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Alt 19.10.2026, 19:28
Die Befreiung des Feenbaums
#1
Stille der Nacht
 
Registriert seit: 02 Jan 2004
Beiträge: 67
Ein gutes Jahrzehnt hatte der Feenbaum nun, gefangen von dunkler Magie, in den Wäldern Vespers verbracht. Fast wäre er vergessen worden, hatten die dämonischen Doppelgänger doch dafür gesorgt, dass sich niemand mehr in seine Nähe wagte.

Auch die Bemühungen der Göttinnen, deren gemeinsames Geschenk an die Bewohner Britannias der Baum eigentlich sein sollte, hatten es nicht geschafft, den Menschen, Elfen und Zwergen genug Willen zu verleihen, um der Gefahr zu trotzen und den Baum zu befreien. Manchmal braucht es keinen göttlichen Einfluss, um die Dinge zu bewegen. Manchmal reicht es schon, wenn jemand neues kommt und frischen Wind in die Sache bringt. Und so wurde nach Jahren des Vergessens kurzerhand ein schlagkräftiger Trupp aufgestellt, dem es mit vereinten Kräften gelang, die Doppelgänger zu vertreiben.

Der dunkle Nebel, der auf der Feenbaumlichtung waberte, löste sich endlich auf. Stattdessen breitete sich ein goldener Schimmer rund um den Baum aus. Die Blätter, die bisher trist graugrün waren, bekamen einen goldenen Glanz. Einige von ihnen fielen wie goldener Schnee zu Boden und bedeckten die Spuren der Kämpfe der vergangenen Jahre. Die kleine rosa Blüte, hoch oben in der Krone des Baumes, begann sich vorsichtig zu öffnen. Es war eine kleine Mistel, eigentlich kein Teil des Baums und doch in einer festen Symbiose. Ohne dass das menschliche Auge es sehen konnte, breitete die Mistel ihre Wurzeln über die Äste des Baumes aus und bald darauf befanden sich überall winzigkleine Ableger. Es würde nicht mehr lange dauern, bis diese anfangen würden, zu blühen.



Epilog
"Schwester... dieser hässliche Stein dort. Wie lange willst du mein Auge damit noch beleidigen?" Ludia spielte verträumt an ihren langen Haaren und drehte sich immer wieder eine Strähne wie eine Locke um den Zeigefinger.
"Wir brauchten ihn, um die Menschen, Elfen und Zwerge beim Kampf gegen die Dunkelheit zu unterstützen.", erwiderte Tycuahele geduldig. "Die Energie..."
"Ja, die Energie", echote Ludia ungeduldig. "Aber jetzt ist der Baum gerettet und deine beiden Speere hast du auch zurückbekommen. Ich habe gestern beobachtet, wie jemand den zweiten Speer hineinstieß."
Adoria, die dem Gespräch gelauscht hatte, gluckste amüsiert. "Der einfachste Weg, eine Waffe loszuwerden. Wir hauen sie einfach mal in einen Stein und schauen, was stärker ist."
Ein wenig ungeduldig rollte Tycuahele mit den Augen. "Ihr habt den Menschen freien Willen gegeben. Dann muss man auch damit rechnen, dass sie kreativ werden."
"Kinder", mischte sich die sanfte Stimme Libanus ein. "Wir wollen uns nicht zerstreiten über das schwesterliche Geschenk, das wir Britannia gemacht haben. Räumt den elenden Stein einfach weg und lasst uns abwarten, ob jemand das Geheimnis des Baumes lüften kann."
Tycuahele seufzte ergeben. Sie öffnete ihre Hand und auf eine kleine Bewegung hin blähten Stein und Speere sich wie eine winzige Supernova zu einer gleißenden Kugel auf, die kurz darauf in Licht explodierte und verschwand. "Mögen unsere Feen wenigstens beherzigen, dass das Geheimnis nur denen zuteil wird, die aufrichtig und nicht zum Schaden anderer handeln wollen."
"So sei es", erwiderten die anderen im Chor.
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