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Reisender
Registriert seit: 22 Jan 2015
Beiträge: 2
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Ihr war immer noch speiübel. Sie wusste mehr denn je, warum sie festen Grund unter ihren Füßen so liebte. Dennoch, oder gerade wegen diesem Grund, musste es eine Seereise sein. Und sie hasste beides; den Grund UND Seereisen.
Aber wie sollte sie auch anders zu diesem entlegenen Ort Fearlans kommen? Magie konnte sie über so eine weite Strecke nicht bringen. Geschweige denn, dass sie, gerade mit der Ausbildung in den gröbsten Disziplinen der Magie abgeschlossen, gar nicht in der Lage wäre, dies zu bewerkstelligen. Nein, es musste leider sein. Sie konnte sich nicht wiedersetzen. Jeder musste dieser Order der Akademie in Hohenfels folge leisten. Denn es war nicht nur Tradition, es war Gesetz. So stand es in der Akademieordnung. Und wer sich wiedersetzte, hätte die letzten 12 Jahre auch gleich das Handwerk des Bauern ergreifen können. Oder in ihrem Fall, sich einen stinkenden Mann suchen können, ihn heiraten und unzählige Bälger in die Welt setzen können, so wie es räudige Köter Jahr für Jahr tun. Nein, dies war ganz bestimmt nicht ihr Weg. Kein dummes Frauchen sein, was den ganzen Tag in den vier Wänden irgend einen nicht vorhandenen Staub wischt, hinter ihren Balgen herräumt und abends, wenn der stinkende Ehemann aus dem Gasthaus sturzbetrunken nach Hause kam, auch noch seine üblen Launen ertragen müssend. Keinen weltlichen Besitz haben, kein Handwerk führen zu dürfen. Eigentlich ein Nichts sein. Niemals. Der einzige Weg war es, das kleine Fünkchen Talent, dass in ihr glimmte, weiter zu formen, zu hegen, ihm neuen Brennstoff geben, damit es größer wurde, heller leuchtete und stärker brannte. Als Magierin, oder wenn sie irgendwann einmal eine sein würde, wäre sie jemand. Jemand von Stellung, von Rang und Namen. Sie wäre alles, irgendwas, aber zumindest kein Niemand. Das sie dafür auch einiges aufgeben musste, war ihr schon klar. Nicht mehr den Wohlstand und Privilegien ihres Hauses und Namens genießend. Lernen, gehorchen, Disziplin. Nun gut, damit hatte sie nicht wirklich Probleme. Aber im ersten Jahr auf der Akademie irgend eine Zofe für die älteren Jahrgänge zu sein. Widerwärtig. Aber diese Schmach durften ihr alle nachfolgenden Jahrgänge teuer bezahlen. Und sie hat es genossen. Doch… diese neuerliche Schmach… Ob Akademiegesetz oder nicht… unerträglich. Nur mit einer Handvoll Münzen an einen fremden Ort reisen und, wie sagte es der Rat der Akademie… Das Leben kennen lernen und wichtige Erfahrungen sammeln. Pah. Das Leben ist ein Scheiß. Dachte sie sich. Ein Scheiß und Gemein. Zumindest dieses Leben. Warum Britannia? Warum das letzte Loch der bekannten Welt, so ewig weit weg von den Annehmlichkeiten des Festlandes? Alles, was ihr über dieses Herzogtum zu Ohren kam, war nicht gerade erbauend. Im Gegenteil. Kriege, Krankheiten, schlechtes Wetter. Ein idealer Ort, um den Tod schneller zu finden als man es eigentlich vorhat. Sie verfluchte nach wie vor dieses elende Los, dass sie gezogen hatte. Aber irgendwie wohl nicht nur sie. Alle waren ziemlich niedergeschlagen. Dabei sollte es alles so einfach sein. Du gehst vor, tastest dich etwas mit deiner Gabe voraus und kannst in etwa erspüren, was auf den Zetteln steht, da diese mit magischer Tinte geschrieben sind. Pah. Sie hat getan, wie andere Absolventen aus ihrem Jahrgang es ihr gesagt hatten. Sie hatte so ein Gespür, dass auf dem Zettel, den sie in ihren Fingern spürte, der Name der Nachbargrafschaft ihrer Heimat stand. Dies wäre ein ideales Los, da man ja nicht in die eigene Heimat gehen durfte, um nicht den Wohlstand und die Vorzüge des Lebens zu Hause auszukosten und nichts über das eigentliche Leben zu lernen. Aber, als sie das Los entfaltete, stand dort etwas ganz anderes; Britannia. Im ersten Moment wusste sie gar nicht, ob ihr Herz einen Schlag aussetzte oder ob man ihr den Boden unter den Füssen entriss. Sie war wie betäubt. Dort stand Britannia, nicht Wadmoor. Dieser dreizehnmal verfluchte Rat hatte wohl irgendwie mit unsichtbarer Tinte, magisch oder verzaubert, Namen auf die Zettel geschrieben und dann mit normaler Tinte einen anderen eingefügt. Sie wussten genau, dass wir wussten, was wir tun. Am liebsten hätte sie geschrien. Aber diese Blöße konnte sie sich nicht geben. Schwer schlucken musste sie. Und nicht nur sie. Alle. Aber eines Tages würden sich ihre Wege wieder kreuzen. Und dann könnte sich dieser vermaledeite Rat auf was gefasst machen. Aber alles Hadern brachte nichts. Nun saß sie schon seit 3 Wochen hier unter Deck oder auf Deck und wartete, dass man endlich dieses vermaledeite Eiland erreichte. Noch eine Woche, meinte der Kapitän. Noch eine Woche; bei gutem Wind. Seufzend nahm sie ihre Tasche zur Hand. Nass war sie immer noch, nach dem, ausgerechnet in ihrer Kajüte, ein Leck auftrat. Es war nicht viel Wasser was eindrang, und das Leck war schnell geschlossen. Aber dennoch war ihre gesamte Habe durchnässt. Ihre Reagenzien konnte sie über Bord werfen, ihre Aufzeichnungen hingen in der gesamten, kleinen Kajüte auf Leinen verteilt und die anderen drei Passagiere, mit denen sie sich auch noch dieses schäbige Loch teilen musste, beschwerten sich am laufenden Band. Sie solle doch endlich diese nichtsnutzigen Papierfetzen über Bord werfen oder ins Feuer geben, damit man noch etwas Nützliches davon habe. Pah, dieser Pöbel hat doch keine Ahnung. Können nicht schreiben, nicht lesen, aber maßen sich an, über die Wichtigkeit IHRER Unterlagen zu urteilen. Es ist einfach unerträglich, unter diesen Umständen zu reisen, zu leben und, ach, sogar zu atmen. Hier stank es wie… wie… sie wusste gar nicht, wo es so übel riechen konnte. Unerträglich. Sogar ihr Reisegepäck war für ihre Verhältnisse unerträglich. Was hatte sie dabei; eine Hand voll Münzen, kaum genug um zwei Tage ausreichend davon zu leben. Zwei Kleider, zusätzlich zu dem, was sie gerade trug. Ein paar Sandalen, ein paar Schuhe, ein leeres Buch, ihre Unterlagen und ein paar Reagenzien, an denen sich nun die Fische gütlich taten. Unerträglich. Dass sie einmal so tief sinken würde, hätte sie nie gedacht. Und obendrein starben auf diesem Seelenverkäufer die Passagiere wie Fliegen an der Wand. Schon fünf waren in diesen 3 Wochen auf unerklärliche Weise verschieden. Gut, bei einer wusste man, dass sie nicht mehr die agilste und stabilste war. Mit über 70 Lenzen durfte sie aus dem Leben scheiden. Aber der Rest? Mitte, Ende 20 bis Anfang 30. Kein Alter, um den letzten Atemzug zu tätigen. Dennoch hatte es auch Vorteile, dass so viele Damen aus dem Leben schieden. Ihr Geldbeutel hatte sich doch etwas aufgebessert. Und ein schlichtes Kleid hatte ihr Reisegepäck auch dazu bekommen. Ein Glück, dass eine der verblichenen Damen ihre Größe hatte. Und vermissen würde das ganze Zeug eh niemand. Vor allem, da Gerüchte um gingen, die Damen hätten alle mit einander ansteckende Krankheiten gehabt und man wollte ihre Kleider und Sachen nun über Bord werfen, damit sich kein anderer anstecken konnte. Aber Vearmina wusste es besser. Schließlich hatte sie zwei Jahre den Heiler Kurs besucht. Und alle Damen, sogar die ältere, waren eigentlich bester Gesundheit. Vielleicht etwas Seekrank wie sie, aber sonst fehlte ihnen auf den ersten Blick rein gar nichts. Irgendwas oder irgendwer hatte dafür gesorgt, dass sie ihr Leben aushauchten. War ein Mörder unter ihnen? Oder etwas anderes? Nun war sie doch froh, dass sie keine Einzelkabine wie die fünf Damen hatte. Hier, bei den anderen, auch wenn sie noch so sehr stanken, furzten und unflätige Unterhaltungen führten, war sie doch sicherer. Aber bald wären sie ja in Britain. Und dann interessierte sie dies hier kein Stück mehr. Mit den zusätzlichen Münzen konnte sie wenigstens ein paar Tage anständig unterkommen. Und dann? Ihr krampfte der Magen. Sollte sie tatsächlich irgend eine Arbeit annehmen müssen? Schließlich mussten irgendwoher ja die Münzen kommen. Denn auf der Straße wollte sie nun auch nicht kampieren müssen. Brrr. Das Leben ist wirklich gemein. Aber es ist nicht das erste Mal, dass ich ihm die Zähne zeige. Und wo eine Tür zugeschlagen wird, öffnet sich mindestens eine Neue. Irgendwie geht es immer weiter. Irgendwie… |
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