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Alt 24.01.2007, 21:57
Magrath aus der Wüste
#1
Magrath Ryven
Reisender
 
Registriert seit: 15 Jan 2007
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"Ihr Mittelländer seid grauenvoll." hatte er gesagt und sich einen Weg durch Menschen gebahnt, welche jubelnd oder erschrocken die Hinrichtung verfolgten. Auf dem Marktplatz lagen Körperteile des Verurteilten und Blut bahnte sich seinen Weg durch Staub und Gestein. Auf jenem Platz, auf dem sich für gewöhnlich Menschen treffen um miteinander zu handeln oder einfach nur zu reden, fand heute eine Hinrichtung statt. "Eine Hinrichtung, welche nicht ausschließlich dem Tod nützt" dachte Magrath, als er sich an der Kirche vorbei in Richtung der Brücke bewegte. Noch immer hörte man die Schreie des Schuldigen und die tobende Masse.

An der Brücke angekommen, ging er bis zur Mitte und hielt inne. Er stemmte die Hände an das Geländer und starrte in das Wasser hinab, welches nun auch den letzten Hohn oder aufgeregten Schrei durch ruhiges und gleichmäßiges Geplätscher im Keim erstickte. Er hatte sich seine Reise in das Mittelland definitiv anders vorgestellt. Sicher lernte er nette Menschen kennen und verbrachte schöne und aufregende Stunden mit ihnen. Durch den heutigen Tag verloren diese allerdings an Bedeutung. Es war Absurd. Glaron, die große Gottheit, hatte eifrige Diener welche ihresgleichen, zur Unterhaltung anderer, öffentlich hinrichteten. Magrath konnte sich beileibe nicht vorstellen, dass dies im Interesse einer rechtschaffenden Gottheit geschehen könnte. "Sie belügen sich selbst", dachte Magrath, "und knien nieder vor einem großen und barmherzigen Gott. Dabei sind sie selbst blutrünstig." Vierfacher Mord ist mit Sicherheit nicht zu entschuldigen. Jedoch hielt Magrath diese Art von Hinrichtung für verachtungswürdig und falsch. Jeder beteiligte Gardist hatte nun ebenfalls gemordet. Sie würden es rechtfertigen. Sie würden sagen, dass es im Sinne ihrer Gottheit geschehen würde und, dessen war sich Magrath sicher, keiner von ihnen hatte mit Glaron darüber gesprochen. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass eine Gottheit des Lichtes solch eine Greueltat anordnen würde. Es erschien ihm nicht weise.

Er blinzelte etwas und machte sich auf den Weg. Er wusste nicht wohin er gehen sollte. Raus aus dieser Stadt. Irgendwo anders hin. Seine Reise weiterführen und weitere Eindrücke dieses Landes sammeln. Außerdem war er nicht sicher, ob man seine Worte gehört hatte und was ihn daraufhin erwarten könnte. Sanaya hätte sie hören können. Auch Sanaya war so gebannt an dem Geschehen beteiligt gewesen, dass sie sein verschwinden gar nicht bemerkte, wie ihm schien. Jedoch war es wohl so laut, dass er hätte schreien müssen um sich bemerkbar zu machen.

Er schüttelte den Gedanken ab und machte sich auf die Reise nach Vesper.
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Geändert von Magrath Ryven (25.01.2007 um 13:07 Uhr).
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Alt 25.01.2007, 12:47
#2
Magrath Ryven
Reisender
 
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Einst riesige Felsen in vielen, vielen Jahren vom Winde abgetragen und verweht. Ein Feuerball am Himmel, der seine Kraft auf die Wesen dort niedergehen ließ und das Leben aus ihnen heraus sog wie ein unbarmherziger Vampir. Weite, hohe Dünen aus Sand und ein himmelblauer Horizont geschmückt mit dem Glimmen der unnachlässigen Hitze. Ein Ort an dem jeder Tropfen Wasser rar war und welchen man sich hart verdienen musste. Das war sein zu Hause, dort ward er geboren. Der östliche Teil der Wüste vom südlichen Festland war seine Heimat.

Das beschützen eines Edelsteinhändlers war sein Geschäft. Sie beschränkten sich auf das Sachliche und doch waren Sie einander vertraut. Oft hatte Pjerin ihn gelobt ob seiner Kraft. Oft hatte er Magrath gesagt, dass er der stärkste Wandler war, den er je gesehen hatte. Magrath musste bei diesem Gedanken schmunzeln, da Pjerin wohl nie einen anderen Wandler gesehen hatte. Sie waren oft tagelang durch die Wüste gereist und Pjerins ausgezeichneter Orientierungssinn hatte ihnen den Weg vorgegeben. Wäre Pjerin bei einem Angriff von Banditen ums Leben gekommen, hätte Magrath keine Chance gehabt zu überleben, wenn nicht gerade ein Dorf oder ähnliches in der Nähe gewesen wäre. Das war ihm sehr wohl bewusst - also beschränkte Magrath sich während den Reisen voll und ganz auf seine Aufgaben und schwieg so lange er nicht nach etwas gefragt wurde. Er wusste auch, dass Pjerin öfter eine Laune an sich hatte und plötzlich einen Streit anfing. Magrath war allerdings auf seine Bezahlung angewiesen und lies das eine oder andere über sich ergehen.

Letztenendes hatte es Pjerin eines Tages doch erwischt und Banditen raubten seine Ware. Magrath war nicht darauf vorbereitet, da die Bösewichte ständig die selbe Taktik nutzten: Frontalangriff und zwei Männer hintenrum. Sie waren nicht besonders stark und schlecht ausgebildet. Dieses mal war es etwas anders und es ging furchtbar schnell. Eine kleinere Gruppe kam schon von weitem sichtbar auf sie zu. Als sich Magrath ihnen in seiner Bärengestalt entgegen stellen wollte, sprengte sich die Gruppe und attackierte ihre Flanken. Magrath lief ins Leere und das erste Opfer war Pjerin. Sich seiner Unachtsamkeit bewusst, versuchte Magrath diese durch blanke Wut zu vertreiben und wütete unter den Banditen. Als dies geschehen war, schaute er noch einmal nach Pjerin. Er war defintiv tot. Magrath knirschte mit den Zähnen, als er sich dessen sicher war. Er sah den restlichen, mit der Ware flüchtenden Banditen mit versteinerter Miene nach und verfluchte sie. Er blieb so lange bei Pjerin, bis eine Karawane ihn einen Tag später aufnahm.

Seit diesem Tag war ihm bewusst, dass sich etwas ändern würde. Magrath hatte versagt und Pjerin nicht beschützt. Er konnte und wollte diesen Beruf nicht mehr ausüben und die Wüste fühlte sich anders an. Es dauerte lange bis die Karawane das nächste Dorf erreichte. Auf der Reise wurden sie öfter von Sandstürmen gepeitscht und Magrath hatte den Mund öfter voller Sand, auf dem er beharrlich und sich selbst strafend herumkaute. Es war genug. Magrath wollte weg von hier. Er hatte schon von fremden Ländern gehört, war aber noch nie dort gewesen. Also beschloss er sich loszusagen und die Welt zu erkunden.

Das Mittelland. Hier gab es frisches Wasser und Nahrung im Überfluss, jedoch waren Gefahren hier nicht so offensichtlich wie in der Wüste. Hier war die Sicht oftmals eingeschränkt. Viele Gelegenheiten für einen Hinterhalt. Hinter jedem Baum könnte etwas lauern. Der Feind war eher schleichender Art. Hinterhältiger. Giftige Beeren und Kräuter waren wohl die kleinste Gefahr. Aber es waren überwiegend schöne Eindrücke, die Magrath hier bisher gewinnen konnte.

Das veränderte Klima machte ihm aber sehr zu schaffen. So wachte er auch an diesem Morgen auf und fühlte sich wie gerädert. Das Mittelland erschien ihm unheimlich kalt und so trug er dunkle Kleidung um jeden Sonnenstrahl zu speichern. Man hatte ihn schon darauf angesprochen und sagte ihm, dass es nicht gern gesehen sei oder ob er trauere oder etwas zu verbergen hätte. Es war ihm nicht so wichtig. Schon gar nicht nach der Hinrichtung vor Kurzem in Britain.

Vesper gefiel ihm gut. Seit zwei Tagen war jetzt hier. Er hatte viel nachgedacht. Auch über das was am Marktplatz geschah. Er hatte sich auf eine gewisse Weise damit abgefunden. Wie genau wusste er selbst nicht so ganz. Vielleicht war es die Zeit, die den Gedanken daran verblassen ließ.

Jedoch fühlte er sich bestätigt. Irgendwie auch beruhigt. Er war an Niemanden gebunden, würde einfach seine Sache durchziehen. Er dachte jedoch im gleichen Atemzug auch an die Menschen, die er kennenlernte.

Er zog eine Rune aus der Tasche, die Crion ihm gegeben hatte. Es war eine Rune nach Britain. Magrath nickte.
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Geändert von Magrath Ryven (25.01.2007 um 13:18 Uhr).
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Alt 09.02.2008, 11:27
Die 3 Seiten
#3
Magrath Ryven
Reisender
 
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Magrath saß entspannt an einem Baum auf einer Anhöhe und ließ seinen Blick über Britain schweifen. Die Hochburg der rechtschaffenden Leute. Gute Absichten und der große Glaron lenkten ihr tun und handeln. Auch nach dieser langen Zeit, die er bereits in Britain weilte, konnte er alledem nichts abgewinnen. Genausowenig wie dem Leben in der Dunkelheit. Vor kurzem erst unterhielt er sich mit einem Pagen über "Gut und Böse". Immernoch etwas erschrocken darüber, wie intolerant beide Seiten gegenüber den Neutralen sind. Neutral sein bedeutete für ihn nicht, einfach zuzusehen und hinzunehmen, sondern an das Gleichgewicht zu glauben. Abgesehen davon würde jemand anderes das tun oder nicht tun, was er selbst nicht tat. Das war auch nicht seine Sorge. Viel mehr machte er sich darüber Gedanken, was er selbst tun würde, wenn dieses Gleichgewicht plötzlich kippen würde. Hätte er denn eine Mitschuld daran? Müsste er sich dann doch für eine Seite entscheiden?

Alles was ihm wichtig war, ließ sich über den Begriff "Freiheit" definieren. Freiheit war für ihn nicht ein Leben unter Glaube und Zugehörigkeit zu Gruppe oder Stamm. Für seine Freiheit würde er bis zum Tode kämpfen - aber wohl nicht für den wahnsinnigen Kampf zwischen Gut und Böse, falls es diesen in dieser mystischen Art überhaupt gab. In jedem Wesen war etwas Gutes und etwas Böses. Für die einzelne Person vermag dieses Gleichgewicht wohl schnell zu kippen, aber das Gesamtbild schien dennoch stabil zu bleiben.

Wie jedoch definiert ein Neutraler für sich selbst Gut und Böse? Magrath war sich sicher, dass für einen Neutralen nur seine Freunde sowie seine Angehörigen die Guten und seine Feinde die Bösen waren. Ein Neutraler hätte also somit seine eigene Waage und wäre selbst nur die Konstruktion. Er mochte diesen Gedanken. Menschen, die sich für die Gute oder die Böse Seite entscheiden oder dazu bekehrt werden, haben sich auch irgendwo verpflichtet, "ehrenvoll" gegen eine Übermacht der gegenerischen Seite ihr Leben zu lassen. Magrath fand das ganze wahnsinnig. Wie konnte zum Beispiel ein Richter unter Guter Flagge ein gerechtes Urteil zwischen Gut und Böse fällen? Böse tuen nicht zwangsweise Böses. Es reicht dabei schon, etwas zu tun, dass nicht zwangsweise Gut ist. Forschung und Wissenschaft fallen beispielsweise in dieses grau. Man könnte durch eine böse Komponente in der Forschung vielleicht etwas gutes tun.

Es müsste einen Ort geben, eine Stadt oder besser eine befestigte Insel, ein neutraler Ort, an dem Menschen und andere Rassen, egal welcher Gesinnung und unabhängig vom Glauben willkommen sind. Mit betreten der Insel würden alle als Neutral betrachtet und jeder gleich behandelt werden. Es würde einen absolut neutralen Richter geben. Neutral geführte diplomatische Verhandlungen und eine Heimat für Neutrale Wesen, welche sich nicht mit diesem gut-bösen Wahnsinn abgeben wollen. Natürlich wäre es Zunder, wenn Wesen guter und böser Gesinnung aufeinander treffen würden. Darum bräuchte man starke Wachen. Am besten mit mehr als zwei Augen. Welche, die sich schneller fortbewegen können, als ein flüchtender Mensch. Magrath schmunzelte, als er sich Beobachter mit Umhang und Schärpe vorstellte, welche sich schwebend und alles sehend durch die Straßen seiner imaginären Insel bewegten.

Er schüttelte den Gedanken ab und ließ sich zur Seite gleiten und rollte sich auf den Bauch. Nun sah er in den Wald. "Freiheit", murmelte er. Einen Moment lang blieb er so liegen und starrte in den von der Dürre geplagten Landstrich. Dann stand er auf, nahm einige vorgefertigte Reagenzien aus dem Beutel, ballte eine Faust mit den Reagenzien darin und murmelte einige Worte. Daraufhin hielt er kurz seine Grizzlyschnauze in den lauen Wind und sprengte mit einem kurzen, tiefen Brummen in Richtung Wald los.
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Alt 20.02.2008, 12:02
Die Krise
#4
Magrath Ryven
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Erneut wälzte er sich unruhig im Bett. Seit Tagen war er nicht mehr vor der Tür, blieb fern von der Öffentlichkeit. Sein Wandlerbuch hatte er abgelegt, seinen Glauben fallen gelassen. Immer die selben Gedanken plagten ihn und raubten ihm den dringend benötigten Schlaf. Magrath erfuhr viel Ablehnung und gar Spott. Von jungen Mädchen über angehende Männer bis hin zu Meistern ihres Faches kassierte er Worte, die sich wie Schläge ins Gesicht anfühlten. Konnte er sich sein ganzes Leben lang so schwer geirrt haben? Er konnte und wollte es nicht glauben. Es würde ihn schlicht zerreissen. Mit einem leisen seufzen setzte er sich auf und entzündete mühsam eine Kerze. Jeder Handgriff und jedes Wort war ihm gerade zu viel. Trotzdem nahm er seine Aufzeichnungen zur Hand. Theorien über die Verknüpfung von Kampfkunst und Magie, sowie Ausarbeitungen zu einzelnen Zirklen und taktischen Angriffen. Auch einige philosophien über das Gleichgewicht und dem Zusammenspiel dazwischen. Langsam blätterte er diese durch und überflog nur, was er sich einst verinnerlichte. Ein Blatt nahm er heraus und legte den Rest beiseite. Hierauf befand sich seine Zeichnung, seine Wahrheit. In der Mitte ein größerer Kreis, der jeweils zur Hälfte aus Kampfkunst und Magie bestand. Umgeben von einem komplizierten Geflecht aus Zirkeln und Kampfbeeinflussenden Fähigkeiten. Nachdem er einige Zeit darauf starrte, zerknüllte er das Blatt in einem Anfall von Wut und Verzweiflung und warf es mit einem lauten brummen quer durch sein Haus, um seine Finger danach in die Haare am Stirnansatz zu graben und sein Gesicht mit den Händen zu bedecken. Er war in zu kurzen Abständen auf zu viel ignoranz und intoleranz getroffen... oder hatte er dies etwa selbst gezeigt? Völlig aufgelöst lies er sich nach hinten auf das Bett fallen.

Sein Traum war kurz und schmerzhaft. Er stand nackt und unbeweglich angekettet im Zuchtkäfig am Marktplatz von Britain und wurde von lachenden und schreienden Bürgern und Gardisten mit faulem Obst und Eiern beworfen, welche ihn dabei fröhlich wüst beschimpften und ihn immer wieder als Magier und lächerlichen Stümper bezeichneten. Unter der Menge waren auch Menschen, die ihm Nahe waren, wie Agostino oder Ragnar. Arkja warf mit Steinen nach ihm. Die Großmagier und Waffenmeister feuerten die Menge an. Sogar der Adel und Könige auch aus südlichen Ländern kamen angereist, um dieses Spektakel auf keinen Fall zu verpassen. Plötzlich löste sich der Boden unter ihm und er fiel scheinbar unendlich lange in ein tiefes Loch. Höhnisch lachende Stimmen riefen ihm dabei die Worte nach, die er einst als Argumente für den Weg des Wandlers brachte. Sein eigenes Gesicht verzog sich dabei unwillkürlich immer mehr zu einer unnatürlichen, geisteskranken Fratze. Kurz darauf schlug er mit dem Rücken auf dem Boden auf und spürte einen stechenden Schmerz. Ein Speer hatte ihn durchboht. Zu seiner linken lag ein Schild und zu seiner rechten ein verrostetes Schwert. Er hatte den Kampf verloren. Einige Gestalten traten grinsend heran. Es waren Pjerin und Magraths Familie. Pjerin hielt sein Wandlerbuch und die Aufzeichnungen in den Händen. Plötzlich fing Magrath laut schreiend Feuer und Pjerin warf sein Leben missbilligend auf Magrath, damit er zusammen mit seiner Idiotie zur Hölle fahren konnte.

Schweißgebadet und schwer atmend schlug er die Augen auf. Nach einiger Zeit setze er sich auf und vertrieb den Schweiß durch ein Tuch. Magrath sah auf die Kerze. Sie war noch nicht weit herunter gebrannt. Das Gelächter schallte immernoch durch seinen Kopf. Auch diese Nacht würde sehr lange werden.
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Alt 21.02.2008, 09:50
Die Krise - Der Aufstieg
#5
Magrath Ryven
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Magrath saß in Cove in der nähe von Alyssas Turm auf einer alten Robe und sah auf das Wasser hinaus. Er war die Alpträume losgeworden, konnte letzte Nacht endlich wieder richtig schlafen. Die letzten Tage kamen ihm wie ein Hirngespinst vor, welches er jedoch trotzdem nicht richtig fassen konnte. Er war verwundbar gewesen. Mit seiner Bestimmung sollte er es wie mit seiner Gesinnung halten. Sich zurückhalten, die Leute reden lassen und bei Bedarf darüber schmunzeln. Vielleicht war es gar nicht so schlimm, die Leute glauben zu lassen, was sie glauben wollten. Er war sich nicht treu geblieben. Magrath erhebte sich, packte die alte Robe und ging in Gedanken versunken in Richtung seines Hauses zurück. Sich selbst nicht die treue zu halten, war für ihn ein Verrat. Zu viele Gefühle bauten sich um seine Sache auf, als das er sie kampflos in eine Schublade hätte stecken lassen. Magier nannten sie ihn. Wandler war er. Sollten sie ihn doch weiter so nennen, inzwischen war es ihm egal. Gleichgültigkeit erspart viel Schmerz, dachte er. Sicher würde er sich wieder niederreissen lassen und für andere Mitgefühl haben oder sich sogar verlieben, das alles war nunmal menschlich und konnte man sich wohl nur durch Gewalt abgewöhnen. Der Unterschied war jedoch, dass er sich von niemandem mehr in seine Sache reinreden lassen würde und Anspielungen und Diskussionen darüber entgehen wollte.

Magrath hatte sein Haus erreicht und die Tür öffnete sich mit einem leisen knarzen, als er sie auf zog. Nun stand er dem Chaos gegenüber, dass er die letzten Tage angerichtet hatte. Sein Blick suchte jedoch das zerknüllte Papier. Er stolperte über Bücher und Kleidung, erwischte dabei eine leere Karaffe, die sich mit einem lauten Klirren auf dem Boden verabschiedete und wäre fast in den erstbesten Stuhl gerannt, als er die Ecke erreichte, in die er seine Wahrheit geworfen hatte. Er griff nach dem zerknüllten Pergament, setzte sich nieder und glättete die Wogen aus Papierkanten und kleinen Rissen mit einer flachen Hand. Etwas hatte er bei seiner Zeichnung vergessen. Schnell kramte er nach Feder und Tinte, wischte dreck und diverse Dinge mit einem Zug vom Tisch und ließ sich auf einem Stuhl nieder. Er stellte das Tintenfass sorgsam neben seine Zeichnung und tauchte die Federspitze in jenes, um diese anschließend fast übersorgsam an der Kante des Fasses abzustreichen. Er setzte ganz oben an und zog eine runde Linie an Taktik und Stärke vorbei, weiter zu Heilung und Schutz und gelangte über Gleichgewicht und Klarheit wieder zu seinem Ausgangspunkt zurück. Er zeichnete diesen alles umfassenden Kreis so pingelig genau, dass es fast in ein Ritual ausartete. Nachdem er fertig war, hob er den Kopf etwas an und betrachtete sein Werk kritisch. Nach einigen Momenten wurde ihm umsomehr bewusst, dass es genau das war, was ihm vor Kurzem erst fehlte und zum Verhängnis wurde. Er hatte seine Wahrheit mit einem Schutzschild versehen. Sorgsam rollte er sie zusammen und verstaute sie mit dem Rest seiner Aufzeichnungen in einem geheimen Fach an einem seiner Bücherregale. Anschließend erlosch er die Kerze und gönnte sich seinen hart erkämpften Schlaf.

Am nächsten Tag widmete er zuerst sich selbst, wusch und rasierte sich, legte seine übliche Wandlerkleidung an, räumte alles an seinen Platz und kehrte sein vernachlässigtes Haus und symbolisch auch die Zweifel und die alten Fehler aus.
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Alt 13.11.2010, 09:35
Der Fluch
#6
Magrath Ryven
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Geknickt saß er auf einem Stuhl im ersten Stock des Yewer Libanuklosters. Selbst leiseste Geräusche hallten hier lange nach und er genoss die Stelle. Zumindest soweit es der Fluch zuließ. Sie hätten die Schatzsuche nicht starten dürfen - alle fünf hatten einen schweren Fehler begangen. Man suchte einfach nicht auf dem geweihten Boden der Göttin des Lebens nach Schätzen und tötet vorher die Wachen, welche die Kiste vor Plünderern bewachten. Leider war es nun aber zu spät und Magrath war zur Zeit der Tat gar nicht bewusst - oder viel mehr rechnete er gar nicht damit, dass sich dafür überhaupt jemand interessieren würde. Wahrscheinlich hatte er die Strafe damit verdient, dass er die Götter nicht immer stets präsent in den Gedanken mit sich herum trug. Er war nunmal irgendwie Gottlos, so unbeliebt und verwerflich das sein mochte. Am ehesten würde er sich dem Namenlosen verschreiben, zumal dieser Neutral war. Aber selbst wenn nicht - ein neutraler Gott würde wohl kaum eine Aktion verurteilen, welche nun "gut" oder "böse" war, denn er war ja neutral. Auf der anderen Seite hätte er Magrath vielleicht vor dem Boten Libanus schützen können. Aber der Fluch traf ja auch Glaron- und Adoriagläubige.

Jedenfalls waren die letzten Tage schwierig für ihn und alle Beteiligten. Sie hatten sich Hilfe von Tari Ceres erhofft, aber leider verpuffte deren Hoffnung in irgendwelchen Reden - Denkanstöße, Bekehrung und weiterer Kram, den ein Priester eben so tut. Für alle beteiligten war der Fluch danach sogar noch schlimmer. Dunjas Krämpfe wurden schlimmer, Valka war wie ausgewechselt und verteidigte Ceres' Standpunkte. Und Magrath litt unter Schwankungen die von plötzlichen Wutanfällen bis zu schweren Depressionen reichten. Er glaubte nicht an Heilung. Die Göttin des Lebens zwang ihre Kinder durch Folter zum nachdenken - nur wie sollte man nachdenken, wenn man ständig von einem Loch ins nächste fiel? Für ihn ergab das alles keinen Sinn. In seinen Wutanfällen entwickelte er starken Hass und am liebsten wollte er das ganze Kloster in Brand stecken und jedes Leben auf diesem geweihten Boden ausrotten. In seinen depressiven Momenten saß er einfach nur da und starrte Löcher in die Klosterluft und dachte über seine Vergangenheit nach, wie er Pjerin vor den Banditen hätte schützen müssen. Und die Abstände zwischen diesen beiden Zuständen wurden immer geringer.

Sicher ging es "nur" um Reue und das man ja sein Leben umstellen solle. Er wollte aber keiner Gottheit gefallen, er wollte stets seiner neutralen Theorie treu bleiben. Für ihn ging es um Wissen und Kampf. Das allein füllte sein ganzes Leben aus, er hatte schlicht keine Zeit für Gebete an einen Gott - und schon gar nicht durch seelische Folter. Viel mehr würde er sich gerade dieser Gottheit abwenden. Aber ihm war bewusst, dass er so diesen Fluch nicht loswerden würde. Sollte dies nun sein Ende sein? Verrecken im Libanukloster? Das konnte er nicht fassen, so wollte er nicht enden! Ein Krieger stirbt im Kampf und nicht in einem Kloster durch einen faulen Zauber! Sollen sie doch alle zur Hölle fahren!

Es war Zeit für seinen nächsten Wutanfall.
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Alt 14.11.2010, 14:12
Die Wende
#7
Magrath Ryven
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Magrath war immerhoch im Libanukloster in Yew. Er hatte den Kampf inzwischen verloren. Er dankte der Niederlage dafür, dass sie ihm wenigstens diese starken Gefühlsschwankungen nahm. Er war nicht mehr wütend und er war nicht mehr depressiv, ihm war nun alles gleichgültig. Seine Pläne und seine Vorlieben kamen ihm nun eher wie eine Geschichte in einem Buch vor, als das, was ihn einmal aus machte. Mancher zahlt mehr für seine Fehler, als ein Andrer. Anfangs war er sich nicht sicher, ob er einmal Heilung finden würde - nun war er sich nicht sicher, ob er es je überleben könnte.

Er zog seine erdfarbene Kapuze über und hüllte sich in seinen Umhang. Ihm war kalt geworden. Die Hoffnung war für ihn verloren. Seit Tagen hungerte er, ihm war der Appetit vergangen. Zu sehr hatten Wut und Verzweiflung an seinem Willen genagt. Zu lange fühlte er sich gefoltert. Er hatte die Strafe wohl verdient, aber doch fand er sie nicht angemessen - was sie wohl noch verstärkte. Magrath spielte sogar mit dem Gedanken sich von einer anderen Gottheit befreien zu lassen, die nicht so gut mit Libanu stand. Selbst wenn er einen Preis dafür zahlen müsste. Er glitt immer tiefer in eine Starre hinein. Er fühlte den Puls in seinen Augen, während er reglos aus leerem Blick an die Klosterdecke starrte. So schwach fühlte er sich noch nie. Alles wofür er einst kämpfte, rückte immer weiter von ihm weg, so als würde er sich selbst verlieren.

Als er seiner Welt gerade die Farbe nehmen wollte, um sie in ein dunkles grau zu tauchen, überkam Magrath ein warmer Schauer, nein es war mehr ein Schock. Er wurde plötzlich wieder aktiv, jemand entriss ihm die Führung seiner Gedanken, verhinderte die schleichende Entwertung seiner selbst und seinen Prinzipien. Magrath blinzelte zum ersten mal wieder schnell hintereinander. Ein kleiner Wink von gesteigerter Aktivität. Wie durch die ersten Strahlen der Frühlingssonne nach einem harten Winter strömte Wärme durch seinen Körper und er merkte, dass er noch am Leben war. Das Licht im Kloster war plötzlich hell und klar, sodass er die Augen verengen musste um nicht von der Farbe und der Helligkeit überwätligt zu werden. Wie durch einen langen Kanal hörte er kaum wahrnehmbar kleine Glöckchen klingeln. Irgendwo her erkannte er diese Glöckchen, aber er konnte nicht direkt zuordnen, dass es genau diese Musik war, die er hörte, als er mit der Gruppe den Schatz hob und dann wurde es still um ihn herum und er war plötzlich hell wach. Von weit her hörte er eine Stimme die leise zu ihm sprach:

Die Göttin ist traurig, dass du nicht verstehst, was sie bezwecken möchte. Aber es liegt ihr fern, dich unnötig leiden zu lassen. Du bist jetzt wieder frei, zu tun, was du willst.

Magrath wollte aufstehen, sich umsehen, wissen wer zu ihm sprach - doch sein geschwächter Körper lies all dies nicht zu und so hustete er lediglich und wollte antworten, doch seine Stimme wich dem Husten. Nach eingem gekrächze murmelte er:

Ich habe mich geirrt. Ich weiß das ich noch lernen muss, aber ich bin nunmal.. kriegerischer Natur.

Das weiß die Göttin. Sie liebt dich, wie sie jedes ihrer Geschöpfe liebt .

Die leise Stimme nahm an wärme zu und ihm war, als würde direkt neben ihm jemand stehen und doch war die Stimme in seinem Kopf:

Alles, was sie sich von dir wünscht, ist Respekt vor dem Leben und Respekt vor den Kreaturen, denen du das Leben nimmst, wie auch Achtung vor ihrem Tod.

Mit der Rückkehr seiner Erinnerungen und dem was er tat und nicht tat, kehrten auch seine Prinzipien und Leitfäden der eigenen Theorie von Neutralität zurück und mit neuem Lebenswillen war auch wieder die Absicht entflammt diesen Weg beizubehalten und nach einiger Ruhe des Denkens und einigem gehuste später, murmelte er entschlossener zurück:

Ich werde mich sogar auf die Seite der Kreaturen stellen, die vor der Ausrottung stehen - egal welcher Rasse, Art oder Gesinnung.

Dein Herz ist am rechten Fleck, Magrath Ryven. Du musst es nur dort lassen.

Erneut durchströmte ihn ein warmes Gefühl, dass er wie ein Licht des Lebens interpretierte und diesmal konnte er sich sogar einen Mund abringen, der ein lächeln darstellen sollte. Energie durchströmte ihn, wie er es noch nie erlebte. Alles was ihn die letzten Tage quälte und ihn nach und nach zerstörte fiel wie ein Tuch von ihm ab. Der steinerne Griff, welcher seine Seele packte, lies von ihm ab und löste sich in Gutes auf und wieder konnte er die fernen Glöckchen klingen hören. Nun machte sich in seinem inneren ein tiefes, sehnsüchtiges Grollen breit, welches er zunächst gar nicht zuordnen konnte. Er konnte wieder richtig riechen und schmecken, seine Augen nahmen wieder aktiv wahr und alles ergab für ihn wieder einen Sinn - auch das er essen musste um das tiefe Grollen, was er nun als starken Hunger idenfizierte, zu unterdrücken.

Die letzten Tage waren für ihn wie ein fremdes Phänomen, fast wie ein Traum - aber er war der festen Überzeugung, dass sie echt waren. Waren sie doch in seiner Erinnerung wie in Stein gemeiselt.
Magrath Ryven ist offline  
Geändert von Magrath Ryven (20.11.2010 um 12:10 Uhr).
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Alt 29.09.2011, 18:04
Die Illusion
#8
Magrath Ryven
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Angespannt saß er da. Er fühlte sich wohl, in seinem neuen Haus direkt am Meer. Auch wenn er manchmal nicht wusste, warum er sich keines an der Wüste baute. Das Leben wandelte sich wohl ständig, auch für ihn. Älter war er geworden, ohne Zweifel. Aber war er auch weiser? Ständig reiste er hin und her, zwischen Insel und Festland. Langsam musste er sich entscheiden. Sein Lebensabend rückte schließlich stetig näher und war nicht aufzuhalten. Wie lange konnte er kämpfen? Wann würde das studieren für ihn zur Qual werden? Würden seine Verwandlungen mit ihm altern? Er stellte sich einen Ettin mit grauem Haar und tiefen falten vor und er musste dabei grinsen. Schnell jedoch, machte er wieder ein steinernes Gesicht. Er musste sich konzentrieren. Seine Gedanken beisammen halten.

Seine Gestalt hatte er verändert. Er war nicht wieder zu erkennen. Er saß auf dem Grizzlyfell, welches er vor seinem Bett plaziert hatte im Schneidersitz. Die Fenster hängte er vorsorglich ab und das indirekte Licht der Kohlenpfannen tauchten den Raum in ein mysteriöses Szenario. Er war zum alten Mann geworden, mit einer Glatze und vielen Falten. Seine Augenbrauen waren nun buschig und er hatte einen zotteligen Vollbart, der sein Alter mit einem edlen Weiß unterstrich. Fast schon zu perfekt für einen alten Mann. Mit geschlossenen Augen saß er im Schneidersitz. Er wollte das ergründen, was er in der Bibliothek zu Britain und auch im Libanukloster fand. Sichtungen von Menschen, die man nie wieder sah, gab es überall. Jeder kannte die Nachrichten von Verschwundenen und auch Personenbeschreibungen, die auf niemanden zutrafen. Alles nur Lug und Trug oder etwa nur Trug?

Er musste es festhalten! Er wollte nicht schon wieder enttäuscht werden! Er zog die Brauen zusammen und sein Gesicht spiegelte die Anstrengungen seines Geistes wieder. Er musste es endlich schaffen seinen Geist von der Vorstellung zu trennen, dass es nur Schwarz und Weiß in der Verwandlungskunst gab! Es kostete ihn wahnsinnig viel Kraft und er spürte, wie er sich bald wieder zurückverwandeln würde. Er musst es verhindern! Er wollte es selbst kontrollieren können! Sein Wille war stark und er glaubte fest daran, dass es die Möglichkeit dafür gab. Aber die Gestalt glitt immer weiter von ihm Weg, er verlor die Kontrolle und spürte, wie ihm plötzlich seine natürlichen, langen Haare vor dem Gesicht baumelten. Nach einem kurzen Moment des neutralen Zustands, rammte er die Faust wütend in den Boden. Er hatte schon wieder versagt.

Stinkig zerknüllte er das Papier mit einer Abschrift der schon vielfach abgeänderten alternativen Wandlungstheorie, welche er selbst entwarf und feuerte diesen zu dem bereits existiernden Theoriepapiermüllberg, welchen er danach einen Moment lang betrachtete.

Er fühlte sich wie auf dem Holzweg. Vielleicht war schon sein Ansatz nicht korrekt. Vielleicht sollte es weniger darum gehen, dauerhaft eine andere Gestalt anzunehmen, sondern nur so zu tun als ob. Mit einem Kopfschütteln verwarf er diesen Gedanken wieder. Nun ging es wohl schon mit ihm durch - jetzt stellte er schon völlig absurde Thesen auf, weil er nun schon zu viel Zeit mit scheitern verbrachte. Vielleicht war sein Wissen einfach zu gering. Der Krieger in ihm wollte sich damit aber wohl nicht abfinden. Dieser war sowieso stets derjenige, der ihn zum Kampf trieb - und nicht der Magier in ihm. Der war für die Forschung zuständig - aber wie sehr er dies war, bestimmte der Krieger. Magrath hätte nie gedacht, welche Ausmaße sein Wandlerdasein einmal für ihn annahm. Im Vergleich zu damals hätte er sich wohl für einen Ketzer gehalten ob des Geschwätzes über Wandler, welches er selbst verbeitete. Mit dem Wissen und der Stärke wuchs auch sein Horizont und vieles, was er damals für richtig erachtete, sah er heute als Falsch oder zumindest Unvollständig an.

Er setzte sich an den Tisch und füllte sein Glas erneut und nahm einen Schluck. Aus einiger Distanz betrachtete er seinen Arbeitsplatz im flackernden Kerzenlicht. Instinktiv schob er langsam sein Geschriebenes von der Kerze weg. Ein Brand war das, was er nun am wenigsten gebrauchen konnte. Einige Zeit saß er so da, mit dem Glas in der Hand zwischen Büchern und Schriftrollen und dachte nach. Irgendwie lies ihn der Gedanke das Täuschens nicht los. Er ließ diesen absurden Vorschlag des Unterbewusstseins nun zu und versuchte zunächst zu ergründen warum er auf diesen Gedanken kam. Waren es die bisherigen Erfahrungen gepaart mit den Abschriften und der Veränderung von Thesen? Ihm war sehr wohl bewusst, dass er während zigfachen Verwandlungen, welche er schon hinter sich brachte, immer ein "in der Luft hängen" von einem Bruchteil eines Augenblickes bestand. Dies kristallisierte sich stärker heraus, als es ihm möglich war sich in Elementare zu verwandeln. Sich in elementare Energie zu verwandeln.. darauf wäre er nie gekommen. Sein Blick fiel auf das Schachbrett und die Schachfiguren, welche sich am Tischabgrund drängten. Ihr Reich, das Schachbrett, wurde über Stunden hinweg von den Büchern eingenommen und so drohten sie alle von der Tischkante in die Holzbodenunterwelt zu fallen. Magrath schmunzelte bei diesem Gedanken und rettete die meisten mit einem beherzten Griff zu den Figuren. Ein paar Bauern fielen in den Abgrund, aber er rettete zwei Springer, einen Läufer und die Königin. Die stellte er der Reihe nach auf einen Bücherstapel vor sich. und betrachtete die hübsch geschnitzten Figuren. Aus den Augenwinkeln bemerkte er eine Bewegung an der Wand und ruckartig sah er dort hin. Die Kerze warf große Schatten der Figuren an die Wand und ließ somit die zierlichen Figuren zu großen Kriegern werden - auch wenn zwei von ihnen Pferdeköpfe besaßen.

Magrath starre eine Weile zu diesem Schattenspiel und langsam beruhigte sich auch sein Puls. Er spielte mit den Figuren auf dem Buch herum, hielt sie näher zu Kerze und etwas weiter weg. Die Schatten veränderten sich dementsprechend. Er konnte sie formen, wie es ihm beliebte. Seufzend stellte er die Figuren wieder säuberlich in einer Reihe auf das Buch. Schatten. Ein Schatten hat jeder. Ein Schatten kostete keine Kraft und sogar ein Penner besaß einen. Genauer betrachtete er nun die Figuren. Er stellte noch einen Bauern dazu, etwas abseits. Ihm gefiel der Gedanke nicht sonderlich, dass er in diesem Spiel der Bauer war - doch er erfüllte den Zweck. Nun überlegte er. Er war der Bauer, die Springer, der Läufer und die Königin seine Verwandlungen. Die Kerze war die Magie und die Schatten an der Wand waren das Ergebnis. Etwas vorzugeben, das nicht der Tatsache entsprach.

Zwischenzeitlich musste er die Kerze ersetzen, weil die ursprüngliche "magische Flamme" zu sehr nieder brannte und somit die Schattenkrieger zu einer matschigen Schattenpampe werden ließ. Die neue Kerze war aber zu hoch und so musste er sie zuschneiden, bis sie die Schattenkrieger wieder korrekt an die Wand warf. Zuschneiden, dachte er sich. Er musste die magische Flamme manipulieren. Magrath reibte seine Augen, es war spät geworden. Die Gedanken wurden träge. Aber der Krieger in ihm stachelte ihn an, endlich zu einem Ergebnis zu kommen.

Er listete also auf einem Schmierblatt auf:

- magische Manipulation
- meine Gestalt
- Verwandlung
- Illusion

Er konnte diese Punkte nicht genau definieren, bestanden sie doch aus einer Kerze und Schachfiguren. Er musste eine Zuordnung finden. Inzwischen war auch der Krieger müde geworden und so erlosch er das Licht und legte sich zur Ruhe.
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Alt 03.10.2011, 10:14
#9
Magrath Ryven
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Magrath saß wieder im Schneidersitz auf dem Grizzlyfell und umgab sich mit den verhängten Fenstern und dem typisch mysteriösen Licht der Kohlenpfannen. Diesmal war er ein südländischer, älterer Herr. Mit einer Hakennase, strohigem Bart und einer fiesen Narbe auf der Wange. Wieder war sein Ziel die Illusion. Die letzten Tage feilte er viel an der Theorie und der Art, wie er an die Wandlung heran ging. Er war sich seiner Sache aber nicht mehr so sicher, wie die Tage davor. Vielleicht war er aber auch einfach gelassener geworden, was dies betraf. Er hatte stets das Bild der Kerze, den Schachfiguren und den Schatten an der Wand vor Augen. Aus dem innersten Spürte er den Reflex der Rückwandlung. Sein Puls erhöhte sich und er atmete schneller und flacher. Die Konzentration trieb ihm Schweiß auf die Stirn. Instinktiv legte er die Hände aneinander, fast als wolle er beten. Die Anstrengung war ihm ins Gesicht geschrieben. Die Rückwandlung zerrte an seinem Wissen, als würde er einen zähen Brei herunterschlucken. Immer unerträglicher wurde der Druck und immer stärker wurde der Schrei seines Körpers nach der Rückverwandlung, bis er sich plötzlich im Bruchteil einer Sekunde fühlte wie vor einigen Tagen, als er am Tisch mit den Schachfiguren saß. Gedanklich suchte er nach dem Anschluss, nach dem Schrei seines Körpers und instinktiv bewegte er die Augäpfel hektisch unter den geschlossenen Lidern mit, so als könnte er den Druck sehen. Ihm wurde unwohl. Ihm war, als wäre die Verbindung mit einem scharfen Schwert gekappt worden, sie war nicht mehr da. Plötzlich schien ihm, als wäre er selbst nicht mehr anwesend und wagte es nicht, die Augen zu öffnen. Magrath versuchte "nach außen" zu fühlen. Langsam und lange zögernd bewegte er die Mundpartie und die Nase nur so wenig, als würde ein Wachhund vor ihm stehen und bei der kleinsten Bewegung reagieren und ihn anfallen. Er öffnete langsam das linke Auge und sah sich um, ohne den Kopf zu bewegen. Magrath konnte alles wahrnehmen. Das seltene Knistern der Kohlenpfannen und seinen Atem. Die Grillen, die draußen ihr Konzert gaben und schließlich auch die Zehen, welche auf dem Grizzlyfell ein leichtes rascheln verursachten, als er sich dazu entschied sie etwas zu bewegen. Nun öffnete er auch das andere Auge und sah sich langsam um. Eine Strähne seines Haars baumelte im Sichtfeld des zunächst geschlossenen Auges und war für ihn wie ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass er nun aufstehen, sich besinnen und den Versuch als gescheitert gelten lassen solle.

Wütend stieß Magrath seine Faust in den Holzboden und stellte sich im gleichen Zuge aufrecht hin. Er zog die Vorhänge auf, öffnete das Fenster und schaute schnaufend hinaus. Vermutlich musste er sich damit abfinden, stets ein Gleichgewicht aus Kampf und Magie und der damit verbundenen Unwissenheit in den jeweiligen Tiefen beider Disziplinen akzeptieren. Aber es fiel ihm schwer es einfach so hinzunehmen und er wollte es nicht kampflos hinwerfen, war aber von den letzten Versuchen geschwächt. So krallte er seine Fäuste in das Fensterbrett vor Zorn. Verwandlung und Illusionen schienen sich doch stärker voneinander zu unterscheiden, als er sich zunächst erhoffte. Er konnte das Meer hören und wie die Wellen gegen die Kanten der Landmasse schlugen, auf dem sich sein abgelegenes Haus befand. Er versuchte sich zu zügeln und verschloss seine Augen wörtlich vor der Welt. Die gleichmäßigen und vielseitigen Geräusche des Meeres und einzelne Tierlaute der Vögel vor den Klippen besänftigten nach einigem Kampf den aufgebrachten Krieger in ihm und ermöglichten seiner magischen Hälfte wieder die typische Gelassenheit, mit der er sich selbst und den meisten Menschen begegnete.

Er genoss den zurückgewonnen meditativen Zustand noch eine Weile, wandte sich dann um und betrachtete den Arbeitsplatz der letzten Tage. Sorgsam sortierte er die Bücher in die Regale zurück und rollte seine beschriebenen Pergamente zusammen, um sie in seinem kleinen Lager zu verstauen. Ein Fortschritt war trotzdem zu erkennen. Er erkannte wohl die übergeordneten Zirkel als eine seiner Grenzen. Sicher würde er weiterhin darüber nachdenken und versuchen diese Grenzen auszuweiten, eines Tages – vielleicht, wenn die Kampfübungen nicht mehr die Hälfte seiner Zeit in Anspruch nahmen.
Magrath Ryven ist offline  
Geändert von Magrath Ryven (03.10.2011 um 10:18 Uhr).
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