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Reisender
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Ein durchdringer Pfiff dringt durch den Wald. "Yeno, wo bist du?" ruft Ebana und schaut sich dabei suchend um. Nach einer Weile ruft sie erneut: "Yeno. Yeno, komm zu mir!" Wiederholt pfeift sie nach ihm.
Ein leises hächeln kann sie nördlich von ihr hören. "Yeno, mein Freund, bist du das?" Sie weiss es natürlich ganz genau, das er es ist. Wer sollte es sonst sein, der auf ihren Pfiff reagiert. Freudig springt er Ebana begrüssend an und leckt ihr über das Gesicht. Beide tollen mit einander herum und begrüssen sich wie sie es jeden Tag tun. Dann kehrt langsam die Ruhe in den Wald zurück. Yeno, legt sich neben ihr und lässt ein leichtes Grollen ertönen. Daraufhin kuschelt sich Ebana an ihn und kraut seinen Hals. "Ach Yeno, ich hab dich so vermisst. Manchmal bin ich mir einfach nicht mehr sicher, ob es eine Gute Idee war, nach Britain, in die Zivilisation zu gehen." Während sie ihren Gedanken freien Lauf lässt, greift sie in ihren Beutel und holt für ihren Wolf einige Fleischstücke heraus, die sie tagsüber am Markt erstanden hatte. "Vor einigen Tagen lernte ich jemanden kennen. Ich war gerade bei Brennan, als sich neben mir ein Mann bemerkbar machte und mich freundlich grüsste. Natürlich dachte ich, dieser Mann benötigt nur mein handwerkliches Geschick, denn er deutet an, diese zu benötigen und bat mich, ihn zur Tala zu begleiten. Also ging ich mit ihm mit, wir unterhielten uns ein wenig." Sie hält kurz in der Erzählung inne, um sich noch einmal genau daran zu erinnern. "Nun, mir wurde diese Unterhaltung langsam unangenehm, denn er wollte private Dinge von mir erfahren." So weit sie sich zurück erinnern konnte, war sie stets nur eine Gefangene, eine Sklavin für diese Kreaturen gewesen. Niemals wurde sie nach ihren Wünschen oder dergleichen befragt. Ausser manchmal einer von ihnen, bei dem sie ihr Handwerk lernte. Dann kam sie hierher und musste feststellen, das die Leute ihr Fragen stellten. Diese Fragen machten ihr Angst, was ist, wenn sie mir nicht glauben, oder muss ich diese Fragen beantworten. Denn wie du weisst, Yeno, ich kenne noch immer nicht die Sitten und Gebräuche der Menschen. Vieles verstehe ich nicht. Ach, Yeno was mach ich bloss?" Dabei krault sie ihm am Ohr und verbirgt ihr Gesicht in seinem Fell. Bei ihm, dem Wolf, dem sie aufgezogen hatte seit er ein Welpe war, bei ihm konnte sie frei und ungezwungen sein. Ihm erzählte sie alle ihre Gedanken, die sie sonst niemanden erzählen würde. Und Yeno spendet ihr Trost und Geborgenheit. "Marn heisst dieser Mann, musst du wissen. Ich verstehe ihn manchmal überhaupt nicht. Das eine Mal ist er freundlich und macht Komplimente und das andere Mal macht er sich lustig über mich. So hat Marn mich doch tatsächlich seinen Freund Kortan um einen Gefallen für ihn fragen lassen. Dabei erfuhr ich, dass es nur ein Scherz von Marn war, um Kortan zu ärgern." Langsam schüttelt sie den Kopf. "Warum tut er so etwas?" Fragt sie ungläubig. "Und nun ohne es zu merken, stehe ich zwischen den beiden Freunden. Gestern haben beide mir eröffnet, mir den Hof machen zu wollen. Marn ist wütend geworden über seinen Freund. Ich konnte es sehen, sein Gesicht verdunkelte sich. Ich bin verzweifelt, Yeno. Ich mag beide. Marn, weil er der erste Mann war, der sich je für mich interessierte. Kortan, mag ich weil er so, so" Sie sucht nach den richtigen Worten. "Er ist freundlich und in seiner Gegenwart fühle ich mich selten nervös und unbehaglich. Nun muss ich mich entscheiden, entweder ich treffe mich nur noch mit Marn oder mit Kortan und verletzte damit die Gefühle des anderen. Oder ich ziehe mich gänzlich von beiden zurück, was mir logisch erscheint." Tränen benessen Yenos Fell, während sie sich umarmend fest an ihn drückt. |
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"Yeno, gestern als ich gerade vom Holzhacken zu meinem Pferd gehen wollte, bemerkte ich einen weissen Hengst neben ihm. Zuerst sah ich mich natürlich nach dem Besitzer um, doch schien das Pferd ganz allein zu sein." Mit glitzernden und lächelnden Augen erzählt sie es ihm.
"Vorsichtig näherte ich mich dem Hengst, doch schien dieser keinerlei Furcht vor mir zu haben. Er schnaubte zu Begrüssung und als ich ihn streichelte, da legte er mir seinen Kopf über die Schulter. Ich lachte und freute mich über diese Zuneigung und küsste ihn auf die Blesse." Während sie ihrem Wolf über den Bauch streichelte, erzählt sie: "Weisst du Yeno, genauso wie ich mit dir jetzt kuschle, genauso konnte ich es gestern mit dem Hengst machen, denn er legte sich neben mir hin und schien es wahrlich zu geniessen." Ein strahlendes Lächeln breitet sich bei dieser Erinnerung auf ihrem Gesicht wieder. "Doch plötzlich trat ein Reisender zu uns und fragte nach dem Weg. Ich erschrak heftig, denn ich hörte ihn nicht kommen. Da sprang der Hengst auf und stellte sich zwischen uns, so als wollte er mich beschützen!" Schweigend kraulte sie Yeno im Nacken, so wie er es immer gerne mochte und hing ihren Gedanken dabei nach. "Vielleicht treffe ich den Hengst eines Tages wieder einmal." Sagte sie schon fast eingeschlafen und streichelte seinen Kopf. |
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Trotz grosser Müdigkeit ging Ebana noch einmal in den Wald, sie musste mit jemandem reden und wer wäre besser geeignet als ihr Wolf Yeno.
Wie jedes mal, wenn sie mit ihm ihre Gedanken teilt, liegen sie beide aneinander gekuschelt im hohen Gras. "Vorhin hab ich mich mit Marn getroffen. Ich bin sehr froh, dass er mir nicht grollt, weil ich den einen Tag einfach weggelaufen bin. Er erzählte mir, dass er sich mit Kortan getroffen hätte, kurz nach diesem Überfall und was ich da hören musste, kann ich fast kaum glauben. Kortan hat Marn freudestrahlend berichtet, dass er nicht nur meine Hand gehalten hat, nein auch das er mich geküsst hat und mir sehr nahe gekommen sein und Marn bräuchte sich nun keine Hoffnung mehr zu machen, dass ich je wieder zu Marn gehen würde. Also Yeno, vielleicht kannst du mir das erklären, aber warum sagen die Menschen nicht die Wahrheit so wie es wirklich wahr? Es ist richtig, dass ich für einen kurzen Moment Kortans Hand berührt habe, aber aus einem ganz anderen Grund als er Marn weiss machen wollte. Und ja, Kortan hat versucht mich zu umarmen und zu küssen, aber ich lies dies nicht zu. Ich verstehe das einfach nicht. Dort wo ich aufgewachsen bin, gab es keine Lügen, bis vor kurzem wusste ich überhaupt nicht, was Ironie, Sarkassmus und Lügen für ein Konzept sind. Erst langsam erschließt sich mir dieses. Ich habe Marn gefragt, wie ich darauf nun reagieren soll, ob ich Kortan darauf ansprechen soll, denn er sagte mir, dass Rian es bestimmt gehört hat und sie soll so was wie eine Klatschbase sein. Ich weiss zwar nicht, was das genau bedeutet, doch ist es wohl nichts Gutes. Marn zuckte nur mit den Schultern und meinte das es doch überhaupt nichts bringt, da Kortan dies mit Sicherheit abstreiten würde. Ich glaube, ich warte einfach ab, was passieren wird und entscheide dann spontan." |
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So viel ist geschehen in den letzten Tagen und manchmal hat sie den Eindruck langsam die verworren Wege der Menschen besser zu verstehen, um dann kurze Zeit später wieder einmal verwirrt und ratlos dem Geschehen ausgesetzt zu sein.
Ihr kam es immer noch so vor als hätten gestern erst die beiden Freunde in ihrem Leben, ihr Ebana, ihre Liebe zu ihr gestanden. Doch schnell hatte sich das Blatt gewendet und sie glaubt den Grund langsam zu erkennen. Nachdem Marn mit Kortan gesprochen hatte, war Marn wie ausgewechselt, plötzlich erinnerte er sich an sein Versprechen einer anderen Frau gegenüber und dass er Ebana nun nicht mehr liebe. Einen Tag danach traf sich Ebana mit Kortan, mit ihrer nun aufgekratzten Seele, kam ihr über ihre Lippen, zum erstenmal seit ihrer Freilassung, ihre Geschichte. Sie erzählte Kortan von ihrer Vergangenheit, zum einem weil sie wissen wollte, wie ehrlich seine Gefühle sind und zum anderen, falls diese es nicht wären, ihn zu verschrecken. Doch er lies sich nicht davon abschrecken, im Gegenteil hatte sie den Eindruck, dass es herunterzuspielte, nur weil er auch einmal für ein paar Tage bei denen in Gefangenschaft war. Ja sie mochte ihn, doch es ging ihr viel zu schnell und was schwerer wiegte, sie vertraute ihm nicht, nach allem was in den letzten Wochen geschah. Und dann war da noch Marn. Sie schüttelte langsam den Kopf, morgen wird er heiraten. Da stand sie nun - eingeladen zu einer Hochtzeit, für deren Feier sie eben die selbst geschreinerten Möbel in Marns Haus brachte. Unfähig ihre Gedanken und Gefühle zum Ausdruck zu bringen, wickelte sie das Geschäft wie jedes andere auch ab, schnell und sachlich. In ihr keimt der Gedanke, dass vielleicht auch Kortan nur ein Spiel mit ihr treibt. Denn so unschuldig und unerfahren wie Ebana nun einmal ist, wäre es ein leichtes Spiel. |
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Tage war es her, seid sie das letztem mal hier am Mondtor zu Vesper war. An jenem Tag war sie gerade auf den Weg zu Marns Hochzeitsfeier gewesen, als sie durch das Tor kommend, sich von mehreren Menschen umringt sah. Einer der Räuber ziehlte mit einer Armbrust auf sie und forderte sie auf vom Pferd zu steigen und die Hände zu erheben. Erst jetzt bemerkte sie, dass noch ein weiterer Mann in deren Gewalt war und dieser bereits abgesessen und mit erhobenen Händen rechts von ihr stand.
Ihr fröstelte bei der Erinnerung daran, was noch alles passieren hätten können, wenn sie nicht um Hilfe geschrieen hätte. Doch dies wurde gehört und nicht nur von den Räubern, die darauhin ihr Pferd versuchten zu erschiessen. Plötzlich vernahm sie eine bekannte Stimme - Marn. Trotz ihrer Todesangst, huschte ein Hauch von einem Lächeln über ihr Gesicht. Durch sein Eingreifen, war es ihr möglich, langsam Schritt für Schritt mit den Zügeln in der Hand rückwärts zu flüchten. Zitternd am ganzen Körper sprengt sie auf ihrem Pferd nach Khazdur. Dort wollte sie sich verstecken, ausruhen und nach Yeno suchen. Sie kam gar nicht mehr auf Idee später noch zu dieser Feier zu gehen. Nun stand sie für einen Moment still, dort wo es vor Tagen geschah und suchte mit den Augen nach Spuren von dem Geschehen, doch konnte sie keine mehr finden. Langsam ritt sie dann in Richtung Minoc weiter. Plötzlich war sie umzingelt. Orks. Nein, dass konnte nicht wahr sein. In ihrem Kopf spielten ihre Gedanken verrückt. Die Orks haben sie wieder gefunden. Nein, niemals mehr wollte sie dorthin zurück, eher wollte sie sterben. Also griff sie nach ihrer Axt. Doch was war das? Einer der Orks griff ihre Packpferde an, das musste sie verhindern. Sie schwang ihre Axt, doch knapp verfehlte sie den Ork. Sie versuchte es noch einmal, doch eine Kämpferin war sie nun wahrlich nicht. Während sie versuchte den einen Ork davon abzuhalten ihren Pferden etwas zu Leide zu tun, traf sie ein mächtiger Keulenschlag und sie ging zu Boden. Langsam erwachte sie wieder. Ihr Kopf schmerzte und sie wusste einem Moment nicht wo sie war und was passiert ist. Sie blickt sich um. Oh nein. Mit einem Schlag fiel ihr wieder alles ein. Sie rannte zu den leblosen Körpern ihrer drei Pferde, kniete vor ihnen nieder und während sie die Pferde noch ein letztes mal streichelte, liefen ihr die Tränen den Wangen herunter. Ängstlich schaute sie sich um. Wo waren die Orks, haben sie gedacht Ebana auch getötet zu haben oder warum haben sie Ebana nicht mitgenommen zurück in das Lager. Doch dies war nicht wichtig im Moment. Sie musste weg. Hier konnte und wollte sie nicht länger bleiben. Überstürzt rannte sie zum Mondtor zurück, sie musste Yeno holen und mit ihm schleunigst weggehen. In Khazdur angekommen, rief sie nach ihm. Doch er kam nicht. Wo war er nur. Ist ihm vielleicht etwas passiert oder treibt er sich nur wieder bei anderen Rudeln herum. Sie rief abermals und endlich, er rannte auf sie zu. Erleichtert viel sie ihm um den Hals und drückte ihr Gesicht tief in sein Fell und schluchste. Yeno löste sich plötzlich von ihrer Umarmung und knurrte. Sie blickte ebenfalls in die Richtung in die der Wolf knurrte. Mit einer Handbewegung deutet sie Yeno an, sich ruhig zu verhalten und sich zu verstecken. Schleunigst rannnte Yeno zum nächsten Busch in dem er sich versteckte, aber trotzdem alles mitbekommen konnte. Sie ging ein paar Schritt näher zu dem Geräusch und späte durch das Geäst. Als sie erkannte wer und was es war, atmete sie erleichtert aus und trat hinaus, damit Marn sie sehen konnte. Er schien nicht überrascht sie hier anzutreffen, eher als hätte er sie dort erwartet. Marn ging mit raschen Schritten auf Ebana zu, stoppte dann abrupt als er ihre Verletztungen am Kopf bemerkte. "Ebana, was ist geschehen?" Fragt er mit besorgter Mine. Ebana versucht zu lächeln, aber es gelingt ihr nicht. Doch dann spudelte es nur so aus ihr heraus. Sie erzählte von den Orks, ihrer Angst und das sie sofort von hier weggehen muss. "Ebana, nein, bitte geh nicht." Sagte er schon fast flehentlich. Sie konnte nur den Kopf schütteln. "Marn, bitte versteh, ich kann hier nicht länger bleiben. Nie wieder will ich zu diesen Orks, eher will ich - " Den Satz beendet sie nicht. "Ebana, ich muss dir etwas sagen." Begann er zögerlich und blickte sie dabei unsicher an. "Du erinnerst dich bestimmt noch daran, wie du mir von deinem - nein - von dem Orklager erzählt hast und wo es sich befindet." Verbessert er sich rasch. Sie blickt ihn entgeistert an. "Aber sicher kann ich mich daran erinnern, das werde ich mein Lebtag nie wieder vergessen können." Erwiedert sie für ihre Art recht kühl. Darauf hin nähert sich Marn ihr noch etwas. "Ebana." Sagt er schon fast zärtlich. "Ich war die Orks besuchen." Mit einem leichtem schmunzeln, lässt er sie die Nachricht verdauen. "Besuchen?" Fragt sie völlig entgeistert. "Ja, ich habe sie alle getötet. Sie waren Tiere und wie Tiere hab ich sie abgeschlachtet. Doch vorher konnte ich aus dem Anführer noch ein paar Informationen rausholen." Sie glaubt sich für einen Moment verhört zu haben. "Tot. Alle?" Als er dies nur nickend bejaht, sacken ihr die Knie weg. Marn kann sie gerade noch rechtzeitig auffangen und hält sie in den Armen fest. Der Ohnmacht nahe klammert sie sich an ihm. Langsam erholt sie sich und sie setzen sich auf einen Baumstamm, dort fordert sie ihn auf, ihr alles genau zu erzählen. Ihre Gedanken wandern zu einer Zeit als sie dort ab und zu mit ihrem Lehrmeister gewesen ist. Sie kannte den Anführer, ein übler Zeitgenosse, selbst für einen Ork. Ihr Lehrmeister, fällt es ihr wie Schuppen von den Augen. Sie hofft, dass er nicht dort war. Das kleine Lager von den Orks gibt es nun nicht mehr und der Anführer konnte noch Marn sagen, dass Ebana aus dem Süden kommt, aus Lorkrum. Sie hatte sich so gewünscht je zu erfahren, wo ihre Heimat ist, doch hatte sie die Hoffnung schon fahren lassen. Mit einem Blick von tiefer Dankbarkeit schaut sie ihm an. "Wie kann ich dir nur danken?" Fragt sie Marn. Dabei mustert sie ihn vorsichtig nach Verletzungen, kann jedoch keine feststellen. "Ich wünsche mir nur, dass du bleibst." Blickt sie dabei flehentlich an. "Nun gibt es für mich keinen Grund mehr, von hier weg zu gehen." Sie lächelt ihn strahlend an. |
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Noch am gleichen Tag schlenderte Ebana durch die Stadt und als sie über den Markt wollte, bemerkt sie eine Menschenmenge, die sich aufgeregt miteinander unterhielten und erst auf den zweiten Blick sah sie, dass dort zwei Menschen tot am Boden lagen. Da sie derlei Anblick, von toten Körpern, gewöhnt war, erschrak sie darüber kaum. Zuerst wollte Ebana vorbei gehen, denn das ging sie ja nichts an, doch dann erblickte sie unter den vielen Menschen jemanden, den sie fast übersehen hätte. Es war Kortan und er schien verletzt zu sein.
Ihr Herz begann zu rasen. Sie stockte, warum ging es ihr so nah und warum hatte sie angst? Während sie sich mit Kortan unterhielt und sich alles erzählen lies, rasten ihre Gedanken und suchten nach einer Erklärung. Wovor hatte sie angst? Es gab keinen Grund für diese Panik oder doch? Dann traf es sie wie einen Schlag. Ihr wurde mit einem Mal bewusst, warum sie sich in seiner Gegenwart stets wohl fühlt und warum sie das drängende Bedürfnis verspürte, ihm einen grossen Gefallen zu tun. Ebana erkannte nun den Grund für ihr Fühlen und Denken, sie war verliebt. Sie fragte Kortan, ob sie ihn abends noch einmal treffen könne und preschte mit ihrem Pferd davon. Ebana wollte noch heute mit einem Schneider sprechen. Sie hatte sich umgehört und stets hörte sie immer wieder einen Namen - Tarlo Ferantis. Da sie genau wusste, wo sie diesen bekannten Schneider finden konnte, ritt sie zu seinem Haus. Er war auch sogleich bereit, aus den Fellen die sie mitbrachte, den gewünschten Umhang zu schneidern. Ebana war so aufgeregt, dass sie während sie den Schneider Ferantis bei der Arbeit zu sah, auf ihrem Stuhl hin und her rutschte. Kaum hielt sie freudestrahlend den wunderschönen Umhang in den Händen, preschte sie wieder zurück nach Britain. In dem lachenden Tala angekommen setzte sie sich in den Nebenraum und wartete auf Kortan. Da sie in Gedanken vertieft war, bemerkte sie sein Erscheinen erst, als er sich schon neben sie gesetzt hatte. Sie lächelte ihn an. Nachdem sie sich nach seinem Befinden erkundigt hatte, bemerkte Kortan, dass auch Ebana leichte Verletzungen im Gesicht hatte. Sie erzählte ihm dann alles was sich am Tage zugetragen hatte: von dem Orkangriff, ihren getöteten Pferden und das sie fliehen wollte. Sie erzählte ihm auch, was ihr gemeinsamer Freund Marn für Ebana getan hatte und das es nun keinen Grund mehr gäbe, von hier wegzugehen. Da war es dann wieder. Sein Gesicht verdunkelte sich und mit lauter Stimme sprach er auf sie ein. Er wiederholte, wie sehr Ebana ihm am Herzen läge, doch im gleichen Atemzug sprach er von Marn: "Ich weiss nicht was ich davon halten soll, Ebana. Ihr treff euch für meinen Geschmack zu häufig und was Marn dazu bewegt, für dich zu den Orks zu gehen, möchte ich mir gar nicht erst ausmalen." Nicht nur seine Andeutungen verletzten sie, sondern auch der Ton in dem er mit ihr sprach. Ebana fühlte sich in die Enge getrieben und sie wollte nur noch weg. Also sah sie ihn an und sprach: "Kortan, ich wollte mich heute hier mit dir treffen, weil ich mit dir reden und ich dir etwas geben wollte. Doch deine Anschuldigungen verletzen mich." Daraufhin drückte sie ihm den Umhang in die Arme und rannte mit Tränen in den Augen aus der Tala und flüchtete nach Khazdur. Sie hätte überall hin flüchten können, doch insgeheim hoffte sie, wenn Kortan sie suchen sollte, dann würde er hier nachsehen, was er auch tat. Er fand sie dort, wo Kortan Ebana damals als weisser Hengst aufsuchte. Vorsichtig setzte er sich neben sie auf den Baumstamm. "Ebana es tut mir leid. Doch bitte versteh auch meine Situation. Meine Gefühle, die ich für dich empfinde, sind dir bekannt und ich weiss immer noch nicht wie du für mich empfindest..." Sie unterbricht ihn an dieser Stelle und sagt scheu und leise: "Ich liebe dich Kortan." Seine Augen weiten sich voller Freude und er fällt ihr um den Hals. "Du liebst mich? Du weisst gar nicht wie glücklich du mich machst. Ich bin der glücklichste Mann heute auf der Welt. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich dich liebe." Er nimmt ihren Kopf in seine Hände und während ihm eine Freudenträne die Wange herunterläuft, küsst er Ebana voller Leidenschaft. |
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Nervös lief sie neben Yeno her, streichelte hin und wieder über seinen Kopf. War sie nun frei, bestand keine Gefahr mehr für ihr Leben? Marn war endlich zurückgekehrt aus Lorkrum und vor wenigen Augenblicken hatte er ihr berichtet, dass es getan sei. Das Orklager, in dem sie fast ihr ganzes Leben verbringen musste, bis auf ihre ersten fünf Lebensjahre, wurde von Marn zerstört. Jeden Ork hat er abgeschlachtet und die Hütten verbrannt. Doch scheinbar ist ihm dabei nichts passiert.
"Er muss ein mächtiger Magier sein, wenn er ganz allein mit allen fertig geworden ist, ohne auch nur eine einzige Schramme abzubekommen." Erzählt sie bewundernd Yeno, ihrem Wolf. Hin und wieder schaute sie sich um, suchend nach Gefahren oder dergleichen. Nur langsam wird sie sich daran gewöhnen, nicht mehr ängstlich über die Schulter blicken zu müssen. Denn die Gefahr von den Orks aufgespürt zu werden, die ist nun für immer vorbei. Doch eines bereitet ihr noch kopfzerbrechen; was ist mit Marn los? Nach seiner Rückkehr strahlt seine Aura noch kälter, er schien gegenüber Fremden noch unfreundlicher und abweisender zu sein, als sonst. Bildete sie sich das wirklich nur ein, wie Marn sagte? Möglich wäre es schon, vielleicht war er an diesem Tag einfach nur gereizt oder müde von der langen Reise. Doch andererseits, welche Spuren hinterlässt es bei einem Mann, der zwei Dörfer der Orks zerstört hat. Frauen und Kinden niedermetzelt und dies nur mit einem achselzucken abtut. Ebana hofft inständig, dass es Marn nicht zerstört hat und sie dann daran Schuld sein würde. Dies könnte sie sich nie verzeihen, da sie es war, die Marn gebeten hat, in ihrem Namen alle zu töten. |
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