Terra Mystica
Spendenbarometer
Terra Mystica | Foren

Zurück   Terra Mystica | Foren > Rollenspiel > Chroniken

Antwort
 
Themen-Optionen
Alt 28.10.2006, 12:25
Ein Neuanfang
#1
Anvhela Nivniamon
Reisender
 
Registriert seit: 18 Sep 2005
Beiträge: 358
Mit aufmerksamem Blick ritt Anvhela durch Fenisthal. Hier hingen sie auch überall, diese Zettel, die ihren Verlobten der schwarzen Magie bezichtigten.
Hatte er kein Interesse, sich darum zu kümmern, so wie er die meisten Aufgaben innerhalb des Ordens an sie weitergab? Oder mangelte es den Schwertreitern mittlerweile derartig an Disziplin, dass sie sich nicht um die Aushänge scherten, die ihren Lehnsherren in Verruf brachten?

Am Anwesen angekommen drückte sie einer der Wachen die Zügel ihres Pferdes in die Hand. Ruhigen Schrittes begab sie sich zum Wohnturm. Sie wusste ja, dass niemand zuhause war. In den Wohnräumen holte sie eine alte, lederne Tasche aus ihrem Schrank. Mit nachdenklicher Miene betrachtete sie ihre letzte Erinnerung an Sneholm. In diesem Rucksack hatte sie ihre wenigen Habseligkeiten nach Britannia gebracht.
Was hatte alles vor ihr gestanden.
Entschlossen suchte sie ihre Kleidungsstücke und andere Habseligkeiten aus dem Schrank hervor und packte sie in ihre Tasche. Einen kleinen Beutel mit Schmuckstücken legte sie zuoberst, dann waren ihre wenigen Besitztümer zusammengesucht.
Aus ihrer Kommode nahm sie einen Bogen Pergament und eine Feder heraus. Damit setzte sie sich an den Tisch, um ein paar Zeilen auf dem Pergament zu hinterlassen. Feder und Brief ließ sie einfach auf dem Tisch liegen. Dann zog sie die Brosche mit ihrem yil'danischen Wappen aus dem Stoff ihres Kleides und legte sie auf den Brief. Ramirez hatte ihr seinerzeit zugesichert, einen Austritt aus dem Orden nicht weiter zu verfolgen, wenn sie gute Gründe hatte. Sie wusste nicht, ob er sein Wort halten würde, aber im Grunde war es ihr auch gleich.
Den Rucksack geschultert sah sie sich noch einmal im Raum um. Nein, sie würde hier nichts vermissen.

Ohne noch einmal hinter sich zu sehen verließ sie das Anwesen. Draussen am Tor bedankte sie sich mit ein paar kurzen Worten bei der Wache und nahm ihr ihr Pferd ab. Sie lief ein Stück den Weg am Meer entlang. Als der Weg ins Innere der Siedlung abbog, blieb sie einen Moment stehen.
Sie holte ihren Schlüsselring aus der Tasche und zog zwei kupferne Schlüssel herunter. Nach einem kurzen Blick auf die beiden Schlüssel warf sie sie ins Meer. Noch bevor sie die Wasseroberfläche erreichten waren sie in der Gischt bereits nicht mehr auszumachen.
Anvhela wandte sich um und legte beide Hände an den Sattel ihres Pferdes. Mit einem Ruck zog sie sich hoch und trieb das Pferd an, das sogleich in einen leichten Trab verfiel.
Schon Minuten später hatte sie Fenisthal hinter sich gelassen, und folgte nun der Straße nach Britain. Fürs erste würde sie sich in einem der Gasthäuser ein Zimmer nehmen. Dann würde man weitersehen.

In Fenisthal indes würde der Brief vermutlich noch bis zum Anbruch der Dunkelheit liegen bleiben, ehe Ramirez heimkehrte und seine Nachricht lesen würde.

"Lebe wohl.

Anvhela."
Anvhela Nivniamon ist offline  
Mit Zitat antworten
Alt 30.10.2006, 00:26
#2
Anvhela Nivniamon
Reisender
 
Registriert seit: 18 Sep 2005
Beiträge: 358
Mit einem erlösten Seufzer ließ Anvhela sich auf das große Bett in ihrem gemieteten Zimmer fallen. Bis zum späten Abend war sie unterwegs gewesen, auf der Suche nach Alaron, der Person, die einen weitaus größeren Teil in ihrem Leben darstellte, als Ramirez es je tat.
In seinem Haus hatte sie ihn nicht angetroffen, aber das war nicht weiter verwunderlich, zogen Nacht und Mondlicht ihn doch ebenso nach draussen ins Unbekannte, wie sie.
Seit drei Tagen war sie nun aus Fenisthal verschwunden und hatte seitdem auch nicht mehr viel von dort vernommen. Dass sie abgereist war, hatte sich wohl herumgesprochen. Und mehr? Ihr Brief war kurz und aussagelos gewesen, aber offenbar hatte das Ramirez nicht dazu motiviert, sie zu suchen um die Hintergründe zu erforschen.
War das seine Liebe, von der er immerzu gesprochen hatte? Viel konnte ja nicht an seinen Worten gewesen sein. Dafür, dass er sie sogar schon beim Herzog als seine zukünftige Frau erwähnt hatte, schien sein Interesse ja nicht mehr allzu groß zu sein.
Sie seufzte bedauernd. Als sie ihn kennenlernte, hatte sie nicht beabsichtigt, dass es so endete. Aber sein mangelndes Interesse an ihrem Verbleib bestätigte sie darin, dass sie sich richtig entschieden hatte.
Sie schlug ihre Augen wieder auf und sah an die hölzerne Decke des Zimmers. Über seine Geheimnisse hatte er immer nur Andeutungen gemacht. Das zeugte auch nicht gerade von Vertrauen, oder? War das der Grund gewesen, weshalb sie am Ende tatsächlich, nach all der Zeit, ihre Sachen gepackt hatte? Nein, wohl eher nicht. Es war wohl eher sein Versuch gewesen, sie an eine goldene Kette zu legen, seien die Gründe für ihn noch so vertretbar. Sie war nicht aus ihrem Leben in Sneholm ausgebrochen, nur um sich in Britannia dem selben Schicksal zu ergeben. Ja, sie hatte sich gewaltig in ihm geirrt, und damit meinte sie nicht die zahllosen Aushänge, die nun im Land über ihn kursierten. Vermutlich hatte er selbst es nicht einmal gemerkt, wie er versucht hatte, sie mehr und mehr an sich zu fesseln, und wie er sie damit nur weiter und weiter von sich getrieben hatte.
Sicher hatte sein Stand ihr einige Annehmlichkeiten gebracht, das war nicht von der Hand zu weisen. Doch sie hatte es satt gehabt, sich auf Schritt und Tritt von Schwertreitern verfolgen zu lassen und sich dann am Abend zu rechtfertigen, was sie wann, wo und wie getan hatte.
Irgendwann war ihr Geduldsfaden derartig zum zerreissen gespannt gewesen, dass eine unbedachte Aussage seinerseits ihn zum Zerreissen gebracht hatte. Als er ihr mit einem Schmunzeln im Gesicht sagte, dass Schläge ihr doch gefallen würden. In diesem Moment glaubte sie ihren Ohren nicht zu trauen. Er wusste, wie ihr Rücken aussah, und dass er sicher nicht so aussah, weil sie irgendeinen Gefallen daran hatte.
Nein, es war besser so. Er hatte sie offenbar als ein ersetzbares Schoßhündchen betrachtet, als eines, das er für seine Begierden bedrängen konnte, wie es ihm beliebte. Mit den Konsequenzen, die daraus unweigerlich entstanden waren, saß sie nun hier. Was sie damit anfing, wusste sie noch nicht.
Vielleicht würde sie Alaron um Rat fragen. Mittlerweile tolerierte sie seine Meinung und auch seine Überlegenheit ihr gegenüber. Vielleicht würde sie sich auch einfach nur zurücklehnen und die Sache auf sich beruhen lassen. Die Personen, die es anging, scherte es ja nicht, also machte es auch keinen Sinn, sich damit zu befassen.
Er würde eine andere finden, der er von der großen Liebe erzählen konnte, der er sagen konnte, dass sie ihm sein Licht gegeben hätte, mit der er sich verloben und die er dann über Jahre hinweg hinhalten würde, bis sie schließlich, reduziert auf eine unbezahlte Arbeitskraft entnervt das Handtuch warf, wie es seine Frau Chiara schon vor ihr getan hatte.
Anvhela Nivniamon ist offline  
Mit Zitat antworten
Antwort


Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
 

Forumregeln
Es ist dir erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind aus.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 08:00 Uhr.