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Alt 13.12.2003, 02:37
Nach Süden ...
#1
Rhadamanth
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Die See war dem müden Holz unseres Schiffes gnädig.

Welche Macht auch immer unter dem wogenden Wasser schlummerte und über unser Geschick entschied, während wir über die endlose Tiefe reisten; sie hungerte nicht nach unseren mageren Seelen.

Jeden Morgen danke ich diesem gestaltlosen Nass, dass es uns immernoch auf seinem schäumenden Rücken trägt, einem neuen Leben entgegen. Dass es uns mit Salz und Dunst benetzt, segnet vielleicht, und uns den Süden verheisst.

Süden. Britannia.

Von dem die Seeleute sprechen, es sei das Land des Feuers, das Land der Sonne. Sie reichen vor dem Essen Scheiben herum, die mit Gold verblättet sind und welche die Form der Sonne haben. Man fasst sie an um sich zu reinigen, bevor man isst.
Glaron, nennt der Knabe es, der uns die Krautschüsseln aus dem Bottich schöpft. Das Licht, das immer scheint und alle wärmt, die seinen Wegen folgen.

Ja.. der Süden des Königreichs Faerlan..

Ich weiss nicht, ob ich dort auf Feuer hoffe, oder auf Licht; Und manchmal, wenn ich in den windstillen Stunden an Deck stehe und den Bug entlang zur Schneide zwischen Himmel und Meer blicke, ängstigt mich, dass es mit jedem Tag kühler zu werden scheint. Kühler als unsere glänzende, harte Heimat voller Sand und dürrem Wind.
Kühler.. und doch Süden; Das Land der Feuer.
 
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Alt 13.12.2003, 03:29
#2
Rhadamanth
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Ich stehe wieder an Deck, der Abend brennt sich zu meiner Rechten in die fernen Wasser und mein Blick bleibt nach Süden gerichtet. Als würde ich erwarten, dass dort die schönen Sterne als erstes durch das Schwarz der Nacht blitzen.

Der Junge der Kombüse hat mir ein Stück Holz in die Hand gedrückt, das die Form der Sonne, des Glaron, hat. Er meint, es würde mir Glück bringen und mich stark machen.
Aber für was?
Stark für das Licht? Kommt es mit Feuer, das etwas verzehren muss um zu scheinen, und dann doch nur flackert. Kommt es mit Russ und Rauch und vergeht, so man es nicht pflegt, zu Asche?

Wir werden es sehen.

Ich schiebe die Holzscheibe in das Stoffband meiner Gewandung. Asche und Feuer. Jemand hat mir in der Heimat erzählt, die Faerlaner sehen in Britannia das Eiland, welches als Erstes von der Gnade der Schönheit, der Liebe, berührt wurde.
Aber auch unzählige Kriege, sollen dort ihre blutigen Häupter erhoben und nach unaussprechlichen Schandtaten gebrüllt haben. Feuer und Asche.

Wie kommt es, dass ein Mensch die Liebe, die Schönheit, immer mit Feuer in Verbindung bringt. Dass sie immer brennen muss, verbrennen. Als wäre sie neben dem Glück auch Quelle jeden Schmerzes und würde den Krieg anlocken, wie süsses Aas die Geier.

Stimmen reissen mich aus den Gedanken.

"We' di wohl unnar det Deck ausguggd, Mardsche, wat?"

Männerlachen und Blicke, die meiner verschleierten Gefährten folgen, an ihr hinunterfallen und um sie zerstäuben wie klebrig dünne Asche.

Sie weicht vor ihnen zurück, die Holzperlen in ihren Haaren schlagen aneinander und die Seeleute lachen wieder, sprechen ihre plumpe Sprache voller Unrat.

Ich gehe zu meiner Begleiterin, dem Grund, weswegen ich, weswegen wir, hier sind, und will sie in meinen brüderlichen Arm schliessen - Und ich würde mit der anderen Hand ein Schwert schwingen, wenn ich eins besässe, und den Seeleuten austreiben, ihrer zu lachen, zu lüstern.

Ja, die Liebe brennt.

Sie ist in meinem Arm und ich halte sie, während sie zittert, meine blinde Gefährtin. Und sieht, was nur sie ergründen kann...
 
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Alt 13.12.2003, 17:25
#3
Tar'Salman
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Ein von Kopf bis Fuss Tätowierter tritt auf die beiden auf Deck heran, vielleciht merkt er ihre Erregung, oder schliesst er aus der Situation. Er stellt sich zu ihnen und legt beiden einen Finger auf die Schulter.

"Ruhet es gibt nichts zu fürchten! Ihr seid nicht allein."

Murmelt er zu ihnen. Nach den Worten nimmt er die Finger von ihren Schultern. Langsam dreht er sich zu den Seemännern an Deck, der kleine geschnitzte Wolf um seinen Hals beginnt am Lederband zu baumeln. Er wirft einen Blick auf sie, forschend, betrachtend, abwertend. Bevor er sich wieder ihnen zuwendet und bei beiden stehen bleibt, auf die See blickend.
 
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Alt 13.12.2003, 17:54
#4
Tar'Selour
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Ein Mann sitzt halb dem Meer zugewandt auf der Rehling und streicht über die hölzerne Schwertscheide auf seinem Schoss. Gedankenverloren fährt er das kunstvoll geschnitzte Muster nach.
Sein Kopf ist grösstenteils von Tüchern verborgen, nur die ruhigen, grünen Augen lugen hervor, sowie einige schwarze Haarsträhnen in welche Perlen aus einem seltsamen Material geflochten sind... man mag bei genaueren hinsehen erkennen, das es sich dabei um Knochen handelt. Er hatte keine Angst, denn er vertraute den seinen, egal wohin ihn der Wind wehte.
 
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Alt 13.12.2003, 18:09
#5
Rhadamanth
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Ich halte unsere blinde Gefährten in meinem Arm und drehe mich zu der tätowierten Gestalt. "Salman, Getreuer. Dank für deine Worte, auch wenn sie meinem Geist nur bekräftigen, was mein Blut schon weiss, seid wir geboren wurden. Sieh, ihr geht es wieder nicht gut... die Geister blicken in ihre blinden Augen."

Der Grund warum wir das Land unserer Väter fliehen, der Grund, warum wir das Leben unserer Väter fliehen... ihre Blindheit und die Geschichten von dem, was sie sieht.

Ein Arm um ihre Schulter gelegt beuge ich mich und versuche den anderen Arm um ihre Oberschenkel zu legen, sie vorsichtig an zu heben, denn ich weiss seid Jahren, dass sie bald zu schwach sein wird um auf dem atmenden Schiff zu stehen.

"Ich glaube, sie wird einen deiner Sude gebrauchen können, Vetter. Die raue Luft der See tut ihr nicht gut, sie schmeckt zu sehr nach Tränen..." Ich werde leiser, als ich mich näher zu dem Gezeichneten beuge. "... und diese bleichen, massigen Gestalten von Seeleuten mit ihren Blicken, wie Fangnetze, sind ihr gewiss auch kein Halt. Wir sollten sie in die Kajüte bringen." Mein Blick fällt auf den geschnitzten Wolf um seinen Hals, dann wieder auf zu seinem Gesicht. "Sollen deine Zeichen dort über sie wachen...."

Aufrichten. Die Gefährtin in den Armen, die schon früh stark sein mussten, um die Meinen zu schützen, blicke ich zu meinem Bruder, der an der Rehling sitzt und ein Stückchen Holz der Heimat liebkost. Ich rufe ihn an in den Worten unseres Landes:

"Selour.. Komm und hilf mir, das Wesen-aus-Holz tanzt und das Kraut-aus-Eimern macht mich müde. Hilf mir, dass ich sie unbeschadet unter das Dach-voll-Salz bringen kann, zu den Unseren."
 
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Alt 13.12.2003, 18:22
#6
Tar'Selour
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Langsam wand er sein Gesicht dem Wind ab und dem Sprechenden zu.
"Gewiss". Seine Stimme erklang ruhig und er liess sich von der Rehling rutschen. Seine Schritte waren leise auf den harten Bohlen des Schiffes und noch während er auf sie zuging, befestigte er das Schwert wieder an seiner Seite.
 
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Alt 13.12.2003, 18:25
#7
Tar'Luthil
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Nur der Wind kennt meinen Namen,
trägt ihn flüsternd mit sich fort,
zu dem blut'gen Sand der Heimat,
küsst ihn und begräbt ihn dort.......

Die Gabe reisst mich mit, immer tiefer in den Abgrund meiner Seele und ich schmecke das Leid im Wind. Das Splittern von Knochen übertönt das Tosen des Sturms und ich ahne, das es begonnen hat. Weisser, kalter Sand tropft in die Flammen, die die Körper verzehren, und Mutter Sand bäumt sich unter Schmerzen auf. Namen, Namen schreibt der Wind in den Sand, und ich sehe die Seelen verwehn, so zahlreich wie die Tränen der Erde.....

Meine Augen öffnen sich wieder der Finsternis und ich ersticke den Schrei mit meinen Händen, damit er ihnen nicht von dem Schmerz erzählen kann der in mir tobt.

"Tar!"

Nur ein flüstern. Ein Ruf des Blutes. Und sie sind da. Folgen meine Fährte in den Abgrund. Und ich kann sie icht hindern, den wir sind eins.
 
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Alt 13.12.2003, 18:53
#8
Tar'Salman
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Gemeinsam mit den andern geht er unter Deck und begibt sich zu seiner Hängematte, welche zwischen den Balken die das oberste Deck tragen gespannt ist. unter der rhytmisch mit dem Schiff wiegenden Konstruktion liegt ein Bündel in dem man Federn, getrocknete Kräuter wie das ein oder andere hölzern geschnitzte Tier sieht. Abstruse getrocknete Dinge sieht man aus der Tasche fallen als er im innern nach einem kleinen Fläschchen greift, dessen grünlich-violetter Inhalt alsbald aufgewirbelt wird. Durch schütteln löst er den Bodengrund des Fläschchens der es milchig färbt.

Er schreitet zu Bruder und Schwester und reicht ihr den Sud der mittlerweile ganz und gar violett ist. Reicht ihr das Fläschchen an auf das sie es trinken solle. Während der Inhalt ihre Kehle hinunter rinnt spricht er leise murmelnd in ihrer alten Sprache...

"Möge der Sud dir Ruhe schenken, die Geister vertreiben. Möge er dir die dunkelheit schenken, den nichts sehenden Traum. Träume vom Sand, vom Sand der allwissenden Mutter. Ruhe!"

Langsam beginnt der Sud zu wirken. Unter den wachsamen Augen des Bruders entschlummert sie, doch ihr zittern verebbt.

"Bewache sie Yenneroh sie wird den Schlaf brauchen..." wendet er scih um und geht wieder zu seiner Hängematte.
 
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Alt 25.12.2003, 14:41
#9
Tar'Canchel
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Weit beugt sich die, in weite Tücher gehüllte Gestalt, über die von beissendem Salzwasser und unermüdlichen Winden glatt geschliffene Reling. Faziniert betrachtet sie die Wesen, die schlangengleich in das Meereswasser eintauchen und vor dem aufgewühlen Schaum der Bugwelle aus dem Nass herausschießen.

Der Wind zerzaust ihr blauschwarzes Haar und lässt die darin eingeflochtenen kleinen Knochen aneinanderklappern. Ihre dunklen Augen hängen an jeder Bewegung der Meereswesen. "Wenn ich doch nur einen ihrer Knochen hätte," murmelt sie leise" wie gerne könnt ich wie sie duch das bittere Wasser fliegen, Vögeln gleich. .....sehen was ihre Augen sehen. Wie viel neues, fremdes, nie geglaubtes birgt unsere Reise"

Sehnsüchtig aufseufzend richtet sie sich wieder auf, schlägt den Schleier vor Mund und Nase so das von ihrem Gesicht nur ihre Augen zu sehen sind. "Ich werde unserer Schwester von den Wundersamen berichten", und eilt, als wäre sie nie über anderes als schwankenden Schiffsboden gelaufen, zu ihren Gefährten in den Bauch des Seglers.
 
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