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Ebana Mashnakh 12.06.2005 20:11

Wolfsgespräche
 
Ein durchdringer Pfiff dringt durch den Wald. "Yeno, wo bist du?" ruft Ebana und schaut sich dabei suchend um. Nach einer Weile ruft sie erneut: "Yeno. Yeno, komm zu mir!" Wiederholt pfeift sie nach ihm.
Ein leises hächeln kann sie nördlich von ihr hören. "Yeno, mein Freund, bist du das?" Sie weiss es natürlich ganz genau, das er es ist. Wer sollte es sonst sein, der auf ihren Pfiff reagiert.
Freudig springt er Ebana begrüssend an und leckt ihr über das Gesicht. Beide tollen mit einander herum und begrüssen sich wie sie es jeden Tag tun. Dann kehrt langsam die Ruhe in den Wald zurück.

Yeno, legt sich neben ihr und lässt ein leichtes Grollen ertönen. Daraufhin kuschelt sich Ebana an ihn und kraut seinen Hals.
"Ach Yeno, ich hab dich so vermisst. Manchmal bin ich mir einfach nicht mehr sicher, ob es eine Gute Idee war, nach Britain, in die Zivilisation zu gehen." Während sie ihren Gedanken freien Lauf lässt, greift sie in ihren Beutel und holt für ihren Wolf einige Fleischstücke heraus, die sie tagsüber am Markt erstanden hatte.

"Vor einigen Tagen lernte ich jemanden kennen. Ich war gerade bei Brennan, als sich neben mir ein Mann bemerkbar machte und mich freundlich grüsste. Natürlich dachte ich, dieser Mann benötigt nur mein handwerkliches Geschick, denn er deutet an, diese zu benötigen und bat mich, ihn zur Tala zu begleiten.
Also ging ich mit ihm mit, wir unterhielten uns ein wenig." Sie hält kurz in der Erzählung inne, um sich noch einmal genau daran zu erinnern.

"Nun, mir wurde diese Unterhaltung langsam unangenehm, denn er wollte private Dinge von mir erfahren." So weit sie sich zurück erinnern konnte, war sie stets nur eine Gefangene, eine Sklavin für diese Kreaturen gewesen. Niemals wurde sie nach ihren Wünschen oder dergleichen befragt. Ausser manchmal einer von ihnen, bei dem sie ihr Handwerk lernte. Dann kam sie hierher und musste feststellen, das die Leute ihr Fragen stellten. Diese Fragen machten ihr Angst, was ist, wenn sie mir nicht glauben, oder muss ich diese Fragen beantworten. Denn wie du weisst, Yeno, ich kenne noch immer nicht die Sitten und Gebräuche der Menschen. Vieles verstehe ich nicht.
Ach, Yeno was mach ich bloss?" Dabei krault sie ihm am Ohr und verbirgt ihr Gesicht in seinem Fell. Bei ihm, dem Wolf, dem sie aufgezogen hatte seit er ein Welpe war, bei ihm konnte sie frei und ungezwungen sein. Ihm erzählte sie alle ihre Gedanken, die sie sonst niemanden erzählen würde. Und Yeno spendet ihr Trost und Geborgenheit.

"Marn heisst dieser Mann, musst du wissen. Ich verstehe ihn manchmal überhaupt nicht. Das eine Mal ist er freundlich und macht Komplimente und das andere Mal macht er sich lustig über mich. So hat Marn mich doch tatsächlich seinen Freund Kortan um einen Gefallen für ihn fragen lassen. Dabei erfuhr ich, dass es nur ein Scherz von Marn war, um Kortan zu ärgern." Langsam schüttelt sie den Kopf. "Warum tut er so etwas?" Fragt sie ungläubig.
"Und nun ohne es zu merken, stehe ich zwischen den beiden Freunden. Gestern haben beide mir eröffnet, mir den Hof machen zu wollen. Marn ist wütend geworden über seinen Freund. Ich konnte es sehen, sein Gesicht verdunkelte sich. Ich bin verzweifelt, Yeno. Ich mag beide. Marn, weil er der erste Mann war, der sich je für mich interessierte. Kortan, mag ich weil er so, so" Sie sucht nach den richtigen Worten. "Er ist freundlich und in seiner Gegenwart fühle ich mich selten nervös und unbehaglich.
Nun muss ich mich entscheiden, entweder ich treffe mich nur noch mit Marn oder mit Kortan und verletzte damit die Gefühle des anderen. Oder ich ziehe mich gänzlich von beiden zurück, was mir logisch erscheint."
Tränen benessen Yenos Fell, während sie sich umarmend fest an ihn drückt.

Ebana Mashnakh 13.06.2005 12:20

Der weisse Hengst
 
"Yeno, gestern als ich gerade vom Holzhacken zu meinem Pferd gehen wollte, bemerkte ich einen weissen Hengst neben ihm. Zuerst sah ich mich natürlich nach dem Besitzer um, doch schien das Pferd ganz allein zu sein." Mit glitzernden und lächelnden Augen erzählt sie es ihm.
"Vorsichtig näherte ich mich dem Hengst, doch schien dieser keinerlei Furcht vor mir zu haben. Er schnaubte zu Begrüssung und als ich ihn streichelte, da legte er mir seinen Kopf über die Schulter. Ich lachte und freute mich über diese Zuneigung und küsste ihn auf die Blesse." Während sie ihrem Wolf über den Bauch streichelte, erzählt sie: "Weisst du Yeno, genauso wie ich mit dir jetzt kuschle, genauso konnte ich es gestern mit dem Hengst machen, denn er legte sich neben mir hin und schien es wahrlich zu geniessen." Ein strahlendes Lächeln breitet sich bei dieser Erinnerung auf ihrem Gesicht wieder.
"Doch plötzlich trat ein Reisender zu uns und fragte nach dem Weg. Ich erschrak heftig, denn ich hörte ihn nicht kommen. Da sprang der Hengst auf und stellte sich zwischen uns, so als wollte er mich beschützen!" Schweigend kraulte sie Yeno im Nacken, so wie er es immer gerne mochte und hing ihren Gedanken dabei nach.
"Vielleicht treffe ich den Hengst eines Tages wieder einmal." Sagte sie schon fast eingeschlafen und streichelte seinen Kopf.

Ebana Mashnakh 14.06.2005 12:23

Glaube und Wahrheit
 
Trotz grosser Müdigkeit ging Ebana noch einmal in den Wald, sie musste mit jemandem reden und wer wäre besser geeignet als ihr Wolf Yeno.
Wie jedes mal, wenn sie mit ihm ihre Gedanken teilt, liegen sie beide aneinander gekuschelt im hohen Gras.

"Vorhin hab ich mich mit Marn getroffen. Ich bin sehr froh, dass er mir nicht grollt, weil ich den einen Tag einfach weggelaufen bin. Er erzählte mir, dass er sich mit Kortan getroffen hätte, kurz nach diesem Überfall und was ich da hören musste, kann ich fast kaum glauben. Kortan hat Marn freudestrahlend berichtet, dass er nicht nur meine Hand gehalten hat, nein auch das er mich geküsst hat und mir sehr nahe gekommen sein und Marn bräuchte sich nun keine Hoffnung mehr zu machen, dass ich je wieder zu Marn gehen würde.

Also Yeno, vielleicht kannst du mir das erklären, aber warum sagen die Menschen nicht die Wahrheit so wie es wirklich wahr?
Es ist richtig, dass ich für einen kurzen Moment Kortans Hand berührt habe, aber aus einem ganz anderen Grund als er Marn weiss machen wollte. Und ja, Kortan hat versucht mich zu umarmen und zu küssen, aber ich lies dies nicht zu.

Ich verstehe das einfach nicht. Dort wo ich aufgewachsen bin, gab es keine Lügen, bis vor kurzem wusste ich überhaupt nicht, was Ironie, Sarkassmus und Lügen für ein Konzept sind. Erst langsam erschließt sich mir dieses.

Ich habe Marn gefragt, wie ich darauf nun reagieren soll, ob ich Kortan darauf ansprechen soll, denn er sagte mir, dass Rian es bestimmt gehört hat und sie soll so was wie eine Klatschbase sein. Ich weiss zwar nicht, was das genau bedeutet, doch ist es wohl nichts Gutes.

Marn zuckte nur mit den Schultern und meinte das es doch überhaupt nichts bringt, da Kortan dies mit Sicherheit abstreiten würde.
Ich glaube, ich warte einfach ab, was passieren wird und entscheide dann spontan."

Ebana Mashnakh 17.06.2005 17:31

Das Versprechen
 
So viel ist geschehen in den letzten Tagen und manchmal hat sie den Eindruck langsam die verworren Wege der Menschen besser zu verstehen, um dann kurze Zeit später wieder einmal verwirrt und ratlos dem Geschehen ausgesetzt zu sein.

Ihr kam es immer noch so vor als hätten gestern erst die beiden Freunde in ihrem Leben, ihr Ebana, ihre Liebe zu ihr gestanden. Doch schnell hatte sich das Blatt gewendet und sie glaubt den Grund langsam zu erkennen.
Nachdem Marn mit Kortan gesprochen hatte, war Marn wie ausgewechselt, plötzlich erinnerte er sich an sein Versprechen einer anderen Frau gegenüber und dass er Ebana nun nicht mehr liebe.

Einen Tag danach traf sich Ebana mit Kortan, mit ihrer nun aufgekratzten Seele, kam ihr über ihre Lippen, zum erstenmal seit ihrer Freilassung, ihre Geschichte. Sie erzählte Kortan von ihrer Vergangenheit, zum einem weil sie wissen wollte, wie ehrlich seine Gefühle sind und zum anderen, falls diese es nicht wären, ihn zu verschrecken.
Doch er lies sich nicht davon abschrecken, im Gegenteil hatte sie den Eindruck, dass es herunterzuspielte, nur weil er auch einmal für ein paar Tage bei denen in Gefangenschaft war. Ja sie mochte ihn, doch es ging ihr viel zu schnell und was schwerer wiegte, sie vertraute ihm nicht, nach allem was in den letzten Wochen geschah. Und dann war da noch Marn. Sie schüttelte langsam den Kopf, morgen wird er heiraten.

Da stand sie nun - eingeladen zu einer Hochtzeit, für deren Feier sie eben die selbst geschreinerten Möbel in Marns Haus brachte. Unfähig ihre Gedanken und Gefühle zum Ausdruck zu bringen, wickelte sie das Geschäft wie jedes andere auch ab, schnell und sachlich.

In ihr keimt der Gedanke, dass vielleicht auch Kortan nur ein Spiel mit ihr treibt. Denn so unschuldig und unerfahren wie Ebana nun einmal ist, wäre es ein leichtes Spiel.

Ebana Mashnakh 22.06.2005 16:51

Tod des Orkanf
 
Tage war es her, seid sie das letztem mal hier am Mondtor zu Vesper war. An jenem Tag war sie gerade auf den Weg zu Marns Hochzeitsfeier gewesen, als sie durch das Tor kommend, sich von mehreren Menschen umringt sah. Einer der Räuber ziehlte mit einer Armbrust auf sie und forderte sie auf vom Pferd zu steigen und die Hände zu erheben. Erst jetzt bemerkte sie, dass noch ein weiterer Mann in deren Gewalt war und dieser bereits abgesessen und mit erhobenen Händen rechts von ihr stand.
Ihr fröstelte bei der Erinnerung daran, was noch alles passieren hätten können, wenn sie nicht um Hilfe geschrieen hätte. Doch dies wurde gehört und nicht nur von den Räubern, die darauhin ihr Pferd versuchten zu erschiessen.
Plötzlich vernahm sie eine bekannte Stimme - Marn. Trotz ihrer Todesangst, huschte ein Hauch von einem Lächeln über ihr Gesicht. Durch sein Eingreifen, war es ihr möglich, langsam Schritt für Schritt mit den Zügeln in der Hand rückwärts zu flüchten. Zitternd am ganzen Körper sprengt sie auf ihrem Pferd nach Khazdur. Dort wollte sie sich verstecken, ausruhen und nach Yeno suchen. Sie kam gar nicht mehr auf Idee später noch zu dieser Feier zu gehen.

Nun stand sie für einen Moment still, dort wo es vor Tagen geschah und suchte mit den Augen nach Spuren von dem Geschehen, doch konnte sie keine mehr finden. Langsam ritt sie dann in Richtung Minoc weiter.
Plötzlich war sie umzingelt. Orks. Nein, dass konnte nicht wahr sein. In ihrem Kopf spielten ihre Gedanken verrückt. Die Orks haben sie wieder gefunden. Nein, niemals mehr wollte sie dorthin zurück, eher wollte sie sterben. Also griff sie nach ihrer Axt. Doch was war das? Einer der Orks griff ihre Packpferde an, das musste sie verhindern. Sie schwang ihre Axt, doch knapp verfehlte sie den Ork. Sie versuchte es noch einmal, doch eine Kämpferin war sie nun wahrlich nicht. Während sie versuchte den einen Ork davon abzuhalten ihren Pferden etwas zu Leide zu tun, traf sie ein mächtiger Keulenschlag und sie ging zu Boden.

Langsam erwachte sie wieder. Ihr Kopf schmerzte und sie wusste einem Moment nicht wo sie war und was passiert ist. Sie blickt sich um. Oh nein. Mit einem Schlag fiel ihr wieder alles ein. Sie rannte zu den leblosen Körpern ihrer drei Pferde, kniete vor ihnen nieder und während sie die Pferde noch ein letztes mal streichelte, liefen ihr die Tränen den Wangen herunter. Ängstlich schaute sie sich um. Wo waren die Orks, haben sie gedacht Ebana auch getötet zu haben oder warum haben sie Ebana nicht mitgenommen zurück in das Lager. Doch dies war nicht wichtig im Moment. Sie musste weg. Hier konnte und wollte sie nicht länger bleiben. Überstürzt rannte sie zum Mondtor zurück, sie musste Yeno holen und mit ihm schleunigst weggehen.
In Khazdur angekommen, rief sie nach ihm. Doch er kam nicht. Wo war er nur. Ist ihm vielleicht etwas passiert oder treibt er sich nur wieder bei anderen Rudeln herum. Sie rief abermals und endlich, er rannte auf sie zu. Erleichtert viel sie ihm um den Hals und drückte ihr Gesicht tief in sein Fell und schluchste.
Yeno löste sich plötzlich von ihrer Umarmung und knurrte. Sie blickte ebenfalls in die Richtung in die der Wolf knurrte. Mit einer Handbewegung deutet sie Yeno an, sich ruhig zu verhalten und sich zu verstecken. Schleunigst rannnte Yeno zum nächsten Busch in dem er sich versteckte, aber trotzdem alles mitbekommen konnte. Sie ging ein paar Schritt näher zu dem Geräusch und späte durch das Geäst. Als sie erkannte wer und was es war, atmete sie erleichtert aus und trat hinaus, damit Marn sie sehen konnte.

Er schien nicht überrascht sie hier anzutreffen, eher als hätte er sie dort erwartet. Marn ging mit raschen Schritten auf Ebana zu, stoppte dann abrupt als er ihre Verletztungen am Kopf bemerkte. "Ebana, was ist geschehen?" Fragt er mit besorgter Mine. Ebana versucht zu lächeln, aber es gelingt ihr nicht. Doch dann spudelte es nur so aus ihr heraus. Sie erzählte von den Orks, ihrer Angst und das sie sofort von hier weggehen muss. "Ebana, nein, bitte geh nicht." Sagte er schon fast flehentlich. Sie konnte nur den Kopf schütteln. "Marn, bitte versteh, ich kann hier nicht länger bleiben. Nie wieder will ich zu diesen Orks, eher will ich - " Den Satz beendet sie nicht. "Ebana, ich muss dir etwas sagen." Begann er zögerlich und blickte sie dabei unsicher an. "Du erinnerst dich bestimmt noch daran, wie du mir von deinem - nein - von dem Orklager erzählt hast und wo es sich befindet." Verbessert er sich rasch. Sie blickt ihn entgeistert an. "Aber sicher kann ich mich daran erinnern, das werde ich mein Lebtag nie wieder vergessen können." Erwiedert sie für ihre Art recht kühl. Darauf hin nähert sich Marn ihr noch etwas. "Ebana." Sagt er schon fast zärtlich. "Ich war die Orks besuchen." Mit einem leichtem schmunzeln, lässt er sie die Nachricht verdauen. "Besuchen?" Fragt sie völlig entgeistert. "Ja, ich habe sie alle getötet. Sie waren Tiere und wie Tiere hab ich sie abgeschlachtet. Doch vorher konnte ich aus dem Anführer noch ein paar Informationen rausholen." Sie glaubt sich für einen Moment verhört zu haben. "Tot. Alle?" Als er dies nur nickend bejaht, sacken ihr die Knie weg. Marn kann sie gerade noch rechtzeitig auffangen und hält sie in den Armen fest. Der Ohnmacht nahe klammert sie sich an ihm. Langsam erholt sie sich und sie setzen sich auf einen Baumstamm, dort fordert sie ihn auf, ihr alles genau zu erzählen. Ihre Gedanken wandern zu einer Zeit als sie dort ab und zu mit ihrem Lehrmeister gewesen ist. Sie kannte den Anführer, ein übler Zeitgenosse, selbst für einen Ork. Ihr Lehrmeister, fällt es ihr wie Schuppen von den Augen. Sie hofft, dass er nicht dort war. Das kleine Lager von den Orks gibt es nun nicht mehr und der Anführer konnte noch Marn sagen, dass Ebana aus dem Süden kommt, aus Lorkrum. Sie hatte sich so gewünscht je zu erfahren, wo ihre Heimat ist, doch hatte sie die Hoffnung schon fahren lassen.

Mit einem Blick von tiefer Dankbarkeit schaut sie ihm an. "Wie kann ich dir nur danken?" Fragt sie Marn. Dabei mustert sie ihn vorsichtig nach Verletzungen, kann jedoch keine feststellen. "Ich wünsche mir nur, dass du bleibst." Blickt sie dabei flehentlich an. "Nun gibt es für mich keinen Grund mehr, von hier weg zu gehen." Sie lächelt ihn strahlend an.

Ebana Mashnakh 28.06.2005 13:47

Liebe
 
Noch am gleichen Tag schlenderte Ebana durch die Stadt und als sie über den Markt wollte, bemerkt sie eine Menschenmenge, die sich aufgeregt miteinander unterhielten und erst auf den zweiten Blick sah sie, dass dort zwei Menschen tot am Boden lagen. Da sie derlei Anblick, von toten Körpern, gewöhnt war, erschrak sie darüber kaum. Zuerst wollte Ebana vorbei gehen, denn das ging sie ja nichts an, doch dann erblickte sie unter den vielen Menschen jemanden, den sie fast übersehen hätte. Es war Kortan und er schien verletzt zu sein.

Ihr Herz begann zu rasen. Sie stockte, warum ging es ihr so nah und warum hatte sie angst? Während sie sich mit Kortan unterhielt und sich alles erzählen lies, rasten ihre Gedanken und suchten nach einer Erklärung. Wovor hatte sie angst? Es gab keinen Grund für diese Panik oder doch? Dann traf es sie wie einen Schlag. Ihr wurde mit einem Mal bewusst, warum sie sich in seiner Gegenwart stets wohl fühlt und warum sie das drängende Bedürfnis verspürte, ihm einen grossen Gefallen zu tun. Ebana erkannte nun den Grund für ihr Fühlen und Denken, sie war verliebt.

Sie fragte Kortan, ob sie ihn abends noch einmal treffen könne und preschte mit ihrem Pferd davon. Ebana wollte noch heute mit einem Schneider sprechen. Sie hatte sich umgehört und stets hörte sie immer wieder einen Namen - Tarlo Ferantis. Da sie genau wusste, wo sie diesen bekannten Schneider finden konnte, ritt sie zu seinem Haus. Er war auch sogleich bereit, aus den Fellen die sie mitbrachte, den gewünschten Umhang zu schneidern. Ebana war so aufgeregt, dass sie während sie den Schneider Ferantis bei der Arbeit zu sah, auf ihrem Stuhl hin und her rutschte. Kaum hielt sie freudestrahlend den wunderschönen Umhang in den Händen, preschte sie wieder zurück nach Britain.

In dem lachenden Tala angekommen setzte sie sich in den Nebenraum und wartete auf Kortan. Da sie in Gedanken vertieft war, bemerkte sie sein Erscheinen erst, als er sich schon neben sie gesetzt hatte. Sie lächelte ihn an. Nachdem sie sich nach seinem Befinden erkundigt hatte, bemerkte Kortan, dass auch Ebana leichte Verletzungen im Gesicht hatte. Sie erzählte ihm dann alles was sich am Tage zugetragen hatte: von dem Orkangriff, ihren getöteten Pferden und das sie fliehen wollte. Sie erzählte ihm auch, was ihr gemeinsamer Freund Marn für Ebana getan hatte und das es nun keinen Grund mehr gäbe, von hier wegzugehen.

Da war es dann wieder. Sein Gesicht verdunkelte sich und mit lauter Stimme sprach er auf sie ein. Er wiederholte, wie sehr Ebana ihm am Herzen läge, doch im gleichen Atemzug sprach er von Marn: "Ich weiss nicht was ich davon halten soll, Ebana. Ihr treff euch für meinen Geschmack zu häufig und was Marn dazu bewegt, für dich zu den Orks zu gehen, möchte ich mir gar nicht erst ausmalen." Nicht nur seine Andeutungen verletzten sie, sondern auch der Ton in dem er mit ihr sprach. Ebana fühlte sich in die Enge getrieben und sie wollte nur noch weg. Also sah sie ihn an und sprach: "Kortan, ich wollte mich heute hier mit dir treffen, weil ich mit dir reden und ich dir etwas geben wollte. Doch deine Anschuldigungen verletzen mich." Daraufhin drückte sie ihm den Umhang in die Arme und rannte mit Tränen in den Augen aus der Tala und flüchtete nach Khazdur.

Sie hätte überall hin flüchten können, doch insgeheim hoffte sie, wenn Kortan sie suchen sollte, dann würde er hier nachsehen, was er auch tat. Er fand sie dort, wo Kortan Ebana damals als weisser Hengst aufsuchte. Vorsichtig setzte er sich neben sie auf den Baumstamm. "Ebana es tut mir leid. Doch bitte versteh auch meine Situation. Meine Gefühle, die ich für dich empfinde, sind dir bekannt und ich weiss immer noch nicht wie du für mich empfindest..." Sie unterbricht ihn an dieser Stelle und sagt scheu und leise: "Ich liebe dich Kortan." Seine Augen weiten sich voller Freude und er fällt ihr um den Hals. "Du liebst mich? Du weisst gar nicht wie glücklich du mich machst. Ich bin der glücklichste Mann heute auf der Welt. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich dich liebe." Er nimmt ihren Kopf in seine Hände und während ihm eine Freudenträne die Wange herunterläuft, küsst er Ebana voller Leidenschaft.

Ebana Mashnakh 20.07.2005 16:07

Freiheit
 
Nervös lief sie neben Yeno her, streichelte hin und wieder über seinen Kopf. War sie nun frei, bestand keine Gefahr mehr für ihr Leben? Marn war endlich zurückgekehrt aus Lorkrum und vor wenigen Augenblicken hatte er ihr berichtet, dass es getan sei. Das Orklager, in dem sie fast ihr ganzes Leben verbringen musste, bis auf ihre ersten fünf Lebensjahre, wurde von Marn zerstört. Jeden Ork hat er abgeschlachtet und die Hütten verbrannt. Doch scheinbar ist ihm dabei nichts passiert.
"Er muss ein mächtiger Magier sein, wenn er ganz allein mit allen fertig geworden ist, ohne auch nur eine einzige Schramme abzubekommen." Erzählt sie bewundernd Yeno, ihrem Wolf.
Hin und wieder schaute sie sich um, suchend nach Gefahren oder dergleichen. Nur langsam wird sie sich daran gewöhnen, nicht mehr ängstlich über die Schulter blicken zu müssen. Denn die Gefahr von den Orks aufgespürt zu werden, die ist nun für immer vorbei.

Doch eines bereitet ihr noch kopfzerbrechen; was ist mit Marn los? Nach seiner Rückkehr strahlt seine Aura noch kälter, er schien gegenüber Fremden noch unfreundlicher und abweisender zu sein, als sonst. Bildete sie sich das wirklich nur ein, wie Marn sagte? Möglich wäre es schon, vielleicht war er an diesem Tag einfach nur gereizt oder müde von der langen Reise. Doch andererseits, welche Spuren hinterlässt es bei einem Mann, der zwei Dörfer der Orks zerstört hat. Frauen und Kinden niedermetzelt und dies nur mit einem achselzucken abtut. Ebana hofft inständig, dass es Marn nicht zerstört hat und sie dann daran Schuld sein würde.
Dies könnte sie sich nie verzeihen, da sie es war, die Marn gebeten hat, in ihrem Namen alle zu töten.

Kira Lobringen 26.07.2005 22:40


 
Wieder war es soweit, sträflich richteten sich Menschen entgegen die Hand der göttlichen Geburt. Gejagt des Körpers, gejagt aufgrund der Schönheit, gejagt der Seele, welches Geschenk doch einst die Urbaren Wesen schufen. Unscheinbar war es doch wie der erste frühjährliche Morgenschein die Wipfel der Wälder um Cove traf, doch gewiss des Blutes, der Fehde die mit eiserner Gewalt durch alles Fleisch sich bohrte. Der Verstand so leer, geprägt des Goldes. Die Gier so gewaltig als könnte man gar viele Meere füllen. Ein Geheul so tief als dränge er durch Mark und Bein eines Jeden der versteht zu hören.

Gerufen ward das Rudel, doch Kira viel getroffen zu Boden. Ein Pfeil steckte im Fleisch des sonst so wundersamen Wolfes. Sie konnte nicht wirken ohne den Verrat an Finrie zu richten, die Spitze des Holzes stach – sehr tief und brach den Knochen, wo sich früher der hübsche Hinterlauf bildete. Wie konnte sie nur so dumm sein und überhaupt die nähe der Waldränder suchen, so warten doch zwei Welpen daheim und wollen gefüttert werden. Man mochte es ihr nicht ansehen, doch sie weinte kläglich und ihr Herz ward mehr gebrochen als ihr Bein.

Man hörte die Männer auf ihren Pferden schreien „Dort vorn muss das Untier sein!“, die Hunde kläfften vor Gier und trotz, waren sie doch ferne Verwandte, aber niemand mochte sie noch erkennen mit ihrer menschlichen Wesensart. Es schien als wäre es nun endgültig vorbei ... schwärze legte sich ab, Blut rann gen Boden wo sich noch einige letzte Flecken Schnee sammelten. Das Gebell nahte und die letzten Kräfte der eigentlichen Frau versuchten ihre Gestalt aufrecht zu erhalten, so würde sie als Wolf sterben, zu Finrie fahren mit Ehre und Stolz. Die Gedanken schürten sich um ihre Tochter, um ihren Sohn – um das Rudel.

Wieder hörte man nahendes Getöse, ein gewaltiger Ruf eines einzelnen, ein helfender Ruf? Kampf laute zeichneten sich ab und ein Hund fegte zerfleischt zu Füßen der Menschenjäger. Die letzte Kraft hob ihren Kopf im Unterholz, um zu erspähen was dort vor sich ging. Abermals schlug es zu und der übrige Hund entfloh gar schneller als er herbei kam. Die Jäger waren nah, gar 20 Schritt oder näher, man roch ihre Angst gar bis zu ihr. Es war ein noch unbekannter Freund der ihr so beistand in ihrer Not. Ein Waldwolf ohne Rudel und Gezücht. Doch so sich die Hoffnung stärkte, bangte sie nun auch um das Leben ihres Retters, es war wohl nur Glück sein, doch die Jäger zogen von dannen mit der Genugtuung das sie wenigstens eines der Wesen bekamen, welche doch offenbar des Nachtens ihre Schafe raubten.

Nach dem Lärm des Kampfes folgte eine ewig anhaltende ruhe, der Kopf senkte sich wieder ins Geäst und verzweifelt musste sie nun warten auf das alle Macht in Händen des Retters lagen – und er kam, tief Atmete er ihren Geruch ein, das Blut, die Angst, die Verzweiflung. Er strich seine Zunge mildtätig über die Wunde, der Pfeil brach wie das Bein, mit glück mochte man wohl erahnen. Yeno mochte er wohl genannt werden und in wenigen Zügen berichtete er gar alles was in dem seinem Leben von dannen ging, wohl auch merkte er wohl das Kira ein besonderer Wolf sein musste. Ihre Intelligenz stand höher und auch ihr nahes Wesen zu Finrie selbst spiegelte sich ab.

Er leckte weiter die Wunde und Kira genoss es sichtlich, um auch die Zeit zu nutzen um ihn aufzuklären mit den Instinkten. Ihr Rudel wartet, ihre Welpen die daheim tristen mögen, ihre Leitwölfin die ihren Altar zur göttlichen Wolfsmutter richtete. Gar vieles was man einem Urwesen mit göttlichem Geschick nahe bringen konnte. Er verstand? Das war ungewiss ...

Um es ihm nahe zu bringen, entschloss sie sich die Wahrheit zu offenbaren, die wandelte sich zurück ins Antlitz einer wunderschönen Frau in mittleren Jahren. Doch Yeno schien gefasst, ob wenn auch ihn mehr Wissen anhaftet als man erahnen mochte. In dieser Gestalt konnte Kira nun jedoch nicht lange verharren, es war kalt und sie nackt im Antlitz der morgendlichen Sonne. Yeno bot an ihr zu helfen und so schaffte es Kira schließlich rasch heim um ihre Wunde selbst zu versorgen. Er hingegen wartete noch ab, still wie ein edler Held.

Ebana Mashnakh 27.07.2005 03:13

Erkenntnis
 
Rückblickend hätte sie Niemandem etwas sagen sollen, weder ihrer Freundin Lydia noch Marn. Sie hätte versuchen müssen, allein damit zurecht zu kommen. Hatte sie das Leben eines Menschen zerstört, nur weil sie Rat suchte? Sicherlich haben ihr die Gespräche mit Marn und Lydia etwas geholfen, ihr die Augen geöffnet, doch war es dies Wert?

Sie kannten diesen Mann schon sehr lange, er war ihr erster Kunde gewesen, gleich nach ihrer Ankunft in Britain. Cordovan war freundlich und sehr hilfsbereit, sie mochte ihn von Anfang an. Mit der Zeit wurden sie Freunde, jedenfalls dachte Ebana das, denn sie wusste bis vor kurzem ja nicht um seine wahren Gefühle ihr gegenüber.
Immer wenn sie geschäftlich bei ihm war, unterhielten sie sich manchmal stundenlang. Hin und wieder lud er sie auch zum Essen ein, wobei sie sich dann stets nur über Ebanas Leben hier in Britain unterhielten.

Doch dann eines Tages geschah es, gerade als sie ihm davon berichtete, dass Ebana nun glücklich und verliebt sei, da brach es aus ihm heraus:

"Ebana, ich hatte euch doch gebeten, nicht zu diesem Mann zu gehen, habt ihr denn nicht bemerkt das ich euch liebe?" Überrascht und fassungslos war sie nicht sofort in der Lage darauf etwas zu sagen. Cordovan schaute sie aus traurigen Augen an und nach einigen Sekunden, die ihr wie eine Ewigkeit vorkamen, stellte sie ihm eine Frage:
"Warum hab ihr nicht eher etwas zu mir gesagt?" Woraufhin man ihm ansehen konnte, dass er nun über seinen Schatten sprang und einfach drauflos redete.
"Ich gestehe, ich hab mich nicht getraut und hätte ich euch sagen sollen: Ebana ich liebe euch von ersten Augenblick da ich euch traf, eure Schönheit raubt mir den Atem, wollt ihr meine Frau werden?"

Ja, es war ein Fehler dies Marn zu berichten, genauso wie es ein Fehler war Lydia davon zu erzählen, doch in beiden Fällen suchte sie nach Rat und Hilfe. Wie solle sie reagieren, wie könne sie sich Cordovan gegenüber verhalten? Doch was geschah, Marn erzürnte und wollte sobald als möglich Cordovan aufsuchen. Als sie davon Lydia erzählte, war diese genauso nicht erfreut dies zu hören. Eine Kette von Ereignissen setzten sich in gang und endeten darin das Cordovan, Angst um Repressalien und Verlust seines Rufes, sein Haus verkaufte und das Land verliess.

Ebana lernte zwar jeden Tag immer mehr die Menschen zu verstehen, doch das dies passieren würde, darauf war sie nicht vorbereitet. So verlor sie nicht nur einen Freund und guten Zuhörer, nein sie verlor auch den Willen, je wieder um Hilfe zu bitten.

Ebana Mashnakh 30.07.2005 06:00

Eine grosse
 
Mit schwerem Herzen lief sie durch die Strassen von Britain und schritt, wie jeden Tag zur selben Stunde, den Weg zu Brennan, dem Bänker, entlang. Dieser reichte ihr ein Schreiben, welches offensichtlich von Kortan stammte, der tags zuvor auf Reisen gegangen war. Lächelnd dankte sie ihm und überflog die Zeilen.

Mit schnell geschwungener Feder stand geschrieben


Meine Liebe die Zeit ist gekommen es zu vollenden!
Ich versuche so schnell wie es mir möglich ist wieder
zu dir zu eilen.

Dein Kortan

Schwer atmete sie aus, drückte das Schreiben kurz an ihr Herz und faltete es dann vorsichtig zusammen, um es wie eine Kostbarkeit behutsam zu verstauen.
Kaum hat sie die Bank verlassen, als sie von einem ihr unbekannten Mann angesprochen wurde.

"Sagt, seid ihr Fräulein Honen, die Schreinerin?" Kommt er sogleich zur Sache ohne Begrüssung. Verwundert schaut sie ihn an und nickend anwortet sie.
"Ja, ich bin Ebana Honen, was kann ich für Euch tun?"
"Ganz im Gegenteil, ich erhielt vor einiger Zeit, von dem Herr Murar, den Auftrag ein Haus zu errichten und wurde angewiesen, sobald es fertig gestellt ist, mich an euch zu wenden. Heute ist es nun soweit, wollt ihr mich zu eurem neuen Heim begleiten, dann übergebe ich euch die Hausschlüssel und wenn alles zu eurer Zufriedenheit ist, könnt ihr sogleich mit dem Einzug beginnen."

Sie traute ihren Ohren nicht. Kortan und Ebana haben vor einiger Zeit einmal über ein gemeinsames Haus gesprochen, doch fehlte dazu das benötigte Kapital.
"Er hat es tatsächlich gemacht und mir kein Sterbenswörtchen gesagt, als er gestern wegging."
Sagte sie zu sich selbst, und ihr Herz schlug vor Aufregung und Freude merklich schneller.

"Wo steht denn das Haus?" Fragte sie ihn mit glänzenden Augen. Er blickte sie lächelnd an und sagte:
"Herr Murar bestand darauf, dass ich euch, falls ihr diese Frage stellt, folgendes sagen möge." Kurz schien er zu überlegen, als wenn er sich erst an den genauen Wortlaut erinnern müsste.
"Dort wo wir träumten, einmal zu wohnen."
Nickte ihm verstehend zu und schritt eilig voran, denn der Weg dorthin war ihr kein unbekannter.

Ebana Mashnakh 05.08.2005 01:51

Schmerzlicher Verlust
 
Seid Wochen nun schon ist Kortan auf Reisen, ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben. Langsam füllte sich das Haus mit Möbeln, die Ebana mit großer Sorgfalt schreinerte, in der Hoffnung ihm bei seiner Rückkehr damit zu erfreuen.

Fast täglich trafen sich Marn und Ebana, um sich gegenseitig an der Gesellschaft des anderen zu erfreuen. Da auch Marn´s Frau wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint. Sie plauderten über Gott und die Welt, gingen hin und wieder gemeinsam Essen. Doch behielt Marn beschützend und wachsam seine Augen auf sie gerichtet, damit ihr in Kortans Abwesendheit kein Leid geschehen möge.

Trotzdem konnte er nicht verhindern, dass sie nun voller Trauer in den Tag hinein lebt. Tagelang vermisste sie ihren Wolf Yeno, suchte ihn in jeder freien Minute, pfiff und rief sie vergebens nach ihm. Ihre Unruhe und Besorgnis blieb Marn nicht verborgen. Nachdem sie ihm von dem Verschwinden Yenos berichtete, zogen sie gemeinsam aus, um ihren Wolf zu suchen.

Zuerst wollten sie in Khazdur an den Orten suchen, wo sich Ebana immer mit ihren Wolf Yeno traf, doch was war das? Zu Füssen einer Fremden, noch dazu verhüllten Frau, lag Yeno und beide schienen nur auf ihr Eintreffen gewartet zu haben. Ebana machte eine, kaum für Menschen bemerkbare, Bewegung mit der Hand, die Yeno sehr wohl verstand und zu ihr gerannt kam. Sie freudig ansprang, über ihr Gesicht leckte und sich von ihr ausgiebig kraulen zu lassen. Dann legte Yeno sich zu Ebanas Füssen, und verfolgte das weitere Geschehen.

Marn ließ seinen Blick von dem recht beeindruckenden, großen Wolf zu der verhüllten Frau wandern, wobei er mit der Hand den Knauf seines Schwertes berührte. Mit besorgter und finstere Miene starrte er zu dieser Fremden, während Ebana sich an die verhüllten Fremde wandte und mit zittriger Stimme, die voller Besorgnis und Angst zu sein schien, fragte, was sie denn mit ihrem Wolf wolle. Woraufhin die Frau Ebana im ruhigen und sanften Tonfall aufforderte, Yeno gehen zu lassen und ihn nicht länger von seinen Instinkten und Willen abzuhalten. „Hatte die Frau gerade Yeno gesagt?“ Schoss es Ebana durch den Kopf. „Woher wisst ihr seinen Namen?“ Ihre Stimme erhob sich lauter. Niemand hätte es bei einem anderen Menschen verwundert, doch in der Art hatte Ebana noch nie gesprochen - offen und mit drohendem Unterton, was Marn nicht unbemerkt blieb und er sie verwundert anschaute.
Die verhüllte Fremde versuchte ihr zu erklären, dass, wenn man den Stimmen der Natur zu hört, könne man auch die Gedanken dieser göttlichen Wesen, wie es Wölfe seien, erhören.

Ebana hatte dies schon öfters bemerkt, wenn sie mit Yeno zusammen war, es schien eine Art Kommunikation zwischen Yeno und ihr zu bestehen. Sie verstand ihn, sah Bilder und Geschehnisse, die sie selbst nie erlebt hatte. Doch dies behielt sie lieber für sich und erzählte auch später niemand davon, weder Marn, der dies als verrückt und seltsam abtat, noch dem Major von der Garde, bei dem sie sich mit Marn traf, weil er der Garde von diesem recht ungewöhnlichen und traurigem Ereignis geschrieben hatte.

Sie beugte sich zu dem Wolf hinunter und erfuhr so, wo Yeno die ganze Zeit über gewesen war, bei dieser Frau, oder war es eine Wölfin? Doch sie hatte keine Zeit, länger darüber nachzudenken. Jedenfalls wusste sie, dass die fremde Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte, verletzt am Bein war. Als Ebana sie fragte, ob sie verletzt sei und diese es bejahte, schien es Marn nicht zu verwirrten, woher sie das wusste, wahrscheinlich nahm er an, da sie näher an der Frau stand, es besser gesehen zu haben.

„Wenn Yeno gehen will, so werde ich ihn nicht aufhalten, aber das habt ihr nicht zu bestimmen!“ Sagte sie recht wütend, wobei ihr schon jetzt klar war, dass Yeno mit dieser Frau mitgehen wolle und sie ihn heute womöglich das letzte mal zu sehen bekam, doch sie wollte kämpfen, wenn nötig. Deshalb stellte sie sich schützend vor Yeno. Marn zog ein kleines Stück sein Schwert aus der Scheide, was die Fremde veranlasste einige Schritt zurück zu humpeln. Doch hörte sie nicht auf, auf Ebana einzureden, die kaum noch zuzuhören schien, da ihr Herz im Begriff war zu brechen.

Nach einiger Zeit beugte sich Ebana wieder zu Yeno hinunter, um mit ihm ein scheinbar wortloses Gespräch zu führen. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, die sie sogleich wieder wegzuwischen versuchte. Marn verstand offensichtlich nicht, was vor sich ging, doch überließ er Ebana das weitere Vorgehen. Sie erhob sich und blickte die Fremde an und mit einem kaum merklichen Nicken gab sie ihr Einverständnis. Yeno trottete zu der Frau, blickte sich kurz um, setzte sich dann neben der Fremden. Diese sagte nur zum Abschied, dass sie Ebana wiedersehen werde, wenn Ebana dafür bereit sei und verließ den Ort, zusammen mit dem Wolf.

Ihr war immer klar gewesen, dass der Tag einmal kommen würde, an dem sie der Wolf zurücklassen würde, doch das dieser Tag nun gekommen war, brach ihr Herz.

Ebana Mashnakh 08.08.2005 22:10

Die Stimme
 
Lange wälzt sie sich auf ihrem Schlaflager hin und her, da sie keinen Schlaf finden kann. Ihre Gedanken drehen sich ständig nur um Yeno. Sehr groß ist der Schmerz des Verlustes, dass es ihr die Brust einschnürt. Schlussendlich gibt sie den Versucht auf, doch endlich Schlaf zu finden, schmeißt die Decke zurück und erhebt sich. Mehrmals läuft sie im Raum hin und her, stößt sich dann schmerzhaft am Bücherregal und ruft in orkischer Sprache einen Fluch durch den Raum.

Wirft sich dann wütend den Umhang über und macht sich auf den Weg nach Britain, um dort in einer Taverne auf andere Gedanken zu kommen und bei der Gelegenheit, gleich ein paar Nahrungsmittel zu besorgen. Im Tala angekommen, findet sie die Taverne leer vor, bis auf einen einzigen Herren. Es dauert auch nicht lange und sie kommt mit diesen Herren ins Gespräch.

Nach einiger Zeit betreten drei Frauen die Taverne, scheinbar sind sie gute Freunde. Die eine Frau humpelte etwas und trägt einen Stab bei sich, der ihr wohl als Stütze dient. Die anderen beiden Damen sind Ebana bekannt und sie grüßt sie höflich. Es dauert nicht lange und diese, ihr unbekannte, Frau tritt an den Tisch heran und fragt, ob sie sich mit ihren Freundinnen mit dazu setzten dürfte.


„Kann das sein? Diese Stimme, die habe ich doch schon mal gehört!“ Ebana schüttelt ihren Kopf etwas, so als ob sie den Gedanken, der ihr gerade gekommen ist, wegschütteln wolle. Sie mustert die Fremde ununterbrochen, während sich alle, mittlerweile am Tisch sitzend, unterhielten. „Sie humpelt und trägt auch einen Stab bei sich, wie diese Frau, die Yeno mitgenommen hat. Kann das sein? Ja, ich bin mir sicher, sie muss es sein, auch wenn sie so übertrieben geschwollen redet, ihre Stimme muss es sein!“ Ebana blickte die Fremde, die sich als Kira Lobringen vorstellte, mit immer finsterer Mine an, so als wolle sie ihr damit zu verstehen geben, dass Ebana sie erkannt und durchschaut hat und sich ihren Namen ganz genau gemerkt hat. Ja, fast drohend.

Ebana nimmt kaum noch etwas anderes als Kira wahr. Sie hört den Gesprächen nicht zu, denn in ihrem Kopf wirren nur so die Gedanken herum, was sie tun sollte. Schließlich hält sie es nicht mehr aus und bricht überstürzt auf, sie musste sofort mit Marn sprechen.

Kira Lobringen 08.08.2005 23:02

Yeno's Sehnsucht
 
Kira bemerkte durchaus die Entsetztheit Ebana's, es war ein Spiel mit dem Feuer, vielleicht sogar ein Spiel mit ihren Leben doch sie musste es riskieren, diese Frau. Die Freundin von Yeno war bald schon bereit den ersten Schritt zu begehen auf einen Pfad der ihr Leben verändern wird, ihr Rudel ist bereit, der Ritualplatz, die Essenz Finrie's.

Yeno kannte selbstverständlich die Pläne seiner neuen Gefährten und er spielte mit. Er wolle Ebana nie schaden zu fügen, doch er wusste das sie ein Mensch ist, Fehlgeleitet von Dogmen ihrer Vergangenheit. Sollte es wahrlich gelingen Ebana zu lehren, dann könnte Yeno ihr näher stehen als je zuvor. Noch wenige Tage ...

Doch sollte sie sich weigern, könnte dies eine ähnliche Katastrophe mit sich bringen wie einst die Lykantrophen unter der Führung des verrückten Druiden. Doch so wie Yeno inzwischen seine alte Freundin kannte, dann wird sie dem Leben, der Natur in seiner ursprünglichsten Form sich nicht entgegenstellen. Der Instinkt pochte immer lauter in ihm ... er wande sich an seinen neuen Leitwolf, auch er wird dabei sein und ihn stützen. Bald wird er sein neues Leben mit allen Zügen genießen können.

Ebana Mashnakh 16.08.2005 20:13

?
 
Es traf sie wie aus heiterem Himmel, ohne Vorbereitung. Hörte es denn nie auf, wann findet Ebana endlich den Frieden und die Ruhe, die sie sich schon so lange ersehnt. War es denn nicht schon genug, dass kurz nach Kortans Heimkehr, Ebana direkt am Haus überfallen und beraubt wurde? Und reichte es nicht, das sie durch diesen Schock ohnmächtig wurde und für zwei Tage ihr Gedächtnis verloren hatte?

Nein, offentsichtlich nicht. Die Sticheleien der beiden Freunde, waren ihr nicht entgangen, auch nicht, dass sie der vermeintliche Auslöser war, blieb ihr nicht verborgen. Also sprach sie Kortan darauf an, ob er etwas gegen die Freundschaft zwischen ihr und Marn hätte. Nein, er wäre sogar froh darüber, denn auch Marn wäre sein Freund und wer könnte besser auf seine geliebte Ebana achten, als Marn.

Doch tags darauf, schien alles anders zu sein. Ebana hatte viel zu erledigen, sie wollte Holz hacken in dem nahe gelegenen Wald und als Marn zum Haus kam, lud sie in ein, ihr dabei Gesellschaft zu leisten, was diese ihr verhasste Arbeit erleichtern würde. Als beide voll beladen zum Haus zurückkamen und ihre Unterhaltung in der Werkstatt fortführten, kam Kortan und der Alptraum nahm seinen Lauf.

Kortan fing an sich zu betrinken, ohne ihrem Gast noch Ebana etwas anzubieten. Nach einer Weile hatte sie genug davon und stahl sich durch einen Vorwand aus dem Haus. Als sie nach einigen Stunden zurück kam, boten ihr die beide ein noch nie dagewesen Anblick. Sie stritten sich, sie teilten Beleidigungen gegen einander aus und der total betrunkene Kortan hatte wohl an der Hausecke, sein Essen und den Suff wieder zum Vorschein gebracht.

Ebana blieb bei den Pferden stehen, so dass sie nicht bemerkt wurde und verfolgte traurig dem Schauspiel, als Kortan dann wieder ins Haus torkelte, um dort mit Flaschen um sich zu werfen, machte sie sich gegenüber Marn bemerkbar. Er erzählte ihr was sich zugetragen hatte in ihrer Abwesenheit und das Kortan ihn, Marn, beschuldigte noch immer in Ebana verliebt zu sein und nur deshalb ihre Nähe und "Freundschaft" sucht.
Kurz darauf ging sie vorsichtig ins Haus, dort fand sie Kortan - betrunken wir er war, in voller Bekleidung auf dem Schlafplatz liegend vor. Sie räumte leise auf und schlich dann wieder aus dem Haus.

Im Laufe des darauf folgenden Gespräches mit Marn, wurde sie immer trauriger, denn was sie dort hörte, war einfach unfassbar. Er erzählte Ebana, dass Kortan wohl an einer anderen Frau interesse zeigt, ihrer Freundin ! und diese des öfteren bei Kortan zu Besuch sei, wenn Ebana nicht zu Hause wäre. Das allein reichte noch nicht, nein Kortan wäre deshalb so schnell mit Ebana zusammen gezogen, weil er nur eine Schreinerin gesucht hätte, die ihm das Haus kostenfrei einrichten würde.

Natürlich glaubte sie Marn dies alles, denn sie hatte ja selbst bei ihrer Rückkehr den Namen ihrer Freundin aus Kortans Mund gehört. Zuerst wollte sie gar nicht mehr nach Hause gehen und lieber wieder, wie früher, im Wald schlafen, doch dann - durch Wut und Zorn angetrieben, wollte sie Kortan sofort zur Rede stellen.

"Kortan, was ist mit dir los, warum redest du nicht mit mir, sondern betrinkst dich lieber?"
"Ich war nicht freundlich zu Marn, verzeih, doch ich war wohl eifersüchtig, weil er andauernd deine Gegenwart sucht." Blickt sie dabei eher fragend an.
"Gestern noch hast du mir gesagt, dass es dir nichts ausmachen würde und du eher froh bist, dass er mein Freund ist."
"Das stimmt, doch hast du mich noch nie gebeten, dir beim holzhacken zu helfen."
"Stimmt, doch hast du mir noch keine Gelegenheit dazu gegeben." erwiedert sie mit leichtem Unterton.
"Ebana," versucht dabei ihre Hand zu halten "ich liebe dich von ganzem Herzen, es hat mir nur weh getan, als ich davon hörte."
Als sie seine Worte hört, da brodelt es in ihr. "Bist du dir da auch ganz sicher, dass du mich liebst, denn was ich heute gehört habe, macht mich stutzig."
Plötzlich fällt er vor ihr auf die Knie und fragt laut: "Ebana Honen, willst du meine Frau werden?" Blickt sie dabei abwartend an. "Ist dir dies Beweis genug?"
Für einen Moment ist Ebana sprachlos. "Kortan, was soll ich sagen?" und sucht dann nach rechten Worten.
"Es gibt nur zwei Antworten, ja oder ..." Den Rest spricht er jedoch nicht aus.
"In diesem Augenblick, kann ich dir nur - nein - sagen." Antwortet sie ihm recht leise.
"Was hast du denn gehört?" Entgegnet er ihr, verstummt dann jedoch und rennt zur Tür hinaus.
Die Antwort die sie ihm nachrief, hatte er warscheinlich nicht mehr gehört.

Da saß sie nun, wusste weder vor noch zurück. Dann fasste sie einen Entschluss, holte ihr Buch heraus und schrieb einige Zeilen an Kortan, dass sie sein weglaufen (ohne sie zu Wort kommen zu lassen) so verstanden hätte, dass sein Heiratsantrag auch nicht ernst gemeint war und sie daraus Konsequenzen ziehen würde. Danach lief sie aus dem Haus und kam erst am nächsten Vormittag zurück, wo sie unter ihrer Nachricht, Zeilen von ihm vorfand, in dem er ihr mitteilte, das er für eine Weile weg sein würde. Sogar seine Schlafmatte war fort. Das reichte ihr endgültig. Sie hinterliess ihm eine weitere Nachricht, die er wohl erst finden wird, wenn er zurückkehrt, in dem sie ihm mitteilte, dass sie sich auf die Suche nach Yeno macht und da es hier nichts mehr gibt, was sie halten würde, wahrscheinlich auch nicht mehr wiederkommt.

Kortan Murar 17.08.2005 00:11

Nach der Abweisung
 
In jener Nacht da Kortan gekrängt und gedemütigt von seiner Liebtsen so unerwartet zurückgewiesen wurde.Rannte er an jenen Ort, wo alles mit ihr begann ,an jenen Baumstamm gelehnt,auf den sie sich näher kamen, schlief er in dieser Nacht.Es verging kein Tag an dem er nicht um sein Haus schlich und er wachte in dem wäldchen hinter dem Haus.Jede Nacht schlich er sich an das Fenster und warf Ebana einen Kuß durch das Fenster zu.Als er das wilde Pochen und Hämmern aus dem Hause hörte wurde er stuzig. Wieder kam er ans Fenster, diesmal am Tage und was er da sah überraschte ihn zusehnds.Ebana saß da, schreinerte Möbel, eine jede menge Möbel die Schweisperlen standen auf ihrer Stirn.Kortan lies sie keinen Augenblick aus den Augen und als sie wohl wieder nach Britain aufbrach, nutzte er die Gelegenheit. Er wartete ein kleines Weilchen bis Ebana auser sichtweite war dann schlich er ins Haus, um sich alles genau anzusehn . Aufmerksam betrachtet er alles streichte mit der Hand über die Bar die sie so fein gehobelt hatte, das nicht die kleinste Holzfaser davon abstand .Dann blickte er auf den Tisch, dort sah er das Buch, nahm es zur Hand und blätterte es durch bis zu dem neusten Eintrag in ihm.Langsam las er das, was Ebana dort zu Papier brachte als er zu dem Ende kam blickte er erstaunt auf die Unterschrift. Noch einmal überflog er den letzten Teil der Nachricht,als plötzlich die Tränen von seinen Wangen liefen, und das Buch an jener stelle tränkten. So sprach er dann zu sich in seinem geknickten Stolz: Ich muß noch mit ihr reden bevor ich sie ganz verliere.

Ebana Mashnakh 15.09.2005 03:37

Abschied
 
"Bin ich dein Freund oder er?" Dies waren Kortans Worte, die ihr das Herz endgültig brechen liess. "Ich bin für ihn nur eine Freundin." Sie weinte in ihren Wein und betrank sich zum ersten mal besinnungslos. Als sie am Morgen neben dem Tisch erwachte, kramte sie ihre wenigen Habseligkeiten zusammen, band diese auf ihrem Packpferd fest und schritt ein letztes mal durch das Haus. Ihre geröteten Augen brannten von den Tränen. Ebana strich mit den Finger sanft über seine geliebte Theke und holte dann mit letzter Kraft etwas zu schreiben.

Lieber Kortan,
Ich werde nun gehen, ich weiss du wirst es nicht verstehen. Weisst du was passiert, wenn die Liebe stirbt? Es schliesst sich eine unsichtbare Tür im Herz. Wenn Liebe stirbt - was soll dann noch sein? Und wenn ich jetzt geh, dann nur weil ich nicht lügen kann. Mein ganzes Leben wollte ich dir geben. Schau, die Asche unserer Träume ist noch ganz warm. Was wir beide fanden wird uns bleiben, frag nicht nach der Schuld oder dem Grund. Niemand nimmt uns die Erinnerung jemals fort. Und wenn ich geh, dann weil ich fühl, was du erträumst ist viel zu viel...
Meine Seele wurde mir genommen. Ich sollte lernen ohne nichts zu leben. Es ist so schwer, so aussichtslos, es tut weh. Meine Seele hat die Gefühle zurückgezogen, sterben lassen. Warum habe ich das zugelassen, warum habe ich nicht gekämpft? Ich habe nicht zugehört, habe nicht einmal mir selbst, meinem Inneren zugehört.
Lieber Kortan, durch meine Sturheit, meine Unwissenheit, meiner Scheu vor dir offen zu sagen, was mich quälte, habe ich alles zerstört, habe sogar meine eigenen Illusionen kaputt gemacht. Habe es sogar so weit getrieben, das ich seelisch krank geworden bin, kann nicht mehr schlafen, wache schweissgebadet auf, kann nicht mehr lachen, habe meine Orientierung verloren. Du bist mir weggetrieben - doch spüre ich dich. Die Wellen die du erzeugt hast, werden ewig um mich sein und mich auch in weiter Ferne wie durch dich berühren. Dem Ozean der Gefühle geht nichts verloren. Auch wenn ich verloren bin. Du brauchst jemand, dem du vertrauen kannst, mit dem du glücklich wirst, ich scheine nicht die Richtige dafür zu sein, deshalb gehe ich. Such nicht nach mir. Deine Ebana

Sie saß für eine Weile einfach nur da, unfähig sich zu bewegen. Als sie sich wieder etwas gefangen hatte, setzte sie noch zwei Briefe auf, in denen sie ihrer Freundin Lydia und ihrem treuem Freund lebwohl sagte, diese wollte sie später einem Boten mitgeben. Dann brach sie auf in eine ungewisse Zukunft.

Ebana Mashnakh 06.10.2005 09:30

Ruf des Herzens
 
Mit dem ganzen Rudel im Schlepptau zog Ebana los in eine ungewisse Zukunft, immer quer durch die Wälder, die Strassen meidend. Kein Laut war von ihnen allen zu hören, nur hin und wieder ein leises Seufzen, gefolgt von ebenso leisem Fiepen von Yeno.
Er, der wohl grösste und stattlichste Wolf weit und breit, folgte zusammen mit dem restlichen Rudel dieser Frau. Ebana trug wieder ihre alten Orkklamotten, welche sie vor einem Jahr bei ihrer Flucht vor den Orks getragen hatte. Schwarz wie die Nacht, durchseht mit vielen Löcher und wieder aufgerissenen Nähten, das sollte nun die Kleidung sein, mit der sie ihrer Zukunft entgegen gehen wollte.

Noch am selben Tag erreichte sie zusammen mit dem Rudel eine Lichtung, tief im Wald verborgen. Ein freudiges Geheul machte sich unter den Wölfen breit und sie wälzten sich im grünen Gras. Dies war ihr heiliger Ort, ein jeder könnte Spüren, der an diesem Ort verweilte, welch magische Ausstrahlung davon ausging. Hier nun legte Ebana sich ein letztes Mal unter ihre Wölfe, dicht an Yeno angekuschelt, die Hände in sein Fell gegraben. Leise vor sich hinschluchzend verabschiedete sie sich von der Welt, die sie kennen und lieben lernen durfte.

Am nächsten Morgen beschloss sie noch für ein paar Tage, die Freiheit geniessend, durch die Gegend zu ziehen und sich nahe der Sümpfe ein vorübergehendes Lager aufzuschlagen, bevor sie den schwerer Gang zurück zu einem der ihr bekannten Orklager antreten würde, um sich entweder von den Orken abschlachten zu lassen oder ihr restliches Dasein unter ihnen zu fristen.

Tief in Gedanken bemerkte sie zu spät, dass sie schon eine Weile auf der Strasse lief, welche sich über eine Brücke schlengeln und sie zu den Sümpfen bringen würde, als sie plötzlich von einem Mann und einer Frau angesprochen wurde, deren Gesichter sie besorgt anzusehen schienen. An vieles kann sie sich heute kaum noch erinnern, was dabei gesprochen wurde, doch muss sie den beiden Wanderern doch einen ziemlichen Schrecken versetzt haben, mit ihrem Aussehen und Verhalten. Denn obwohl sie den beiden total fremd war, sorgten sie sich um ihr Wohlergehen und waren zutiefst schockiert von ihr zu erfahren, das ihr endgültiges Ziel bei den Orken lag. Der Mann nahm seinen Umhang von seinen Schultern und legte diesen ihr um, denn die Nächte waren doch recht kühl und Ebana solle nicht unnötig frieren, wenn sie sich schon weigerte mit den beiden den Weg zurück nach Britain zu gehen.
Ebana kann sich undeutlich daran erinnern, den beiden Wanderer in wirren Worten von ihrem Herzschmerz erzählt zu haben und sie die beiden gebeten hat, ihrer Freundin Lydia eine Nachricht zu überbringen, bevor sie sich von ihnen abwandte, um stur ihren Weg zu folgen, den sie nunmal eingeschlagen hatte.

Fast eine Woche war nun vergangen seid ihrem Verschwinden. Die Zeit war nun gekommen, noch ein letztes Mal zu dem Wolfsrudel zu gehen und sich von ihnen für immer zu verabschieden, um dann den schweren, möglicherweise tötlichen Gang zu den Orken anzutreten.

Nach einem langen Fussmarsch kam sie wieder zu der Lichtung, dem heiligen und magischen Ort, bei dem sie das Rudel vor Tagen belassen hatte. Während sie freudig von dem Wölfen umringt wurde, suchten ihre Blicke nach Yeno unter ihnen, doch konnte sie ihn nirgends ausmachen. Ihr Herz schlug schneller und die Gedanken überschlugen sich, was war geschehen, warum war Yeno nicht hier. Wage Bilder drangen in ihr Bewusstsein von zwei Männer, die einen Wolf vor sich hertrieben. Sie suchte die Lichtung verängstigt nach Spuren ab und blieb dann laut schluchzend auf dem Grünen sitzen. Die Tränen liefen ihr den Wangen herunter und vermischten sich mit dem Staub und Dreck, was sie noch erbärmlicher aussehen lies.
Plötzlich hörte sie ein leises, fast zaghaftes "Ebana", ein paar Schritt vor ihr, sprechen. Sie blickte zu Marn auf, während die Wölfe ihn umringten und auf ein Zeichen von ihr warteten. Ebana schien kaum eine Bewegung oder einen Fingerzeig gemacht zu haben, doch verstand das Rudel ihren Wunsch und liesen Marn passieren ohne ihn gedoch aus dem Blick zu lassen.

Marn warf sich zu ihren Füssen, bettelte ja flehte sie regelrecht an, ihn nicht zu verlassen oder ihn mitzunehmen, egal wohin sie gehen würde, denn ohne ihr könne er sich ein Leben nicht mehr vorstellen. Sein Herz, seine Seele verlangte es nach ihr - er liebe sie über alles.
Ebana versuchte ihm zu erklären, während sie schluchzend an seiner Brust lag, das es unmöglich sei wieder zurückzugehen, da sie erwartete das einer von ihnen drei, möglicherweise sogar zwei von ihnen sterben würde, wenn sie es tat. Marn redete auf sie ein, versuchte ihr klar zu machen, das niemand sterben muss und wird, wenn sich jemand von dem anderen trennt. Die Menschen schlachten sich nicht gegenseitig ab, so wie es die Orken tun.
Wiederholt flehte er sie an, nicht zu gehen, sondern bei ihm zu bleiben. Mehrmals sagte er ihr, das er sie liebe, während auch ihm die Tränen herunter liefen. Zögerlich, wohl noch nicht recht glaubend, das ihr keine Gefahr drohen mag, nickte sie und blickte in seine Augen. Ja sie werde bleiben, da auch ihr Herz nach ihm verlangt und sie ihn liebe. Fest nahm er sie glücklich in die Arme, strich durch ihr zerzaustes Haar und küsste sie innig.

Ebana Mashnakh 02.11.2005 04:11

Von Verzweiflung bis zum h
 
Monate sind ins Land gegangen. Der Sommer liess sich langsam von einem bunten Herbst ablösen. Die Tage wurden kürzer, die Nächte kälter. Ebana sass in mitten des Wolfsrudel und liess ihre Gedanken schweifen, wie ereignisreich waren doch die letzten Monate. Wenn sie daran dachte, wie Lydia ihr den Kopf gewaschen hatte, nachdem Ebana aufgebracht an ihrem Tor gerüttelt hatte um ihren Yeno abzuholen und Lydia ihr vor Augen führte wie töricht ihre Flucht gewesen war, überkam ihr heute noch ein leichtes Schaudern vor Scham. Doch auch wenn Lydia im recht ernsten Ton mit ihr sprach, konnte Ebana spüren, wie sehr Lydia sie mochte und aus ihr nur Besorgnis sprach. Obwohl Lydia damals hoch schwanger war, umsorgte sie Ebana liebevoll, schickte sie in ihr Bad, wo sie sich ausgiebig waschen und aufwärmen konnte, während Lydia ihr reichlich zu essen zubereitete und ihr die so geliebte Milch hinstellte.

Nachdem Ebana langsam wieder ihre Arbeit aufnahm, überkam sie hin und wieder noch ein seltsames Gefühl wieder hier zu sein, da sie sich innerlich von allem verabschiedet hatte, war es doch irgendwie seltsam wieder in der Werkstatt zu sein. Doch am unbehaglichsten fühlte sie sich, wenn sie auch nur in die Nähe, der ihr damals so geliebten Gegend nahe Khazdurs kam.

Die Arbeit nahm langsam überhand, fast noch schlimmer als sie noch mit Kortan zusammen gewesen war. Es kam hin und wieder vor, das sie einfach in der Werkstatt die Nacht verbrachte, zu müde um in ihr neues Heim zu gehen. Zu dieser Zeit kam es, das Ebana noch einmal in den Wald ging, um noch ein wenig Holz zu schlagen, als sie ein heftiger Schlag auf den Kopf traf, sie taumelte und drehte sich dabei langsam um, ihr Blick erhaschte gerade noch die Umrisse von einem Mann in Kapuzenrobe, als sie ein zweiter Schlag seitlich in der Nackengegend traf. Sie ging zu Boden und verlor das Bewusstsein.

Der Mann musste sie etwas weiter in den Wald geschleift haben, denn als sie etwas später wieder zu Bewusstsein kam, war sie nahe am Wasser. Das Mondlicht spendete gerade genug Licht, um unter der Kapuze einen Bart zu erkennen. Dieser Mann streichelte sie am Hals und als er bemerkte das sie erwacht war, schlug er sie kräftig ins Gesicht, so dass sie abermals die Besinnung verlor. Das einzige was der Mann ihr gestohlen hatte, war ihr geliebtes Amulett. Weder der prall gefüllte Goldbeutel, noch sonst irgendetwas fehlte. Das liess natürlich Raum für Spekulationen, doch im Grunde liess es nur einen Schluss zu: es musste ein Mann aus ihrer näheren Umgebung sein, ein verschmähter oder zurückgewiesener Mann, der auf fast schon krankhafter Weise nur so ihre Nähe suchen konnte.
Schwer verletzt schleppte sie sich zurück zu ihrer Werkstatt und bracht in selben Moment zusammen, als Lydia ihr gerade einen Besuch abstatten wollte.

Wenn das noch nicht schlimm genug war, erhielt sie von Marn nicht das gewünschte Verständnis, es war ihr einfach unmöglich das Rudel allein zu lassen und sich zu Hause gesund zu pflegen, so verblieb sie Tagelang in der Werkstatt im Bett und nachts liess sie Yeno in das Haus, nur so fühlte sie sich sicherer.
Und so kam es wie es kommen musste; Marn war immer öffter ungehalten und machte ihr vorwürfe, sie würde lieber bei ihrem Rudel sein und arbeiten, als mit ihm die Zeit zu verbringen. Das alles hatte sie doch schon einmal gehört, es klang wie ein Echo aus vergangener Zeit. Doch diesmal verstand sie seine Aufregung nicht. Arbeitet sie nicht so hart, weil sie recht bald genug Gold sparen wollte, damit sich Marn und Ebana ein neues Haus bauen können? Und selbstverständlich brauchte ihr Wolfsrudel sie, einige besonders, da diese verwundet waren und sah er denn nicht, wie schlecht es ihr ging? Ihr Gesicht angeschwollen, von blauen Flecken überzogen und dann seine Eifersucht! Er war eifersüchtig auf Yeno!

Er hörte ihr nicht zu, nein er packte sich sogar ein paar Sachen und zog in ein Gästezimmer nach Britain. Das war wie ein Schlag ins Gesicht, in den Boden wollte sie versinken.
Noch am selben Tag suchte sie ihre Freundin Lydia auf und berichtete ihr, was geschehen war und bat sie inständig, nein eigentlich flehte sie Lydia an, sie möge nach Britain zu Marn gehen und mit ihm reden. Dies musste Lydia tatsächlich getan haben, denn am nächsten Tag klopfte es an der Werkstatttür, Ebana blickte über die Brüstung vom oberen Stockwerk. Sie fragte ihn, warum er denn nicht reinkomme, er habe ja einen Schlüssel. Er blickte zu ihr nach oben und sagte etwas kleinlaut, dass er sich nicht sicher sein könne noch willkommen zu sein, so wie er sich aufgeführt habe.
Stundenlang sprachen sie miteinander. Nie wieder wollten sie sich streiten, nie wieder etwas unausgesprochen lassen.

Ja, das war eine sehr schwere Zeit für Ebana gewesen. Sie kraulte gedankenverloren das Fell von Yeno als sie langsam zu lächeln anfing, bei der Erinnerung daran, wie sie das erste mal ein Menschenbaby in den Armen gehalten hatte. Zuerst hatte sie sich dagegen gesträubt, doch Lydia bestand darauf das Ebana ihren neugeboren Jungen in den Arm nahm. Verkrampft und ängstlich hielt sie ihn fest, ja fast zu fest und Lydia erklärte ihr dabei wie sie den kleinen Wurm halten sollte, ja sogar wie sie ihn wiegen solle. Doch war sie recht froh, ihn später wieder abgenommen zu bekommen. Das Baby kam ihr so klein und zerbrechlich vor, ganz anders als der Nachwuchs der Orks.

Marn und Ebana hatten es sich zur Angewohnheit gemacht, einmal täglich nach Britain zum Markt zu gehen, doch an jenem Tag wollten sie einmal durch den britainer Park schlendern. Marn war den ganzen Abend irgendwie nervös gewesen, doch sprach sie ihn nicht darauf an, sondern genoss einfach seine Gesellschaft.
Ihr Blick schweifte über den Teich und sie bewunderte die Seerosen, als er zu ihr meinte, noch ein Stückchen weiterzugehen, da er gern allein mit ihr sein möchte und deutete zu dem Pärchen auf der Bank in der Nähe. Also ging sie mit ihm etwas weiter durch den Park, bis sie eine ruhige und einsame Bank fanden, auf die sie sich hinsetzten.
"Ich wollte dir was sagen, Schatz. Deshalb wollte ich mit dir allein sein." begann er im gedämpftem Ton zu sprechen.
"Was hast du denn auf dem Herzen?" fragt sie mit einer Spur besorgnis. Plötzlich wirkt er noch nervöser.
"Du weit ja, dass ich dich sehr liebe und alles für dich tun würde. Ich finde es wunderbar zwischen uns beiden und ich wünsche mir einfach, dass es für immer so weiter geht." Greift dabei mit der rechten Hand in seine Hosentasche und umschließt etwas mit der Hand, zieht es heraus, zeigt es ihr jedoch nicht.
"Und ich hoffe einfach, dass du und ich uns noch näher kommen als bisher schon."
"Ja, das wünsche ich mir auch von ganzem Herzen." spricht sie noch leiser und sieht wie Marn von der Bank rutscht und sich vor ihr hinkniet, dabei streckt er ihr die Faust mit dem Gegenstand entgegen und öffnet die Hand langsam, so dass ein Ring zum Vorschein kommt. Ebana blickt ihn überrascht an.
"Ebana Honen, es wäre mir eine Freude und eine Ehre, wenn du meine Frau werden würdest!" Er blickt sie unsicher an und die Hand mit dem Ring zittert ein wenig. Sie berührt langsam mit ihrer Hand ihr Herz und muss nach Luft ringen. Ihre Augen beginnen zu leuchten, fast könnte man meinen Sterne funkeln darin. Je länger Marn auf ihre Antwort wartet, desto mehr zittert seine Hand. Langsam nähert sich ihre Hand der seinen. Man kann ihr deutlich die Aufregung ansehen, ihr Atem geht schneller und mit mit zittriger Stimme antwortet sie leise: "Ja, ich will." Strahlt ihn glücklich an, während er sogleich versucht den Ring an den passenden Finger zu stecken, ihre Hand zittert nun genauso vor Nervosität wie vor wenigen Augenblicken noch seine.

Ebana Mashnakh 08.12.2005 14:41

Die Wanderung
 
Kalt war es, der Wind pfiff selbst durch die warme Winterkleidung und doch machte sich Ebana mit ihrem Rudel auf. Es war nicht nur der Wunsch, die verstreuten Wölfe des Rudels wiederzufinden, nein etwas drang in ihr. Was es genau war, konnte sie nicht in Worte fassen.

Ohne eines bestimmten Zieles, stapfte sie durch den Schnee hinter den Wölfen her. Obwohl es ein sonniger Tag war, strahlte die Sonne keine Wärme ab. Plötzlich verharrte Yeno. Ebana hielt genauso aprubt an und folgte mit den Augen seinem Blick. Als sie erkannte was ihn so aufmerksam werden liess, begann sie zu schmunzeln.

Lange waren sie nicht mehr so ausgiebig unterwegs gewesen, seitdem Jäger jagd auf das Rudel gemacht hatten und viele Wölfe den Tod fanden, waren andere verletzt oder gar verschollen. Trauer in ihren Herzen hatten sie träge gemacht, auch die Verletzungen wollten lange Zeit nicht richtig heilen. Als Ebana mit ihnen loszog, spürten sie seit langem wieder etwas, was sie schon verloren glaubten. Und so tollten sie in dem Schnee, wie Welpen, die ihren ersten Winter erlebten. Mit den Nasen fuhren sie in die Schneedecke und wirbelten diesen auf, jagden hinter kleinen Tieren her, die sich kurz aus ihrem Bau trauten, nicht um sie zu töten, nein des Jagdtriebes wegen. Sie preschten hinter ihnen her, versuchten den Zickzackkurs zu folgen, um kurz darauf von ihnen abzulassen und sich gegenseitig zu fangen.
Ebana lachte herzlich bei diesem Anblick der Ausgelassenheit. Sie griff mit ihren behandschuhten Händen in den Schnee, formte ein paar Schneebälle und warf sie zu den Wölfen und freute sich fast diebisch, wenn sie traf. Dann rannte sie los und liess sich von den Wölfen verfolgen. Ein unbeteiligter Zuschauer dieser Szenerie hätte womöglich das Schlimmste angenommen, als dieser grosser Wolf, Ebana von hinten ansprang und sie dadurch zu Boden riss. Sie fiel mit dem Gesicht in den Schnee, rollte sich herum und kraulte lachend Yenos Fell.

So wanderten sie tagelang durch die Wälder, nachts schliefen sie in selbstgebuddelten Schneelöcher, so der Witterung nicht gänzlich ausgesetzt. Am nächsten Morgen war sie erschrocken und erstaunt zugleich, das sie alleine war, das Rudel hatte sie alleine gelassen. Während sie noch verzweifelt versuchte ihren Spuren zu folgen, trabte bereits einer der Wölfe auf sie zu. Freudig begrüssten sie sich, nach Wolfsart. Ebana wusste nicht genau warum, aber sie hatte plötzlich das Gefühl, sie müsse sich umdrehen. Was sie sah, wollte sie kaum glauben. Ungläubig starrte sie zu Yeno, der stolz neben zwei verschollenen Wölfen aus dem Rudel stand und obendrein sogar auf der Jagd gewesen war, denn vor ihm lag ein erbeutetes Tier.

Ebana Mashnakh 21.12.2005 03:36

Finn und seine Wolfsfreundin Felia (14. Nugor 128
 
Yeno war der Erste, der die beiden bemerkte, ein Grollen entfuhr seiner Kehle. Ebana musterte den Mann und die Wölfin, rief das Rudel zu sich und war fast über sich selbst erstaunt, als sie fragte: "Wer seid ihr und ist die Wölfin eure Freundin?" Als die beiden sich langsam vorstellig wurden, beschnüffelt Yeno das Wolfsweibchen Felia und dann den mit Staub und Schmutz bedeckten jungen Mann. Die Wölfe schienen sich gleich auf Anhieb zu mögen, was nicht unbedingt verwunderlich war, da Felia ein wunderschöne Wölfin war.

Ebana und Finn setzten sich ins Gras, während das Rudel um sie herum spielte. Ein paar wage Andeutungen hier, eine Geste dort, Ebanas Neugier war geweckt, sie musste herausfinden, warum der Mann der Meinung war, ihren Familiennamen schon einmal gehört zu haben, in seiner Kindheit. Doch es konnte ja nicht sein, da sie ja erst seit etwas mehr als eineinhalb Jahren hier sei.

Genau kann sie es nicht mehr sagen, ob sie ihn danach fragte, oder ob er allein zu erzählen anfing, doch als sie es hörte, wurde ihr Gesicht blass und sie starrte ihn fassungslos an. Hatte er ihr gerade gesagt, er stamme aus Lorkrum? Aus ihrer Heimat? Konnte es sein?

Seit ihrem fünften Lebensjahr war sie nicht mehr dort gewesen und nur Marn verdankte sie, dass sie überhaupt davon erfuhr, dass Lorkrum der Ort war, aus dem sie aus ihrer Kindheit gerissen wurde, als die Orks sie als scheinbar einzige Überlebende verschleppten. Finn und Ebana verloren zu jener Zeit beide auf bestialische Art und Weise ihre Eltern und Geschwister.

Ebana Mashnakh 24.12.2005 04:28

Tiko, der Schreckenswolf
 
Nur noch schnell ein paar Hölzer schlagen im nahe gelegenen Wald, dauert doch nicht lange, dachte sie so bei sich und ging wieder einmal ganz allein, obwohl es bereits dunkelte. Gedankenverloren schritt sie durch den Wald, als sie ein Knurren hörte, das ihr die Haare zu berge stehen ließ. Bewegungslos verharrte sie auf der Stelle und sucht die nähere Umgebung mit dem Blick ab, um die Quelle des Knurrens auszumachen.

Keine fünf Schritt entfernt stand er. Eine grausige Erscheinung, verdreckt mit Blut war sein Fell, das offensichtlich schon mehrere Tage dort anhaftete, auch machte er überhaupt einen sehr dreckigen Eindruck. Ihre Augen trafen sich und der Kampf begann, wer hatte wohl den längsten Atem, Ebana oder er. Wer schaut zuerst weg? Ein tiefes Knurren entfuhr abermals der Kehle des Wolfes und Speichel tropfte zu Boden.

Lange verharrten beide in diesem Machtkampf, bis der Wolf langsam aufgab. Es war nicht ihr Sinnen nach Oberhand, sondern der pure Überlebenswille, der sie dazu veranlasste. Entweder sie schaffte es oder er würde sie töten, so viel war klar. Wie lange es dauerte, konnte Ebana später nicht mehr genau bestimmen, doch dann klemmte Tiko, wie sie ihn fortan nannte, seine Rute ein und kam mit gesenktem Kopf auf sie zu.

Einige Stunden verbrachten die beiden miteinander. Er folgte ihr überall hin, bis sie zum Rudel kamen. Yeno und die anderen waren überhaupt nicht begeistert von Tiko, nur mit Müh und Not, gelang es Ebana Tiko aus der Gefahrenzone zu locken. Beim Rudel konnte er also nicht bleiben. Eine andere Lösung musste her…

Ebana Mashnakh 24.12.2005 05:05

Das Wiedersehen mit Kortan (23. Nugor 1288)
 
Es war bereits Dunkel als sie nach Britain ritt, um noch schnell etwas bei Riane zu kaufen. Im Nebenraum vernahm sie Stimmen, doch war es ihr nicht möglich eine von ihnen zu erkennen, zumal sie auch nicht gerade darauf achtete.

Nachdem sie von Riane alles bekommen hatte, verstaute sie dies in ihrem Rucksack und öffnete die Tür. Sie öffnete sie weiter als von ihr beabsichtigt und verfehlte den Mann der dahinter stand nur um Haaresbreite. Sofort fuhr er sie an, was das soll. Sie fuhr erschrocken zusammen und stammelte eine Entschuldigung hervor als sie erkannte, wen sie da gerade die Tür fast vor dem Kopf geschlagen hätte – Kortan.

Aus ihrem Gesicht wich jede Farbe, denn auch er erkannte sie sofort. „Du?“ Schrie er sie an. Da war er nun der Moment, vor dem sie sich so lange gefürchtet hatte. Obwohl sie davon ausging, dass er damals wohl froh gewesen war, sie los zu sein, da sie nie hörte, er hätte nach ihr gesucht oder wäre sonst wie in Sorge gewesen, fürchtete sie sich vor dem ersten Wiedersehen mit ihm.
Er murmelte ein paar arkane Worte. Er wird doch nicht etwa? Nein, nichts geschah. Zornig blickte er sie an. Ebana stammelte, dass sie lieber weitergehen werde, er müsse dann ihren Anblick nicht länger ertragen. Doch als sie sich gerade abwenden wollte, erwiderte er: „Du kannst ruhig bleiben. Du bist nichts mehr als Luft. Luft, die ich nicht sehe, die ich nicht rieche und auch nicht höre.“ Die Worte sind voller Zorn und jedes einzelne Wort verletzt sie tief. Als er dies bemerkt, knurrt er leise: „Gut.“ Sie starrt ihn an und ringt um Fassung.

Jetzt wäre der Moment gekommen für die Zaubertränke, die sie noch tags zuvor von Marn als Geschenk, für eben jene Situation bekommen hatte, doch der Beutel mit den Tränken lag zu Hause. Zorn kam nun auch in ihr auf und sie blickte ihn mit wilden Augen an: „Du warst daran selbst schuld!“ Wendet sich von Kortan ab und ging zu ihrer Stute. An sie gelehnt, holte sie tief Luft und wischte sich über die Augen, um die aufkommenden Tränen sofort wegzuwischen. „Erst treibt er mich fort und nun das.“ Ebana schwingt sich in den Sattel und treibt das Pferd an. Ganz dicht reitet sie an Kortan vorbei, so dass er von dem Pferd hart gerempelt wird, sie hört ihn noch auffluchen und etwas sagen, wie: „So eine Unverfrorenheit!“ Worauf sie nur murmelt: „Luft bereitet keinen Schmerz.“

Erst kurz vor ihrem Heim zügelt sie die Stute Ondiu, bringt sie in das Gatter zu den anderen Pferden und will dann gerade ins Haus gehen, als sie Tiko umherschleichen sieht. Mit einem kleinen Wink ruf sie ihn zu sich: „Du kannst hier nicht bleiben, was mach ich nur mit dir… Im Moment möchte ich dich am liebsten zu Kortans Haus bringen, dort könntest du vor dem Hauseingang herumschleichen, ob Kortan dann immer noch zu mir so gemein wäre?“ Seufzend schüttelt sie den Kopf. „Komm, ich bring dich zurück in den Wald.“

Ebana Mashnakh 31.12.2005 03:43

Auf dem Weg zum Ritualplatz
 
Ganz in der Früh machte sich Ebana mit dem Wolf Tiko auf den Weg zum Ritualplatz. Für einen Wolf war er einfach zu blutrünstig, niemand duldete er in seiner Nähe ausser Ebana.

Der nahegelegene Wald war auf Dauer auch keine wirkliche Lösung gewesen, wie oft schlich sich Tiko zum Haus, knurrte und fletschte die Lefzen wenn er sich dem Rudel näherte. Ein grosses geheult war jedesmal die Folge, das Ebana immer aus dem Schlaf riss und sie sich leise und heimlich aus dem Haus schleichen musste, um Tiko wieder zurück in den Wald zu bringen. Doch war sie froh, dass Marn so einen tiefen Schlaf hatte und davon nichts mitbekam.

Am Mondtor von Khazdur angekommen, wendete sie sich mit wildem Blick kurz von dem Weg, um einen kleinen Abstecher zu Kortans Haus zu machen. Vor dem Haus angekommen, flüsterte sie zu Tiko: "Ich bin so kurz davon, dich hier vor seinem Haus wachen zu lassen..." Krault ihm über seinen Kopf und seufst dann tief. "Doch das wäre dir gegenüber nicht richtig." Also deutete sie mit dem Kopf ein kurzes seitliches Nicken an und Tiko folgte ihr.

Wieder auf der Strasse folgten Beide jener entlang nach Süden und verschwanden dann irgendwo in den Wald hinein. Tiko lief mit stolz erhobener Rute hinter ihr her, seine Augen suchten dabei die Gegend ab. Als er einen Hirsch erblickte, blieb er kurz stehen, als überlege er, ob er diesen wohl reissen solle, unterliess es dann aber.

Ein paar Schritte vorwärts raschelte das Unterholz verdächtig. Ebana blieb stehen, als zeitgleich hinter ihr Tiko ein lautes, grollendes Knurren erklingen liess und er lospreschte. Sie rannte hinter ihm hinterher und wäre sie nicht über eine Wurzel gestolpert und hingefallen, dann wäre sie wohl dem Ettin direkt in die Arme gelaufen. Tiko tänzelte um dieses Ungetüm herum und aus seinem Maul tropfte der Geifer. Ebana rappelte sich wieder auf und rief nach dem Wolf. Sie wartet nicht auf ihn, sondern rannte los, so schnell sie ihre Füsse trugen. Nach einer Weile, hörte sie hinter sich gehechel und schon rannte Tiko neben ihr her.

Dort war die Lichtung mit dem Steinkreis. Ebana setzte sich in diesen Steinkreis und begann leise, bittenden Worte zu Finrie zu sprechen, nur hin und wieder konnte man Tikos Namen vernehmen.

Ebana Mashnakh 08.03.2006 15:15

10. Glarim 1288 - Es wird geheiratet
 
Es war ein schöner Sommertag, kein Wölkchen verdeckte den blauen Himmel, nur ein leiser, sanfter Windhauch fuhr Ebana über ihre Haut. Ganz in Weiß gekleidet, mit kunstvollen Verziehrungen am Umhang, war sie womöglich mit abstand die weißeste Braut, die man je gesehen hatte. Ihr langes, leicht gelocktes schneeweißes Haar schmiegte sich fast liebkosend ihren Rücken entlang. Nur ihr von Natur aus leicht gebräunter Teint mit den giftgrünen Augen bildeten einen farblichen Kontrast zu dem vielen weiß.
Doch trug sie weder ein weißes Brautkleid, noch einen Rock wie es üblich gewesen wäre. Hauteng waren ihre Hose und ihr Oberteil.

Marn hingegen war im satten, dunklen Grün gewandet. Sein langes, hellblondes Haar trug er offen, so wie Ebana es gern mochte und er es stets zu tragen pflegte, wenn die beiden allein waren. Elegant und vornehm wirkte er, in seinen grünen Augen strahlten deutlich die Freude und das Glück, dass er in wenigen Augenblicken seine Ebana ganz für sich gewinnen würde, sie ihn heiratet.

So saß Ebana neben dem Steinkreis Hand in Hand mit Marn und Thi, der Schamanin, umgeben von einem großen Rudel Wölfe. Yeno, der stattlich anzusehende Wolf – größer als jeder andere und mittlerweile Rudelführer, saß nahe des Brautpaares und seine Blicke ruhten auf ihnen. Ein paar Schritte abseits schaute Lydia mit staunendem Blick über die Schar der Wölfe.

„So seid mir willkommen ihr Kinder der Wölfin.“ Die Stimme der Schamanin klang tief, nicht sonderlich laut und doch durchdringend. „Auch in den zukünftigen Tagen, werdet ihr in der Mitte des Rudels sein. Es wird für euch Sorgen und ihr werdet für es sorgen, ebenso werdet ihr für einander sorgen, seid ihr euch der Verantwortung bewusst?“ Durchdringend sah sie beide nach einander an.
„Ja, gesegnete Schamanin, dem bin ich mir bewusst und wenn nötig werde ich mein Leben für das Rudel geben!“ Ebana richtete dabei ihre Augen auf die Wölfe und blickte jeden einzelnen nacheinander an, als gäbe sie jedem persönlich dieses Versprechen.
„Dem bin ich mir bewusst, werte Schamanin.“ Nachdem auch Marn geantwortet hatte, schien es für einen Moment als würde ein zufriedenes Lächeln über This Gesicht huschen.
Immer wieder schauten sich Marn und Ebana an, als wollen sie sicher gehen, dass der andere noch da ist und es kein Traum war.
Die Schamanin schloss die Augen. Leise bewegten sich ihr Lippen wie zu einem Gebet, sie strahlte dabei Ruhe und Geborgenheit aus. Eine kleine Ewigkeit verging, als Thi plötzlich laut zu sprechen anfing, während fast gleichzeitig der Wind in den Baumwipfeln stärker wurde.
„Höre große Mutter! Höre uns, die wir hier versammelt sind und um deinen Segen bitten. Höre unser Gebet und unsere Schwüre und sieh aus unseren, dass Wahrheit in dem liegt was wir beten und schwören. Zwei sind hier, um aus ihren Wegen einen einzigen Weg zu machen und eine ist hier um zu bezeugen was sie sieht und hört.“ Ebana blickt lächelnd zu Lydia hinüber, ihre kühlen Hände zitterten leicht und immer fester drückte sie Marns Hand.

„Und so frage ich dich Ebana, willst du deinen Schwur Marn und dem Rudel geben, treu zu bleiben was immer es erfordert und ihm zur Seite zu stehen, wann immer du gebraucht wirst?“ Es scheint als hielte Marn den Atem an bis Ebana antwortet. „Ja, ich will.“ Überglücklich lächelte er sie an, während Ebanas Wangen, wohl vor Aufregung, leicht erröteten.
„So frage ich auch dich Marn, willst du deinen Schwur Ebana und dem Rudel geben, treu zu bleiben, was immer es erfordert und ihr zur Seite zu stehen, wann immer du gebraucht wirst?“ Den Blick lächelnd auf Ebana gerichtet, sprach er mit fester und deutlicher Stimme. „Ja, ich will!“ Thi führte die beiden Händen des Brautpaares zueinander und blickte dann zu Lydia, die auf ihrem Schoss eine kleine Schatulle fest umschlossen hielt. „Willst du nun diesen Bund bezeugen, in Stellvertretung für das Rudel und als Erinnerung an die Versprechen, die heute hier geben wurden?“
Bekräftigend nickte sie zu den Worten „Mit Freuden!“ Ein zufriedenes Lächeln huschte über This Lippen, als sie von Lydia ihren Blick zurück zu Marn und Ebanas Händen wendete. „So ist es nun Zeit für euch zu sprechen, bevor ich den Segen über eure Verbindung spreche.“
Ebana blickte in Marns grünen Augen und hob mit leicht zittriger Stimme an zu sprechen.
„In meinem Herzen tobt ein Beben. Du bist der Sinn in meinem Leben. Als ich dich das erste Mal sah, da wollte ich dich nur kennen lernen, als ich dich das erste Mal küsste, wusste ich, ich würde dich niemals mehr gehen lassen. Du wirst für immer in meinem Herzen sein. Niemals werde ich von dir gehen. Ich werde dich mein ganzes Leben lieben und will dir all meine ganze Liebe geben! Es gibt Menschen, die träumen davon, nach Sternen zu greifen. Ich dagegen habe schon einen gefangen… Du bist mein Stern! Ich liebe dich Marn!“ Während ihrer Worte lächelte Marn fortwährend und streichelte mit seinem Daumen über ihren Handrücken.

Ebana löste eine Hand, um sich von Lydia den Ring reichen zu lassen, den sie Marn sogleich auf seinen Ringfinger schob. Kaum saß der Ring auf seinen Finger begann Marn sein Gelübde vorzutragen.
„Ebana heute ist der glücklichste Tag meines Lebens und ich bin froh, dass du an meiner Seite bist. Als ich noch ganz klein war, ging ich von meiner Familie fort und bis heute hatte ich keine Familie. Doch seit langem habe ich dich und jetzt ist das Rudel und vor allem du meine Familie, mein Ein-und-Alles, mein Schatz. Ich werde dich schützen und ehren. Ich liebe dich von ganzem Herzen.“ Noch während er sprach griff er vorsichtig mit ebenso leicht zittrigen Fingern nach dem Ring in der Schatulle, die Lydia ihm hinhielt, hob sanft Ebanas Hand an, um ihr den Ring auf den Finger zu stecken.
Zufrieden lächelnd blickte Thi den beiden zu, hob dann ihre Hände leicht an, die Handflächen den beiden zugewandt. Leise begann sie zu sprechen, dann langsam wurde sie immer lauter, bis man deutlich sich immer wiederholende Segensformeln verstehen konnte. „So segne diese hier geschlossene Verbindung, auf das ihre Schwüre dir würdig sind und nehme diese, deine Kinder in dein großes Rudel auf. Lass aus dieser Verbindung Früchte wachsen.“ Aus Erleichterung, Freude, Glück und um den Schwüren Nachdruck zu verleihen, küssten sich nun endlich Marn und Ebana und besiegelten damit ihre Verbundenheit und Liebe zu einander.

Ebana Mashnakh 28.03.2006 01:13

14. Ranox 1288 - Graubart der Veteran
 
Ausgelassen tobten Yeno und Ebana über das Gras vor dem Haus. Wie liebte sie es doch, frei und ungezwungen zu spielen. Den stattlichen und imposanten Wolf in sein Fell zugreifen, ihn spielerisch anzuknurren und ins Ohr zu beißen, dann flugs wegzurennen und sich von Yeno einfangen zu lassen, um sich mit ihm dann auf den Boden zu wälzen und zu lachen. So spielten und tobten sie nun schon eine Weile herum, als sie ihn wiederholt aufforderte: „Fang mich doch!“ Schnell rannte sie los. Natürlich wusste sie, dass sie keinerlei Chance hatte, diesen Wettlauf zu gewinnen und doch bereitete ihr das viel Vergnügen.

Mitten in ihrem Spurt, erblickte sie den Barden Yael Calesse, der erstaunt nahe dem Haus stand. Abrupt blieb sie stehen. Yeno, der noch im vollem Spurt war, sprang sie von hinten an und riss sie zu Boden. Grinsend raunte sie Yeno zu: „Das ist unfair!“ Langsam wand sie sich unter ihm auf den Rücken, kraulte ausgiebig mit beiden Händen sein Fell. „Alles in Ordnung?“ Hörte sie Yael mit erschrockener Stimme fragen. Ebana bog ihren Kopf in den Nacken, um so besser zu dem Barden blicken zu könne. Mit knappen Worten versicherte sie ihm, dass er sich keine Sorgen zu machen bräuchte, der Wolf und sie würden nur mit einander spielen. Jedoch sollte er ruhig stehen bleiben und keine hektischen Bewegungen unternehmen.

Neckend kitzelte Ebana mit dem Fingernagel an Yenos Fuß, zog kurz darauf ihre Hand wieder fort, um sogleich ein engelsgleiches, unschuldiges Lächeln aufzusetzen. „Ich war das nicht!“ Der Wolf schüttelte sein Bein, als müsse er einen ganzen Staat von Ameisen aus seinem Fell verscheuchen. Liebevoll streichelte sie dem Wolf über Ohr und Augen, während sie wiederholt mit der anderen Hand ihn kitzelte. Keinen Wimpernschlag später und ihre Hand war umschlossen von spitzen Zähnen. Yeno kannte dieses Spiel, doch den beobachtenden Barden erschreckte dieser Anblick sehr.

Eilig kam er einige Schritte auf die beiden zu und brüllte Yeno an, wobei Yael mit den Armen wild wedelte. „Fort mit dir!“ Doch stattdessen Ebana Schmerzensschrei von sich gab, lachte sie ausgelassen und herzlich. „Nicht Yael.. keine Sorge... er beißt nicht zu... es ist ein Spiel!“ Wenn sie nicht schon am Lachen gewesen wäre, so hätte sie spätestens jetzt zu Lachen angefangen, als der Barde vor sich hin knurrte und langsam zurückwich.

Sanft und doch bestimmend schob Ebana den großen Wolf beiseite und befreite ihre Hand aus seinem Maul, als sie ein paar Schritt entfernt Tronkir mit einem Wolf erblickte. Mit einer kleinen Geste gebot sie Yeno dort zu warten und schritt langsam auf Tronkir und den wohl recht alten Wolf zu. Schwach und abgemagert schaute er aus. Sein Fell verfilzt und von Disteln übersät.

„Dies ist der Alte, von dem ich vorhin berichtete. Ziemlich aggressiv und offensichtlich krank.“ Berichtete Tronkir sichtlich erschöpft und deutete dabei auf des Wolfes Maul. Nicht nur Tronkir schien erschöpft, auch Graubart, wie er später genannt wurde, war am Ende seiner Kräfte, nur dumpfes grollendes Knurren ging von ihm aus, die Lefzen dabei Furcht einflössend hochgezogen.

Wie auch vor einigen Monden bei Tiko, hielt sie den Blickkontakt zu Graubart starr fest. Nichts durfte dies unterbrechen. Auch wenn es Ebana jedes Mal widerstrebte, ihren Willen einem Wolf aufzuzwingen, so war es wieder einmal nötig. Wie könnte sie sich sonst um den kranken Rüden kümmern. Schritt für Schritt näherte sie sich unaufhörlich dem alten Wolf, dabei fortwährend flüsternd.
„Ich bin mit meiner Heilkunst am Ende.“ Wie aus weiter Ferne drangen Tronkirs Worte zu ihr. Ebanas ganze Konzentration galt Graubart.
„Ist das Tier gefährlich?“ raunte Yael fragend zu Tronkir.
„Das ist zu erwarten!“ Mehrfach nickte er zu seinen Worten, während sich Ebana, trotz des leisen warnenden Knurrens, weder den Blickkontakt unterbrechen lies, noch sich am näher kommen hindern lies.
„Gebt lieber Acht, er ist verletzt und alt. Eine böse Mischung!“
„Könnt Ihr es ruhig stellen? Vielleicht kann ich helfen...
„Oh, ruhig ist er und kraftlos.“ Langsam blickt er nun zu Yael. „Aber ich denke, Ebana weiß rat.“
Sehr langsam näherte sich ihre Hand seinem Fell, für einen Moment mag es so ausgesehen haben, als würde der alte Wolf nun angreifen. Doch im selben Augenblick lies sie ein lautes, bestimmendes Knurren ertönen und ihre Finger kraulten eine ganz bestimmte Stelle am Graubarts Nacken. Yael warf Ebana einen überraschten und beinahe bewundernden Blick zu.
„Ebana, kannst du das Vieh ruhig halten? Vielleicht kann ich die Schmerzen lindern.“
„Ja.“ Erwiderte sie recht knapp und leise. „Doch mach jetzt keine hektischen Bewegungen.
„In Ordnung. Ich muss nur ein wenig näher heran.“ Vorsichtig fast fließend langsam nahm Yael eine geduckte Haltung an. Seine Hände ein wenig erhoben, nähert er sich dem Wolf. Tronkir unterdessen, stand ruhig und gelassen da und beobachtete die drei.

Ebana massierte kraulend Graubart weiter und musterte seine Verletzung.
„Sein Atem riecht faulig.“ Stellte sie fest. Yael mittlerweile recht nah an den beiden, wisperte Ebana leise zu: „Denkst du er lässt sich von mir berühren, ohne meine Hand mir zu nehmen?“
„Nein! Warte!“ Leise sprach sie auf Graubart ein, doch schienen ihre Worte für die beiden Männer unverständlich zu sein. Den Kopf einen deut schräg, schloss sie die Augen. Sekunden vergingen, kein Laut war zu hören, weder von dem Wolf noch von den beiden anderen.
„Oh ja!“ Meinte sie schließlich sicher. „Ich weiß es jetzt.“
„Was?“ Fuhr es neugierig aus Yael. Voller Mitleid sah Ebana zu Graubart. „Er hat Zahnschmerzen!“
„Wir könnten ihm eine über den Schädel ziehen! Und den Zahn ausreißen, wenn er bewusstlos ist.“
„Bist du toll?“ Fuhr sie Yael entsetzt an. „Betäuben ja, doch keine zusätzlichen Schmerzen zufügen.“
„Verflucht! Ich bin doch kein Heiler. Ich kann seine Schmerzen lindern, aber den Zahn nicht heilen.“ Für einen Moment blickt sie Yael überlegend an.
„Nimm ihm den Schmerz, ich hole den Zahn!
„Aber ich muss ihn dazu berühren, möglichst nahe an der Schnauze.“
„Mhh… gut gib mir deine Hand.“ Sogleich reichte er ihr seine linke Hand. Langsam führte sie seine näher zu Graubart, wobei sie Yael Hand am Handrücken hielt. Vorsichtig und behutsam drückte sie seine Hand in das Fell. Schwer hüpfte Yael Kehlkopf unter einem trockenen Schlucken, während seine Augen angespannt auf den Wolfskopf gerichtet waren.
„Er spürt deine Angst, du darfst keine haben!“ Raunte sie ihm leise zu.
„Leicht gesagt!“ Erwiderte er fast knurrend und atmete geräuschvoll aus. Für einige Sekunden schlossen sich seine Augen, während sich seine Fingerspitzen langsam und sanft durch das struppige Fell streichelten, woraufhin Ebana seine Hand los lies.

Yaels Zungenspitze fuhr befeuchtend über seine Lippen und begann dann sehr leise eine ruhige, langsame Melodie zu summen. Graubart sich der Situation wohl ergebend, setzte sich auf seine Hinterpfoten. Er schien ruhig und entspannt zu sein, wenn auch seine Augen dunkel und finster zu Ebana und Yael blickten.
„Yael, er ist soweit. Sing!“ Forderte sie ihn ruhig auf. Tronkir, der noch immer etwas abseits alles verwundert beobachtete, ließ kein Laut von sich.

Noch einmal hielt der Barde im Summen inne, während er geräuschvoll durch die Nase Luft holte, dann steigerte er langsam die Lautstärke und die Leidenschaft der Melodie. Auch wenn die Melodie sie abzulenken versuchte, so ließ sie sich nichts anmerken, streichelte stattdessen über Graubarts Kopf, während sie sich mit der linken Hand seinem Maul näherte. Yael schien sich selbst durch seine Melodie zu entspannen. Er sang immer deutlicher.

Ebana öffnete langsam, aber doch bestimmend sein Maul, schob ihre ganze linke Hand quer über seine Zunge. Umfasste dann fest sein Maul, jedoch so weit hinten, dass es Graubart kaum möglich war, sein Maul zu schließen. Seine hinteren Backenzähne bohrten sich ein wenig in ihr Fleisch, doch wusste sie, wenn sie gut festhielt, würden keine weiteren Schmerzen auf sie warten, da er aus diesem weit geöffneten Maul nicht die nötige Kraft aufbringen würde können, um selbigen zu schließen.

Yael streichelte dem Tier nun sanft das Fell um die Schnauze herum und steigerte den Gesang. Deutlich konnte man nun den faulen Zahn am vorderen Unterkiefer erblicken. Mit der freien, rechten Hand schob sie Graubarts Unterlippe und Lefzen beiseite, kurz berührte sie dabei die schmerzende Stelle. Leise fiepte er mehrfach auf. Auch wenn der Drang in ihr nun immer größer wurde, den Wolf loszulassen, ihn nicht weiter zu schmerzen und zu verängstigen, so wusste sie aber auch, wenn sie jetzt nichts unternahm, dann würde dieser alte Wolf nicht mehr lange zu Leben haben.

Vorsichtig legte Yael seinen Zeigefinger an das wunde Fleisch nahe dem Zahn und sang mit noch mehr Inbrunst seine schmerzlindernde Melodie. Ebana wusste mittlerweile doch recht viel von Magie, doch war es ihr ein Neues, diese Bardenmagie. Ach, wäre doch Marn hier. Er hätte den Wolf einfach einschlafen gelassen oder irgendeinen anderen Zauber gesprochen. Doch war er leider nicht zugegen. Welche Wirkung Musik und Gesang auf Ebana hatten, wusste sie nur zu genau. Warum sollte es dann dem Barden nicht gelingen, auch den Wolf ruhig zu stimmen?!

Die kleine Zange, welche sie zuvor aus ihrer Tasche gezogen hatte, umschloss nun den faulen Zahn. Rasch zog sie mit einem festen Ruck den Zahn heraus. Tronkir zuckte mit leidend zusammen, als der Wolf laut fiepte und sich aus Ebanas festen Griff zu lösen versuchte. Eilig lies sie die Zange mit samt dem Zahn fallen und flüsterte beruhigend auf Graubart ein. „Schhh…schon vorbei, mein Alter.“ Yael lies den Gesang noch für einen Moment erklingen, bevor er verstummte und seine Hand von dem Wolf nahm.

„Einem alten Schreckenswolf einen Zahn ziehen!“ murmelte Tronkir ungläubig. Tief atmete Yael durch und betrachtete den Wolf eingehend, während Ebana ihren festen Griff lockerte und rasch ihre Hand aus seinem Maul zog. Sogleich sprang Graubart auf mit wedelndem Schwanz, freudigem gefiepte und leckte Ebana kräftig über ihr Gesicht. Erleichterung machte sich unter allen breit.


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