|
|
|
|||
|
Reisender
Registriert seit: 15 Jan 2007
Beiträge: 130
|
"Ihr Mittelländer seid grauenvoll." hatte er gesagt und sich einen Weg durch Menschen gebahnt, welche jubelnd oder erschrocken die Hinrichtung verfolgten. Auf dem Marktplatz lagen Körperteile des Verurteilten und Blut bahnte sich seinen Weg durch Staub und Gestein. Auf jenem Platz, auf dem sich für gewöhnlich Menschen treffen um miteinander zu handeln oder einfach nur zu reden, fand heute eine Hinrichtung statt. "Eine Hinrichtung, welche nicht ausschließlich dem Tod nützt" dachte Magrath, als er sich an der Kirche vorbei in Richtung der Brücke bewegte. Noch immer hörte man die Schreie des Schuldigen und die tobende Masse.
An der Brücke angekommen, ging er bis zur Mitte und hielt inne. Er stemmte die Hände an das Geländer und starrte in das Wasser hinab, welches nun auch den letzten Hohn oder aufgeregten Schrei durch ruhiges und gleichmäßiges Geplätscher im Keim erstickte. Er hatte sich seine Reise in das Mittelland definitiv anders vorgestellt. Sicher lernte er nette Menschen kennen und verbrachte schöne und aufregende Stunden mit ihnen. Durch den heutigen Tag verloren diese allerdings an Bedeutung. Es war Absurd. Glaron, die große Gottheit, hatte eifrige Diener welche ihresgleichen, zur Unterhaltung anderer, öffentlich hinrichteten. Magrath konnte sich beileibe nicht vorstellen, dass dies im Interesse einer rechtschaffenden Gottheit geschehen könnte. "Sie belügen sich selbst", dachte Magrath, "und knien nieder vor einem großen und barmherzigen Gott. Dabei sind sie selbst blutrünstig." Vierfacher Mord ist mit Sicherheit nicht zu entschuldigen. Jedoch hielt Magrath diese Art von Hinrichtung für verachtungswürdig und falsch. Jeder beteiligte Gardist hatte nun ebenfalls gemordet. Sie würden es rechtfertigen. Sie würden sagen, dass es im Sinne ihrer Gottheit geschehen würde und, dessen war sich Magrath sicher, keiner von ihnen hatte mit Glaron darüber gesprochen. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass eine Gottheit des Lichtes solch eine Greueltat anordnen würde. Es erschien ihm nicht weise. Er blinzelte etwas und machte sich auf den Weg. Er wusste nicht wohin er gehen sollte. Raus aus dieser Stadt. Irgendwo anders hin. Seine Reise weiterführen und weitere Eindrücke dieses Landes sammeln. Außerdem war er nicht sicher, ob man seine Worte gehört hatte und was ihn daraufhin erwarten könnte. Sanaya hätte sie hören können. Auch Sanaya war so gebannt an dem Geschehen beteiligt gewesen, dass sie sein verschwinden gar nicht bemerkte, wie ihm schien. Jedoch war es wohl so laut, dass er hätte schreien müssen um sich bemerkbar zu machen. Er schüttelte den Gedanken ab und machte sich auf die Reise nach Vesper. |
|||
|
|
|