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Nachdem Jonah viele Bücher verlegt hatte, sie editiert und erforscht, sie den Menschen oft unter großen Summen zugeführt und seinen eigenen Geist durch die Lektüre geschärft hatte, denn dessen war er sich sicher, begann er nun also wieder ein eigenes Werk. Es sollte ein umfassendes Werk sein, auf einer Wissenschaft basiert, der er sich verschrieben hatte und die eine Analyse der eigenen Reihen vorantreiben sollte. Wie viele Magier hatte er immerhin schon kennengelernt, wieviele Orden aufblühen und vergehen sehen, welche Regeln hatte er sich unterworfen und welche wieder verworfen, waren sie seinem Lebenssinn nicht gerecht geworden?
Diese Erfahrung und seine Ansichten sollten nun in diesem umfassenden Werk einfließen, so hatte er es sich geschworen. Gewissermaßen auch ein Testament, des Decrams, der seit seiner Jugend im Reich wirkte und wanderte und mal einen hohen mal einen sehr niedrigen Ruf nachgeworfen wurde. Stellungen im Orden seines Vaters, Verrat an diesem und seiner vergangenen Sache, Ämter, Erfahrungen in aller Herren Länder, die Erbschaft zweier Kulturen, der fearlanschen und jener des Reiches Maleth, viele Gebete an verschiedene Götter, seinem Geburtsgott Alwyzz und seiner persönlichen Herrin Nephar hatten sein Leben geformt und ihm so auch Erfahrungen geschenkt, die er nicht immer in seinen Werken verewigen wollte, doch dieses Opus, dieses große Werk seines Lebens sollte all dies ebenso umfassen. So kam es, dass er regelmäßig die Bücher mit seinem persönlichen Wappen, einem jagenden Wüstenfuchs, nun füllte und Boten die Werke an seine Kontakte in Fearlan, Maleth und anderen Orten brachte. Auch das Konzil erhielt ungefragt Abschriften der vorhandenen Bücher und mit jedem neuen Werk folgte ein weiterer, teurer Lederband. Nur die Leserschaft in Britain wurde beschränkt. Abschriften erhielt nur, wer das Angebot Decrams persönlich erhielt, die Bänder für einiges an Gold erkaufte oder durch Jonah in seine Gedanken eingeweiht wurden und die schweren Bücher durch seine Hand erhielten. Denn er war sich der Gefahr nur allzu bewusst, die eigene Meinungen in diesen Feldern unter den Kollegen, Freunden, auch Feinden und Unbekannten hervorrufen konnte. |
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Die arkane Gemeinschaft
Band I Vorwort zur Gesamtreihe Es ist ein weites Feld, diese arkane Gemeinschaft, so es sie denn gibt. Denn anders als jede andere Gruppe unter den Rassen, sei es ob wir von Handwerkern, Adeligen, Kämpfern oder sonstigen Wissenschaftlern sprechen, ist es unter den Begabten der magischen Künste mühselig Grenzen zu ziehen oder wahre Definitionen zu finden. Ein jeder Magier scheint sich selbst erneut erfinden zu wollen, seine eigenen Zugehörigkeiten auszulooten und auch die Wege der Magie, ob es nun wirklich drei oder mehr seien, für sich eigens zu erkunden. Auch ich persönlich habe so manche Erfahrung hierzu gemacht, viele Meinungen gehört und teilweise darüber gestritten und gewissermaßen auch in der Zeit meines Lebens erforscht. So wurde mir der Gedanke offenbart, dass die Erforschung der unseren, in all den Facetten des Zusammenlebens, des Öffentlich wie Privatem nie wirklich von statten ging oder nicht in einem umfassenden Werk erfolgte. Freilich ist es geboten, bei einer Beobachtung der Arkanen wie so oft nicht auf Vollständigkeit, letztem Schluss und einziger Wahrheit zu drängen und auch ich wehre diesen persönlichen Anspruch ab. Denn all diese Forschung war stets personenbezogen auf mein eigenes Leben und so ist dies letztendlich auch ein persönliches Opus, jedoch unter Umständen das größte, dessen ich mich je widmen werde. Beginnend mit den Gebieten um die Zirkel selbst, um die Wege der Magie, den Glaubensrichtungen der Arkanen, Riten, Ausbildung und der Verortung in der uns gegebenen Gesellschaft im Reich Fearlan, eröffnen sich für meine Forschungen ein derartig gewaltiges Feld, dass ich wohl nicht hoffen kann, ein vollendetes Werk zukünftigen Arkanen zuführen zu können. Doch gerade die Offenheit dieser Wissenschaft, einer Wissenschaft von Beobachtung der Gesellschaft, reizte mich stets und motiviert so auch zur Zusammenstellung dieses Werkes. Die Verbindung dieses Werkes mit meinem eigenen Leben ist gewissermaßen auch ein Testament und eine Tatenerklärung, denn ich werde nicht müde werden, meine eigenen Positionen in den jeweiligen Erklärungen zu erläutern. Ich scheue mich keiner Offenheit meines Charakters und meiner eigenen Taktikten und Wege um neben anderer Namen auch den meinen in den jeweiligen Beispiele anzuführen und so einen Garant für die wahrheitsgemäße Alternativen zu leisten. Doch ist dieses Werk auch stets ein Spiegel der jeweiligen Zeit, im Beginn des Jahres 1313, und so hoffe ich, dass mir mein zukünftiges ich, wie auch niemand anderes dereinst einen Vorwurf aus alten Positionen bilden wird, denn gerade der Arkane weiß um die Wandlung der Wissenschaft, von Positionen im Zuge einer offenen Diskussion und dem Wandel der Dinge in dieser Welt. Gerade Britannia war hiervon immer betroffen und diese Veränderungen will ich nicht für mein Alter und somit auch das Alter dieses Werkes ausschließen. Jonah Decram Britain Im Jahre 1313 |
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Die arkane Gemeinschaft
Band II Von der Krone Fearlans und den Arkanen 1. Vorwort Durch meine Geschichte, war ich stets in die Ereignisse um Fearlan und vor allem das Herzogtum Britannia eingebunden. Aus einem anderen Kulturkreis entsprungen, war mein Haus Decram einst eng mit der Politik des Herzogtumes verbunden und mein Vater, Ramirez Decram, diente viele Jahre dem Wohl des Reiches als Baron, erst direkt dem Herzog, hiernach dem König unterstellt. Als Erbe des Namens Decram und involviert in den Zusammenschluss des Ordens der Yil’Dan stand ich oftmals in der ersten Reihen der Politik und war an zahlreichen Beratungen, wie auch Schlachtzügen beteiligt, wenn es um die Geschickte der Heimat Fearlan ging. Meine arkanen Fähigkeiten waren hier oftmals von Nutzen oder gar in erster Linie ausschlaggebend. So habe ich für mich in diesen Jahren gelernt, dass der Umgang von Politik und Magie zu einer Frage wird, wie man diese Felder verbindet, unter welchen Dienstherren man sich stellt, mehr noch, wie man die Gemeinschaft der Magier in der Gesellschaft eines Königreiches und einer von Ständen verorten kann und soll. Durch mein Studium alter Schriften, meinen eigenen Erfahrungen und den Gesprächen mit verschiedenen Vertretern unserer Gemeinschaft, konnte ich hierbei verschiedene Wege beobachten, deren Darlegung ich als elementar ansehe im Studium der Arkanen. Es geht hierbei weniger um eine Anweisung an andere Magier, als um eine umfassende Darlegung meiner Beobachtungen. Ich stehe mittlerweile außerhalb des Dranges große Gruppen zu einer Richtung zu bewegen, die ich zweifelsohne selbst anstrebe, doch auch meinen eigenen Weg will ich kurz darlegen. Denn fern der verschiedenen Höhen und Tiefen, die ich durch mein Tun durchwanderte und zweifelsohne zu großen Teilen selbst verantworten muss, rechne ich mich selbst doch einer Gesinnung und einer Zugehörigkeit zum Reich zu. Gerade meine Zeit im Exil in der Heimat meiner Familie Maleth und der Insel Moonglow, sehe ich es doch berechtig, mich zu jenen Loyalen der Krone zuzurechnen. Denn gerade die bewusste Wahl der Abgeschiedenheit hat mich nicht von meinen Motiven abgebracht, sondern eher Verstärkung in meiner Verbundenheit zur Krone Fearlans und vor allem jener Herrschaft in Britannia hervorgebracht. Es war ferner mehr eine Zeit der Meditation und dem Zurechtlegen einer Taktik, die nicht allein mir dienen sollte, sondern auch einer gesamten Gemeinschaft unter einer in meinen Augen göttergewollten Ordnung von Ständen. Ich selbst sehe die Magier indessen auch als Teil eben dieser Ordnung an, als eigenen Stand, der jedoch im Gegensatz zu Klerus, Adel, der Bauernschaft und dem Stand der Handwerker und Händler nicht leichthin definiert und abgegrenzt werden kann. Doch ist es für mich durchaus sinnvoll, diese Idee zu übernehmen, auch wenn ich in Folge zeigen möchte, dass es hierzu auch andere Geistesrichtungen gibt. Aber meine persönlichen Aufgaben, Bürden und doch auch Ehren lassen sich leichter definieren, wenn man sich dieser Gruppe zugehörig sieht, die in ihrer Definition nicht alleine auf die Gabe der Magie allein bezieht, als auch eines gewissen Lebensstils. Doch gerade das Problem dieses Standes ist, dass ein jedes Mitglied dies anders sehen mag und persönliche Vor- und Nachteile hierüber abzuwägen hat. Eben hierzu möchte ich jedoch die Theorien um die Gemeinschaft in diesem ersten Band dem Zusammenspiel von Macht und Politik und vor allem dem Königreich Fearlan mit den unseren widmen und hoffe auf eine Beteiligung und Einbezug dieses Wissens und der Ansichten in den zahlreichen Diskussionen in unserer Mitte. Jonah Decram Britain Im Jahre 1313 |
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Die arkane Gemeinschaft
Band II Von der Krone Fearlans und den Arkanen 2. Grundannahme Das gegenwärtige System von Ständen, welches seit jeher unter der Herrschaft des Adels Fearlans steht, gilt im Folgenden als notwendiges und bestes aller Systeme, die eine menschliche Gemeinschaft hervorbringen sollte. Obschon es in der Geschichte variierend ist, so können wir obendrein feststellen, dass die königliche Krone in unserer Zeit nicht nur gottgegeben ist, man bedenke hierzu die Stabilisierung des Reiches durch das frühe Königshaus. Auch der stetige Schutz und damit die Erhaltung des Königreiches wurden durch direktes Auftreten der irdischen Vertretung des Pantheons, den sogenannten Avataren, mehrmals beobachtet und kann dadurch als Willensbekundung höchster Instanz beurteilt werden. Auch die Alternativen, in Form primitiver Stammesgemeinschaften und Zusammenschlüsse bis hin zur wohlgereiften Idee einer rätischen Regierung waren auch in Britannia und dem Umfeld bisher stets zum Scheitern verurteilt. Der augenscheinlich von Oberhäuptern befreite Stamm der Saharess war letztendlich nicht mehr als ein von einzelnen dominierter Personenkreis aus einer anderen Kultur transformiert und ebenso nach gewisser Zeit vom politischen Feld verschwunden, wie der Versuch einer Etablierung eines reichsfreien Lehens unter der Herrschaft einer Bürgerschaft in Yew. Mehr noch, letztere verlor alsbald die Legitimation einer Politik, die sich mit den Interessen des Reiches, zumal an dessen Grenzen vereinbaren konnte. Dass Moonglow sich über die Jahre ohne eine Herrschaft halten konnte, auch wenn diese Insel stets zum Spielball verschiedener, gerade arkaner Individuen geworden war, weist indessen in ein künstliches Vakuum von Macht unter der Schutzherrschaft des Konzils. So ist theoretisch zwar die Neutralität der Insel gewahrt, doch ehemalige Tribunale haben sich leidlich an diesem Ruf abgearbeitet. Über die Sonderrolle dieser Insel, die oftmals als Magierreich bezeichnet wurde, soll an einer anderen Stelle geschrieben werden, ist jede Abhandlung hierüber gewissermaßen auch eine Utopie, deren Anspruch die Flucht von der Insel in den letzten Jahren auf tönernen Füßen steht. Doch solange die Idee des Reiches alternativlos steht und obendrein durch die Bürger der Krone, also auch jedem Arkanen in Fearlan als schützenswert erachtet werden soll, gibt es freilich verschiedene Ausrichtungen im Verhältnis zwischen der Herrschaft, den Ständen und der Gruppe von Magiern. Dies beginnt bereits in der Einordnung der Arkanen in die Stände unserer funktionierenden Gesellschaft, doch auch die Erforschung von Loyalität, der magischen Pfade und die Beziehungen ist hierbei einzubeziehen. In diesem Werk wird daher versucht, ein umfassendes Bild in diesen Bereichen zu erforschen und ich sehe mich verpflichtet mit dem eigentlichen Aufbau des Reiches im Hinblick auf die Arkanen zu beginnen. |
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Die arkane Gemeinschaft
Band II Von der Krone Fearlans und den Arkanen 3. Die Masse an Meinungen Betrachten wir die Standesordnung der drei oder vier Stände (es sei dahingestellt ob die Unfreien in diesem System beachten werden sollten, gerade im Hinblick auf die Funktion innerhalb des Königreiches) erscheint es als ein Problem, die arkane Gemeinschaft in diesem System verorten zu können. Auch wenn es eine gewisse Homogenität bezüglich der Tätigkeit von Forschung, von Sitten und Bräuchen, Auftreten und Anspruch innerhalb der Gemeinschaft gibt, ist festzustellen, dass die Grenzen in den Ständen fließend sind. Allein von der zahlenmäßigen Zuordnung wäre ein Arkaner wohl am ehesten dem Bürgertum zuzurechnen, doch auch die zahlreichen Positionen an Höfen und Akademien des Königreiches Fearlan, erheben so manchen Magier in die Sphären des Amts- gar Blutadels. In meiner Forschung fand ich hierzu auch ein Zitat eines mittlerweile vergessenen Magier Radis Edler von Hall, der 1202 in seiner Biographie folgendes schrieb: „Der Magier strebt nach Ehren und Titeln und durch seine Bereicherung für jeden Hof, steht sie ihm obendrein zu. In Anbetracht des uns gegebenen Potential in Politik und Diplomatie sollte man unsere Ziele einbeziehen und die oftmals vergebenen Bemühungen und ich will sagen, wir sind der verlorene Teil des Adels, der im Reichtum, Privileg und Ehren, zuletzt auch in der Schutzfunktion der Krone dem blauen Blute gleichauf ist.“ Neben diesen offenkundig selbstgebildeten Aufstellung finden sich auch andere Zitate wie das eines namenlosen Gelehrten aus der Zeit um das erste Millennium. „In welcher undankbaren Bemühung sehen wir uns denn, dass es ein gebildeter Arkaner für nötig empfindet, sich in einer Gesellschaft und deren Schicht zu verorten, deren Bestand wir weder sichern noch in deren Pflicht wir stehen sollten.“ Derartige Zitate gibt es freilich viele und einzelne Schicksale lassen mancherlei Ordnungen im neuen Licht erscheinen. Auch die Flüsse von Magie und Adel, die sich in Britannia regelmäßig vereinen beispielsweise in der Person des vormaligen Barons von Minoc, Lithilion Valandil deuten in die Schwierigkeiten dieses Feldes. Doch lassen sich anhand eben dieser Schicksale und Schriften der Vergangenheit verschiedene Theorien, in meinen Augen drei in der Zahl aufstellen, die nach ihrer Erklärung eine offenere Diskussion ermöglicht. |
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Die arkane Gemeinschaft
Band II Von der Krone Fearlans und den Arkanen 3.1 Die Theorie eines arkanen Standes Es ist bezeichnend, dass die Theorie des arkanen Standes in Zeiten entstand, als eine Bewegung innerhalb der Schichten noch sehr gering war. Die Grenzen der einzelnen Stände, zuweilen noch als Adel, Klerus, Bauern verstanden, waren vor einigen Generationen deutlicher gezogen und in zahlreichen Werken, wird von einer gottgewollten Systematik ausgegangen, die aufzubrechen bereits eine Sünde darstellte. Erst mit der Herausbildung des Handwerkes, der Öffnung und Bildung eines bürgerlichen Standes, der Bewegungen verdienter Mitglieder dieses jungen Standes in die Ehren des Adels und zuletzt auch der Auffächerung des Klerus durch die Anerkennung des gesamten Pantheons befassten sich zahlreiche Magier mit der Erforschung um die Notwendigkeit eines weiteren Standes. Die Blütezeit dieser Theorien bildete hierbei das neunte und zehnte Jahrhundert, in der zahlreiche Akademien durch eine Abgrenzung von anderen Schichten versuchten eine homogene Gruppe zu bilden. Auch einzelne Arkane dachte an eine regelrechte Zucht eines eigenen Standes mit Funktionen, Ehren und Titeln, die durch ihre Theorie der Blutreinheit einerseits eine deutliche Grenze aufzeichnete, andererseits bereits im Beginn der jungen Forschung eine Theorie unter Einbezug aller Begabten ins Absurde führten. So finden sich heute noch Schriften, wie jene von Morianus etwas aus der Mitte des 9. Jahrhunderts mit folgenden Zitaten. „Wir erkennen unsere Ziele in der Bildung eines sich selbst ernährenden, wehrenden und rekrutierenden Standes, deren Basis allein die Reinheit des Blutes, das Konnubium reinrassiger Magier und somit die Erlangung großer Häuser, ähnlich den gekrönten Häuptern darstellen.“ Abgesehen von diesen verwerflichen Konstrukten ist nichtsdestotrotz festzustellen, dass die arkane Gemeinschaft über Merkmale verfügt, die einem Stand nicht unähnlich sind und in den Schriften der Vergangenheit, mehr noch gerade in der früheren Zeit, betont wurden. Da Magie zu dieser Zeit noch klar in die Tätigkeitsfelder der Kampfmagie und der höheren Wissenschaft, kann man hier ähnlich dem schützenden Adel und dem wissensmehrenden Klerus einen Zusammenhang im Werke erkennen. Denn eben diese Funktion ermöglichte auch dem Handwerk den Aufstieg in das Bürgertum, ist aber freilich nicht alleine ein Grund eines eigenen Standes, da dieses rein funktionelle Zeichen eben nur in diesen bürgerlichen Stand verweisen würde. Daher vermengen sich hier auch die daraus wachsenden Pflichten von Schutz der Nichtarkanen, aber auch der Novizen und des arkanen Nachwuchses. Könnte dies noch ein weiteres Feld des Adels sein und somit in die Zugehörigkeit zu anderen Ständen weist, so ist die höchste Funktion schließlich die der Forschung und Wissenssammlung, weit über den klerikalen Erhalt von Schriften hinaus. In der Blüte der wissenschaftlichen Befassung mit der Magie, die am Beginn unserer Kunst stand, liegt demnach auch in den Erklärungen die eigentliche Berechtigung eines eigenen Standes. Denn „Der Adel kämpft, der Klerus predigt, der Handwerker baut das Haus, der Bauer bringt das Brot doch wir, liebe Kollegen, mehren das Wissen, erforschen die Welt, erhalten das Gewebe und führen das Denken auf der höchsten Ebene Ehre.“. Neben dem Feld der weiten arkanen Tätigkeit sind es überdies Sitten und Bräuche, die in eine eigene Sphäre weisen. Eng verbunden mit der Wissenschaft wurde zu dieser Zeit zahlreiche Rituale etabliert, wie noch zu erklären ist, auch zum Schutz unseres Standes, die sich klar vom Alltag anderer Stände abgrenzten. Beginnend in Äußerlichkeiten, wie den Roben und dem Schmuck aus dem Metall der Alchemisten, können wir weitere Abgrenzungen verfolgen, so in der eigenen Terminologie, den Beziehungen und angestrebten Positionen in der Gesellschaft. So lassen sich zahlreiche Merkmale eines eigenen Standes finden, wenn diese auch in unserer Zeit zunehmend verloren gehen. Doch ziehe ich hierbei zwei Probleme, die gegen einen eigenen Stand sprechen können. Das eine mag hierbei sein, dass nicht allein die arkane Gemeinschaft diese Merkmale, wie sie oben aufgeführt wurden, mit der Zeit angenommen hatten. Gerade auch Alchemisten ohne arkane Gabe, Heiler und Allgemeingelehrte, beispielsweise im Recht oder den Naturgesetzen, etablierten sich mit der Zeit neben den Magiern. Auch jene nahmen ein gewisses Gemeinschaftsgefühl auf und obschon sie offen dem Bürgertum, oder ob der Zeit dem Adel zuzurechnen sind, verbanden sich die belesenen und schreibenden Geister zu Zünften, Räten und schlussendlich einer Gruppe, die somit nicht mehr als abzugrenzender Stand gelten kann. Freilich zählt in ein ähnliches Feld die Verbindung mit den vorhandenen Ständen, die zunehmend von den Arkanen vollzogen wurde. Ein weiteres Problem finde ich weiterhin in der Außenwirkung und Behandlung der Arkanen und somit auch mit der gegenwärtigen Zeit. Nahezu kein Mitglied der etablierten Stände, vorrangig des Adels kann bei Arkanen noch ein vollständiges Konzept und eine Abgrenzung festellen, mehr noch, hadert selbst mit der eigenen Standeszurechnung. Denn die klare Aufteilung der Stände scheint, trotz ihres Wertes und der oben genannten Notwendigkeit für das Reich, zunehmend zu verwischen, und keine Handlungsgrenzen darzustellen. Bis auf Titel und gewisse Ehren verlieren sich so auch zunehmend die strikten Privilegien, die man noch vor 200 Jahren für die Magier erstreiten wollte. Daher entnehme ich den Theorien vor allem den Geist der Zeit und mehr noch, die Probleme um ein mangelndes Selbstbewusstsein im Konstrukt einer wesentlichen strikteren Gesellschaftsordnung, als wir sie uns noch vorstellen können. Auch die Möglichkeit einer Etablierung dieses Standes, scheint mir in den letzten Generationen verloren gegangen zu sein, sollte sie wenn, dann überhaupt weit vor der Öffnung der Wissenschaft und der Zuwendung zu den profaneren Anwendungen der Magie bestanden haben. Daher kann ein solcher Stand nur noch in der Theorie entwickelt werden, gerade wenn wir die sündigen Theorien des Blutes und der Abgrenzung vollends abweisen wollen. Inwiefern die arkane Gemeinschaft dann überhaupt noch von dieser Theorie profitieren kann, wird durch den Wegfall von Privilegien und besonderer Stellung in der Praxis fraglich und ich lasse offen, ob man weiteren Forschungen und Bestrebungen in dieser Angelegenheit überhaupt noch Mühe zugestehen sollte oder sich in den folgenden Theorien verorten möchte. |
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Die arkane Gemeinschaft
Band II Von der Krone Fearlans und den Arkanen 3.2 Integration in den Ständen In der Zeit der Bewegungen innerhalb der Stände ist es freilich naheliegend die unsere Gemeinschaft in einer Bewegung zu zahlreichen Richtungen hin ziehend zu fassen. Dies deckt sich zumindest mit den fearlan‘schen Theorien der neueren Zeit, kann man im Königreich beobachten, dass Tätigkeiten, Ehre und Ansehen nicht mehr über die Geburt in einen Stand oder eine generelle Zurechnung in einen dieser gebunden ist. Die Lehre der arkanen Künste ist mittlerweile über den Schatten der Bluttheorien hinweg gezogen und möge dies auch zu Kosten einer geregelten Wissenschaft geschehen, so kann unser Stand sich glücklich schätzen, von den Unfreien bis hin zum Adel das Geschenk der magischen Wirkung anzunehmen. Beginnend mit den Zirkeln der profanen Wirkungen, gleichsam dieser Tage Bauerzirkel genannt, ist mittlerweile bewiesen, dass eine große Vorbildung oder arkanes Blut in einer Ahnenreihe weder positiv noch negativ auf eine junge Generation von Magier von Nöten ist. So ist bereits der Beginn eines Lebensweges von den arkanen Kräften umsorgt in allen Ständen zu verorten und macht bereits eine grundsätzliche Theorie der Zuordnung schwer. Auch das übliche bürgerliche Umfeld eines Wissenschaftlers ist durch die zunehmende Bedeutungsabnahme dieser Tätigkeit, eines rein forschungsgebundenen Wirkungsfeldes, aufgebrochen, von dem mittlerweile auch der Verlust von Ritus und Sitte einhergeht. Will man eben eine Homogenität anhand eben dieser teils äußerlichen, teils motivgerichteten Zeichen erläutern, erkennt man, dass die Standestheorie der vorhergehenden Generationen nicht mehr auf die Gemeinschaft der Arkanen anwenden kann, da genau diese Gemeinsamkeiten verloren gegangen sind. Kleidung, Sitten, eigene Gruppengesetze und die hohe Kunst der Riten sind verdrängt worden, zugunsten der Lebensumfelder, die ein jeder Arkaner mittlerweile selbst auszusuchen vermag. „Ihr findet uns auf dem Feld des Kampfes, gleichsam der Ähren, in den Bürgerhäusern und Palästen, in Tavernen und den Schulen. Ihr seht uns in Rüstung, Robe, Hose Rock. Ihr sprecht mit uns in Bauernzunge gleichsam Adelswort. Ihr schlagt uns als Sklaven, handelt mit uns als Bürger, lauscht uns als Prediger und verehrt uns als Adelige. Denn wir sind ihr und nur ein Geschenk des Schicksals, mag es auch noch so mächtig sein, trennt uns noch von euresgleichen.“ Flugblätter wie diese, wie ich sie in konservativen Landgemeinden des Königreiches fand, scheinen den Bewegung und Beobachtung der unseren zwischen den Ständen zu beweisen. Doch deutet die Notwendigkeit der Existenz dieser Pamphlete auch, dass es sich oftmals um eine eigens aufgestellte Theorie handelt, deren Praxis oftmals an der Außenbeobachtung scheitern mag. Denn mag es löblich sein, dass gerade jüngere Generationen Magier, sich nicht mehr von anderen Ständen abheben oder abgrenzen wollen, es als keine Schande sehen, sich in erster Linie auch als Bauern oder Bürger zu sehen. Jedoch ist in den Mitgliedern der anderen Ständen, die nicht mit der arkanen Gabe gesegnet sind, noch immer Misstrauen zu beobachten und Ausgrenzung einzelner Mitglieder unserer Gemeinschaft, beispielsweise im Klerus, doch auch in Ständen vernachlässigter Bildung, wie im Bauernstand, doch auch den unteren Bürgerschichten noch immer nicht völlig ausgelöscht. Solange die Ausübung der Magie oftmals als Schande, zumindest jedoch als zu misstrauende Fähigkeit, oftmals nur an Nutzen für den jeweiligen Stand gebunden angesehen werden, kann von einem Aufgehen der magischen Gemeinschaft noch nicht gesprochen werden. Ähnlich wie der Wunsch eines eigenen Standes in der Vergangenheit basiert ist, meine ich die vollständige Integration der unseren in allen dreien oder vieren Ständen, in erster Linie ein zukunftsweisendes Konzept zu sein, dass keinesfalls am Ende angelangt ist. Doch auch wenn noch zahlreiche Probleme mit dieser Idee zu bestehen scheint, so empfinde ich die Loslösung des Ständedenkens zugunsten einem vollständigen Durchwirken aller Schichten als das ehrenwerteste Ansinnen, kann man so den schlechten Ruf der arkanen Gemeinschaft noch am ehesten beheben und eine umfassende Lehre unabhängig von Herkunft, geschweige denn Wohlstand formen, freilich, und dies möchte ich durchaus auch mit Wehmut betrachten, auf Kosten der althergekommenen Riten und Wissenschaft. Dies wurde bereits erwähnt, doch muss man sich durchaus auch fragen lassen, inwiefern uns dies noch von höheren Nutzen ist, abseits der persönlichen Interessen und Annehmlichkeiten, die uns noch immer in eine mythische Sphäre erhöhen. Will man daher diese Theorie vertreten und mehren, so gilt es wohl für jeden Arkanen, der sich in der Lehre übt, die alten Riten nicht nur zu überdenken, sondern auch in ihrer Weitergabe auch an ein Publikum anpassen, das nicht von der Gunst einer wohlen, höheren Geburt umsorgt wurde. Dass ich, der sich in höherer Terminologien übt und seine Werke an ein gebildetes Publikum richtet, mich hierbei nicht ausnehmen möchte, steht zwar außer Zweifel, doch hoffe ich auf eine jüngere Generation. Wenn ich dieser Tage, gerade in Britain, eine dem Volk in Sprache und Wesen zugewandte Generation von Magiern beobachte, die sich auch in den Tavernen mit jedwedem Stand unterhalten und in verschiedenen Tätigkeiten, neben den eigentlichen Wissenschaften der Magie, üben, bin ich jedoch zuversichtlich, dass die endgültige Auflösung von Standesdünkel bezüglich unserer Profession in nicht allzu weiter Ferne zu finden ist. |
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Die arkane Gemeinschaft
Band II Von der Krone Fearlans und den Arkanen 3.3. Standesfeindlichkeit und Abgrenzung Neben den beiden vorher genannten Konstrukten, die zumindest einen Bezug auf das bestehende System von den Ständen hervorheben, gibt es auch jene Stimmen, die nicht nur für eine Abgrenzung außerhalb sprechen, die weit über die Notwendigkeit eines weiteren Standes hinausgehen. Auch Feindschaft ist mit der Zeit, auch durch eine zunehmende Ablehnung der Krone selbst, wird zuweilen beobachten, die das Ständewesen selbst, vor allem im Verhältnis zur arkanen Gemeinschaft, ablehnen oder zumindest anzweifeln. Unabhängig von der Verschärfung dieses Konfliktes, treten hierbei die Magier als lösendes Element ein, zuweilen getragen von der Idee einer modernen Gesellschaft, die nicht nach Herkunft und Reichtum, so aber nach Bildung und Intelligenz unterscheiden. „Das Zeitalter des Eisens, der Kämpfe, Kriege wird ebenso vorübergehen, wie die Blüte des Handwerkes und die Bereicherung der großen Zünfte an Gold und Macht. Denn am Ende dieses Jahrhunderts, wird Wissen das einzige Instrument der Macht sein und nur noch hieran wird sich die Hierarchie der unseren Gesellschaft orientieren können. Dies wird das Zeitalter der Arkanen werden.“ Dieses Zitat ist zweifelsohne von gefährlicher Denkrichtung, abgesehen von der übertriebenen Idee jedoch von manchen Wissenschaftlern und Mitgliedern unserer Gemeinschaft durchaus mitentwickelt und getragen. In der Härte des Tones, abseits dieses vermutlich schwarzmagischen Pamphletes aus dem vorhergehenden Jahrhundert, gibt es hierbei einige Abstufungen. Gewisse Züge der Menschenfreundlichkeit finden sich in zahlreichen Schriften auch Arkaner, die sich sonst auf den Wegen der weißen Magie bewegen. „Die Armut der Bauern und das Leid der städtischen unteren Schichten, nicht zuletzt das widerliche Konzept von Unfreiheit, formte lange genug das Reich und ein jeder der sich innerhalb unserer Gemeinschaft befindet, sollte sich fragen, ob wir nicht nur Abgrenzung üben sollten sondern auch unsere Identität, die nicht weiter an Geburt gekettet wird, auf weitere Menschen, auch ohne unsere Gabe der Wissenschaft, ausweiten sollte. Die Abschaffung der Stände könnte nicht nur uns in die Reichsgemeinschaft integrieren, als auch so manches Leid dieser Tage mildern und eine Blüte für Fearlan bewirken.“ Neben diesen durchaus utopischen, auch achtenswerten Forderungen, die sich nur rudimentär über die Ausgrenzung von Arkanen selbst definiert, finden sich jedoch auch schwere Formen des Kampfes gegen die Stände, die sich auch gegen das Reich und das Königshaus selbst richten können. „Schlachtet das adelige Schwein, schlag tot den königlichen Hurenbock, raubt das Gold des fetten Händlers und zertrümmert den dreckigen Schmiedekopf mit dem eigenen Hammer. Denn Unfreien lasset nur Leben, denn bald sind alle außer uns nichts Höheres als dies!“ Dieser Aufruf zum Sturz der Stände führte vor fünf Jahren in einem Dorf in Fearlan zur öffentlichen Hinrichtung einer Gruppe von Magiern. Er ist kein Einzelfall. Doch nicht nur eine bewusste Abgrenzung wird von einigen vertreten, auch eine Ausgrenzung durch die Stände selbst, wird von vielen Arkanen befürchtet. „Solange Euer Gnaden eigene Gesetzte gegen unsere Wissenschaften erhebt, wir uns in der Kanzlei Eurer Landen zu melden haben, solange die Hauptmänner Eurer Gnaden uns nicht im Heere dienen lassen und kein Arkaner durch Euer Schwert zum Ritter geschlagen wurde, solange werden wir nicht Teil Eurer Gesellschaft werden können und wollen.“ Diesen Brief fand ich im Schriftverkehr eines verblichenen Landadeligen zu Fearlan. Tatsächlich kann man beobachten dass die etablierten Stände zuweilen noch Misstrauen zu den Arkanen pflegen, wobei man jedoch beachten muss, dass hier Ursache und Wirkung nicht vertauscht wirken dürfen. Mehr noch, es kann die alte Frage von Henne und Ei gestellt werden, da nicht ergründbar ist, ob eine eigene oder fremde Ausgrenzung zuerst erhoben wurde. Dennoch kann diese Ausgrenzung oder die Existenz neben den Ständen auch positive Effekte haben oder zumindest eine Anpassung an die Zeit darstellen. Wie bereits aufgeführt ist die Zugehörigkeit eines Standes in unserer Zeit nur noch schwer klar aufzustellen, gerade wenn wir einen Stand nicht alleine über Titel definieren. So sind die Arkanen freilich auch nicht die einzigen Individuen im Reich, die man nicht mehr klar in die Grenzen der Gesellschaftssphären weisen kann. Meines Erachtens wäre dies somit, gemäß der oberen Theorie durchaus auch eine Möglichkeit zur Erleichterung des alltäglichen Lebens, sofern man sich von dieser Denkweise lösen kann, die sich noch immer an eine regierende Elite und ein arbeitendes Bürgertum orientiert. Eine Existenz neben den Ständen ist somit freilich möglich und dies auch völlig ohne die offene Feindschaft gegen das bisherige System, das meiner Meinung nach stets das Reich gestärkt und für viele Generationen geformt hat. Somit wäre auch die zweite Theorie von der Vermischung der arkanen Gemeinschaft mit nahezu allen Ständen mit dieser Randexistenz vereinbar und ich persönlich möchte die Wahrheit, den möglichen Weg in der Mitte dieser Theorien finden. Der Fortschritt in diesem Gedanken wäre somit nicht an einen offenen Kampf gebunden, sondern an die ohnehin schon wirkende Natürlichkeit, die eine solche Auflösung der Grenzen selbst fördert ohne mit einem aktiven Wirken Misstrauen, vor allem seitens der Obrigkeit noch weiter entfacht. |
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