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Alt 08.10.2014, 19:26
die Kunst der Lüge
#1
Kathz Driall
Reisender
 
Registriert seit: 20 Jul 2014
Beiträge: 14
Der Schmerz schnitt durch seinen Körper. Erschütterte ihn und schien ihn aufbrechen zu wollen. Mit allem was er an Kraft und Willensstärke zusammenraffen konnte, hielt Kathz dagegen an. Trotz dem Wissen, dass seine Hülle dem Kampf nicht lange standhalten konnte.
Er zwang sich, den Blick in das Gesicht des Fremden zu heben. Es kam ihm verschwommen vor, dunkel. Ein weiterer Schnitt zwang ihn endgültig zu Boden. Der Schmerz durchraste ihn und drang mit voller Kraft in jede Faser seines Körpers. Es fühlte sich an, als werde er jeden Moment davon zerrissen. Ein Schrei, der diesem Gefühl entgegen halten sollte. Doch Kathz war gar nicht mehr bewusst, dass es der Seine war. Er schien wie aus dieser Welt gezerrt. In eine andere, viel dunklere.
Sein Körper schien ihm nicht mehr zu gehören, fühlte sich zertrümmert an. Nicht mehr zu gebrauchen. Zum ersten Mal nahm Katzh äußerst bewusst alles andere wahr, was in seiner Hülle verborgen zu sein schien. Doch auch dies wirkte zerschunden und wie von schweren Ketten zur Unbeweglichkeit verdammt. An das Gesicht der Frau konnte er sich kaum mehr erinnern, ihre Stimme war in seinem Geist verloren. Aber die des Fremden drang umso fester und deutlicher auf ihn ein. Wirkte wie das Letzte, was ihn mit seiner Welt verband und gleichzeitig wie ein heißes Eisen, welches sich in sein Fleisch brannte. Kathz kratzte das letzte bisschen Willen zusammen und versuchte sich zu winden, sich aufzuraffen…doch er konnte nicht. Die Worte des Mannes, die auf ihn eindrangen, bohrten sich in seinen Geist. Er versuchte die Augen zu öffnen, nahm einen helleren Schimmer wahr, gleich der Form eines Gesichtes. Kathz konzentrierte sich, erkannte die Lippen, die Augen…und stellte fest, dass es seinem eigenen Gesicht bemerkenswert ähnlich sah. Nur erschien ihm sein Gegenüber viel blasser und eingefallener. Dann riss es seine Augen auf und starrte ihn an. Ein Schreck durchführ Kathz, denn die Augen seines anderen Ichs waren zu Scherben zerborsten! Kaputt und leer! Er konnte sich keinen Laut abringen, doch das andere Ich riss seinen Mund unnormal weit auf. Kathz konnte hören, wie der Kiefer brach! Er konnte in das verfaulte Innere des Rachens sehen und der Gestank von Verwesung stieg darin empor, so wie ein heiserer, rasselnder Schrei! Fliehen, er musste weg. Das war zu viel! Doch er konnte sich nicht bewegen und das Ding beugte sich tief über ihn, als wolle es in sein Gesicht beißen. Dünne Finger umgriffen seine Arme. Heiß und wie aus feuchtem, glitschigem Leder. Sie griffen fest zu und schienen seine Haut zu verbrennen.
Kathz kämpfte mit aller Macht gegen das Gefühl an, ausgeliefert zu sein. Sein bewegungsloser Körper wurde abermals von heißem Schmerz ausgefüllt und er konnte mit nichts anderem dagegen halten, als seinem Geist. Doch auch dessen Risse wurden immer deutlicher…

Als die Dunkelheit sich langsam verflüchtigte, spürte Kathz eine kühle Briese über seine Stirn streifen.
Sie linderte das brennende Gefühl, welches noch immer auf seinem Körper lag und ihn zu lähmen schien. Angst packte ihn und seine Finger wollten etwas umgreifen, was ihm Halt versprach. Er spürte, dass sie sich ganz leicht bewegen ließen und fühlte Gras. Feucht vom Morgentau. Kathz öffnete die Augen und erkannte das Licht der Morgendämmerung. Zunächst erschien ihm dies nach der ganzen Hölle wie ein bitterer Scherz und er wartete den sengenden Schmerz ab, der nun folgen sollte. Doch nichts geschah. Nur sein Herz hämmerte gegen seine Brust, wie nach einem schrecklichem Alptraum.
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Alt 16.10.2014, 14:05
#2
Kathz Driall
Reisender
 
Registriert seit: 20 Jul 2014
Beiträge: 14
Wenn er etwas nennen müsse, worin er gut sei, so wäre es wohl Verdrängung. Oh ja, Kathz beherrschte diese Kunst sehr gut. Einfach etwas, was sein Ego ankratzte oder ihm zu schaffen machte, irgendwo in seinem Inneren einschließen. Eine gute Methode. Normalerweise.
Mit der Begegnung der einen Nacht verhielt es sich anders. Wenn es wenigstens auf die Bekanntschaft dieser reizenden Dame mit den Viechern hinausgelaufen wäre. Doch war es dieser...Fremde...der offenbar seinen Geist zerschmettert hatte. Und nicht nur diesen.
Kathz wusste, dass provokant für ihn noch gar kein Ausdruck war. Sein Problem bestand darin zu merken, wann damit Schluss ist. Das bestimmende Auftreten des Anderen, hatte ihn angestachelt. Er hasste solch ein Getue und konnte nicht anders als sich darüber lustig zu machen. Dabei hatte er die Situation so ausgereizt, dass der Fremde auf ihn losgegangen ist. Zugegeben, Kathz hätte damit nie gerechnet. Überrascht war er allerdings viel mehr über diese gefährliche Ernsthaftigkeit, des Anderen, etwas zu tun...etwas endgültiges. Kathz zu töten.
Und das mit einer solch präziser Ruhe, als ginge es lediglich darum eine kleine Mücke zu zerquetschen. Genauso war er sich vorgekommen.

Die Erinnerungen an dieser Nacht waren verwischt. Mischten sich mit unvorstellbaren Schmerzen und schrecklichen Alpträumen. Kathz wusste diese nicht mehr von der Wirklichkeit zu unterscheiden. Als er aufwachte, an einem völlig anderen Ort, fühlte sich sein Körper einerseits steif und wie taub an. Andererseits brannte es abgründisch in ihm.
Nachdem er sich wieder bewegen konnte, spielten seine ersten Gedanken damit, die Stadt zu verlassen. Am besten diese gesamte Insel! Doch irgendwas an dieser Vorstellung behagte ihm ganz und gar nicht.

,,Was hast du gesagt?" Mit diesen Worten sah er zu Teresa auf. Die Wirtin blickte in das Gesicht eines Mannes, der seit Nächten mit dem Schlaf zu kämpfen schien. Sie schüttelte den Kopf, als Zeichen, dass sie nicht zu ihm gesprochen habe. Kathz hatte diese Art Antwort bereits erwartet. Die zerstörte kleine Hoffnung auf eine Andere starb schmerzhaft in seiner Brust. Es kam in den letzten Tagen nicht zum ersten mal vor, dass er das Gefühl hatte, jemand würde zu ihm sprechen. Jedes Mal, wenn er sich umsah, schienen jedoch alle mit etwas anderem beschäftigt...oder es war niemand zu sehen. An Schlaf war kaum noch zu denken. Immer wieder hatte er dabei das Gefühl in tintenschwarzen, moorrastigen Boden zu versinken. Wurde heimgesucht von den immer gleichen grausamen Bildern und jedes mal dieser brennende Schmerz, wenn er erwachte. Als hätte man ihn die ganze Nacht gegeißelt. Immer wieder diese flüsternde Stimme, die wie scharfe Nägel durch seinen Nacken fuhr. Er konnte nicht mehr.

Wie wild schlug er auf die mit Stroh gefüllte Puppe ein. Traktierte sie mit mächtigen Hieben und Tritten. Der Schweiß rann ihm über den Körper. Seine Muskeln schmerzten bereits, doch er konnte nicht aufhören. Kathz musste sich verausgaben! Er sehnte so sehr die völlige Erschöpfung herbei. Einfach zusammen zu brechen und dann ohne Weiteres zu schlafen. Tiefer Schlaf, ohne sich vorher mit irgendwelchen finsteren Gedanken oder Ängsten beschäftigen zu müssen. Was hatte dieser verdammte Kerl mit ihm gemacht?! War es ein Gift, dass ihn langsam zermürben und in den Wahnsinn treiben sollte? Nein, Nein...schon wieder fing es an. Solche Gedanken durften ihn nicht mehr heimsuchen! Er musste sie verschließen. Sich ablenken.
Kathz versuchte sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Das Training ja. Seine Ausdauer musste gestärkt werden...

Seit einigen Stunden war Katzh ziellos durch die Stadt gelaufen.
Hatte versucht, das schmerzhafte Hämmern in seinem Kopf zu ignorieren, bis ihm ein Aushang auffiel. Eine Schwertkampfschule. Das Schreiben stach ihm förmlich in die Stirn. Er war heran getreten, wie hypnotisiert davon und mit jeder Zeile die er in sich aufnahm, schienen die Schmerzen in seinem Kopf nach zu lassen. Es war wie eine Offenbarung. Ja, das sollte die ersehnte Ablenkung sein! Mit einem mal war sein Kopf so frei wie nie. Völlig schmerzlos. Er fühlte sich so gut, wie seit Tagen nicht mehr. Kathz verlor keine Zeit, er setzte ein Schreiben auf um sich genau für diese Schule zu melden und gab es noch am selben Abend einen Boten mit. Sein nächster Weg führte ihn in seine Unterkunft und ins Bett. Plötzlich stand dem ersehnten Schlaf nichts mehr im Weg und innerlich Dankte er diesem Herrn Cordan dafür...offensichtlich seinen Verstand zu retten.
Kathz Driall ist offline  
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Alt 05.11.2014, 19:52
#3
Kathz Driall
Reisender
 
Registriert seit: 20 Jul 2014
Beiträge: 14
Es waren Tage vergangen...Wochen. Die Zeit war vorüber gezogen ohne, dass Kathz sie als Wirklich wahrgenommen hatte. Er hatte Aufgaben bekommen, denen er nachging und er konzentrierte sich auf sein Training um ihnen noch besser nachzukommen. Ein völlig einfacher Vorgang der ihn plötzlich auszufüllen schien. Doch gehörte dazu noch sehr viel mehr. Kathz erhielt Anerkennung und - auch wenn er sich diesem Urteil wohl nie beugen würde wollen - es tat ihm gut und es bestärkte ihn in seinem Handeln. Natürlich war es völlig lächerlich zu glauben, dass er gehorsam geworden ist. Nein, er würde es viel mehr überdachter nennen...strukturierter und vielleicht auch...einsichtiger. Aber er könnte jeder Zeit alles einfach hinter sich lassen und wieder seiner Wege gehen!

An einem Abend dann - am ersten Abend in seiner eigenen Hütte - fiel Kathz etwas auf, während er sich entkleidete. Es waren nicht die Narben, die hinzugekommen waren und seinen Körper - seiner Meinung nach - auch nicht entstellten. Aber etwas an ihm hatte sich verändert. Keinen Zweifel. Er war kräftiger geworden! Seine Muskeln zeichneten sich deutlich unter seiner Haut ab. Die Aufgaben, all das Training machten sich auf seinem Körper deutlich. Doch Kathz konnte sich nicht daran erinnern jemals, seit er diese Siedlung sein Heim nannte, totmüde ins Bett gefallen zu sein. Überhaupt schien er Erschöpfung kaum mehr zu spüren. Was ihm außerdem noch auffiel war, dass vieles, was er einmal sein Leben nannte, darin plötzlich keine Rolle mehr spielte. Vergangenes schien er sogar beinahe soweit verdrängt zu haben, dass er sich kaum mehr daran erinnern konnte. Wie hatte seine Mutter ausgesehen? Er konnte sich lediglich noch an einen dürren Körper gehüllt in ein blaues, abgetragenes Kleid erinnern. Ausgezerrtes braunes Haar...welche Farben hatten ihre Augen? Welchen Klang ihre Stimme? Trotz Anstrengung kam Kathz nur die Erinnerung an ein spöttisches, helles Lachen welches er sich rasch aus dem Kopf schüttelte. Nur eine einzige Erinnerung seines vergangenen Lebens blieb ihm gut erhalten. Es war ausgerechnet das, was ihn gegenüber Marik vorsichtig sein lies. Marik schien von ihrem Meister mehr zu verstehen als jeder andere. Kathz würde es nie zugeben ihm heimlich nach zu streben. Einerseits wollte er ihn übertrumpfen und zu Boden werfen...andererseits fühlte er sich neben ihm wirklich, als hätte er einen Bruder. Deshalb war es wie ein Schlag in seine Magengrube, als er ihm erzählte, was einmal getan hatte. Sicher hatte Marik gesagt, dass es Vergangenes sei und darüber gelächelt. Doch Kathz glaubte, den Schatten erkannt zu haben der kurz Mariks Miene verdunkelte....
Kathz Driall ist offline  
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Alt 25.01.2015, 19:06
#4
Kathz Driall
Reisender
 
Registriert seit: 20 Jul 2014
Beiträge: 14
Verschlossen. Schon wieder. Oder besser gesagt: noch immer. Kathz hatte dennoch erneut versucht, die Tür des Gemeinschaftshauses zu öffnen. Die Klinke gab das selbe Geräusch von sich und das Schloss erwies sich noch immer als erbarmungslos unnachgiebig gegenüber seines Versuchs, den Schlüssel darin herum zu drehen. Das Gefühl, das ihn an dieser Stelle jedesmal heimsuchte, war nicht genau zu beschreiben. Eine Mischung aus Enttäuschung und Verunsicherung. Wenige Augenblicke später, mischte sich jedes Mal auch Wut hinzu. Und langsam war er mehr und mehr zermürbt. Valerius hatte zuletzt seine Heimkehr angekündigt. Doch blieb er verschwunden. Ebenso wie all die anderen deren Hütten leer zu sein schienen. Immer mehr kam Kathz das alles vor, wie ein schier endloser Traum. Zudem konnte man diese Schwärze, die ihn jedes mal heimsuchte wenn er sich hinlegte, kaum als Schlaf bezeichnen. Auch wenn sich sein Körper danach ausgeruht anfühlte, blieb eine stumpfe Leere in ihm zurück. Und sie schien immer größer zu werden, als würde er sich mit jedem Schlaf immer weiter auslöschen. Immer, bevor er seine Hütte betrat, lenkte sein Blick in Richtung des großen Hauses. Er hatte den Mann, den Valerius 'Feisthos' nannte, nie zu Gesicht bekommen. Seit Kathz hier war, hatte sich in diesem Haus nichts geregt. Das tat es auch jetzt nicht. Doch fühlte es sich oft an, als würde ihn jemand daraus beobachten. Allgemein strahlte das Gebäude etwas aus, was Kathz nur im geheimen für sich selbst als 'unheimlich' empfand. Es war einfach das Gefühl, doch nicht ganz so allein hier zu sein. Nur wollte sich der Bewohner offenbar nicht zeigen und beobachtete lieber den letzten, hier geblieben. Hatte dieser Feisthos womöglich etwas mit dem Verschwinden der anderen zu tun? Kathz behagte dieser Gedanke überhaupt nicht. Wenn es stimmte, wieso war er dann über geblieben?

,,Machst du dich über mich lustig?" Seine Stimme klang rauer als gewöhnlich. Er hatte sie lange nicht benutzt. In sich eingesperrt. Kathz starrte auf das Haus von Feisthos. Manchmal, wenn er sich spät in der Nacht in seine Hütte zurück gezogen und das Licht gelöscht hatte, glaubte Kathz Geräusche aus der Richtung dieses Gebäudes zu hören. Immer wieder hatte er nachts Stunden damit verbracht, durch die Fenster seiner Hütte jenes Haus zu beobachten. Dort regte sich gar nichts. Was ihn noch viel mehr zermürbte. Nichtmal ein Lichtschimmer hinter einem der Fenster. Nichts. Wenn seine Beschattung nicht grad bis zum frühen Morgen andauerte, hatte er sich danach mit knirschenden Zähnen in sein Bett gelegt, gelauscht, bevor er in traumlosen Schlaf gesunken war. Nicht selten schreckte er aus solchem auf. Dann hämmerte sein Herz gegen die Brust und kalter Schweiß rann ihm über den Körper. ,,...du willst mich wohl in den Wahnsinn treiben?" Kathz hielt inne, nachdem er diese Worte gesprochen hatte. Was tat er hier? Er sprach zu einem, wahrscheinlich, unbewohnten Haus und gab ihm die Schuld für seinen Zustand. Tag für Tag prüfte er die verschlossene Tür der Halle in der Hoffnung, sie würde sich öffnen. Aber, was stellte er sich vor, wäre dann? Aus irgendeinem Grund sah er vor sich das Bild des großen Tisches, an dem Valerius, Nathara, Uriel und Marik saßen...aus der Küche kam Paulina und brachte irgendein Gebäck. Dieser Gedanke schnürte ihm die Kehle zu. Es war absurd. Der Tisch würde leer bleiben und die Tür wird sich nie mehr öffnen. Kathz war völlig allein hier. Niemand hielt ihn auf, das Lager einfach zu verlassen. Warum blieb er noch? Die Antwort traf ihn wie ein Dolch zwischen die Rippen. Er wartete auf seinen Herrn. Man hatte Kathz zu einem Köter erzogen.
Kathz Driall ist offline  
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