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Alt 24.01.2003, 21:46
Silith' Kindheit..
#1
Melisandra Caron
Reisender
 
Registriert seit: 09 Apr 2002
Beiträge: 55
Ruhig lag die See, und nichts störte die Ruhe über Britannia, als im Dunkel der Nacht ein Boot - mehr eine Nusschale - im Hafen Britains anlegte. Eine zusammengekauerte Gestalt in braunem Umhang mit Kapuze auf dessen Rand mit feinem Goldfaden Symbole eingestickt waren, die bei näherer Betrachtung zu verwischen schienen erhob sich zu voller Statur und überreichte dem Fährmann ein paar Goldstücke, ohne jedoch ein Wort zu sagen. Lautlos glitt das Boot zurück aufs offene Meer, die Gestalt am Steg sah ihm nach bis es ihrem Sichtfeld völlig entglitt. Sie drehte sich in einer einzigen Bewegung um und streifte die Kapuze ab.
Zum Vorschein kam das schmal geschnittene Gesicht einer jungen Frau, die nicht besonders schön war und nicht besonders hässlich. Ihr blasses Gesicht war nicht auffällig, und würde ein zufällig in eine Menschenmenge geworfener Blick an ihm haften bleiben, hätte jener, der sie ansah, im nächsten Augenblick wieder vergessen wie sie aussah. Anzusehen war ihr nur, dass sie nicht besonders viel Zeit im Freien zu verbringen schien, und dunkle Augenringe malten sich um ihre Augen, die zeugten von durchwachten Nächten über verstaubten Büchern auf der Suche nach Wissen.
Blondes Haar umrahmte ihr Gesicht, und nur in den dunkelbraunen Augen war eine Regung zu lesen, einzig Kälte stand darin und eine Art von zynischer Belustigung. Ansonsten wäre selbst einem interessierten Beobachter nur die Gleichgültigkeit aufgefallen, die aus ihren Zügen sprach. Sie hob den Blick und sah sich um. Vor ihr lag Britannia, eine neue Welt voll neuer Möglichkeiten.. wohin mochten sie sie führen?

Ohne es zu wollen kreisten die Gedanken ihrer Vergangenheit um sie, umschlossen ihr Denken mit der Macht die sie immer gehabt hatten, solange sie es zuließ, in unvorbereiteten Augenblicken hatten sie sie überfallen. Bilder die in ihrem Kopf entstanden traten langsam aus dem Nebel. Lilianes Gesicht.. so schön… so verletzlich.. sie sank auf den Steg nieder um von der Macht der Bilder nicht überwältigt zu werden, zu stark waren die Gefühle die sie wie mit tausend Nadelstichen quälten.

Es war der zwölfte Tag ihrer Geburt, und hoffnungsvoll war sie aufgewacht. Liliane als Silith’ Schwester und Zwilling schlief im selben Zimmer wie sie selbst. Als sie klein gewesen waren, hatte ihre Amme ihnen oft die Geschichte vom hässlichen Entlein erzählt, das sich eines Tages in einen Schwan verwandelt. Silith hatte immer voll Zuversicht gedacht, dass sie eben länger brauchte als Liliane, um ein Schwan zu werden, doch immer mehr wurde ihr bewusst, dass sie das hässliche Entlein bleiben würde, das niemand leiden mochte.
Sie sahen sich nicht ähnlich, denn alles was Silith fehlte, besaß Liliane zuhauf. Schönheit, Charme und die Kenntnis vom Geplauder mit Männern waren ihr zueigen. Schon mit zwölf war Liliane keck gewesen und zog die Aufmerksamkeit aller auf sich wenn sie einen Raum betrat. Doch all dies war der zwölfjährigen Silith gleichgültig, und obwohl ihre Schwester sie neben sich selbst nur zu dulden schien, hegte sie Zuneigung für Liliane.
So wachte sie also auf und schlug die Laken zurück. Als sie an Lilianes Bett lief und diese wecken wollte, fand sie nur ein sauber gemachtes Bett vor – leer. Verwundert hopste sie über die Treppen nach unten und trat ins Frühstückszimmer in dem die Geschwister bisher immer mit den Eltern und der Amme an ihren Geburtstagen gefrühstückt hatten. Doch nun stand auf dem Tisch bloß die Torte, und sie war halb aufgegessen. Daneben lehnte ein Zettelchen auf dem knapp niedergeschrieben war:

„Lass dir die Torte schmecken. Wenn du Lust hast komm später zur Mühle, wir verbringen den Tag am Bach unten. dein Geburtstagsgeschenk – es steht im Stall - wird dich flugs dahintragen.“

Sie ließ den Zettel auf den Boden fallen und kauerte sich daneben zusammen. Tränen der Enttäuschung liefen ihr über die Wangen. Wussten die Eltern denn gar nichts?
Liliane war diejenige, die sich aufs Reiten verstand und Gefallen daran fand, an der Seite anderer über die Felder zu traben und Eindruck zu schinden. Silith hatte Angst vor Pferden, sie war noch niemals geritten und hätte sie auch weniger Angst gehabt wäre sie nicht auf ein Ross gestiegen, denn Liliane hätte sie nur lächerlich gemacht, wie in allen Dingen die sie besser beherrschte. Mit düsterem Blick betrachtete Silith den Zettel und drehte ihn in den Händen. Mit einemmal wurde sie gewahr, dass auch auf der Rückseite etwas geschrieben stand, klein und kaum lesbar in der linken Ecke.

„ Schneide dir ein Stück Torte ab, aber gib Acht, dass du nicht aus Versehen dich selbst erwischst."
gez. L.


In diesem Augenblick begann sich etwas in ihr zu verändern. Sie konnte von der Wut die sie überschwemmte kaum noch atmen und ballte die Hände zu Fäusten. Nicht genug, dass Lilith sie in allen Dingen die ihre Eltern als wichtig erachteten, in den Schatten stellte, sie machte sich gleichzeitig noch über sie lustig.

Silith hatte sich seit ihrem zwölften Geburtstag vollständig von allem und jedem was ihr nahekommen konnte, isoliert.
Sie hatte sich ihr eigenes Reich geschaffen, in dem ihre Regeln galten und niemand sie verhöhnen konnte weil sie weder schön, noch eloquent genug war. Das Mädchen setzte sich auf den Hocker vor der Kommode auf der ihre Bücher gestapelt lagen. Silith strich das Kleid in dem fahlen Grünton glatt und betrachtete sich in dem angelaufenen Spiegel, in dem sie sich kaum noch erkennen konnte und lächelte wieder. Doch dieses Lächeln war anders, es hatte nichts von der Schüchternheit und Tollpatschigkeit die ihm früher eigen waren. Dieses Lächeln war sich seiner selbst sicher, und in der eigenen Verletzlichkeit unantastbar.
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Geändert von Melisandra Caron (29.01.2003 um 09:09 Uhr).
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