Terra Mystica
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Terra Mystica | Foren
Alt 27.04.2019, 17:46
Auf dem Holzweg
#1
Julie Melan
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Als sie die Schiffsplanke entlang schritt wankte sie ein wenig. Jetzt bloß nicht noch auf den letzten Metern ins Hafenbecken fallen. Sie hatte die Reise trotz der stürmischen Winde gut überstanden, hatte sich nur wenige Male übergeben und war auch nicht über Bord gegangen. Ein guter Schnitt.

Den festen Boden unter ihren Füßen nahm sie zunächst kaum wahr. Ihre Knie fühlten sich noch immer weich an und so waren ihre ersten Schritte in Britain von Unsicherheit geprägt. Doch je weiter sie sich vom Hafen entfernte desto sicherer wurde sie und desto mehr Farbe kehrte in ihr blasses Gesicht zurück. Und auch das flaue Gefühl im Magen verflog langsam.

Um ihre kleine Werkstatt im Norden des Handwerkerviertels zu erreichen musste sie einmal quer durch die Stadt. Nichts hatte sich verändert. Alles war so, wie sie es in Erinnerung hatte – und das beruhigte sie.

Ihre Reise war wirklich schön gewesen. Das Wiedersehen mit ihren Eltern freudig und tränenreich. Sie hatte die Zeit genossen, in der sie sich nochmal wie ein Kind fühlen konnte und sich von ihrer Mutter bemuttern ließ. Frei von Sorgen, in den Tag hinein lebend, ohne sich darum kümmern zu müssen, wie man sich die nächsten Münzen für sein täglich Brot verdiente oder wo man rare Materialien her bekam. Und auch das schreckliche Ereignis kurz vor ihrer Abreise rückte in immer weitere Ferne, sodass diese Erinnerung mehr und mehr verblasste, zu einem Schatten wurde, den sie hinter sich ließ, wie einen dummen Traum. Am Ende war sie sich nicht einmal mehr sicher, ob es wirklich geschehen war.

Doch auch die schönste Zeit musste einmal zu Ende gehen und schließlich war sie beinahe erleichtert gewesen, als sie wieder an Bord des Schiffes ging, das sie nach Britain zurück bringen sollte. Sie freute sich schon wieder auf ihre Arbeit. Auf ihre Freunde und ihre Bekanntschaften. Es galt noch einen Kundenauftrag fertigzustellen. Sie glaubte endlich den letzten Kniff begriffen zu haben, wie sie das Birnenholz richtig bearbeiten musste und konnte es kaum erwarten es auszuprobieren. Und dann hoffte sie darauf bald neue Aufträge zu erhalten, denn schließlich wollt sie fleißig wie eine Biene der Cunna sein um ihr Wissen weiter auszubauen und zu schulen.

Drei Briefe fand sie vor, als sie schließlich durch das Gartentörchen trat und während sie die ersten beiden las und sich über sie freute, ließ ihr der dritte das Blut in den Adern gefrieren. Es war kein Traum gewesen.
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Alt 29.05.2019, 15:37
#2
Julie Melan
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Erschöpft ließ sie sich auf die schmale Treppe sinken, die zum Eingang ihrer kleinen Hütte führte. Den Hinterkopf an die Tür lehnend, schloss sie die Augen und streckte das Gesicht der milden Frühlingssonne entgegen, die es mit ihren warmen Strahlen liebkoste. Sie musste dringend eine Pause einlegen.

Erst ein dreiviertel Jahr lebte sie in Britain und doch war sie der festen Überzeugung, dass sie in diesen neun Monaten mehr erlebt hatte, als in den 17 Jahren zuvor. Die Ereignisse überschlugen sich einfach. Es hatte damit angefangen, dass sie dem Kloster, in dem sie fast acht Jahre lang gelebt hatte, den Rücken kehrte. Sie wollte auf eigenen Beinen stehen, über ihre Grenzen hinausgehen. Und wann war der richtige Zeitpunkt, wenn nicht jetzt? Sie war eine junge Frau von fast 18 Sommern, etwas schüchtern vielleicht, aber gewiss nicht auf den Kopf gefallen. Auch wenn ihre Naivität manchmal genau diesen Eindruck erweckte.

Ihre Eltern waren von ihren Plänen zunächst nicht begeistert gewesen. Schließlich drohte ihnen ihre einzige Tochter ein zweites Mal zu verlieren. Das erste Mal, als sich Julie mit gerade einmal acht Jahren dazu entschied fortan im Kloster der Cunna zu leben und zu lernen und jetzt, einige Woche nachdem sie ihre Ausbildung abgeschlossen hatte, ein zweites Mal. Doch Julie ließ sich nicht beirren und nach Tagen voller Diskussionen, ähnlich wie jenen im Alter von acht Jahren (nur das sie diesmal keine Novizin der Cunna zur Unterstützung dabei hatte) gaben ihre Eltern schließlich nach. Unter dem Versprechen regelmäßig zu schreiben und sie hin und wieder zu besuchen ließen sie Julie erneut ziehen. Und die junge Frau lief los, plan- und ziellos - und landete schließlich im Herzogtum Britannia und Britain.

So fremd und groß war ihr die Stadt vorgekommen und sie fühlte sich in den ersten Tagen verloren. Fast hätte sie wieder ihre Sachen gepackt und wäre am Liebsten weitergezogen oder noch besser zu ihren Eltern zurückgekehrt. Doch so leicht aufgeben wollte sie dann auch nicht. Nicht, nachdem sie ihre Freiheit so hart erkämpft hatte. Also blieb sie, hielt sich mit kleineren Auftragsarbeiten über Wasser, verzichtete auf Vieles, drehte jede Münze zuvor zweimal um, bis sie schließlich im Norden des Handwerkerviertels ihre erste, kleine Werkstatt bezog.

Und von diesem Tage an ging es bergauf. Sie lernte Feline kennen. Eine junge Schaustellerin und Bardin. Und obwohl die beiden gleichaltrigen Frauen so unterschiedlich waren wie Himmel und Erde, Feuer und Wasser, näherten sie sich mehr und mehr an. Julie gewann mit Feline nicht nur eine liebe Freundin, nein, sie gewann eine ganze Familie, denn Feline war Teil einer ganzen Sippe an Schaustellern. Von Anfang an fühlte sie sich gut aufgenommen, wenngleich Alvarez ihr mit seiner stets grimmigen Miene immer etwas Angst einflößte und sie Alea nicht einschätzen konnte bei seinem offenen Wesen und all‘ den Kosenamen die er gerne verteilte. Ein wenig Distanz war immer da, ja. Aber im Großen und Ganzen fühlte sie sich in Anwesenheit der Schausteller sehr wohl.

Wo die Schausteller waren, war es immer gesellig und schon bald profitierte Julie davon. Feline ließ sich nicht davon abhalten fleißig die Werbetrommel für sie zu rühren und so trudelten nach und nach die ersten Aufträge ein, wurden immer umfangreicher und die Entfernungen weiter. Bis nach Falkenstein wurde ihr Name inzwischen getragen und Julie ging in ihrer Arbeit und dem Gefühl „gebraucht zu werden“ auf. Es machte sie glücklich die unterschiedlichsten Menschen kennenzulernen und ihnen ihre Häuser einzurichten oder mit kleinen Dingen den Alltag zu erleichtern. Es war eine sehr anstrengende Zeit, die immer noch anhielt, denn ihre Auftragsbücher waren gut gefüllt. Doch beklagen wollte sie sich nicht.

Sie hoffte einfach, dass Cunna mit einem wohlwollenden Lächeln auf sie herab sah und ihre Arbeit anerkannte. Sie dankte der Göttin an jedem Morgen für ihre Gesundheit, die es zuließ, dass sie sich erneut an ihr Tagewerk begeben konnte und sie dankte ihr am Abend, wenn sie zu Bett ging, dass Cunna ihr ein warmes Heim ermöglichte und sie von Verletzungen bei ihrer Arbeit bewahrt hatte.

Und sie hoffte insgeheim, dass auch Cunna mal ein Auge zudrückte, wenn man sich nicht nur der Arbeit zuwandte sondern auch den zwischenmenschlichen Dingen. Freundschaften mussten gepflegt werden, wenn sie erhalten bleiben sollten. Und doch kam es immer wieder vor das Jemand zu kurz kam - und meistens traf es nun mal ihn. Sie wünschte sich mehr freie Zeit für ihn um ihn besser kennenlernen zu können. Schließlich, so schien es ihr, wusste er so viel über sie, aber sie kaum etwas über ihn. Manchmal fürchtete sie schon, dass sie ihn mit ihrem ständigen Zeitmangel vergrault hätte, doch wenn er dann im nächsten Moment plötzlich wieder vor ihr auftauchte, freute sie das schon.

Vielleicht war das wahre Freundschaft? Auch wenn man sich mal längere Zeit nicht sah, dass man trotzdem in schweren Stunden füreinander da war und sich gegenseitig half. Die Stimmung ihrer Gedanken kippte und sie erinnerte sich an den Vorfall mit Rival zurück. Die Begegnungen lagen ihr immer noch wie ein schwerer Klumpen im Magen. Bald hatte sie den Termin bei der Garde. Dann würde sie alles erzählen und sicherlich würde die Garde diesen Schurken dann auch erwischen. Ein wenig graute es sie vor der Aussage, hatte sie diese doch zu lange hinausgezögert. Aber mit ihm an ihrer Seite würde es wohl leichter werden. Hoffte sie.

Als ihre Wangen sich unter der Sonneneinstrahlung mehr und mehr röteten und ihre Haut zu prickeln begann, schlug sie die Augen wieder auf. Schwerfällig raffte sie sich von der Treppe auf. Für ein Nickerchen hätte sie nun gerade die richtige Bettschwere, doch als sie ihre Hütte betrat stellt sie fest, dass da kein Bett mehr stand. Sorgfältig auseinander gebaut lehnten die Bretter an der Wand. Sie seufzte leise auf. Es half ja alles nichts. So ein Umzug in eine größere Werkstatt erledigte sich nun mal nicht von alleine.
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Alt 03.07.2019, 22:26
#3
Julie Melan
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Die Zeit bei ihren Eltern war sehr schön gewesen. Wochenlang hatte sie zuvor durchgearbeitet, war beinahe jeden Tag von einem Termin zum anderen gehetzt. Diese Auszeit war mehr als verdient gewesen.

Auch das Wetter hatte gut mitgespielt. Jeden Morgen hatte die Sonne schon früh vom Himmel gelacht. Es war angenehm warm gewesen und hin und wieder verschaffte eine leichte Brise etwas Abkühlung. So hatte sie die Tage nichts tuend in der Hängematte im Garten ihrer Eltern verbracht und die Seele baumeln lassen. Doch nun zog es sie zurück. Zurück nach Hause.

Ein wenig Wehmut überkam sie schon, wenn sie an die langen Gesichter ihrer Eltern zurück dachte. Sie taten sich noch immer schwer damit, dass ihre Tochter, in ihren Augen, lieber in die weite Fremde zog. Doch Britannia war Julie nicht mehr fremd. In dem vergangenen Jahr war es zu ihrem Zuhause geworden. Hier hatte sie sich eine Werkstatt aufgebaut und sich einen Ruf erarbeitet. Viele Bekanntschaften hatte sie geschlossen und einige dieser Bekanntschaften waren ihr mehr und mehr ans Herz gewachsen und zu Freundschaften geworden.

Es war, wie seine Wohlgeboren Karnis gesagt hatte: das Land wurde von besonders viel Magie durchzogen und lockte deshalb allerlei Wesen an. Sie besaß zwar keine nennenswerte Magiebegabung, doch auch sie konnte diesen Zauber des Landes spüren. Wie er die Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenführte, jeder mit seiner ganz eigenen Geschichte, die sich dann hier zu einer großartigen verwebten. In Britannia war einfach viel mehr los als in dem verschlafenen Nest, das sie ihre Heimat nannte. Die Schausteller hier ließen die Tage mit ihren Geschichten und Liedern so bunt werden, der Handel florierte und besondere Ereignisse warfen schon lange im Voraus ihre Schatten voraus.

Wie zum Beispiel den Maskenball, an den sie sich immer noch gerne zurück erinnerte. Wie aufgeregt sie gewesen war! Schon Wochen vorher hatte sie sich mit ihrer Freundin Anabella getroffen. Gemeinsam hatten sie verschiedene Kleider probiert, Anas Schmuckschatulle geplündert und Julies Haare unterschiedlich frisiert, bis sie mit dem Endergebnis zufrieden waren. Viel Lob hatte sie an jenem Abend für das schöne Kleid bekommen was sie einerseits sehr gefreut, andererseits aber auch verlegen gemacht hatte. Und nicht nur das Lob hatte sie verunsichert, sondern auch andere Umstände, die sich zuvor ereignet hatten. So hatte sie gleich zwei Einladungen zum Maskenball erhalten, die sie jedoch beide abgelehnt hatte um eine dritte Person nicht zu verletzen. Inzwischen fragte sie sich, ob sie damals richtig entschieden hatte.

Aber sie hatte von diesen Dingen auch keine Ahnung! Für so eine junge Frau wirkte sie manchmal viel zu vernünftig und pflichtbewusst. Fast ein wenig steif. Dadurch erschien sie oft älter, als sie eigentlich war. Bisher hatte sie sich nie um diese Art zwischenmenschlicher Kontakte geschert. Freundschaften, ja. Die waren wichtig. Aber darüber hinaus? Das verunsicherte sie und sie flüchtete sich lieber in ihre Arbeit.

Und doch… jetzt, da sie während des Aufenthalts bei ihren Eltern, die Volljährigkeit erreicht hatte, fragte sie sich, ob es nicht doch schön wäre dieses „mehr“ zu erleben.
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Alt 15.09.2019, 16:42
#4
Julie Melan
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Zur Mittagsstunde hatten sie schließlich den Hafen von Britain erreicht. Trotz des Winters herrschte dort reges Treiben. Die Fracht wurde gelöscht, Passagiere gingen von Bord. Hafenarbeiter eilten geschäftig hin und her und die Huren schreckten auch die tiefen Temperaturen nicht ab um sich leicht bekleidet anzubieten. Die Holzstege waren glitschig vom Schneematsch und so war die junge Frau froh, dass ihr ein galanter Mitreisender seinen Arm anbot um sie sicher ein paar Schritte zu geleiten bis sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Mit ihrem vollgepackten Seesack wandte sie sich gen Osten. Sie ließ den Hafen hinter sich und schritt durch die schneegesäumten Gassen, die im Licht der Mittagssonne glitzerten. Aufmerksam sah sie sich um. Es war alles so, wie sie es in Erinnerung hatte. Und das war gut so. Sie scheute Veränderungen. Zumindest solche, auf die sie keinen Einfluss hatte.

Die Überfahrt war lang und anstrengend gewesen und je näher sie ihrem Heim kam desto mehr spürte sie, wie die Erschöpfung über sie herein brach. Sie war müde und sehnte sich danach gleich in ihr weiches Bett zu fallen und den Schlaf nachzuholen, der ihr so bitter fehlte. Ermattet betrat sie die Schreinerei und hielt für einen Moment in der Tür inne um tief einzuatmen. Der Duft von frischem Holz und neuen Möbeln schlug ihr entgegen. So warm und einladend. Es roch nach Zuhause, nach einem herzlichen Willkommen. Sie schloss die Tür hinter sich, sperrte den Schnee und die Kälte aus und schritt langsam durch die Ausstellung. Ein Kribbeln breitete sich in ihrem Bauch aus. Dies war ihr Heim, ihre Werkstatt, ihre Ausstellung. Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Sie war stolz auf das, was sie sich erarbeitet hatte. Mit den Fingerspitzen strich sie über die Verzierungen des fein gearbeiteten Chembalos aus Birnenholz, welches süßlich roch. Belebend und irgendwie… betörend. Sie lachte leise auf bei dem Gedanken. Dies sollte sie besser für sich behalten. Sie glaubte nicht, das jemand je nachvollziehen könnte, wie groß ihre Liebe zum Holz war.

Das Thema Liebe hatte sie auf ihrer Reise auch sehr beschäftigt. Ein Seufzen drang von ihren Lippen, als sie daran zurückdachte. Es war wie verhext gewesen. Ständig hatte sie sich damit konfrontiert gesehen und dabei konnte sie doch so wenig damit anfangen. Ja, in ihrem Romanen in denen sie gerne des Nächtens in ihrem Bett schmökerte, drehte es sich immerzu um Liebe. Um Jungfrauen, die von edlen Prinzen vor entsetzlichen Ungeheuern gerettet wurden. Sie liebte es mit den Figuren mitzufiebern und freute sich, wenn sich am Ende der Geschichte ein glücklicher Schluss abzeichnete. Doch ging es um ihre eigene Person würde sie sich am liebsten im nächsten Mauseloch verkriechen und sich verstecken bis der Sturm an ihr vorbeigezogen wäre.

Leider war Rebyn, ihr Heimatdorf, zu klein um sich erfolgreich zu verstecken. Dabei hatte alles so harmlos angefangen…

Ihr Schiff hatte in Gurdan angelegt, wo sie, wie es der Zufall nun mal wollte, Jannes über den Weg lief; einem Freund aus Kindheitstagen. Fast hätte sie ihn nicht erkannt und wäre wohl an ihm vorbeigegangen, wenn er nicht derjenige gewesen wäre, der sie zuerst ansprach. Sein Blick hatte aber auch Unglauben ausgedrückt. Hatte sich ihre äußere Erscheinung denn so verändert? Ja, musste sie schließlich zugeben. Die paar Kilos, die sie inzwischen durch das gute Essen in Britain, mehr auf den Rippen hatte, waren dabei nicht mal so ausschlaggebend. Viel mehr war es ihre Kleidung. Der dicke Mantel aus Braunbärenfell, die passende Gugel und Handschuhe dazu. Solch‘ meisterliche Schneiderkunst sah man in Gurdan eher selten und in Rebyn schon gar nicht. Dennoch lies sich Jannes nicht abschrecken, im Gegenteil, er war schon immer ein sehr unkomplizierter und stets gut gelaunter Mensch gewesen, und bot ihr an auf seinem Schlitten mitzufahren. Er hatte Pökelfleisch nach Gurdan gebracht und transportierte nun kleine Fässchen mit Lampenöl nach Rebyn. So wurden sie wenig später von einem Maultier durch die winterliche Landschaft gezogen. Viel Platz bot sein Schlitten nicht, doch wenn sie zusammenrückten würde es schon gehen und noch ehe Julie widersprechen konnte, hatte Jannes ein dickes Schafsfell über ihre und seine Beine gebreitet, damit sie nicht frieren mussten. Diese Nähe zu Jannes war ihr nicht direkt unangenehm, aber ungewohnt. Sie vermied es ihn anzusehen, konzentrierte sich auf die Landschaft und ließ sich von dem blonden, jungen Mann berieseln, der wie ein Wasserfall reden konnte.

Die junge Frau löste sich von dem Chembalo, verließ die Ausstellung und betrat ihren kleinen, privaten Bereich. Kalt war es hier und sie fröstelte. Sie sollte unbedingt ein paar Kohlepfannen kaufen. In der Schreinerei war offenes Feuer zu gefährlich wegen dem feinen Holzstaub, doch hier, in ihrer räumlich abgetrennten Wohnung sollte es gehen. Sie ging ins Schlafzimmer rüber, stellte ihren Seesack ab und betrachtete ihr Bett. Sie konnte es kaum erwarten sich dort wieder hinein zu legen. So viel Luxus hatte sie in Rebyn nicht gehabt.

Und doch hatte ihr der Aufenthalt bei ihren Eltern so gut gefallen und neue Kraft geschenkt. Sie war nie eine Person gewesen, die das Beste vom Besten brauchte. Nein, es reichte ihr, wenn sie sich wohl fühlte und die Herzlichkeit, die ihre Eltern ausstrahlten, machten alle Dinge, auf die sie nun verzichten musste, wieder wett. Ihre Eltern waren die gütigsten Personen, die sie kannte und sie spürte, wie es ihr einen Stich versetzte, dass sie nun nicht bei ihr waren. „Man verpflanzt keine alten Bäume.“ Die Worte ihres Vaters klangen ihr in den Ohren und Julie bedauerte zutiefst, dass ihre Eltern die weite Reise scheuten. Ihre Wurzeln waren in Rebyn. Dort waren sie geboren, dort lebten sie und dort würden sie eine Tages sterben. Nicht mal Symons Brief hatte sie umstimmen können.

Symon… Julie wandte den Blick nach Norden, sah aus dem Schlafzimmerfenster. Ein Stück weiter entfernt erhob sich das Heim von Herrn Sasperus auf einer kleinen Anhöhe. Was hatte sich dieser Kerl eigentlich dabei gedacht? Plötzlich war da dieser Kaufmann aufgetaucht und hatte das ganze Dorf in Aufruhr versetzt. Die Rebyner blieben meist unter sich und so wohlgekleidete Herrschaften im Dörfchen bedeuteten meist nur Unheil. Doch er hatte nur zwei Briefe am Hause der Melans abgegeben und war danach wieder verschwunden. Julie hatte ihren Eltern natürlich sofort Rede und Antwort stehen müssen, wer dieser Sasperus denn war und geduldig hatte sie Antwort gegeben und von ihrer Geschäftsbeziehung erzählt. Wie Herr Sasperus ihr in den ersten Monaten in Britannia unter die Arme gegriffen hatte und wie sie sich revanchiert hatte, als er eine schwere Verletzung auskurieren musste. Danach hatten sie den Brief gelesen. Julies Eltern hatten die Köpfe zusammengesteckt und wie zwei Kinder über beide Ohren gegrinst, während Julie hinter ihnen stand und nur hin und wieder eine Zeile entziffern konnte. „Dieser Mann scheint wirklich sehr viel von dir zu halten. Er spart zumindest nicht an Lob,“ kommentierte Robart, Julies Vater, den Brief schließlich. Der jungen Schreinerin schien dies mehr als unangenehm zu sein. „Kann schon sein, aber er übertreibt auch. Das ist eine Neigung von ihm,“ flüchtete sie sich in Ausreden, doch ihre geröteten Wangen straften ihrer Worte Lügen. „Du hättest ihn mit her bringen sollen,“ sprach Lenya, Julies Mutter. Doch Julie hatte nur vehement den Kopf geschüttelt. „Auf keinen Fall. Er ist viel zu beschäftigt. Für eine Reise nach Rebyn hätte er keine Zeit gehabt.“ Doch als sie in die Gesichter ihrer Eltern sah, sah sie in ihrem Blicken, dass da noch viel mehr Fragen waren. Entnervt hatte sie sich umgedreht und war in ihre Kammer verschwunden.

Ihre Eltern nahmen sich zu viel heraus. Was erwarteten sie? Hofften sie in Herrn Sasperus einen Verbündeten gefunden zu haben, der sie dazu treiben würde in Rebyn zu bleiben? Wohl kaum… Oder wollten sie Julie in guten Händen wissen, wenn sie sie schon nicht zum Bleiben bewegen konnten? Erst vor zwei Tagen, beim Abendessen, war dieses Thema aufgekommen. Julie solle sich doch endlich einen Mann suchen. Eine so junge Frau in der großen, weiten Fremde brauchte doch einen Beschützer. Jemanden, der auf sie aufpasste, ihr in brenzligen Situationen half, wenn sie allein nicht mehr weiter wusste. Aber Julie wollte keinen Beschützer. Sie hatte sich in den letzten eineinhalb Jahren so vieles alleine aufgebaut, dass sie sagen konnte, dass sie auch ohne Mann an ihrer Seite bestens zurecht kam. Julies Laune war bei diesem Abendessen mehr und mehr in den Keller gesunken, bis es ihr schließlich sogar den Appetit verschlagen hatte und sie sich entschuldigen ließ, als sie vom Tisch aufstand.

Und jetzt diese Briefe. Julie war so in ihren finsteren Gedanken versunken, dass sie ihren eigenen Brief fast vergessen hatte. Doch nun lag dieser vor ihr und Julie wollte ihn endlich lesen. Sie griff danach, öffnete den Umschlag und zog den Briefbogen heraus. Für einen Moment spürte sie, wie sich doch noch Aufregung in ihrem Bauch breit machte und sich ein Lächeln auf ihre Lippen stahl. Warum sollte er all‘ diese Mühen auf sich nehmen und ihr einen Brief nachsenden? Sie wäre doch in ein paar Wochen ohnehin wieder da. Was mochte er ihr mitzuteilen haben? Man schrieb doch nicht einfach so der Tochter und dem Vater einen Brief. Oder?

Ihre Augen wanderten aufgeregt die Zeilen entlang, doch je weiter sie las, verflüchtigte sich das Lächeln auf ihren Lippen. Der Inhalt des Briefes war nun nicht wirklich das, was sie erwartet hatte. Aber was hatte sie eigentlich genau erwartet? Sie stellte fest, dass sie sich die Frage selbst nicht beantworten konnte. Jedenfalls keinen Bericht über die momentane Situation in ihrer neuen Heimat. Sicherlich wäre doch auch mal ein persönliches Wort angebracht gewesen, doch jenes suchte sie in den Zeilen fast vergeblich. Mit geschürzten Lippen faltete sie den Briefbogen wieder zusammen und steckte ihn zurück in den Umschlag. Daraus sollte mal einer schlau werden.

Julie kleidete sich aus und zog sich ein Nachthemd mit langen Ärmeln über. Obwohl draußen gerade einmal die zweite Mittagsstunde schlug, fühlte sie sich so gerädert, dass sie unbedingt ein wenig Schlaf benötigte. Sie schüttelte ihre Federbettdecke auf und stieg mit einem leisen Seufzen in ihr Bett. Zunächst war es kalt, so bitterkalt, dass sie fror und zitterte. Sie stopfte die Enden der dicken Federbettdecke unter ihren Körper fest und igelte sich zusammen. So kalt war es auch gewesen, als sie erneut auf Jannes getroffen war.

Es waren bereits einige Tage nach Symons Brief vergangen. Ihr Ärger war verflogen und auch ihre Eltern ließen sie inzwischen mit dieser Thematik in Ruhe. Nicht zuletzt, weil sie von dem Verjüngungszauber berichtet hatte, der Herrn Sasperus umwob und den ihre Eltern nicht verstanden (Wie auch? Sie verstand es ja selbst nicht). Nein, mit solchem Spuk wollten sie nichts zu tun haben. Julie sollte sich von solchen Leuten fernhalten, hatten sie sie noch ermahnt, gepaart mit der ewigen Litanei, ob es nicht für Julie doch besser wäre in Rebyn zu bleiben. Die junge Schreinerin konnte die Worte inzwischen auswendig mitsprechen.

„Weißt du, Julie. Ich glaube, du tust deinen Eltern wirklich Unrecht. Sie sorgen sich sehr um dich und es vergeht kein Tag, an dem sie nicht von dir erzählen. Du bist hier so lebendig und durch ihre Erzählungen allgegenwärtig als würdest du hier tatsächlich noch wohnen und nicht immer nur für wenige Wochen im Jahr. Gib dir doch einen Ruck und bleib hier. Du bist noch so jung. Du gehörst zu deiner Familie. Wer weiß, wieviel gemeinsame Zeit euch noch vergönnt ist.“ Jannes Worte hatten sie betroffen gemacht und auch ein wenig wütend. Diese Kleingeister hier in Rebyn konnten nicht verstehen, wer sie inzwischen war und was sie noch erreichen wollte. Niemals hatte einer von ihnen gewagt über den Tellerrand hinaus zu schauen. Sie alle lebten ihr kleines, beschauliches und einfaches Leben. Zugegeben, es war ja kein schlechtes Leben und es wäre Julie ein leichtes gewesen sich darauf einzulassen und hierzubleiben. Doch damit hätte sie sich selbst verraten. Viel zu früh hatte sie gemerkt, dass sie anders war. Sich nicht in das schlichte Leben eingliedern wollte. Sie wollte mehr erreichen. Der Einzug in das Kloster und die Ausbildung unter Cunna waren der erste Schritt gewesen. Hatten sie zu einer ernsten und gewissenhaften Frau heranreifen lassen. Nie würde sie vergessen wo ihre Wurzeln waren. Dafür liebte sie ihre Heimat und ihre Familie zu sehr. Doch der Drang Großes zu erreichen war noch stärker. Zwei Herzen schlugen in ihrer Brust. „Julie...“ Seine Stimme hatte einen versöhnlichen, sanften Klang angenommen als er nach ihrer Hand griff und sie sich zu ihm herum drehen musste. Jetzt stand er vor ihr, für ihren Geschmack viel zu nah, und hielt ihre Hand in seiner. „Wir sind alle sehr stolz auf dich auf das was du erreicht hast. Aber siehst du nicht die Veränderungen, die es mit dir angestellt hat? Du bist so verbohrt geworden, überhaupt nicht mehr so locker wie früher. So jung an Jahren und doch habe ich das Gefühl, ich habe hier eine Erwachsene mittleren Alters vor mir. Du bürdest dir zu viel auf. Nicht mehr lang und du brichst unter der Last zusammen. Bleib hier in Rebyn. Hier wird es dir an nichts mangeln. Bleib bei mir.“ Als er den Kopf näher neigte, weiteten sich ihre Augen vor Entsetzen. „Du hast doch keine Ahnung!“ schimpfte sie, machte sich los und suchte das Weite.

Julie drehte sich unter der schweren Bettdecke auf die andere Seite. Die aufkommenden Gefühle ließen sie keinen Schlaf finden. Sie war zu aufgewühlt. Plötzlich fühlte sie sich wieder darin bestätigt, das ganz Rebyn sich gegen sie verschworen hatte. Auch Mascha.

Wie sehr sie sich gefreut hatte Mascha wiederzusehen! Die Freundinnen waren sich freudestrahlend um den Hals gefallen, hatten sich innig umarmt, bis Julie feststellen musste, dass sie nicht mehr so gut um Mascha herum reichte, wie bei ihrem letzten Besuch. Erschrocken hatte sie sich zurückgezogen. So viel konnte sie nicht zugenommen haben! Nach ihrer Rückkehr würde sie Herrn Tarli verbieten sie weiterhin mit Käse und Eiern zu versorgen und sie würde auch keine einzige Essenseinladung mehr annehmen. Doch auf dem zweiten Blick stellte sie fest, dass es nicht an ihr lag sondern an Mascha. Als Mascha ihren Blick bemerkte lächelte sie wie ein Honigkuchenpferd auf und strich den Mantel über ihren gewölbten Bauch glatter. „Ich bin schwanger,“ platzte es aus der Rothaarigen überflüssigerweise heraus und Julie besah sich den Bauch mit entgeistertem Blick. Sie war sich sicher, dass Mascha jeden Moment platzen müsste, doch sie behielt ihre Meinung für sich und stammelte nur ein „Das freut mich sehr für dich.“ „Hier, fühl‘ mal!“ Noch ehe Julie protestieren konnte, ergriff Mascha Julies Hand und legte sie sich flach auf den Bauch. „Fühlst du es?“ Julie spürte, wie sich ihr Gesicht verzog, als würde sie gerade in einen warmen Kuhfladen fassen, doch eine Sekunde später rettete sie schon der Gedanke, dass Mascha dies als unhöflich auffassen könnte und so rang sie sich ein Lächeln ab. „Ja...“ schwindelte sie und fragte sich im gleichen Moment, was genau sie spüren sollte, bis sie es dann tatsächlich tat. Ein fester Tritt direkt in ihre Handfläche. Wieder sah sie zu Mascha auf, völlig entgeistert, doch diesmal mit mehr überraschten Erstaunen. „Oh Mascha, das ist ja...“ „Wundervoll, ja, ich weiß.“ schnitt ihr die Schwangere das Wort ab. „Es gibt nichts vergleichbares auf dieser Welt, Julie. Mutter zu werden das ist… einfach ein unbeschreibliches schönes Gefühl. Klar, dir tut alles weh und dein ganzer Körper verändert sich. Du musst ständig pupsen und kannst nicht mehr ohne Hilfe aufstehen, fühlst dich hilflos wie ein Käfer auf dem Rücken. Ich habe sogar einen Zahn verloren, aber das ist nichts im Vergleich dessen wenn du dein Kind im Leib spürst. Es sei denn, es tritt dir gegen die Blase und du nässt dich fast ein, aber mal ehrlich, Julie. Es gibt nichts Schöneres! Ich kann es kaum erwarten, es endlich in Armen zu halten. Wie sieht es denn bei dir aus? Dir würde doch ein Kind auch gut zu Gesicht stehen. Stell dir vor, wenn du schwanger und hier in Rebyn bleiben würdest, könnten unsere beiden Kleinen gemeinsam aufwachsen. Natürlich brauchst du dafür noch einen geeigneten Vater. Wie wäre es mit Jannes? Der schaut dir eh schon immer so anschmachtend nach. Denk mal drüber nach. Ich muss jetzt weiter.“ Und mit watschelndem Gang setzte Mascha ihren Weg fort und ließ eine völlig überrumpelte und sprachlose Julie zurück, die nur noch einen Gedanken fassen konnte. Sie wollte auf keinen Fall Kinder.

Julie stieß die Bettdecke von sich und schwang die Beine wieder aus dem Bett. Genug jetzt! Die Gedanken an Rebyn regten sie zu sehr auf. Sie hatte den Tag sehr bedauert, als sie sich wieder von ihren Eltern verabschieden musste und ihnen nicht mal in Aussicht stellten konnte, wann sie sie erneut besuchen würde, aber sie war auch froh gewesen wieder abreisen zu können. Irgendetwas lag wohl in der Luft in Rebyn, dass die Leute alle verrückt werden ließ. Diese ganzen Gespräche über Liebe, Heirat und Kinder. Sie hatte das Gefühl gehabt, als gäbe es dort keine anderen Themen mehr.

Umso wohler hatte sie sich da gefühlt, als sie in Gurdan an Bord der Wellentanz gegangen war. Ein mittelgroßes Handelsschiff welches erst im Herbst vom Stapel gelaufen war. Zu ihrer großen Freude hatte sich auch noch der Erbauer an Bord befunden und nachdem sie ins Gespräch gekommen waren hatten sie einen Großteil der Überfahrt damit verbracht das Schiff ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Herr Klast, der sich selbst gern reden hörte, erfreute sich daran auf so eine wissbegierige, junge Frau zu treffen und Julie sog sein Wissen auf wie ein Schwamm. Würde es ihr in der kommenden Zeit doch noch von Nutzen sein, wenn sie lernte in der Werft auf Valarian Schiffe zu bauen.

Julie zog das Nachthemd wieder aus, wusch sich und kleidete sich an. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Der Tatendrang hatte sie gepackt. Nun galt es Briefe zu schreiben, ihre Forschung voran zu treiben und Baumaterialien zu organisieren. Außerdem wollte sie sich wieder unter das Volk mischen und das Winterfest, zu dem sie wohl gerade noch rechtzeitig zurückgekehrt war, würde da eine gute Gelegenheit bieten. Die Gedanken an Rebyn fort wischend blickte sie voller Zuversicht wieder nach vorne.
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Alt 16.10.2019, 15:26
#5
Julie Melan
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Das Sonnenlicht glitzerte silbern auf dem Meer, ließ es funkeln und strahlen wie eine Schatztruhe gefüllt mit Diamanten. Eine junge Frau stand am Pier und kniff die Augen zu um von der Helligkeit und der Pracht nicht geblendet zu werden. Die Seeluft zerrte verspielt an ihrer Kleidung und an ihrem Haar, löste einzelne Strähnen aus ihrem Zopf um sie ihr dann zurück ins Gesicht zu wehen. Mit der rechten Hand strich sie diese Haarsträhnen hinter ihr Ohr, als sie den Blick vom Meer abwandte und sich zu dem Gebäude hinter ihr umdrehte. Die Werft auf Valarian.

Es war ein Sprung ins kalte Wasser gewesen, als sie im vergangenen Jahr die Leitung eben jener Werft übernommen hatte. Schreiner- und Werftmeister Arasus war unbekannt verzogen und die Arbeit stagnierte. Der Schiffsrumpf im Dock dümpelte dort wohl schon seit einigen Monaten herum und jede Menge Unrat hatte sich angesammelt. Zudem war der große Tragbalken marode geworden und musste dringend erneuert werden. Und hier sollte sie lernen wie man Schiffe baute? Die Zweifel waren groß gewesen, drohten sie fast zu erdrücken und nicht nur einmal spielte sie mit dem Gedanken, alles hinzuschmeißen um sich auf das zu besinnen, was sie einigermaßen konnte. Den Möbelbau.

Und doch war da dieser Drang in ihr, der ihr keine Ruhe ließ. Sie wollte es sich selbst beweisen, über sich hinauswachsen und die Werft bot dafür die perfekte Gelegenheit. Sie zählte erst 18 Sommer und doch hatte sie bereits der Ehrgeiz gepackt. Sie wollte nicht nur eine Schreinerin unter vielen sein. Sie wollte eine gute Schreinerin sein, deren Werke man schätze. Die man um Rat fragte und deren Ruf ihr Voraus eilte. Die große Projekte plante und durchführte. – Hochgestochene Ziele für eine junge Frau ihres Alters. Vielleicht zu hoch? Der Weg würde nicht leicht werden sondern lang und beschwerlich. Doch Cunna würde sie auf jenem begleiten und über ihren Schützling wachen.

Der Blick der jungen Frau wanderte an der Werft hoch zum offenen Dach wo sich der neue Tragbalken erstreckte. Eine junge, elastische Eiche. Biegsam und stark. Ein Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht, als sie an das vergangene Ereignis zurück dachte. So viele waren ihrem Ruf gefolgt. Hatten ihre Hilfe angeboten. Gemeinsam hatten sie die Werft wieder auf Vordermann bringen können. Man hatte ordentlich geputzt, Möbel ausgetauscht und über allem thronte der neue Balken als Meisterstück. Wie praktisch es doch war, wenn man zu seinen Bekanntschaften Formwandler zählte. Was in Rebyn ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, grenzte hier an etwas fast Alltägliches und Julie war froh gewesen auf solche Hilfe zurückgreifen zu können.

Langsam schritt sie über den Pier, hinein ins offene Gebäude. Über die ausgelegte Planke balancierend betrat sie den Schiffsrumpf, der dort im Wasser lag. Nun war der Punkt gekommen, an dem ihr Freunde und Bekannte nicht mehr weiterhelfen konnten. Nun war sie auf sich gestellt. Ihre Hilferufe einen anderen Schiffsbauer ausfindig zu machen waren ins Leere verhallt. Jetzt lag es an ihr sich das nötige Wissen zu anzueignen, damit bald ihre eigenen Schiffe hier in der Werft vom Stapel laufen konnten. Und sie hatte sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Spätestens zum Herbst hin wollte sie das erste Schiff gebaut haben. Der vorgefertigte Rumpf diente ihr dabei als Anschauungsmaterial. Unter Deck hatte sie die Konstruktion der Spanten und Planken nachvollziehen können, so wie es ihr Herr Klast auf ihrer Reise zurück ins Herzogtum gezeigt hatte. Leicht würde diese Aufgabe nicht werden. Zumal schon wieder weitere Ideen in ihrem Kopf herum spukten, wie sie die Werft noch verbessern konnte um die Arbeiten dort zu erleichtern. Ein Gespräch mit den Grafen war nötig. Er wartete ohnehin noch auf ihren Bericht und über das Problem mit den Seeschlangen wollte sie auch noch mit ihm reden.

Ein leises Seufzen drang über ihre Lippen. So viel zu tun und die Zeit rann ihr durch die Finger. Ihr Projekt mit den Truhen war endgültig zum Erliegen gekommen, doch sie hoffte, sich hier bald die Hilfe von Fräulein Bentje oder Herrn Bryce zu sichern. Gemeinsam kam man bestimmt besser voran. Sie musste aufpassen, dass sie sich bei der ganzen Arbeit nicht selbst verlor. Und sie musste dringend die Übungen wieder aufnehmen, die ihr Herr Sasperus gezeigt hatte.

„Symon…“ als sein Name leise über ihre Lippen klang, verfinsterte sich ihr Blick. Was sie von ihrer besten Freundin Ana erfahren hatte, schmeckte ihr so gar nicht. Sie hatte doch auch so schon genug zu tun. Genug Sorgen. Warum nur musste Ana nun so etwas zur Sprache bringen. Es war einfach zu absurd.

Oder?
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Alt 20.11.2019, 15:58
#6
Julie Melan
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Als sie mit 16 Jahren ihre Ausbildung im Kloster der Cunna abgeschlossen hatte, hatte sie zu einer der Besten in ihrem Handwerk gehört. Doch selber wahrhaben wollte sie das nie. Man hatte sie gebeten zu bleiben und ihr Wissen an jüngere Schüler weiterzugeben. Doch vor allem sollte sie den Jungen die Liebe zum Holz vermitteln, die Leidenschaft wecken, die sie an den Tag legte, wenn das Holz unter ihren Händen Formen annahm und Möbelstücke entstanden. Doch die junge Frau hatte es damals nach Hause gezogen, zurück in ihr Heimatdorf Rebyn, zurück zu ihren Eltern. Und schweren Herzens hatte man sie ziehen lassen.

Ein paar Monate hatte sie dann auch bei ihren Eltern verbracht, doch schnell hatte sie sich eingestehen müssen, dass ihr Rebyn zu klein geworden war. Manchmal hatte sie das Gefühl nicht verstanden zu werden. Niemand hier konnte nachvollziehen, dass ihr Herz schneller zu schlagen begann, wenn der Duft frischen Holzes ihre Nase kitzelte oder wie sich die feinen Härchen auf ihren Unterarmen aufstellten vor freudiger Erregung, wenn der erste Span vom Hobel fiel. Niemand hatte das nötige Verständnis zeigen können für ihre Leidenschaft. Aber vielleicht lag es auch an ihr? Über all‘ ihr Talent und ihre Fähigkeiten waren die zwischenmenschlichen Kontakte etwas auf der Strecke geblieben. Ja, sie hatte Freunde gehabt im Kloster. Doch dort war sie unter Gleichgesinnten gewesen von denen wohl, wie sie sich mit einem verlegenen Lächeln eingestehen musste, die meisten die gleichen Eigenheiten aufzeigten wie sie. Böse Zungen würden behaupten, sie tickten nicht richtig. War dies der Grund warum sie nun manchmal aneckte und Gesten und Worte oft nicht richtig deuten konnte?

Nur wenige Wochen vor ihrem 17. Geburtstag hatte sie Rebyn wieder verlassen. Hoch und heilig hatte sie ihren Eltern versprechen müssen regelmäßig zu schreiben und sie zu besuchen. Sie fühlten sich nicht wohl dabei ihre Tochter allein in weiter Fremde zu wissen, doch immerhin konnten sie, zumindest im Ansatz, verstehen, welche Beweggründe Julie fortzogen.

Und dann hatte alles seinen Lauf genommen…

Inzwischen war sie 19 Jahre alt, besaß ein großes Haus (viel zu groß für ihren Geschmack, doch Möbel brauchten Platz und die Leute wünschten sich eine Ausstellung), hatte sich einen Ruf erarbeitet (auch wenn es ihr zuwider war, wenn sie so über den Klee gelobt wurde), hatte Verehrer Kommen und Gehen sehen, gefühlt die halbe Stadt eingerichtet und sogar bis über die Grenzen des Herzogtums hinaus ihre Möbel ausgeliefert. Und seit fast einem Jahr leitete sie nun die Werft auf Valarian. Sie lächelte versonnen vor sich hin, als sie auf einer der Planken des Bootsgerippes saß, an welchem sie gerade baute und nun während einer Pause die Beine baumeln ließ. Das Honigbrot schmeckte heute besonders gut und der Klang der Wellen, die stetig gegen das Ufer schwappten, hatte eine beruhigende Melodie. In den letzten zwei Jahren hatte sie ganz schön viel erlebt kam es ihr in den Sinn. Auf vieles hätte sie stolz sein können, sich etwas darauf einbilden, hätten vielleicht andere gesagt, doch so war Julie nicht. Im Gegenteil. Das Lächeln schwand von ihren Lippen als sich ihre Gedanken verdüsterten. Eigentlich war sie sehr unsicher und voller Zweifel.

Noch immer musste sie an den Besuch des Leutnants denken, der sie so aufgewühlt hatte. Einige Tage hatte es gedauert, bis sie sich wieder einigermaßen fangen konnte. Immer wieder war die Rede davon, wie sehr man sie ins kalte Wasser geworfen hatte bezüglich der Werft. Ja, das hatte man. Aber hatte sie nicht auch das Beste aus der Situation gemacht? Sie hatte gekämpft und gemacht und getan und schließlich konnte die alte Werft wieder im neuen Glanz erstrahlen. Und sie hatte nicht aufgehört, sondern weiter gemacht. Sie hatte Leute gesucht, die ihr beim Bootsbau zur Hand gingen. Hatte die Fühler ausgestreckt, Briefe geschrieben, um Hilfe gesucht. Und auch wenn die meisten Gesuche unbeantwortet blieben, so hatte sie sich nicht unterkriegen lassen. Nun saß sie auf dem Ergebnis. An dem breiten, stabilen Kiel waren die ersten Spanten befestigt und jene mit Querbalken fixiert. Das Boot, das hier nun entstand, war zwar lange noch nicht als solches zu erkennen, doch mit ein wenig Fantasie… „Es sieht aus wie ein Brustkorb,“ hatte sie erklärt. „Der Kiel ist die Wirbelsäule und die Spanten sind die Rippen, die in die Höhe ragen.“

Was ihr am meisten zu schaffen machte, waren die Worte des Grafen. Der Leutnant hatte berichtet, dass jener plötzlich Zweifel hätte, dass Julie mit seinem Spezialauftrag überfordert sein könnte. Überfordert… ja, natürlich war sie überfordert! Sie hatte keinen Lehrmeister, musste sich selbst beibringen wie man ein Schiff baute und saß nun auf einem ihrer ersten Versuche. „Eine Nussschale wird es werden“, flüsterte sie mit ernstem Blick während sie das Gerippe betrachtete. Aber wenn diese Nussschale immerhin schwimmen würde, wäre das schon ein großer Fortschritt. Von dem Zweimaster, den sich der Graf wünschte, war sie noch weit entfernt. Er hatte ihr zwar alle Zeit der Welt gegeben, doch enttäuschen wollte sie ihn auch nicht. Auch wenn er, zumindest momentan, unmögliches von ihr verlangte. Ein innerlicher Zwiespalt war in ihr ausgebrochen. Was sollte sie tun? Ihm gestehen, dass sie sich dieser Aufgabe nicht gewachsen fühlte? Sie war doch noch ein junges Mädchen, gerade mal 19 Jahre alt, eine kleine Schreinerin. "Aber in absehbarer Zeit wird aus der kleinen Schreinerin eine kleine Bootsbauerin." Die Worte des Grafen hallten in ihrem Kopf wieder. Ja, sie gab sich alle Mühe diesen gerecht zu werden. Doch fürchtete sie sich davor, dass ihr der Auftrag entzogen werden könnte, wenn sie nicht lieferte.

Sie rutschte von der Planke, griff in das Töpfchen mit den Nägeln und nahm ihren Hammer vom Boden auf. Die Arbeit musste weiter voran gehen. Aus Büchern konnte man den Schiffsbau nicht erlernen. Jetzt mussten Taten folgen. Während sie das nächste Brett festnagelte, verweilte ihr Blick kurz auf ihren Händen. Sie konnte sich immer noch nicht erklären, was genau sie sich da eingefangen hatte. Sie wusste nur noch, dass sie entsetzlich gejuckt und sie den Ausschlag blutig gekratzt hatte. Es war ihr sehr unangenehm gewesen doch in der Apotheke hatte man sie gut versorgt. Jetzt waren die Wunden verheilt und der Ausschlag verschwunden. Ruhe und eine Auszeit hatte sie sich während der Behandlung gönnen sollen und sie hatte sich wirklich bemüht kürzer zu treten. Der Wille war da, aber das Fleisch war schwach.

Sie war niemand, der einfach so auf der faulen Haut liegen konnte. Immer gab es etwas zu tun. Immer etwas zu besorgen, zu planen, abzusprechen, zu bauen. Ihre Freunde zeigten sich nicht umsonst besorgt. Manchmal schwindelte es ihr schon, wenn sie morgens aus dem Bett stieg und sie sich noch vor dem Frühstück an die Arbeit machte. Sie musste aufpassen. Durfte sich nicht übernehmen. Aber bestimmt würde alles gut werden. Sie hatte Ziele. Ehrgeizige Ziele. Und sie würde alles versuchen jene zu erreichen.
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Alt 05.02.2020, 15:36
#7
Julie Melan
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„Wir müssen echt mal an deinen Selbstzweifeln arbeiten,“ Anas Worte hallten in ihren Ohren wieder. „Ich weiß… Herr Sasperus versucht es auch immer wieder.“

Julie kniff die Augen fester zusammen, doch an Schlaf war nicht mehr zu denken. Ihr Kopf war wach, die Gedanken begangen zu arbeiten, drehten sich im Kreise und drohten sie wieder in diesen Strudel aus Selbstmitleid hinabzuziehen. Mit einem ungehaltenen Schnaufen drehte sie sich im Bett von der einen auf die andere Seite, starrte in das Dunkel. „Schluss jetzt, so kann das nicht weitergehen.“ Sie setzte sich auf, schwang die Beine aus dem Bett und verließ barfuß das Schlafzimmer. Der Saum ihres Nachthemdes spielte dabei um ihre bloßen Knöchel.

Sie trat auf den Balkon hinaus und die kühle Nachtluft ließ sie sogleich frösteln. Eng schlang sie die Arme um ihren Leib und ging ein paar Schritte über den Balkon. Es war mitten in der Nacht. Zu dieser Uhrzeit war fast niemand mehr auf den Straßen unterwegs und ihr Haus lag etwas abseits – wer sollte sie da also schon sehen, wie sie wie ein Nachtgespenst in ihrem weißen Nachthemd über den Balkon wandelte. Sie richtete den Blick nach Osten, sah über das Meer, blickte bis zum dunklen Horizont, wo sich noch keinerlei Anzeichen für den neuen Tag abzeichneten. Es war dunkel, finster und die gleiche Finsternis umschloss auch ihr Herz. Sie verzog schmerzerfüllt das Gesicht.

Sie hätte ihre Reise niemals antreten dürfen. Seitdem war alles anders. Doch es waren ihre Eltern gewesen, die einen Hilferuf nach ihr geschickt hatten, also war sie jenem gefolgt. Der häusliche Unfall ihrer Mutter, der große Auftrag, der ihre Eltern in eine sicherere Zukunft führen sollte und nun zu platzen drohte, da ihre Mutter aufgrund ihrer Verletzung nicht richtig arbeiten konnte. Wie hätte sie ihnen jene Bitte abschlagen können. Sie bereitete ihnen doch ohnehin schon genug Kummer indem es sie immer wieder fort aus ihrer Heimat zog, zurück in das Herzogtum Britannia, zurück zu ihren Freunden. Hier hatte sie sich etwas aufgebaut, sich einen Namen gemacht – doch nun, seit sie zurück war, hatte sie das Gefühl vor einem Scherbenhaufen zu stehen. Als wären die letzten drei Jahre völlig umsonst gewesen. Dass das Unsinn war wusste sie natürlich. Irgendwo, in ihrem Hinterkopf. Doch dieses Wissen hatte nicht genug Kraft die ungeliebten Zweifel beiseite zu schieben.

Sie war enttäuscht. Von sich selbst und von anderen die sie kaum bis gar nicht kannte. Sie war wütend auf jene, die ihr noch nie begegnet waren und abweisend zu den Personen, die ihr vielleicht eine Stütze sein konnten. Dem ehemaligen Seemann war sie viel zu forsch gegenüber getreten. Doch die Angst, die an ihrem Herz nagte, er könnte ihr ihre Werft streitig machen, hatte sie ihre gute Erziehung, ihre höflichen Umgangsformen und ihr offenes Auftreten vergessen lassen. Sie schämte sich dafür. Und auch vom Grafen war sie enttäuscht. Sie wusste nichts Genaueres. Ana hatte ihr nur erzählt, dass sie Teppiche für die Kathedrale geknüpft hatte um dessen Einrichtung sich nun der Graf persönlich kümmerte. „Alles geht nun seinen Weg,“ hatte er wohl gesagt und Julie spinnte sich den Rest zusammen. Bestimmt hatte ein anderer Schreiner den Auftrag für die Möbilierung erhalten. „Warum nicht ich?“ schrie das Herz der jungen Frau. „Weil du nicht da warst…“ flüsterte sie leise in die Nacht.

Es ging ihr nicht um das Gold. Nicht um die Inschrift ihres Names, der die zukünftigen Kirchenbänke zieren könnte. Nein, sie wollte diese Referenz. Sie wollte stolz erhobenen Hauptes berichten können, dass sie an der Einrichtung der Kathedrale beteiligt gewesen war. Und zu dem noch die Werft führte. Sie hatte sich den Respekt des Grafen verdient, konnte immer zu ihm kommen. „Ha!“ Ein kurzes, trockenes Lachen drang raus aus ihrer Kehle und endete abrupt, als ob ihr die Luft wegblieb. Sie nahm sich zu viel raus, der Höhenflug benebelte ihre Gedanken. Hochmut kommt vor dem Fall. Er fand keine Zeit für sie und vergab keinen Auftrag. Krampfhaft suchte sie nach den Fehlern, die sie gemacht hatte, doch sie fand sie nicht. „Dich trifft keine Schuld… niemand trägt die Schuld… du warst nicht da.“ Obwohl sie die Worte wie ein Mantra selbst vor sich hin flüsterte, war es ihr, als würden jene direkt vom Wind über das Meer an sie herangetragen.

Vielleicht war alles einfach zu viel für sie. Die Verantwortung die sie trug lastete schwer auf ihren Schultern, drohte sie herab zu drücken. Sie war doch noch ein Mädchen. In wenigen Wochen wurde sie erst 20 Jahre alt und hatte doch schon so viel erreicht. Zuviel in zu kurzer Zeit? Sie erinnerte sich an das berauschende Gefühl, das ihr die vielen Kundenaufträge in der Vergangenheit vermittelt hatten. Nun war es stiller um ihre Person geworden, obwohl sie immer noch gut zu tun hatte und sie manchmal nicht wusste wo sie anfangen oder weitermachen sollte. Die Zahl der Kundenaufträge hatte abgenommen ja, doch mit ihren eigenen Projekten war sie immer noch gut ausgelastet.

Sie war die letzten Jahre gerannt, immerzu auf der Überholspur. Höher und weiter. Jetzt verlagerten sich die Dinge und erstmals bestimmten nicht mehr nur die Kundenaufträge ihr Leben, sondern es lag selbst in ihrer Hand die Prioritäten zu verteilen. Ein ganz neues, unbekanntes Gefühl. Es ängstigte sie ein wenig. Sie wusste nicht richtig damit umzugehen. Doch es zu lernen, das gehörte wohl zum Erwachsenwerden dazu. Erwachsenwerden war scheiße.

Ein langgestrecktes Seufzen drang von ihren Lippen. Sie musste endlich diese Selbstzweifel los werden, wieder mit sich ins Reine kommen. Sie musste sich eine Scheibe von Ana abschneiden, die mit so viel Herzlichkeit durchs Leben ging, die die Sonne aufgehen ließ und sich nichts daraus machte, wenn man einer anderen Schneiderin den Vorzug gab. Sie musste endlich wieder ihre Übungen aufnehmen, meditieren um ihre innere Mitte wiederzufinden und Ruhe darin suchen. Herr Sasperus würde ihr dabei helfen, da war sie sich ganz sicher. Er war die feste Konstante in ihrem Leben, seit sie ins das Herzogtum gekommen war. Mit seiner ruhigen und besonnenen Art schaffte er es immer wieder sie auf den Boden zurückzuholen, wenn ihr ihre Jugendlichkeit und die damit verbundenen Ausraster für vermeintliche Nichtigkeiten im Weg standen. So viele hatte sie bisher kommen und gehen sehen, doch er und Ana gehörten zu den Pfeilern, auf die sie sich immer wieder stützen konnte. Sie waren ihre Freunde – und hätten eigentlich das perfekte Paar abgegeben.

Als sich am Horizont ein zarter, silberner Streifen abzeichnete wurde ihr bewusst, dass sie sich viel zu lange auf dem Balkon aufgehalten hatte. Ihre bloßen Füße fühlten sich wie Eisklötze an und die Gänsehaut, die ihre nackten Arme bedeckte, hätte ausgeprägter nicht sein können. Diese Frühlingsnacht war eindeutig nicht die richtige Zeit um stundenlang auf den Balkon zu stehen und Trübsal zu blasen. Sie kehrte ins Haus zurück, durchquerte ihre Wohnung, die angrenzende Ausstellung und ging hinunter in den Keller. Nachdem sie das Badezimmer betreten hatte, streifte sie ihr Nachthemd von ihrem ausgekühlten Körper und stieg in die Wanne, in der eine kleine Kugel aus scheinbar lebendigen Feuer schwamm und das Wasser angenehm erhitzte. Das heiße Bad würde hoffentlich helfen eine drohende Erkältung abzuwenden. Selig seufzend ließ sie ihren Körper in das warme Wasser gleiten, lehnte den Kopf an den Beckenrand und schloss die Augen.
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Alt 21.03.2020, 16:30
#8
Julie Melan
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Der Wind frischte auf und wirbelte einige Blätter durch das Tor zur Werft hinein. Der Herbst hatte sich über das Land ausgebreitet, das Laub an den Bäumen bunt gefärbt. Es war merklich kühler geworden und windiger. Schon bald würden die Loricastürme über das Land ziehen und dann würde es richtig ungemütlich werden.

Dem Wetter zum Trotz lehnte sie an einem der Gerüste und beobachtete das kleine Boot auf dem Kielstapel, welches der Wasseroberfläche immer näher kam. Schon vor Stunden hatte sie die Fluttanks des Schwimmdocks geöffnet und das Meerwasser floss träge in diese hinein. Nach und nach füllten sich die Tanks, beschwerten die Plattform die sich zuvor noch über der Wasserlinie erhoben hatte und ließen sie absinken. Mittlerweile hätte man jene nicht mehr trockenen Fußes betreten können. Sie war bereits eine Handbreit unter Wasser gesunken und würde noch weiter sinken, bis auch der Kielstapel, auf dem das kleine Boot lag, vom Wasser umschlossen würde. Und dann noch weiter, bis das kleine Boot endlich von selbst schwimmen würde. Wenn es denn schwimmen würde…

Sie nagte aufgeregt an ihrer Unterlippe und ging zum wiederholten Male im Kopf den Aufbau des Bootes durch. Hoffentlich hatte sie keinen Fehler gemacht, nichts vergessen. Viele Wochen und Monate Arbeit steckten in diesem kleinen Boot, diesem Projekt, das sie ohne die Hilfe von Freunden und Freiwilligen niemals hätte allein stemmen können. Sie war unendlich dankbar dafür, dass Cunna ihr so tatkräftige Unterstützung gesandt hatte. In welcher Form auch immer. Ein Jeder hatte sein Bestes getan, was in seinen Möglichkeiten stand um den Bau dieses Bootes verwirklichen zu können.

Der leise Klang der Wellen, die gegen die Bootswände schwappten ließ sie für einen Moment den Atem anhalten. Jetzt ging es immer schneller hinab. Die Plattform senkte sich weiter unter Wasser und auch der Kielstapel war kaum mehr zu sehen. Die Wellen leckten an den Außenwänden des kleinen Bootes und Julie schickte ein weiteres Stoßgebet gen Himmel und hoffte auf die Dichtigkeit der Planken.

Alle Arbeit wäre umsonst gewesen, wenn sich nun ein Leck auftun würde durch welches das Wasser ins Bootsinnere dringen könnte. Der Geruch des Holzpechs zog in ihre Nase. Die schwarze, teerartige Masse köchelte in etwas Entfernung in einem alten Kessel vor sich hin. Nur für den Fall der Fälle. Falls sie doch noch einschreiten musste. Sie besann sich auf die Tage des Kalfaterns. Sie hatte viel Unterstützung gehabt. In die schmalen Nahtstellen zwischen den Planken hatten sie Baumwollfasern gedrückt und eingeschlagen und anschließend mit dem heißen Pech versiegelt. Diese Arbeiten hatten sich über mehrere Tage gezogen und auch das Abschleifen der überstehenden Pechreste hatte einige Stunden in Anspruch genommen. Doch es sollte ja auch ordentlich sein. Die Optik musste auch stimmen. In dieser Hinsicht war sie schon immer pingelig gewesen.

Vorsichtig balancierte sie über die schmale Planke und trat auf das Bootsdeck. Es war ein merkwürdiges Gefühl als das Boot unter ihren Füßen in den sanften Wellen leicht schaukelte. Ein flaues Gefühl breitete sich in ihrem Bauch aus. Sie musste schmunzeln. Seereisen hatte sie noch nie besonders gut vertragen, aber in der Werft seekrank zu werden war wohl etwas übertrieben. Nein, dieses komische Gefühl rührte woanders her. Diese unterschwellige Aufregung. Diese freudige Erregung. Die feinen Härchen in ihrem Nacken stellten sich auf. Dieses Boot schwamm. Von ganz alleine.

Mit den Fingerspitzen tastete sie die Innenwände ab, ließ sie über die Nahtstellen und das glatte Holz wandern. Der Duft des Holzes strömte ihr in die Nase, zauberte ihr ein Lächeln auf die Lippen. Es war dicht, kein Wasser drang ein. Die aufkeimenden Glücksgefühle konnte sie nicht länger unterdrücken. Tränen traten ihr in die Augenwinkel. Sie schniefte leise. Wie albern das war… doch niemand konnte wohl in diesem Moment die Gefühle nachvollziehen die sie verspürte. Eine ungeheure Last fiel von ihren Schultern ab. Sie hatte es geschafft.

Die Fertigstellung ihres ersten Bootes wurde von der Trauer um die Frau des Grafen überschattet. Sie hätte sich gerne einen glücklicheren Moment ausgesucht, doch es lag nicht in ihrer Hand. Sie würde ausharren. Der Trauer ihre Zeit einräumen, die sie benötigte und dann wieder nach vorne sehen. Das Leben würde weiter gehen. Warum also nicht ein Fest planen um den erzielten Erfolg zu feiern?
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Alt 24.04.2020, 12:31
#9
Julie Melan
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Sie saß an dem Cembalo aus Walnussholz, dessen dunkle und polierte Oberfläche im sanften Schein der aufgestellten Kerzen glänzte. Es war zwar erst später Nachmittag, doch war es Winter und im Winter wurde es bereits früh dunkel draußen. Ein Feuer prasselte im Kamin, tauchte die Wohnstube in Wärme und Gemütlichkeit. Ihre rechte Hand lag auf den Tasten und sie übte mit dem Daumen etwas Druck aus. Ein leiser, heller Ton erklang, als der Kiel die eiserne Saite im Korpus des Musikinstrumentes zupfte und ihr wurde warm ums Herz. Viel zu lang war es her, dass sie zuletzt musiziert hatte.

Zwei Cembali hatte sie in ihrer Zeit hier in Britain gebaut. Das Dunkle stand in ihrer Wohnstube und das feurigfarbene aus Birnenholz in der Möbelausstellung. Nur wenige hatten sich bisher dafür interessiert. Und die Leute, die gefragt hatten, ob sie darauf spielen könne, konnte sie an einer Hand abzählen. Sie hatte es immer verneint, wohl wissend, dass dies nicht ganz der Wahrheit entsprach. Früher, im Kloster, da hatte sie zu spielen gelernt. In einem Hauskreis hatten sie miteinander musiziert. Flöten, Harfen, Lauten, Trommeln… aber ihre Faszination hatte immer dem Cembalo gegolten. Ein verlegenes Lächeln trat auf ihre Lippen. Sie war keine begnadete Musikerin. Ihre Spielkünste würden niemals ausreichen um damit Säle zu füllen und doch hatte sie früher gerne gespielt. Für sich, im kleinen Kreis, ein wenig Hausmusik.

Nach ihrem Daumen folgten der Zeige-, Mittel- und Ringfinger und schließlich noch ihr kleiner. Mit leichtem Druck auf die Tasten entlockte sie dem Instrument die Tonleiter. Die Töne waren wohlklingend in ihren Ohren, die glatten Tasten fühlten sich unter ihren Fingerspitzen vertraut an. Ein Gefühl von Heimweh beschlich sie, welches sie jedoch mit einem Kopfschütteln und einem Lächeln wieder verwarf. Britain war nun ihre Heimat, ihr Zuhause. Hier war sie glücklich. In dreieinhalb Jahren hatte sie hier so viel erreicht. Sich etwas aufgebaut. Freunde gefunden und auch ihn.

Ihre Gedanken schweiften zurück zu den Geschehnissen der letzten Wochen. Mit einem Schmunzeln musste sie daran zurückdenken, welchen großen Spaß es gemacht hatte mit Ana die zerstörte Trainingspuppe in der Übungshalle von Britain zu erneuern. Wie sie die mannshohe, strohgefütterte Stoffpuppe auf einem Pony durch die Straßen Britains transportiert und sich dabei einen skeptischen Blick eines Gardisten eingefangen hatten. Es musste wirklich zu komisch ausgesehen haben. Als wenn sie jemanden abtransportieren würden, der nach einer durchzechten Nacht in der Taverne nicht mehr den Weg alleine nach Hause fand.

Das war schon im Frühling gewesen. Zu den jüngeren Ereignissen zählte da die Schiffstaufe. Am 16. Tag des Lorica 1331 war es endlich so weit gewesen. Fast auf den Tag genau, zwei Jahre nachdem sie die Werft übernommen hatte, war dort ihr erstes, eigenständig gebautes Schiff vom Stapel gelaufen. Sie war überwältigt gewesen von der Anteilnahme. Mit so einem Andrang hatte sie nicht gerechnet. Am Liebsten hätte sie sich vor Aufregung übergeben, doch das wäre vor so vielen Leuten wohl mehr als peinlich gewesen. Ihre Rede hatte sie zögerlich begonnen, stotternd. Sie hatte sich zwar ein paar Worte zurechtgelegt, doch dass sie vor einer solchen Menschenmasse offen reden sollte war ihr nicht bewusst gewesen. Doch im weiteren Verlauf hatte sie an Sicherheit gewonnen und ein Gefühl der innerlichen Zufriedenheit hatte sich in ihr breit gemacht – wie immer, wenn sie begeistert von ihrer Arbeit sprechen durfte.

„Hoffnung“, den Namen hatte der Graf der kleinen Kogge verliehen als er sie taufte. Für einen Moment hatte sie den Atem angehalten. Als die Flasche auf die Spanten traf, schickte sie ein stummes Stoßgebet gen Himmel, dass das Boot halten würde. Im Nachgang betrachtet Unsinn, aber sie war eben nervös gewesen. Das anschließende Fest war gut besucht. Nur wenige kehrten nach der Taufe direkt heim, viele blieben und leibten Seele und Magen an den Köstlichkeiten, die auf den Tischen verteilt standen. Ihre liebe Freundin Ana hatte sich wieder einmal selbst übertroffen und sie gab das Lob nur zu gerne weiter. Die Stimmung war ausgelassen, heiter und wurde für sie nur von den Unannehmlichkeiten des vorangegangenen Streites überschattet, den sie mit ihm tags zuvor gehabt hatte. Doch sie hatte sich entschuldigt und nun war wieder alles in Ordnung. Mehr als das.

Sie nahm die linke Hand mit auf die Klaviatur und ließ die Finger über die Tasten wandern. Aus einer Tonleiter wurde eine einfache Melodie, es folgte ein leichtes Kinderlied. Sie spielte ohne Noten und schloss die Augen um die Musik besser fühlen zu können. Sie hatte mal das Notenlesen gelernt, ganz früher, doch eine der älteren Novizinnen hatte ihr gezeigt, dass es nicht auf die einzelnen Noten ankam sondern auf die verschiedenen Tonleitern. Wer jene verinnerlichte wusste welche Töne miteinander harmonierten und konnte so seine ganz eigenen Melodien komponieren. Die einfachen Melodien, die sie erklingen ließ, steigerten sich, als sie Zwei- und Dreifachklänge erzeugte. Sie war ein wenig aus der Übung, ja, aber ihre Finger und ihr Herz erinnerten sich und entlockten dem Cembalo Klangfolge um Klangfolge in hellen, leisen Tönen. Leicht fuhr sie sich mit der Zunge über die Lippen.

Am morgigen Tage hätte sie wieder einen Bewerber da, der sich für eine Mitarbeit in der Werft interessierte. Wo jene nun alle herkamen, wusste sie nicht. Vielleicht saßen sie hier auch nur über den Winter fest und erhofften sich Arbeit. Doch bei Eis und Schnee war es zu gefährlich in der Werft zu arbeiten und sie vertröstete alle auf das Frühjahr. Ein geeigneter Kandidat schien noch nicht wirklich dabei gewesen, doch sie war zuversichtlich, dass sie noch jemanden finden würde. Die Zweifel in ihrem Kopf waren leiser geworden, sie besaß nun mehr Ruhe. Die Dinge, die passierten, ließen sie noch weiter reifen und erwachsener werden.

Ja, sie erlaubte sich den Gedanken, dass es im Moment nicht besser hätte laufen können. Sie war mit sich im Reinen, umgeben von ihren Freunden und fand ihre Erfüllung in ihrem Handwerk. Sie hatte die Arbeiten an dem Projekt mit den verstärkten Holztruhen wieder aufgenommen. Herr El Hashem würde sie fortan auf diesem Weg mit seinem Wissen begleiten und sie bei der Forschung unterstützen. Denn man durfte nicht vergessen, sie war nur eine Handwerkerin. Von Magie hatte sie keine Ahnung. Sie hoffte allerdings, dass die Verknüpfung seiner arkanen Begabung und ihr handwerkliches Fachwissen beste Voraussetzungen für den Weg zu etwas Neuem waren. Zu etwas Großartigem. Und würde diese Hürde einst genommen sein, so würde sie vielleicht auch die anderen Ideen in ihrem Kopf umsetzen können.

Ihre Hände glitten nach links und nach rechts über die Tasten des Cembalos. Die Musik gewann an Lautstärke und wurde immer kraftvoller und sicherer. Mit geschlossenen Augen saß sie da und lauschte der Geschichte, die die Töne woben. Ein Lächeln trat auf ihre Lippen. Sie liebte Geschichten. Am Liebsten jene mit einem glücklichen Ende. Sie durften alles enthalten. Über Liebe und Freundschaft sowie auch Traurigkeit und Schmerz. So lange am Ende sich alles zum Besten wandte, war ihr alles Recht. Eine Geschichte war ihr noch versprochen. Sie war Teil eines Handels gewesen und sie hoffte, jene bald hören zu können. Doch gute Geschichten brauchten ihre Zeit, das wusste sie. So würde sie weiter ausharren und warten, bis die Geschichte zu ihr kam.

Die grauen Tage waren vorüber und sie waren in diesem Jahr besonders kräftezehrend und anstrengend gewesen. Sie hatte nur wenig Schlaf gefunden. Hatte sich um die Person, der der Verlust des Gewebes viel mehr zu schaffen machte als ihr, beinahe rund um die Uhr gekümmert. Sie hatte dafür gesorgt, dass er aß und trank, hatte ihn in seiner Meditation begleitet bis zu dem Zeitpunkt wo er die erlösenden Worte gesprochen hatte: „Es ist vorbei.“ Alle weiteren Erinnerungen ließen sie sich auf die Unterlippe beißen um ein verlegenes Lächeln zu unterdrücken.

Der erste Monat in diesem neuen, noch jungen Jahr ging auch schon seinem Ende entgegen. Der nachfolgende Monat stand im Zeichen ihrer Göttin. Vielleicht sollte sie, ihr zu Ehren, etwas planen. Eine besondere Gabe in ihrem Schrein ablegen, ein Fest veranstalten und die Leute an einen Tisch und an ein Feuer zusammenrufen. Vielleicht sollte sie die Ausstellung für einen Tag allen Leuten öffnen, damit sie sich inspirieren lassen konnten. Inzwischen war diese immer weiter angewachsen, sodass sie eigentlich keine Wünsche mehr offen lassen sollte. Ja, irgendwas würde sie tun. Der Tatendrang kribbelte in ihren Fingern.

Sie beendete ihr Spiel, nahm die Hände von der Tastatur und lauschte in die nun wiederkehrende Stille ihres Wohnraumes hinein. Das Feuer war heruntergebrannt, die Glut spendete ein wenig Restwärme; doch sie fühlte sich von innen erwärmt. Im Haus war es still. Selbst der Hausgeist spukte nicht. Mit einem Lächeln setzte sie die Finger erneut an, begann zu spielen. Noch einmal atmete sie tief ein. Mit zarter, leiser, gar zerbrechlicher Stimme begann sie zu singen:

Gebreitet wie ein Fächer,
die immergrünen Dächer,
schützen vor Sonn‘ und Regen,
sind der Wälder Segen.
...
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Alt 18.11.2020, 11:14
#10
Julie Melan
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Es war mitten in der Nacht und sie lag, bekleidet mit einer dunkelblauen Robe, zusammengekrümmt auf ihrem Bett. Immer wieder glitten ihre Finger um den Kupferreif, den sie in Händen hielt. Mal Außen über die gebürstete Oberfläche und mal Innen über die eingravierten Worte. Den Blick starr ins Leere gerichtet litt sie Schmerzen. Würde es je wieder aufhören weh zu tun?

Sie schloss die Augen und atmete tief durch. An welcher Stelle war ihr der Fehler unterlaufen, der wieder einmal alles hatte eskalieren lassen? Die letzten Wochen und Monate waren doch so friedlich verlaufen. So einträchtig. Sie waren mehr und mehr zusammengewachsen, zu einer Einheit geworden. Die Menschen in ihrem näheren Umfeld hatten es gespürt und für die weiter Entfernten brodelte die Gerüchteküche. Auch wenn sie es nur wenigen Leuten je offiziell bestätigt hatten; Ja, sie waren ein Paar – gewesen.

Ein trockenes Schluchzen entrann ihrer Kehle als ihr Herz sich erneut verkrampfe, schmerzhaft zusammenzog und sie glaubte keine Luft mehr zu kriegen. Gewesen, ja. An dieser Stelle war die vollendete Vergangenheitsform zu wählen, denn nun war es vorbei. Sie hatte es beendet. Doch gewonnen hatte sie dadurch nichts. Stattdessen gab sie sich der Lethargie hin, lag antriebslos in seiner Robe auf dem Bett und aß viel zu wenig.

Sie wusste nicht, ob sie ihren Entschluss bereute. Sie wusste überhaupt nichts mehr, denn ihr Kopf war wie leer gefegt. Für Ihn war es bestimmt das Beste. Er hatte sich immer eine starke Frau an seiner Seite gewünscht. Es war ihr Bestreben gewesen diese nötige Stärke aufzubringen und doch war sie immer wieder kläglich gescheitert. Er hatte dafür Verständnis gezeigt, hatte ihr Bestes gewollt, ihr Hilfestellung gegeben, auch wenn sein Weg für sie nicht immer ganz nachvollziehbar war. Aber sie war auch noch jung… und naiv… und hatte keine Ahnung.

Sie hatte sich Ana anvertraut und musste sich eingestehen, dass sie wohl doch ein wenig eifersüchtig war. Ihre beste Freundin schien das ganze Glück der Welt für sich gepachtet zu haben. Für sie war nichts mehr übrig geblieben. Irgendwo tief in ihr drin wusste sie, dass so zu denken einfach dumm war. Doch ihre Gedanken wirbelten in schwarzen Wolken durch ihren Kopf und das Gewitter braute sich immer mehr zusammen. Sie hatte Ana von der Trennung erzählt, von den Gründen, die sie dazu bewogen hatten. Sie hatten so hohl in ihren Ohren geklungen. Und Ana hatte reagiert, wie sie nicht besser hätte reagieren können. Sie hatte ihre Freundin getröstet, ihr Mut zu gesprochen und ihr gezeigt, dass am Ende des finsteren Tals auch wieder ein Lichtblick auf sie wartete. Doch sie hatte Ana auch nicht alles erzählt. Die wahren Gründe hatte sie für sich behalten. Sie konnte mit niemanden darüber sprechen. Nicht mal mit ihrer besten Freundin, die schon wie eine Schwester für sie war. Sie schämte sich zu sehr.

Als ihre Muskeln erschlafften hatte sie das Gefühl in die weiche Matratze ihres Bettes hinein zu fallen. War sie kurz eingenickt? Ihr Körper forderte verzweifelt nach Schlaf, doch sie wollte dem nicht nachgeben. Sobald sie die Augen schließen würde, würden die Albträume zurückkehren.

Wie sollte es nun weiter gehen? Sie hatte seit Tagen nicht von ihm gehört. Einen Brief hatte er ihr kurz nach ihrer Trennung zukommen lassen. Sie hatte nicht darauf geantwortet. Sie konnte nicht. Der Inhalt hatte sie schwer getroffen, ihr bewusst gemacht wie ungerecht ihre gewählten Worte gewesen waren. Die Schlüssel zu ihrem Heim hatten dem Brief beigelegen sowie ein absurdes Geschenk, welches sie wütend gemacht hatte.

Vielleicht sollte sie einfach das Land verlassen und in ihre Heimat zurückkehren. Zurück zu ihren Eltern in dieses kleine, beschauliche Dörfchen in denen die Bewohner so weltfremd waren, dass es sie manchmal fast ängstigte. Je schlichter das Leben desto geringer die Probleme? Eigentlich wusste sie, dass Weglaufen keine Option war. Doch in dieser Situation erschien es ihr so herrlich einfach.

„Der richtige Weg ist immer der schwerere.“ Sie hörte seine Stimme im Ohr als würde er direkt neben ihr liegen und ihr diese Worte zuflüstern. Sie verfluchte sich und ihn dafür. Es nervte sie, dass er oft so belehrend klang. Warum musste er ständig Recht haben? Warum hatte er immer Recht?

Sie kniff die Augen fester zusammen, atmete tief durch. Es half doch alles nichts. Sie musste weitermachen. Wenn nicht um ihretwillen, dann wegen der anderen Leute, denen ihre Freundschaft wichtig war oder die auf ihr Handwerk angewiesen waren. Sie würde einfach… funktionieren.
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Alt 24.11.2020, 11:31
#11
Julie Melan
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Mit einem kratzenden Geräusch fraßen sich die Zähne des Sägeblattes durch das Holzbrett, bis es am Ende klappernd zu Boden fiel. Sie legte den Fuchsschwanz zur Seite, griff mit der behandschuhten Hand nach dem Brett und erhob sich damit. Über die schmale Planke trat sie auf das Trockendock und kletterte in den Rumpf des Bootes, welches sich dort in der Entstehung befand. Sie fügte das Brett nahezu nahtlos an das vorhergehende an und mit kräftigen Hammerschlägen, die durch die Werft klangen, fixierte sie es an Ort und Stelle.

Ihre Wangen waren gerötet. Man konnte spüren, dass der Herbst langsam aber sicher Einzug hielt. Der Wind pfiff durch die halb offene Werftanlage, zerrte an ihrer Kleidung und an ihrem Haar. Die Temperaturen sanken bereits, aber ihr machte dies nichts aus. Es gab kein schlechtes Wetter, nur ungeeignete Kleidung. Der frische Wind, der ihr um die Ohren wehte, blies trübe Gedanken fort, leerte ihren Kopf, sodass sie sich voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren konnte. Die Liebe zum Holz war ihr vor 22 Jahren in die Wiege gelegt worden und sie wollte nichts anderes tun, als jener Liebe zu frönen und ihrem Handwerk nachzugehen um es weiter zu perfektionieren.

Sie blieb auf den Knien hocken und betrachtete ihre Arbeit. Aus dem etwas seltsam anmutenden Holzgerippe war mittlerweile ein vorzeigbarer Rumpf geworden. Die Seitenwände waren beplankt, jetzt arbeitete sie an dem Deck. Wenn dies erledigt war, würde sie Herrn Oddmarr um Hilfe bitten. Es war sein Boot, das hier entstand und er hatte den Wunsch geäußert daran mitzubauen, sofern es in seiner Macht stand. Zum Kalfatern würde sie ihn dann einladen. Dieser Arbeitsgang sollte ihm vertraut sein, denn er hatte ihr schon einst geholfen, als sie an ihrem ersten Boot gebaut hatte. Wenn Baumwolle in die schmalen Zwischenräume der einzelnen Planken mit einem Kalfateisen eingeschlagen und anschließend mit Pech versiegelt wurde nannte man diesen Vorgang Kalfatern. Es diente dazu die Nahtstellen dicht zu kriegen, damit kein Wasser von außen eindringen konnte. Sie schmunzelte vor sich hin. Sie hatte keinen Lehrmeister gehabt, der ihr gezeigt hatte wie man Schiffe baute. Alle ihre Bemühungen einen ausfindig zu machen waren damals im Sande verlaufen. Also hatte sie sich alles selbst beigebracht. Sich das Wissen aus Büchern und auf einer Schiffsreise angeeignet und irgendwann genug Mut aufgebracht um einfach mal anzufangen. Inzwischen war dies nun schon das fünfte Boot, das sie baute und es würde bei Weitem nicht das Letzte sein. Sie sehnte sich das neue Jahr und den Frühling herbei, denn sie plante Großes, wenn Eis und Schnee die Werft wieder freigaben und das Arbeiten nach dem Winter dort erneut möglich machten. Der Graf höchstpersönlich hatte ihr einst einen Auftrag anvertraut, zu dem sie sich seinerzeit noch nicht bereit gefühlt hatte. Doch nun hatte sie Erfahrungen gesammelt, war älter geworden und gereift. Im Frühling sollte es beginnen.

Von der körperlichen Arbeit langsam erschöpft und durchgeschwitzt, erhob sie sich und kehrte an die Werkbank zurück. Sie griff nach dem Wasserschlauch der dort lag und trank. Zufrieden ließ sie sich mit dem Gesäß gegen die Tischlerbank sinken und betrachtete den Schiffsrumpf. Sie genoss die Ruhe auf Valarian. Nur selten verirrte sich jemand hierher. Hier war sie, bis auf ein paar Soldaten und Gunnar abgesehen, allein und konnte ihren Gedanken nachhängen.

Die letzten Tage waren ein wahres Gefühlschaos gewesen. Ein ständiges Auf und Ab. Immer wenn sie glaubte, dass sie nun gefestigt war, passierte etwas Neues und Unerwartetes und warf sie wieder zurück. Die Trennung von Herrn Sasperus machte ihr zu schaffen und dass sie sich, immer wieder in den Straßen von Britain begegneten, machte es auch nicht besser. Es schmerzte jedes Mal ihn zu sehen und sie wusste nicht, wie sie je diesen Schmerz überwinden sollte. Vor ein paar Tagen war sie ihm noch mit Ablehnung und Wut gegenüber getreten, hatte ihn herausfordernd angefunkelt. Jetzt konnte sie ihn kaum mehr in die Augen sehen. Sie war verlegen, fühlte sich in seiner Gegenwart wie ein kleines, dummes Mädchen. Seine Aura war zeitweilen einfach einschüchternd.

Zum Glück hatte sie Freundinnen, die ihr in dieser schwierigen Zeit erst Recht zur Seite standen. Ana mit ihrer lieben und fürsorglichen Art, hatte sie gleich in den Arm genommen und getröstet. Mit ruhigen Worten hatte sie Julie den Kummer nehmen und Hoffnung geben wollen. Glaubte man Ana, würde bestimmt alles wieder gut, wenn sie noch einmal in Ruhe mit Herrn Sasperus über alles reden würde. Ein Teil von Julie wünschte sich das auch, pflegte ebenfalls diese Hoffnung. Aber es war so viel passiert…

Im Kontrast zu Anas Fürsorge stand da Felines Art das „Problem“ anzugehen. Die kleine Bardin hatte sich auch um ihre Freundin gesorgt, war ihr zwei Tage und Nächte lang fast gar nicht mehr von der Seite gewichen. Hatte sie bespaßt, sie bekocht, aber ihr auch gründlich den Kopf gewaschen. Julie sollte sich endlich ihres Wertes bewusst werden. Sie war nicht schwach. Herr Sasperus hatte sie nicht verdient.

Und in diesem ganzen Durcheinander merkte sie, dass auch Yenefer für sie da war. Die beiden Frauen kannten sich zwar schon länger, doch richtig tiefgehende Gespräche hatten sie bis dato noch nicht geführt. Yen war dabei gewesen, als Ana vorbei gekommen war um sie aufzumuntern und hatte ihr immer wieder ein offenes Ohr angeboten, was Julie furchtbar nett fand und worauf sie sicherlich auch zurückgreifen würde.

Ja, sie war wirklich froh so gute Freundinnen an ihrer Seite zu wissen. Wie sie das verdient hatte, konnte sie sich selbst nicht beantworten, aber sie wusste es schätzen. Julie trank noch einen weiteren Schluck aus ihrem Wasserschlauch und verschloss jenen mit einem Korken. Sie wollte nicht länger Trübsal blasen. Sie wollte sich wieder mehr auf ihre Arbeit konzentrieren. Dazu gehörte auch, weiterhin die Geschäftsbeziehung mit Herrn Sasperus zu pflegen, die sie schon so viele Jahre führten. Sie würde lernen professionell mit ihm umzugehen. Aber leicht würde es nicht.

Ablenkung war dieser Tage das A und O. Ihre Arbeit sollte ihr dabei helfen. Der Kontakt zu Herrn Marlek war da ein gelungener Anfang. Sie wollte sich wieder mehr auf ihre Forschungen konzentrieren. Auf die Holztruhe aus verstärktem Holz, die sie schon so viele Jahre beschäftigte und wo sie aber immer noch auf der Stelle trat. Doch durch Herrn Marlek hatte sie neue Hoffnung geschöpft, dass es nun doch etwas werden könnte. Außerdem verfolgte er noch ein weiteres Projekt, bei dem sie ihn unbedingt zur Seite stehen wollte. Die Verbindung vom Schreinerhandwerk und der Thaumaturgie reizte sie immer mehr. Es würde viel Arbeit auf sie zukommen. Die Werft, die Forschung und dann die üblichen Aufträge, die sich schon lange nicht mehr nur auf den Möbelbau beschränkten. Inzwischen plante sie ganze Innenausbauten, richtete den Leuten vorab ihre Häuser auf dem Papier ein. Ein wenig Hilfe könnte sie dabei schon gebrauchen. Vielleicht war nun die Zeit richtige Zeit gekommen, sich doch einmal nach einem Lehrling umzusehen.
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Alt 25.01.2021, 19:32
#12
Julie Melan
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„Nein...“
Das Wort wehte leise wimmernd von ihren Lippen. Die Bettdecke raschelte ein wenig als Bewegung in ihren Körper kam, der sich unter dem Stoff unwohl regte.

„… will nicht...“
Sie drehte den Kopf von der einen Seite auf die andere. Die Lippen leicht geöffnet fing ihre Atmung an schneller zu gehen. Ihre Augenlider begannen zu flattern und ihre Gesichtszüge verzogen sich gequält als sie den Rücken zum Hohlkreuz durchdrückte und krampfte.

„Hört auf!“
Ein Schrei entrang ihrer Kehle und ihr Oberkörper bäumte sich auf bis sie kerzengerade im Bett saß. Die Bettdecke rutschte von ihren Leib, ihre Brust hob und senkte sich während sie so hastig ein und aus atmete, dass sie zu hyperventilieren drohte. Ihre Augen waren vor Panik geweitet und ihr Blick schweifte durch den Raum, hielt Ausschau nach Dingen die ihr bekannt vor kamen, suchte nach Orientierung.

Die Bettseite zu ihrer Rechten war verwaist und sie war froh drum. Sie zog die Beine um den Leib, umschlang jene mit ihrem rechten Arm während sie sich mit der linken Hand durch das Haar fuhr und sich den Kopf hielt. Die Albträume wollten einfach nicht enden. Eine Gänsehaut überzog ihren Leib und ließ sie frösteln als die dunklen Erinnerungen ungebeten in ihr hochkamen.

Staub in der Luft, der plötzlich glühte. Sie hatte ihn eingeatmet und ihre Glieder waren schwer wie Blei geworden. Ihr blieb nur noch wenig Zeit. Schwere Glieder, Schmerzen, Blut aus den Augen und aus den Ohren und schließlich der Tod. Er besaß das Gegenmittel, doch um es zu erhalten musste sie kooperieren. Sie hatte keine Wahl.

Der Weg war aufgeweicht vom Regen. Hier in diesen Gefilden gab es keinen richtigen Winter, es regnete einfach nur vermehrt und nun kniete sie im Matsch und trieb die langen Holzpflöcke tief in den Boden. Sie band Seile an jene fest und eine dunkle Vorahnung beschlich sie. Er hatte versprochen sie gehen zu lassen, sobald ihr Handel abgeschlossen war. Doch stellte er auch immer wieder neue Forderungen.

Sie wollte seinen Worten nicht Folge leisten. Er verlangte Unmögliches von ihr. Sie traute ihm nicht und wollte nur noch weg von diesem Ort. Sie jammerte, flehte, doch er schien kein Mitleid zu kennen. Mit ihren Diskussionen strapazierte sie seine Geduld und musste die Rechnung dafür tragen. Sie sah den Zauber langsam auf sich zukommen und riss zur Abwehr die Arme vors Gesicht. Ein erbärmlicher Schutz gegen Magie.

Sie konnte sich nicht mehr rühren. Ihre Augen huschten wie wild in ihren Augenhöhlen herum als sie seinen Bewegungen folgte. Er war ihr viel zu nah. Die rauen Fasern des Seiles fühlten sich unangenehm an der dünnen Haut an ihren Handgelenken an. Dann wurde es dunkel.

Das schwarze Stück Stoff saß fest über ihren Augen, raubte ihr die Sicht. Der Lähmzauber hatte seine Wirkung verloren, doch sie konnte sich trotzdem nicht bewegen. Die Seile schnitten in ihr Fleisch und als sie aufbegehrte, rissen die obersten Hautschichten auf. Sie spürte das Gewicht auf ihrem Bauch und seine rituellen Worte als er den Zauber wob. Sie fürchtete sich, versuchte sich vergebens in Gedanken zu den Menschen zu flüchten, die ihr an Herzen lagen und die sie liebte. Würde sie sie jemals wiedersehen?

Sein Kuss kam ohne jegliche Vorwarnung. Er hatte sich kühl angefühlt. Ohne Liebe. Es war schnell wieder vorbei, doch hatte er ein Kribbeln hinterlassen. Ein Kribbeln, welches bis heute anhielt...


Sie rutschte zur Kante hin und schwang die Beine aus dem Bett. Dann traf ihr Blick ihr Spiegelbild an der Wand. Ihr Gesicht wirkte eingefallen, fahl. Dunkle Ringe lagen unter ihren Augen. Sie arbeitete bis zur Erschöpfung um zu vergessen und um schlafen zu können. Doch im Schlaf suchten sie die Albträume heim. Wie lange sollte sie das noch aushalten? Er hatte etwas in ihr zerstört. Sie war nie besonders mutig gewesen, nie besonders selbstbewusst. Doch sie hatte, in all den Jahren, die sie nun schon auf eigenen Beinen stand und im Herzogtum lebte, Fortschritte gemacht. Fortschritte, die mit einer einzigen Aktion zunichte gemacht schienen.

Sie ertrug es nicht länger sich im Spiegel anzusehen und erhob sich um stattdessen ans Fenster zu treten. Das Glas fühlte sich kühl an als sie ihre Stirn dagegen lehnte und nach draußen sah. Zorn tobte in ihr und sie ballte die Hände zu Fäusten. Warum? Warum Sie? Sie hatte ihm nichts getan. Sie kannte ihn nicht mal. Aber sie besaß die nötigen Fähigkeiten, die er gebraucht hatte. Und wo sie schon mal da war, hatte er den Rest auch noch mit ihr vollbringen können. Tränen der Wut traten unter ihren Wimpern hervor als sie die Augen fest zusammenkniff. Sie zogen still ihre Bahnen über ihre Wangen.

Sie dachte an Ana. Ihre beste Freundin hatte jeden Stein umdrehen lassen um sie zu finden. Sie war ihr dankbar dafür. Wenn Ana nicht in Sorge Herrn Sasperus aufgesucht hätte, wer weiß wann sie dann gefunden worden wäre. Der Gedanke war zwar albern, es hätte wahrscheinlich nur wenige Stunden mehr gedauert, bis Herr Sasperus ihr Fehlen bemerkt hätte, doch jede Minute die verstrichen war als sie sich versteckt gehalten hatte, war von unheimlicher Pein geprägt gewesen. Sie hatte Herrn Sasperus alles erzählt, ihn ins Vertrauen gezogen und ihn dadurch in Gefahr gebracht. Er wollte diesen Kerl suchen, der ihr all‘ das angetan hatte. Er sollte büßen. Und sie hoffte, dass er ihn niemals finden würde. Sie wollte all‘ das nur vergessen. Die Schmerzen, die Angst und sie wollte verdrängen, dass sie ihrer lieben Freundin Ana wieder einmal etwas vorgemacht hatte. Doch sie wagte es nicht ihr die Wahrheit zu erzählen. Sie durfte nicht. Konnte nicht. Ihre Freundin war so zart und würde daran zerbrechen, wenn sie um die genauen Umstände wüsste. Sie musste sie schützen.

Ihre rechte Hand glitt zu ihrem linken Handgelenk und sie knibbelte an dem Schorf, der sich aufgrund der Schürfwunden dort gebildet hatte. Wenn sie die Krusten immer wieder wegkratzte, würden sie nie verheilen. Doch sie konnte auch nicht aufhören.

Ein leises Seufzen drang von ihren Lippen. Es half alles nichts. Sie musste wieder nach vorne sehen, durfte nicht mehr zurückblicken, nicht mehr in der Vergangenheit leben. Vor allem durfte sie sich nicht mehr Fragen stellen, auf die sie ohnehin keine Antwort finden würde. Sie sollte in das gesellschaftliche Leben zurückkehren. Ihre Energie in die Vorbereitungen des Marktes stecken statt in ihr Selbstmitleid. So viele Aussteller hatten sich gemeldet. Sie freute sich über jeden Einzelnen. Wenn wirklich alle kamen, dann würde es richtig voll werden. Nach dem Markt würde sie den Bau des Zweimasters in Angriff nehmen. Es gab so viel zu tun. Sie durfte sich nur nicht ausbremsen lassen.
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Alt 16.05.2022, 14:21
#13
Julie Melan
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Noch lag die Welt im Dunkeln da, doch ein schmaler Streifen rotgoldenen Lichts am Horizont kündigte den Aufgang der Sonne und somit einen neuen Tag an. Mit einer Tasse warmer Milch bewaffnet und in eine grobe Wolldecke gehüllt saß Julie auf der Terrasse ihres Hauses und sah auf das Meer hinaus, dem Sonnenaufgang entgegen. Sie schlürfte an der Milch, die sie mit einem Löffel Honig gesüßt hatte. Wie lange war es her, dass sie sich eine solche Auszeit gegönnt hatte? Wie lange hatte sie ihren Gedanken nicht erlaubt sich zu verselbstständigen. Zu lange...

Die Schrecken, die sie einst durchleben musste, hatten ihre Gedanken lange Zeit wie gelähmt. Sie hatte sich nicht mehr die Zeit genommen vergangene Ereignisse zu reflektieren. Aus Angst, dass die Schrecken sich wie ein dunkler Schatten über ihren Geist legen und sie jenen nie wieder loswerden würde. Sie hatte gelernt zu funktionieren. Hatte sich in die Arbeit gestürzt, ihre Bemühungen mehr und mehr gesteigert und war in ihrem Schreinerhandwerk aufgegangen.

Als sie an diesem Morgen die Augen aufschlug, war etwas anders als sonst. Es war gefühlt noch mitten in der Nacht und vor einigen Jahren wäre dies auch nicht ungewöhnlich für sie gewesen, da sie eine Frühaufsteherin war. Ein Umstand, der sich jedoch geändert hatte, seit sie nicht mehr allein nächtigte. Der Körper, an den sie eng angeschmiegt lag, war ihr so vertraut wie ihr eigener. Das gleichmäßige Heben und Senken seines Brustkorbs, sein Atem der über ihre Haare strich. Seine Hand, die unter der Decke auf ihrem Schenkel ruhte. Sie versuchte wieder einzuschlafen, doch da war eine Unruhe in ihr, die sie nicht mehr zur Ruhe kommen ließ. Es war ihr, als ob etwas an die Oberfläche dringen wollte, was sie zu lange unter Verschluss gehalten hatte. Still und vorsichtig befreite sie sich aus seinem Griff um ihn nicht zu wecken. Sie wickelte sich eine Decke um ihren Leib und verließ leise das Schlafzimmer. Nur Eira hob träge den Kopf, doch nach einem leise geflüsterten „Schlaf weiter“, hatte die junge Dogge ihren massigen Kopf wieder auf das Fell gebettet.

Ihr Weg führte sie in die Küche runter. In einen Topf füllte sie etwas Milch, die sie langsam erhitze. Sie goss jene in einen Becher und rührte einen süßen Löffel Honig unter. Das leise Klingen des Löffels an die Innenseite des Bechers ließ sie innehalten. In jenem Moment kam ihr das Geräusch wie ein Gong vor, ein Startzeichen, ein Weckruf. Sie wusste plötzlich woher diese Unruhe kam. Da waren zu viele Gedanken in ihr, die reflektiert werden wollten. Zu viele Erinnerungen. Mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass die schlimmen Kapitel ihres Lebens bereits drei Jahre zurücklagen und sie sich seither keine bewusste Zeit mehr genommen hatte für sich und ihre Gedanken. Ein Umstand, den sie umgehend ändern musste.

Und nun saß sie hier, eingewickelt in eine Wolldecke, auf einem altvertrauten Platz, mit einem Becher warmer Milch in ihren Händen. Sie konnte beobachten wie der Himmel in der Ferne noch mehr Farben annahm und wie sich die glutrote Scheibe der Sonne langsam über den Rand des Horizonts schob. Das Licht vertrieb die dunklen Erinnerungen, die sich in ihre Gedanken schleichen wollten. Die Trennung von Herrn Sasperus lag weit zurück ebenso wie ihre Versöhnung. Diese Zeit war voller Gefühle und voller Schmerzen gewesen und sie mochte sich nicht mehr im Detail daran erinnern. Aber diese Monate hatten sie auch stärker werden lassen, sie geformt und nun war ihre Beziehung gefestigter denn je und sie untrennbar miteinander verschmolzen.

Selbst Ihre Entführung lag mittlerweile drei lange Jahre zurück. „Ashryn...“, der Name drang ihr leise und voller Abscheu über die Lippen, sie spie ihn regelrecht aus. Nein, dieser Mann sollte keine Gewalt mehr über ihr Leben und ihre Gedanken haben. Es gab keinen Platz für ihn. Sie hatte ihn nie wieder sehen müssen und der dunkle Zauber, den er um sie herum gewoben hatte, hatte keine Schäden an ihrem Körper hinterlassen. Alles war gut.

Die Sonne schob sich höher und Julie kniff die Augen zusammen als das Meer zu glitzern begann. Was war nach diesen dunklen Monaten in ihrem Leben geschehen? Da war doch viel mehr Licht als Schatten gewesen. Sie musste sich nur erinnern.

Zum Beispiel an den großen Völkermarkt, den sie auf dem Marktplatz in Britain veranstaltet hatte. Die Resonanz war atemberaubend gewesen. So viele Aussteller verschiedener Gewerke hatte man lang nicht mehr auf einem Haufen gesehen und die Besucher waren in Scharen herbeigeströmt. Dieser Tag war ein voller Erfolg gewesen und hatte sie ermutigt weitere Märkte zu veranstalten wie etwa im gleichen Jahr den Herbstmarkt oder im letzten Winter den Kunsthandwerkermarkt. Sie hatte entdeckt, dass es ihr Vergnügen bereitete Feste und Veranstaltungen zu organisieren, auch wenn dies nicht immer leicht war. Doch die Rückmeldungen der Besucher bestätigten ihr jedes Mal, dass sie das, was sie tat, gut war und die Leute erfreute. Mit einem Schmunzeln dachte sie an den Geschichtenabend, der so völlig aus der Art geschlagen war und überhaupt nichts mit ihrem Handwerk gemein hatte und den eigentlich Jeder hätte organisieren können. Aber ja, oft brauchte es Jemanden, der die Zügel in die Hand nahm und den Anstoß gab. Sie seufzte leise auf. Es war ein unfassbar schöner Abend gewesen, den sie eigentlich im Frühjahr hatte wiederholen wollen. Doch die Zeit war ihr wieder einmal unaufhaltsam durch die Finger geronnen.

Doch die Märkte waren nicht das Größte gewesen, was sie vollbracht hatte. Sie erinnerte sich an das Projekt, dass ihr der Herzog, damals noch seine Hochwohlgeboren Graf von Britain, anvertraut hatte. Der Bau eines Zweimasters für Ihre Hoheit Maer von Britannia, inzwischen Königin von Vestlizien. Sie war gerade mal 19 Jahre jung gewesen, als sie diesen Auftrag erhalten hatte – und heillos überfordert damit. Eigentlich hatte sie nur um Erlaubnis gebeten sich in der Werft von Valarian im Schiffsbau üben zu dürfen, kurz darauf war sie auch schon zur Leiterin eben jener Werft ernannt worden. Ihre Bemühungen Werftmeister Arasus ausfindig zu machen, verliefen im Sande, ebenso wie ihre Versuche bei den Elfen einen Schiffsbauer ausfindig zu machen, von dem sie lernen konnte. So blieb ihr nichts anderes übrig als sich autodidaktisch die nötigen Fertigkeiten und Fähigkeiten zu lehren. Zum Glück hatte ihr der Herzog Zeit gelassen, sodass sie sich langsam steigern konnte. Drei kleinere Schiffe entstanden, bis Julie endlich den Mut fasste, sich an das Projekt Zweimaster zu wagen. Über ein Jahr dauerte der Bau, unterbrochen von dem Gerücht einer Dämonensichtung über Falkenstein, das sich jedoch als unbegründet herausstellte. Danach ging es Schlag auf Schlag. Plötzlich drängte die Zeit, der Zweimaster musste fertig werden, denn er sollte Ihrer Hoheit Maer zur Abreise aus Britannia zum Geschenk überreicht werden. Mit Hilfe vieler Freiwilliger konnte Julie schließlich den Bau stemmen und abschließen. Stapellauf und Jungfernfahrt verliefen problemlos und am 23. Estif des Jahres 1335 erfolgt die Übergabe. Ein Datum, dass sich Julie auf ewig in den Kopf gebrannt hatte. Es gab ein Fest zu Verabschiedung Ihrer Hoheit Maer, da sie zukünftig als Königin von Vestlizien regieren würde, Seine Hochwohlgeboren von Britain wurde zum neuen Herzog über das Inselreich Britannia ernannt und Julie ... Julie erhielt, ausgehändigt durch Seine Majestät König Jori I., von der Handwerksgilde Faerlans ihren Gesellenbrief.

Die junge Frau nahm noch einen Schluck von ihrer Milch und ein warmes Gefühl breitete sich in ihrer Brust aus. Sie konnte nicht sagen, ob es dem Getränk zuzuschreiben war oder dem Gedanken an das Pergament, das sicher in einer Vitrine in ihrer Schreinerei auslag. Ihr Gesellenbrief. Ein glückliches und zufriedenes Lächeln bildete sich auf ihrem Gesicht, breitete sich immer weiter aus, bis sie grinsend wie ein Honigkuchenpferd dasaß. Ja, es war schon früh ihr Ziel gewesen eines Tages einen solchen Brief in Händen zu halten. Ein Traum, den sie sich zu erfüllen versuchte und in den sie so viel ihrer Energie steckte. Sie hatte keine Arbeit gescheut, private sowie öffentliche Aufträge angenommen und war schließlich belohnt worden. Es war ein wundervolles Gefühl, die Gewissheit um dieses Renommee, dass ihr Seine Hoheit bereits vorab angekündigt hatte. Ob er wohl eine Ahnung gehabt hatte? Sie kuschelte sich tiefer in die Decke und eine Welle des Glücks schwappte durch ihren Körper. Ja, man hätte fast sagen können, sie platzte vor Stolz ob ihres Erfolgs. Und doch, wenn man sie offen darauf ansprach, gab sie sich bescheiden. Es lag ihr nicht zu prahlen.

Sie reckte und streckte den Körper. Die Sonne stieg höher und sie linste über die Balkonbrüstung hinweg, runter zu dem Schatten, der gerade durch den Garten zum Hinterhaus huschte. Voller Vorfreude hob sie die Mundwinkel, dann gingen ihre Gedanken wieder auf Wanderschaft. Sie erinnerte sich an die kleinen Dinge, die eigentlich keiner Erwähnung bedurften und doch wichtige Momente in ihrem Leben waren. Das Schlagen der Schneise bei der kleinen Bergwerksiedlung nördlich Britains. Der Unterricht bei Viridian und Fil, als sie den Umgang mit einer Armbrust erlernen wollte. Torkas, der zu einem Kollegen im Holzhandwerk wurde. Die Erneuerung einiger Möbel im Atelier des Handelshauses, die Opfer eines feigen Brandanschlags wurden. Die Einrichtung der Räumlichkeiten der „Helfenden Hand“. Kurz zog sich ihr Magen etwas zusammen, als sie an Leandras Schicksal dachte. Sie sollte sich bei ihr melden und fragen wie es ihr geht.

Im Wyzzin des Jahres 1335 dann das schwere Unwetter. Sintflutartig war der Regen auf Britannia nieder gegangen und ward durch die Straßen gespült. Zahlreiche Gebäude wurden beschädigt, es gab Todesfälle zu beklagen. Julie war im Dauereinsatz gewesen und dem Zusammenbruch nahe. Sie wusste nicht mehr, wie viele Reparaturen sie durchgeführt hatte. Das Dach des Lachenden Talas und des herzoglichen Warenlagers und die provisorische Brücke vor den Schlossgründen in Britain, waren nur einige Stationen auf ihrer Liste gewesen. Gerade die Brücke bereitete ihr noch immer Kopfzerbrechen. Sie hatte lediglich als Provisorium dienen sollen und musste nun schon eineinhalb Jahre halten. Lange würde das nicht mehr gut gehen, doch Kommunikationsprobleme und wechselnde Zuständigkeiten führten zu immer weiteren Verzögerungen. Erst vor wenigen Tagen hatte sie mit Schmied Kervos Zugang zur Wehranlage gewährt bekommen. Nun mussten noch einige Berechnungen durchgeführt und Tabellen zu Rate gezogen werden. Dann würde sie diese Baustelle endlich zum Abschluss bringen können. Hoffentlich.

Sie sah in ihren Becher und schwenkte kurz den Restschluck Milch, der noch verblieben war. Dabei zog sie nachdenklich die Augenbrauen zusammen. Knapp ein Jahr war es nun her, dass Lennard vor ihrer Tür gestanden hatte; einen alten, verwitterten Aushang in der Hand. Er bewarb sich bei ihr auf die Stelle als Schreinerlehrling und Julie, voller Euphorie, hatte ihn direkt aufgenommen, denn sie war schon lange auf der Suche gewesen. Doch die Freude hielt nicht lang. Zwar spürte Julie, dass in Lennard das gleiche Feuer wie in ihr brannte, die Leidenschaft zum Rohstoff Holz und zum Handwerk des Schreinerns, doch schien er auch noch andere Absichten zu haben. Erst jetzt im Nachhinein, wurde ihr seine Süßholzraspelei bewusst, die ihr die Schamesröte auf die Wangen trieb. Der gestohlene Kuss auf die Wange und dass er versucht hatte einen Keil zwischen Symon und sie zu treiben, hatten das Fass dann zum Überlaufen gebracht. Lennard beendete sein Ausbildungsverhältnis keine sechs Monate nach dessen Beginn. In einem Brief hatte er Julie mitgeteilt, dass er wieder auf Wanderschaft gehen wollte. Es hatte der jungen Schreinerin damals die Tränen in die Augen getrieben. Sechs Monate hatte sie ihm Zugang in ihre Werkstatt gewährt, wollte ihn an ihrem Wissen teilhaben lassen und als Dank erhielt sie einen schnöden Abschiedsbrief.

Julie hob den Becher an und leerte ihn in einem Zug. Sie straffte die Schultern. Diesen wunderschönen Morgen würde sie sich nicht durch trübe Gedanken zerstören lassen! Als der köstliche Duft von frisch gebackenem Brot vom Hinterhaus zu ihr hinüberzog, klärte sich ihr Blick und ein Lächeln trat auf ihre Züge. Sie würde nun hinein gehen und sich leise anziehen. Sicherlich würde gleich Lian vorbei kommen und nach ihren Ponys sehen. Dann würde sie zu Lina in die Backstube gehen und sich etwas vom Brot stibitzen und mit einem leckeren Frühstück am Bett würde sie dann Herrn Sasperus wecken. Sie schmunzelte auf. So viel Leben hatte noch nie auf ihrem Hof geherrscht. Aber es gefiel ihr.
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