie der Würgereiz kam, so schnell verging er wieder. Sie lehnte sich gegen die Hauswand und zog die eisige Winterluft in ihre Lungen.
Ich muss zu einem Heiler! Sprach sie zu sich selbst. Ebana bemerkte überhaupt nicht, dass sie völlig unzureichend gekleidet war als sie kreidebleich und mit Schweissperlen auf der Stirn zu Ondiu, ihrem schwarzem Hengst, zuwankte.
Agreb Salen, der soeben angeritten kam musterte sie. In kurzen Worten und eher hervorgepresst berichtete Ebana ihm rasch, was geschehen war und sie auf dem Weg zu einem Heiler sei. Jedoch würde sie, sobald es ihr besser ginge bei der Garde vorstellig werden, um eine Anzeige diesbezüglich aufzugeben.
Bereits von Fieber und Schüttelfrost geschüttelt, erreichte sie Britain. Ängstlich blickte sie umher. Orks wohin sie auch blickte! Wie angefroren verharrte sie auf der Stelle. Ihre Gedanken rasten. Ein Mann sprach sie an, ob es ihr gut ginge, ob er ihr helfen könne. Doch ihr Fieberwahn liess es nicht zu, dass seine Worte Sinn für sie ergaben. Stattdessen schrie sie ihn in einer fremden Sprache an, die auf dem Mann seltsam und verwirrend gewirkt haben müssen. Hastig wendete sie ihr Pferd und trieb den Hengst zu einem wilden Ritt an.
Die Augen glasig vom Fieber und weit aufgerissen vor Panik, stürmte sie ins Haus. Rief laut nach Marn und krabbelte auf allen vieren die vielen Stufen hinauf ins Schlafzimmer. Immerfort in einem kauderwelsch aus der fremdartigen Sprache und der hiesigen, redete sie vor sich her. Auf den Stufen hinterliess sie vereinzelte Kleidungsstücke. Hier ein Stiefel, dort den Rock... im Schlafzimmer angekommen trug sie kaum noch etwas am Leib. Ebana griff nach der Zudecke, wickelte sich damit ein und kroch unter das Bett, wo sie Schutz vor den Horden der Orks suchte.
Die Panik hielt sie noch einige Zeit wach, bevor sie unter dem Bett wegdämmerte. Niemand hätte sie wohl gefunden dort, würde sie nicht andauernd schreien und in der fremden Sprache sprechen, ihre Fieberträume schüttelten sie durch.
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Geändert von Ebana Mashnakh (27.06.2006 um 23:44 Uhr).
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Alt 16.04.2006, 18:01
Angst
#27
Marn Mashnakh
Reisender
 
Registriert seit: 06 Dec 2004
Beiträge: 327
Eng eingewickelt in den langen schwarzen Umhang kam Marn am Turm an und schloss die schweren Türen auf. Auf dem Tisch befanden sich Ebanas Essenreste und Anna war nirgends zu sehen. Allein schon der Umstand, dass Anna nicht wie sonst sofort zu ihm kam, sich an sein Bein schmiegte und miaute bis er sie hoch nahm, kam ihm seltsam vor, aber die Katze könnte ja in der Werkstatt sein. Dort führten auch seine Schritte hin, während er sich aus dem Umhang befreite und ihn an sich herunterhängen ließ. Er öffnete die Werkstatttür ein Stück weit und steckte den Kopf hinein. „Mäuschen?“, fragte er und blickte sich um. Weder Ebana noch die Katze waren hier.
Marn wandte sich um, dachte sich nichts dabei und sein Blick fiel schließlich wieder auf die Treppe. „Ihre Stiefel“, dachte er sich und ging auf sie zu, um sie aufzuheben. Langsam dämmerte es ihm dann und er dachte sich, dass Ebana wieder eines ihrer Spiele spielte. Er stieg die Stufen mit ihren Stiefeln in der Hand hinauf und sah im zweiten Stock wieder einige ihrer Kleidungsstücke liegen, die er lächelnd aufhob. Für einen Moment war es ihm so, als hätte er eine Stimme gehört, mehr brabbelnd und wirr als wirklich gesprochen. Einen Moment hielt er still und rührte sich nicht, um noch mal hinzuhören, aber es war still. Er stieg in den dritten Stock, wo sich auch ihr Schlafzimmer befand und die Katze musste ihn gehört haben, denn sie kam angerannt und sprang vor ihm hin und her. „Na, meine Kleine“, sagte er zu der Katze und wollte sie hochnehmen, doch sie rannte wieder nur schnell um die Ecke zum eigentlichen Schlafzimmer. Auf dem Weg um die Ecke hob Marn noch Ebanas letztes Kleidungsstück auf und kam dann um die Ecke und sah zum Bett, welches jedoch leer war. Die Katze saß vor dem Bett und ihr Kopf war unter diesem und sie schien irgendwas gefunden zu haben. Marn legte die Ebanas Sachen auf dem Hocker und ging zu der Katze, um unter das Bett zu sehen, wo er die halbnackte Ebana fand.
Die Augen weit aufgerissen und vom Blitz getroffen, sprang er wieder auf und rückte das Bett zur Seite, um Ebana nicht unter dem Bett hervorzerren zu müssen. Ebana schwitze und lag zusammen gerollt immer noch da. Ihre Augen waren weit aufgerissen und sie schien Marn zunächst gar nicht zu bemerken. „Ebana? Liebling?“, fragte Marn aufgeregt und ihn äußerst besorgtem Ton, woraufhin Ebana ihren Blick zu ihm lenkte. Marn war als würde sie ihn gar nicht erkennen und durch ihn durch sehen, doch hob sie ihre kalte, zitternde Hand langsam an und streichelte flüchtig seine Wange bis ihre Hand kraftlos nieder fiel. Marn hob Ebana auf und legte sie auf das Bett, deckte sie zu. „Marn“, brachte Ebana hervor und brabbelte dann irgendetwas, was Marn jedoch nicht verstand. „Ja, ich bin bei dir“, antwortete Marn und lächelte ein wenig, denn sie erkannte ihn nun wenigstens. „Wa.. was ist denn passiert, Liebste?“, er sprach leise, besorgt und wirkte nicht mehr so gefasst wie man es von ihm gewohnt war. Ebana schüttelte wild den Kopf und schrie einmal auf, was Marn Angst versetze. Es war weniger ihr Schrei als vielmehr die Tatsache, Ebana überhaupt schreien hören zu müssen.
Auf den Schrei folgte wieder sein Name und unverständliches Gebrabbel. Marn ließ Ebana nun langsam los und nahm die Katze hoch, um sie mit sich nach unten zu nehmen. Er rannte die Treppen nicht nur hinab, er sprang sie förmlich hinab, um nicht unnötig Zeit zu verschwenden. Auf dem Weg nach unten, hörte er Ebana ein oder zwei mal wieder nach ihm rufen, doch er ging nach unten, um aus der Vorratskiste Wasser für Ebana zu holen, wobei sein Blick wieder kurz auf den Esstisch fiel. Die angebissene Keule und rückte nun in sein Blickfeld und er ging langsam, zögernd und nachdenklich auf sie zu. Er hob den Teller an und begutachtete die Keule von allen Seiten. Er sah dann geschockt auf die Keule als er begriff, was mit dieser Hühnerkeule los sein musste und donnerte den Teller auf den Tisch zurück. Er griff sich aus der Truhe rasch das Wasser, eilte die Stufen hinauf und in sein Arbeitszimmer. Das Wasser stellte er auf seinem Schreibtisch ab und begann in den Regalen einige Taschen zu durchwühlen. Die durchsuchten Taschen ließ er einfach fallen, bis er endlich die richtige in seiner Hand hielt. Mit der Tasche und dem Wasser rannte er die Treppe zum Schlafzimmer hinauf, wobei er beinahe gestolpert wäre. Ebana lag nun ganz still im Bett wie ein kleines Kind, dass Angst vor einem Monster unter dem Bett hat. Ihre weitaufgerissenen Augen sahen ihn an und sie schien sich nun wieder etwas zu entspannen. Das Wasser stellte er auf den Hocker, den er inzwischen neben dem Bett postiert hatte; die Tasche stellte er neben dem Bett ab und kniete sich ans Bett. Er nahm eine Phiole aus der Tasche mit einer rötlichen Flüssigkeit drin. „Liebste. Hör mir zu“, begann er ruhig, um Ebana nicht unnötig nervös zu machen, und Ebanas Blick ging zu ihm. „Das hier gebe ich dir jetzt. Das musst du trinken.“ Er entkorkte die Phiole und Ebana öffnete ihren Mund, damit Marn die Flüssigkeit in ihren Mund gießen konnte. Ebana schluckte die Flüssigkeit, verzog aber den Mund bei dem Geschmack. Marn nahm eine zweite Phiole, erklärte Ebana wieder, dass sie es schlucken müsse und entleerte die Phiole in ihren Mund. Zum Nachtrinken gab er ihr dann von dem Wasser, dass er mitgebracht hatte. „Orks!“, rief Ebana dann aufgeregt und blickte im Raum umher. Sie zog an Marn, als wollte sie sich hinter ihm verstecken. Marn sah sich um und ließ sich zu ihr ziehen, um ihr ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Ebana legte ihren Kopf an seine Schulter. „Ich hab Angst. Bleib bei mir“, flüsterte sie ängstlich und Marn strich ihr durch ihr Haar. Und er tat, was Ebana wollte, er blieb bei ihr.
Marn Mashnakh ist offline  
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Alt 27.06.2006, 23:41
24. Ador 1289 - Die Aufnahme
#28
Ebana Mashnakh
Reisender
 
Registriert seit: 23 May 2005
Beiträge: 315
Dem Wolfsrudel fiel es sogleich auf, heute würde der Tag anders verlaufen. Freudig und aufgeregt tollten sie nahe des Mashnakh´schen Grundstückes. Einige der jungen Wilden liessen ihren Übermut freien Lauf, dass es selbst Yeno zu viel wurde und er einen von ihnen recht grob in die Schnauze biss. Sofort kehrte etwas Ruhe ein, wenn auch diese nur trügerisch war.

Kurz darauf näherte sich ruhigen Schrittes, Ebana mit dem recht alten Wolf Graubart. Stolzen Blickes setzte Graubart sich auf seine Hinterläufe, einige Schritt von dem Rudel entfernt hin. In seiner Ausstrahlung zeigte sich deutlich, dass er kräftig genug war, um sich seiner Haut noch immer erwähren zu können.

Nachdem Ebana ihm vor Monaten im wahrsten Sinne einen Zahn gezogen hatte, als Tronkir diesen fast verhungerten und zornigen, einsamen alten Wolf zu ihr gebracht hatte, konnte er sich abseits des Rudels erholen und wieder zu kräften kommen. Über einen längeren Zeitraum konnte er nur Fleischbrei zu sich nehmen. Ebana umsorgte ihn, pflegte seine Wunden, schnitt täglich einen Berg Fleisch in winzige Stücke, goss Wasser hinzu und rührte und stampfte die Masse solange, bis es zu einem pampigen Brei wurde, den er nur noch schlucke musste. Nach und nach begann der Wolf wieder rohes Fleisch zu essen, bis er kräftig genug war, zusammen mit Ebana auf die Jagd zu gehen. Nichts deutete mehr darauf hin, wie verwahrlost und abgemagert er noch vor Monaten war.

Da saß er nun und alle Augenpaare des Rudels waren auf ihn gerichtet. Die jüngeren, fast ausgewachsenen Welpen drängte die Neugier zu ihm. Doch nicht ohne stets Yeno, dem Alpha im Auge zu behalten. Niemand von ihnen war es entgangen, dass dieser alte Wolf seit Monaten in ihrer Nähe war, von Ebana schützend in einem für ihn eigens angefertigten Gatter umschlossen gehalten. Der Geruch des Todes ward schon lange von Graubart genommen.

Ebana sah die Zeit gekommen, Graubart dem Rudel gegenüber zu stellen. Sie war gespannt ob Yeno ihn dulden würde, konnten doch beide Seiten davon profitieren. Graubart mit all seiner Lebenserfahrung könnten sein Wissen an die jüngere Generation weitergegeben und er selbst fände wieder Anschluß an einem schützenden Rudel.

Der übergrosse und stattlich, kräftige Yeno strahlte Ruhe und Besonnenheit aus, für ein nicht geübtes Auge oder jenen, die von Wölfen keinerlei Ahnung haben, wäre es entgangen, wie Yeno mit seinen gelben Augen Graubart fixierte. Ebana entging dies nicht und so stand sie einen Schritt neben Graubart still wie eine Salzsäule. Keiner ihrer Bewegungen sollten die nun kurz bevorstehende Entscheidung auf irgendeine Weise beeinflussen. Sie wusste, das Marn all dies von ihrem Haus aus beobachtete, gespannt ob es friedlich ablaufen würde, so wie Ebana es sich erhoffte und sie alle dann auf eine grosse, zweiwöchige Wanderschaft gehen könnten, oder ob es gleich recht blutig werden würde.

Auch wenn Marn dieser Gedanke nicht sonderlich gefiehl, dass es ausgerechnet jetzt sein sollte, wo er sich schon so freute, mit Ebana und dem Rudel für eine Weile allein sein zu können, wobei er hauptsächlich Ebana erleben wollte, in ihrer Nähe sein wollte, wenn sie frei und ungezwungen mit dem Rudel herumtollte. Jedoch ließ sich Ebana davon nicht abbringen. "Wir können ihn nicht hier allein lassen, entweder wir gehen alle oder niemand." Es kam nicht oft vor, dass sie so entschieden sprach, doch wenn, dann sprach aus ihr die Wolfsfrau.

Graubart näherte sich mittlerweile in demütiger und unterwürfiger Haltung langsam Yeno, mit gesenkter Rute, welche sogar fast unter dem Bauch geklemmt war, warf sich nun vor Yeno auf den Rücken und bot seinen verletzlichen Bauch, als Geste des Unterwerfens, dar. Mit glänzenden Augen und freudigen Lächeln entspannte sich Ebanas Haltung - es war vollbracht. Erst als Graubart freudig über Yenos Schnauze schleckte und die Welpen anfingen ihre Freude mit kleinen Balgerei über Graubart hinwegzutollen und mit seiner Rute Tauziehen veranstalteten, wurde es auch Marn warm ums Herz.

Für eine Weile ließ Ebana das Rudel allein und lief erleichtert und strahlend zurück ins Haus. Marn empfing sie mit verliebten Lächeln und stolzem Blick. Er nahm sie in seine Arme und flüsterte einige zarte Worte in ihr Ohr.

Ebana Mashnakh ist offline  
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Alt 26.09.2006, 16:34
Ronox 1289 - Reise in die Vergangenheit: Schiffsre
#29
Ebana Mashnakh
Reisender
 
Registriert seit: 23 May 2005
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„Hey wo soll´s denn mit dem Viech hin?“ Mit weit aufgerissen Augen starrte der fette Seemann die beiden an und sein ausgestreckter Arm deutete auf Yeno, der scheinbar völlig ruhig neben Ebana stand. Marn und Ebana hätten wie Zwillinge wirken können in ihren Kapuzenroben. Auf ihren Kapuzen, welche nur Schemenhaft ihre Münder erahnen ließen, so tief waren sie ins Gesicht gezogen, lag eine kleine Schicht von Schnee, ebenso auf ihren Schultern.

Langsam, fast bedrohlich hob Marn seinen Blick zu dem Seemann und erhob zischend seine Stimme. „Geh er uns aus dem Wege!“ Ohne auf sein Gezeter und Gewetter einzugehen, schob sich Ebana auf einem Wink Marns, an ihm vorbei an Bord des Schiffes, dicht gefolgt von Yeno, einen sehr großen Wolf, dessen Augen aufmerksam jede Art von möglichen Fingerzeig Ebanas achtete.
„Bleibt ja mit dem Viech unter Deck! Und glaubt ja nicht, dass die Kombüse auch nur ein Fleischfetzen raus gibt, für DAS da!“ Wiederholt fuchtelte der fette Seemann mit seinem Arm gen Yeno. Marns rechte Hand hob sich und gebot ihm zu Schweigen. Seine ganze Art lies deutlich werden, ein falsches Wort, eine falsche Geste und ein jeder würde es bereuen, der ihm, seiner Frau oder dem Wolf zu nahe kommen würden.

In ihrer Kajüte angelangt, befreiten sie sich von den Roben und nahmen den winzigen Raum in Augenschein. „Wir sind wahrlich etwas Besseres gewohnt.“ Mit angebiedertem Gesichtsausdruck ließ Marn sich auf die recht harte Pritsche nieder, während Ebana für Yeno auf den Boden nahe der Pritsche eine Decke ausbreitete. „Es wird schon gehen und so schlimm ist es doch gar nicht.“ Versuchte sie beschwichtigend in ihrer leisen Sprechweise auf ihn einzuwirken.

Es vergingen keine Stunden, ehe sie verwundert und besorgt feststellen musste, dass ihre beiden Liebsten Schiffreisen überhaupt nicht bekommen. Das Auf und Ab des Schiffes machte ihr überhaupt nichts aus und auch wenn ihre Neugierde noch so groß war, an Deck zu gehen und sich keinen Moment dieses Erlebnisses, dieses Ausblickes entgehen zu lassen, so blieb sie bei den beiden und kümmerte sich fürsorglich um sie. Da es in ihrer „Abstellkammer“ kein Fenster gab, blieb ihr nichts anderes übrig als die Tür etwas offen stehen zu lassen, damit wenigstens etwas der frischen Meeresbriese hineingelangen konnten und den Geruch von Übelkeit mit hinausnahm.

So ging es Tag um Tag, Marn schien sich überhaupt nicht an das Geschaukel gewöhnen zu können. Kreidebleich mit kaltem Schweiß auf der Stirn lag er auf der Pritsche, wohingegen der Wolf sich am zweiten Tag der Reise wieder erholt hatte. Von dem mitgebrachten getrockneten Fleisch aß er mit gesundem Appetit, auch wenn es ihm nicht wirklich schmeckte, so trieb es der Hunger hinein.

Als Ebana für einen Moment die Kajüte verließ, wieder in die verhüllende Robe gewandet, so wie Marn ihr angeraten hatte, nutzte Yeno die Gelegenheit und ließ sich neben Marn, ganz dicht, auf seiner Pritsche nieder. Seine Schnauze platzierte er auf seiner Schulter und sein Atem blies hörbar über Marns Hals. Mit leichtem Schmunzeln wurde Ebana diesem Anblick gewahr, als sie mit einem Eimer voll Wasser wiederkam. Yeno entspannte sich und schloss langsam seine Augen, als sie ihm weder eines ihrer Zeichen gab, noch ein Wort des Missfallens äußerste.

Nach zwei Wochen sollte das Martyrium für Marn zu Ende sein. Land!
Das Schiff legte in einem kleinen Hafen an. Schon tags zuvor merkte man deutlich, dass es wärmer geworden war. Freudige Laute drangen in die Kajüte, ebenso seltsame Düfte nach Kräutern und anderes noch für Ebana undefinierbar. Eilig sammelte sie ihrer beiden Habseeligkeiten zusammen und half Marn in seine Kleidung. Als beide zwar sommerlicher gekleidet, aber doch die Kapuzen ihrer Robe ins Gesicht gezogen hatten, schien Marn und ebenso Yeno wie gewandelt. Beide ergriff die Vorfreude, endlich von diesem verhassten Schiff herunter kommen zu können. Auch wenn er immer noch sehr blass und geschwächt von den Strapazen dieser Schiffreise war, so stand er aufrecht und stolz und strahlte wieder in bekannt üblicher Art Kühle und Bedrohlichkeit aus.

Das seltsam anmutende Pärchen mit dem Wolf an ihrer Seite zog jede Aufmerksamkeit auf sich. Auch wenn Ebana am liebsten im Boden versunken wäre, sich ihre Nackenhaare vor Unbehagen aufstellten, so fühlte sie sich absolut sicher in solch mächtiger Begleitung.
Marn würde mit nur einer Handbewegung oder gar einem Wimpernschlag jeden von ihr fernhalten oder gar auf der Stelle töten, der es wagen würde, Hand an seine vergötterte Ebana zu legen, die einzige Person auf der Welt, für der er sein Leben lassen würde.

Yeno, den scheinbar zu groß geratenen Wolf, mit glänzendem braunem Fell, dessen blaue Augen einem zu durchdringen suchten. Schon allein sein leises Knurren und heben seiner Lefzen bewirkte, das sich vor ihnen drei eine Gasse bildete, durch die sie ungehindert über den Hafen schreiten konnten.
Ebana Mashnakh ist offline  
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Alt 27.09.2006, 18:19
Ronox 1289 - Lorkrum
#30
Ebana Mashnakh
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Registriert seit: 23 May 2005
Beiträge: 315
Nach zwei Tagesritten durch unerträgliche Hitze hielten sie auf einer kleinen Anhöhe und blickten zu dem Dorf hinunter. Dies war es also. Hier vor etlichen Jahren, verbrachte Ebana ihre ersten fünf Lebensjahre bis zu jenem schicksalhaften Tage.

Lorkrum, ein kleines Dorf, mitten in der lebensverneinenden Wüste. So sollte man meinen, jedoch lag dieses Dorf keinen Steinwurf von einer sehr großen Oase. Von der Anhöhe aus konnte man einen wagen Überblick über dessen Größe erahnen.

Yeno ließ ein lautes Geheul ertönen. Die Aufregung und Nervosität von Ebana war auf ihn übergegangen. Die Menschen in dem Dorf hielten in ihren Beschäftigungen inne und starrten zu den zwei verhüllten Reiter und ihren wölfischen Begleiter. Einige der Männer griffen sich sogleich was sie habhaft werden konnten, um sich irgendwie zu bewaffnen.

Marn, der schon einmal in diesem Dorf gewesen war und das damals nahe gelegene Orkdorf dem Erdboden gleichgemacht hatte, ritt allein den Hügel hinunter. Während er sich den Dorfbewohner langsam näherte, stieg Ebana von dem Pferd ab, ging in die Hocke und griff in Yenos Fell. Weniger um den Wolf zu beruhigen, nein, eher sich selbst.

Misstrauisch beäugten die Leute Marn, der betont gemächlich von seinem Gaul abstieg, seinen Blick durch die Runde streifen ließ und dann in einer theatralischen Bewegung die Kapuze von seinem Kopf streifte. Sein hellblondes, langes Haar trug er wie gewöhnlich zu einem Zopf gebunden. Ein älterer Mann schob sich an den mit Mistgabel bewaffneten Männern vorbei und baute sich vor Marn auf, ehe er sich so gut es der Alte zustande bringen konnte, verbeugte. „Meister Manil, wenn ich mich recht erinnere? Wir sind euch zu großem Dank verpflichtet!“ Der Mann sprach ein paar knappe Worte zu den Umstehenden, welche darauf ihre Mistgabeln sinken ließen. Marn erhob einen Mundwinkel. Ja, man erkannte ihn als ihren damaligen Retter. „In der Tat, dass seid ihr.“ Meinte Marn ruhig und scheinbar völlig gelassen. „Wir wünschen für ein paar Tage Unterkunft und Verpflegung zu erhalten.“ Zustimmend nickte der alte Mann und blickt dann an Marn vorbei zum Hügel hinauf. „Ein Wolf?“ Fragend und mit großen Augen blickte er Marn an. „Zollt meiner Gemahlin und ihrem Begleiter denselben Respekt wie mir und euch wird nichts ereilen.“ Eindringlich und mit warnendem Unterton sah er zu dem alten Mann. „Natürlich, keine Frage.“ Erwiderte dieser hastig.

Ebana, die jenes Treiben aufmerksam von der Anhöhe beobachtet hatte, erhob sich nun. Langsam setzte sie einen Fuß vor den anderen, dicht an ihrer linken Seite schritt der Wolf. In ihr überschlugen sich die Gedanken. Was ist, wenn niemand aus meiner Familie mehr lebt? Was ist, wenn ich nicht willkommen bin? Wird man Yeno dulden?
In jenem Moment war sie sehr froh darüber, dass sie auf den Rat gehört hatte und sich die Kapuzenrobe angezogen hatte. Die tiefschwarze und auf den Boden schleifende Robe, mit den langen Ärmeln gab ihr in diesem Moment ein Gefühl von Sicherheit. Man starrte sie an und doch konnte man sie nicht sehen.
Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, ihr war als könne man ihre Aufregung und Furcht vor dem Kommenden hören. Neugierig huschten ihre grünen Augen über jeden der Anwesenden, auf der Suche nach etwas Bekannten. War er es oder sie? Doch wollte sich kein Erkennen einstellen.

„Hier entlang.“ Deutete eine dürre Frau einladend. „Man wird sich um eure Pferde kümmern.“ Zufrieden nickte Marn und ergriff Ebanas Hand, um diese in seine Armbeuge zu legen. Fast etwas zu fest krallten sich ihre Finger in seinen Arm, als sie sich bei ihm einhakte. Leise wisperte Marn zu ihr. „Es wird dir nichts geschehen, Liebste.“
Für einen Moment waren sie allein in dem Zimmer, welches sehr spartanisch eingerichtet war. Mittig im Zimmer stand ein Tisch, umringt von sechs Stühlen. Ein kurzer Blick genügte ihr, um anerkennend festzustellen, dass trotz der Einfachheit ein geübter Schreiner dies gefertigt haben musste.

Ebana streifte die Kapuze aus dem Gesicht und entledigte sich gänzlich der Robe, welche sie sorgsam über die Lehne ihres Stuhles legte. Kurz darauf kam die dürre Frau mit einem recht beladenen Tablett plappernd herein, welches abrupt endete als sie zu Ebana blickte. Ihre Augen weiteten sich erschrocken und sie ließ das Tablett scheppernd fallen und rannte schreiend hinaus. Sofort war Marn auf den Beinen und man konnte deutlich erkennen, welche Wut er in sich verspürte. Ebana, die nicht recht verstand, warum man vor ihr schreiend wegrannte, war so dermaßen erschrocken und verängstigt, dass sie flugs in die hinterste Ecke des Raumes sich verkroch und Yeno zu sich rief. Ihre Finger krallten sich in dessen Fell. Im selben Augenblick stürmte fast das halbe Dorf in das Zimmer. Aufgeregte Stimmen wurden laut. „Was erdreisstet sich dieses dürre Weib?!“ Spie Marn voller Zorn aus und packte den erstbesten am Hals. Jener Mann erbleichte und gab röchelnd Antwort. „Sie dachte einen Geist zu sehen – ihre Schwester Linea.“ Mit einem Stoss gab er den Mann frei und bedachte ihn mit einem verachtenden Blick. „Redet nicht irr! Meine geliebte Frau ist weder ein Geist noch ist sie die benannte Person!“
Ebana blickte aus verängstigen Augen zu den vielen Augenpaaren, die sie anstarrten. Einige Bruchstücke drangen an ihr Ohr. „Weißes Haar…Linea…wer ist sie…Geist…“ Marn fuhr ihr mit zärtlicher Geste über ihr weißes Haar und half ihr aufstehen. Liebevoll und gleichfalls Schutz bietend drückte er sie an sich, dann änderte sich wieder sein Ausdruck und kalt, fast eisig blickte er zu dem Aufmarsch an Leuten.
Der alte Mann schien die Situation am schnellsten zu überblicken und er scheuchte die Leute hinaus, nur die dürre Frau, die schreiend weggelaufen war und er selbst verblieben im Raum. „Ich bitte demütigst um Vergebung, doch gestattet mir den Umstand zu erklären.“ Einladend deutete er zu den Stühlen. „Bitte, nimmt Platz, ich will euch gern alles erklären.“

So berichtete er, das jenes Orkdorf, welches Marn vernichtete hatten, vor zwanzig Jahre über ihres hergefallen war und jeden niedergemetzelt hatte, die es nicht verstanden hatte, sich zu verstecken oder schnell genug weggelaufen waren. „Die Schwester von ihr.“ dabei deutete er auf die dürre Frau „Und dessen Familie wurden dabei auch getötet. Ich kann verstehen, dass Kia schreiend weggelaufen ist, da eure Gemahlin Linea wie aus dem Gesicht geschnitten ist.“ Ebanas Augen huschten bei den Worten zu Kia und musterten sie eindringlich. Ihre Lippen waren des Erstaunens leicht geöffnet. „Wenn ihr so freundlich wäret – wer ist eure Gemahlin?“ Marn blickte Ebana an, drückte sie noch fester für einen Moment an sich und blickte geradeaus zu Kia. „Wie alt wäre eure Schwester heute?“ Verwundert öffnet Kia ihren Mund und starrte ihn entgeistert an, ehe sie stammelte. „Ein Jahr jünger als ich – zweiundvierzig.“
Leise erhob sich Ebanas Stimme. „Linea…meine Mutter…ihr seid…meine…Tante?“ Stille legte sich für etliche Sekunden über den Raum, bis Kia freudestrahlend hastig auf Ebana zu wirbelte und sich ohne der möglichen Gefahr durch Marn oder Yeno bewusst, an sie drückte und Ebana herzte, dass ihr fast die Luft wegblieb. „Bist du es Sevina oder gar Ebana?“ Leise und bedrohlich knurrte Yeno, doch auf ein Zeichen Ebanas verstummte dieser. „Ebana Mashnakh, meine Gemahlin und Sinn meines Lebens!“ Stellte Marn mit stolzer Stimme sie vor.
Ebana Mashnakh ist offline  
Geändert von Ebana Mashnakh (05.10.2006 um 01:32 Uhr). Grund: Titel vergeben
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