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Alt 10.07.2016, 22:20
Tagebuch Klara Isold
#1
Klara Ergain
Reisender
 
Registriert seit: 09 Jun 2016
Beiträge: 104
8 im Estif (Sommer), des Jahres 1320

Nun beginne ich also doch die leeren Seite dieses viel zu dicken Buches zu beschreiben. Ich, die so ungern schreibt. Doch habe ich es dir versprochen... Vater. Ein so unendlich seltsamen letzten Wunsch hattest du da! Und nun erfülle ich ihn dir - und beginne.

Nach meiner Überfahrt in dieses Land war ich anfangs sehr enttäuscht. Hieß es bei uns daheim noch: Ein Land voller Reichtümer! Rassen Leben Seite an Seite - der Handel blüht!... Pustekuchen...

Die Hauptstadt wirkte auf mich wie eine Geisterstadt. Fand man hier und dort ein paar Bettler herumstreifen - fand man dort Gardisten in geputzter Rüste ihren Wachposten einhaltend. Es war ... seltsam. Erst als ich das Handelshaus betrat - konnte ich nette Gespräche führen.

Mir wurde sofort viel Interesse entgegen gebracht und ich wusste gar nicht, wie ich mich verhalten soll - bei so viel Gutherzigkeit. Unter Anderem haben wir darüber gesprochen, wie ich mein Gold verdienen würde. Der Herzogliche Hof sucht nach Köchinnen... kochen, dass habe ich in der Taverne meines Vaters gelernt... also habe ich mich beworben.

Es geschah schnell und es geschah ohne wirklichen Verstand meinerseits... doch nun bin ich Herzogliche Hofköchin. ICH?!!!! ...

Es ist noch so unwirklich... Kanzler Rollin steckt so viel Vertrauen in meine Person - und ich möchte ihn auf gar keinen Fall enttäuschen. Doch sind da immer wieder die leisen Stimmen....

Klara, du bist doch gerade erst 18 Jahre geworden... du hast in der Küche einer normalen Volkstaverne ausgeholfen - du hast nie etwas geleitet oder derlei verantwortungsvolle Dinge getan... wie sollst du eine Küche am herzoglichen Hofe verantworten können?!

Aber ich versuche diese Stimmen wegzuwischen - sie haben zwar recht, aber... ich möchte es unbedingt! Ich möchte alles! Ich bin fast ein wenig gierig geworden... Denn ich habe mich auch bei der herzoglichen Garde als Köchin beworben - und wurde, trotz meiner Position am Hofe, angenommen. Nun habe ich also zwei Stellen... dort versorge ich Herzog und Hofsleute - anderswo die Recken der Lande.

Ist es viel Arbeit? Ja. Ist es eine Herausforderung? Ja! Aber das Schlimmste ist, dass es irgendwie einsam ist. Oft studiere ich die herzoglichen Kochbücher für mich allein. Ich probiere dies und das - schmecke ab und bete, dass es dem Herzog schmecken würde.... Bisher habe ich keinerlei Beschwerden gehört...

Ich habe hier in Minoc ein Haus gestellt bekommen. Ich habe Hofkleidung an und bin wegen all dem Abschmecken immerzu satt. Eigentlich ist es ein Paradies!

Doch bin ich ein sehr geselliger Mensch. Das mag daran liegen, dass ich in einer Taverne groß wurde - ja. Ich war eigentlich nie allein! Hier bin ich es eigentlich immer... vor einigen Tagen habe ich Yannick von Britain kennen gelernt. Er wurde am Hofe angestellt! Er kümmert sich alsbald um die Sicherheit. Also nehme ich an, dass er ein Krieger ist?! Ich habe leider nur kurz mit ihm sprechen können... aber er ist erzogen, gescheit, nicht auf den Mund gefallen und trotzdem angenehm zurückhaltend. Meine Gedanken hellen sich auf, wenn ich daran denke, dass er vielleicht öfter in der Küche sein wird um zu schmausen - dann bin ich nicht allein in der riesigen Küche.

Ich habe mich heute sogar dabei erwischt, wie ich wen für den Hof anwarb. Wenn ich nun darüber nachdenke, ist es mir fast ein wenig peinlich. Er ist Heiler - und mein Gefühl sagt mir, dass er ein guter Mann ist... ein guter Heiler. Ich habe ihn auch ein klein wenig getestet. Die Brandwunde an meinem Unterarm ist noch frisch - also habe ich sie ihn untersuchen lassen. Wir sprachen nett und als er mir offenbarte, dass er noch keiner Heilerstube oder derlei hat, präsentierte ich ihm den Hof mit meinen Worten.

Es wäre schön, würde auch er meine Küche besuchen! Und da Herr von Britain auch noch seine Schwester mit an den Hof bringt, wären wir dann schon vier in der Küche!!! Dann müsste ich noch zwei weitere Stühle anschaffen... herrlicher Gedanke. Wir könnten schmausen und dabei über dies und jenes sprechen. Und da wir alle am Hof angestellt sind, wird ganz sicherlich viel gesprochen! Hier muss es doch viel zu reden geben!?

Ich werde bald meine Pferde von Herrn Orak Fenthe abholen - ein so lieber älterer Herr, der sich um die Tiere am Hof kümmert...

Ich habe bestimmt sehr viel vergessen aufzuschreiben - doch fallen meine Augen gleich vor Müdigkeit zu... und ich möchte morgen vor dem Sonnenaufgang aufstehen, barfuß durch das Gras gehen - und frischgelegte Eier von der Tierwiese sammeln....

Klara
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Alt 13.07.2016, 09:09
15. im Estif (Sommer), des Jahres 1320
#2
Klara Ergain
Reisender
 
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Beiträge: 104
15. im Estif (Sommer), des Jahres 1320

Ich schreibe sachlich - Sachlichkeit ist doch etwas Gutes? Ich versuche... nicht mein Herz schreiben zu lassen. Denn dieses verschafft mir derzeit höchste... und tiefste Verwirrung zugleich!

Ich habe endlich den Herzog gesehen!!! Er ist jünger als ich es dachte. Er ist weder fett noch bärtig... so, wie ich mir immer einen Herzog vorgestellt habe... er ist jung und gutaussehend. Und nett wirkt er auch... natürlich raste mein Herz als er mit uns sprach. Ich hoffe, man hat es mir nicht all zu sehr angesehen. Ich hoffe der Herzog selbst hat es nicht gemerkt! Aber er hat mir sogar ein kleines Lächeln geschenkt - etwas, dass mir so viel bedeutet! Es ist eigentlich nur eine so kurze Geste - für ihn selbst sicherlich etwas belangloses... aber für mich ist es unheimlich viel wert! Es bedeutet zumindest, dass ich ihm nicht missfalle... oder?!

Es war vor zwei Tagen als ich ihn sah... den Herzog. Wir waren gerade auf dem Weg zum Nachbarshaus. Mit wir meine ich Herrn von Britain und Abris. *der Name Abris ist dicker, als hätte sie die Buchstaben einige Male überschrieben*

Wie dem auch sei...! Herr von Britain ist ein sehr netter Mann. Irgendwie ein wenig verwirrend für mich... aber das muss an der unterschiedlichen Herkunft liegen. Er ist sehr erzogen und sehr... wie soll ich es bloß in Worte fassen?! Ich hoffe, dass ich sehr bald mit ihm sprechen kann. Ich möchte keinesfalls, dass er falsch von mir denkt!

Abris, der Heiler, war hier. Er war hier um nach meinem Arm zu sehen. Er hat sich auch am Hof beworben und hat heute sein Gespräch mit Kanzler Rollin. Und wir sprachen stundenlang über Gott und die Welt. Wir sprachen und sprachen und sprachen und ich lachte und weinte und bekam angst im gleichen Maße wie ich auch Freude verspürte... so verwirrend... ich denke, ich möchte nicht weiter davon schreiben. Wenn wer das Buch findet und es liest - denkt er doch sicherlich ich bin verrückt wenn ich alles niederschreiben würde - was war?!? Ich denke es ja selbst....

Bleibe ich also sachlich - es wurde ein Backhaus errichtet. Dort werde ich alsbald Köstlichkeiten backen! Ich freue mich schon sehr darauf. Es ist alles gut - die Sonne scheint, es ist warm... es ist Sommer... die Hühner legen prächtige Eier... die Kühe geben gute Milch...

Hach, sachlich schreiben ist langweilig... ich beende den Eintrag lieber, begebe mich in die Küche und schneide Zwiebeln... das wird mich hoffentlich ablenken.

Klara
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Alt 15.07.2016, 17:25
23. im Estif (Sommer), des Jahres 1320
#3
Klara Ergain
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Liebes Tagebuch,

ich sitze hier, auf der Tierwiese des Herzoglichen Hofes und schreibe nieder - wobei ich hoffe, ehrlich zu bleiben.

Ich muss gestehen, es gefällt mir nicht... aufzuschreiben was ich denke und fühle und derlei Mädchensachen. Ich bin ein Mädchen - natürlich... aber so etwas liegt mir nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich nie eine Mutter hatte oder irgendwen, der diese Rolle übernahm.

Doch ich gebe mir Mühe. Ehrenwort.

Ich habe derzeit zwei riesengroße Themen in meinem Leben. Die Themen heißen: Abris und der Hof.

Ich denke, ich fange mit Abris an - dann habe ich es hinter mir.

Ich war beim letzten Mal nicht so ganz ehrlich. Wobei, gelogen habe ich auch nicht! Ich habe einfach nicht alles nieder geschrieben...

An dem Tag, an dem Abris zu mir kam, um meine Brandwunde zu salben, gab es anschließend noch eine Nacht. In dieser Nacht waren wir beide allein - Herr von Britain hatte sich bereits verabschiedet.
Wir haben uns gemeinsam in den Pavillon an der Sanddühne gesetzt und geredet... geredet... geredet.... so viel geredet. Es war wunderbar frei. Er denkt wie ich, lacht über die selben Dinge und ist so ... wunderschön...

Es ist absolut seltsam, fremd, tragisch - unangenehm wie angenehm zugleich... wenn er nicht da ist denke ich IMMER an ihn. Selbst das lästige Zweibelschälen hat nicht geholfen! Es ist mir so so so so so sehr peinlich! Warum? Weil wir diese Nacht durchsprachen - und am Morgen, als die Sonne aufging, schon so ... weit waren. Ich war ihm gegenüber ehrlich und er mir gegenüber. In Geschichten ist der Weg, bis man einem anderen sagt, dass man ihn sehr gern hat und schätzt ein sehr langer Weg! Wir haben gerade einmal 12 Stunden gebraucht....

Ist das gut?... Ich weiß es nicht.

Abris hatte ein Vorstellungsgespräch. Leider war der Hofkanzler an jenem Abend nicht da - doch der Herzog! Der Herzog bot ihm wohl auch die Option des Bibliothekar an... und erwähnte, dass es keinerlei Liebeleien am Hof geben sollte. Ich hoffe wirklich sehr... dass es ein Zufall war, dass der Herzog so etwas ansprach...

Abris und ich sprachen darüber und wir waren uns einig, dass wir es trotzdem tun wollen. Ich meine, am Hof arbeiten! Liebeleien gibt es in meinem Glauben eh nicht - !

Ich bin nun 18 Jahre alt - Abris ist eben so jung. Ich denke, wir werden es "aushalten" ein paar Jahre ohne das zu leben - was... nun!

Er lebt nicht nach dem Glaruben Glarons. Und ich hatte schon in der ersten Nacht eindringlich erwähnt, dass ich es aber tue! Er sollte wissen, dass er- nun,... herje, mir fällt es so schwer darüber zu schreiben...
Er sollte es nicht wagen mich einfach zu küssen oder derlei Schandkram. Das Werben ist wichtig - das einjährige Verlobungsjahr ist wichtig... es gibt einem Paar Zeit sich wirklich kennen zu lernen! Und das haben wir -Abris und ich - ja eigentlich nicht.

Nun ist es aber so, dass wir beide uns sehr sehr sehr mögen. Das weiß er und das weiß ich. Und nun wissen wir beide auch, dass sich das nicht ändern wird - obwohl wir beide am Hofe arbeiten. Aber wir werden es nicht ausleben... Regel ist Regel - nicht wahr?!

Kanzler Rolin, Baron von Valboug hat mich auch überrascht. Er führte mein Einstellungsgespräch und war zu jener Stunde eher... sachlich. Hat mir alles gezeigt und derlei...
Wir, Abris und ich - trafen ihm in der Taverne zum lachenden Tala in der Stadt Britain. Und er war so... so... ich mag ihn! Auch wenn ich ihn ab und zu nicht verstehe. Vielleicht liegt es an seiner Erziehung - an seinem Wissen, das ganz sicher ganz anders ist als meines! Er deutete, meiner Meinung nach, so unheimlich viel an! Er sagte unter anderem, dass ich in den höfischen Kleidern wundervoll aussehe - sicherlich jeden Mann für die Ehe begeistern könne... oder so. Ich war so verwirrt, dass ich die genauen Worte nicht mehr weiß!!! Es pochte in meinen Schläfen und ich wusste gar nicht, was er wollte... wollte er mir damit sagen, dass er ... eine Frau sucht... und ich in Frage komme? Sehr seltsam... unangenehm und trotzdem nett! Er war offen und scheinbar ehrlich... hat mich nach meiner Meinung gefragt und niemals locker gelassen. Auch, wenn die Verwirrung und Unsicherheit meinerseits ganz sicher nicht zu übersehen war... wir werden sehen, was es auf sich hatte...

Abris und ich vergnügen uns ein wenig mit dem "Was würde ich tun"-Spiel. Wir stellen uns vor, wir dürften tun, was wir gern wollten und erzählen es uns. Das ist sehr spaßig und - aufregend! Es ist schön zu hören, wie er gern um mich werben würde - was er dann tun würde und .. derlei... Sachen. Ich denke, dass wird uns beiden helfen - die Jahre zu überstehen... !

Ich hoffe es... zumindest!

Klara
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Alt 19.07.2016, 09:01
5. im Glarim (Sommer), des Jahres 1320
#4
Klara Ergain
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5. im Glarim (Sommer), des Jahres 1320

Zwei Nächte habe ich hinter mich gebracht. Das hört sich fast an, als wären es grausame Nächte… waren es doch eigentlich die wundervollsten Nächte, die ich je erleben durfte.

Beide Szenerien an wunderschönen Orten… einmal einem kleinen Strand… einer Sandbucht in Britain und einmal im Kornfeld. Beide Male mit Abris. Beide Male voller Worte – mit wenig Taten. Ich hatte eigentlich angenommen, dass es einfacher werden würde. Das die erste Euphorie des Kennenlernens abflauen würde … würden wir uns besser kennen. Aber es wird immer schwieriger! Es gibt Momente, da fühle ich mich so zu ihm hingezogen, dass es mir so so so so so schwer fällt, meine Finger bei mir zu behalten. Es schmerzt fast ein wenig…

Doch haben wir uns geeinigt – wir bleiben vorerst für uns – sind gute Freunde mit dem Wissen, dass mehr daraus werden wird, wenn die Zeit gekommen ist!

Ja, der Verstand versteht das… aber das Herz?!

Ich bin sehr dankbar, dass wir unser „Was würdest du nun tun“- Spiel haben. Ist es kindisch? Ja! Natürlich! Außenstehende würden sicher darüber lachen, mit den Augen rollen oder es gar als dümmlich abtun. Aber wir, Abris und ich, wir benötigen das um eine gewisse Sicherheit zu behalten. Er weiß genau woran er ist und auch ich weiß es. Ich weiß, dass er mich ebenso mag wie ich ihn und wir wissen, dass wir umeinander werben würden – würden wir es denn zulassen.

Irgendwie ergibt das Leben mehr Sinn seitdem ich ihn kenne. Ich weiß nun warum es mich hier her drang. Wäre ich nicht hier – in diesem Land – hätten wir uns wohl nie kennen gelernt. In dem kleinen Städtchen, in dem ich aufwuchs… wer weiß, ob er es jemals betreten hätte?! Das erklärt aber auch, warum ich mich änderte… war ich, bevor ich herkam, doch eher Junge als Mädchen. Und ich glaube, nun gebe ich trotzdem eine sehr gute Frau ab! Nur wissen alle, die um mich herum sind, nicht, dass ich auch auf Bäume klettern kann, dass ich im Herzen wild bin und vielleicht gar ein wenig frech?! Etwas, dass ich hier natürlich nicht auslebe!!! Wir werden sehen, ob sich diese Klara einmal hervormogelt…
Abris hat die Stellung als Heiler und Bibliothekar am Hofe. Ich glaube, er wurde noch nicht richtig eingewiesen – aber das ist eigentlich nur eine Frage der Zeit. Und ich habe mir schon fest vorgenommen, ihm heiße Milch mit frischem Zuckerbrot zu bringen, wenn er denn einmal dort sitzt – in der Bibliothek und sich um ein seltenes Buch kümmert.

Das Backhaus, das gebaut wurde, ist wunderbar! Riesig!!! Ich werde es bald einmal einweihen und den ganzen Tag backen backen backen. So, dass die Schornsteine rauchen und ganz Minoc nach Gebäck riecht! Ich freue mich darauf… mal sehen, ob ich wen mit dem Geruch anlocke?
Und wenn ich „wen“ schreibe, dann meine ich natürlich Abris… ach grausam. Immer wieder kehren meine Gedanken zu ihm. Zu dem was war und was sein könnte – was noch kommt!

Ich hoffe nur, dass all das – was mit Abris ist – nicht meine Arbeit beeinträchtigt. Ich versuche trotzdem mein Bestes zu geben… mich nicht all zu sehr ablenken zu lassen. Auch wenn ich schon einmal seltsam angeschaut wurde, als ich singend in der Küche stand und verliebt in den Kochtopf gestarrt habe…. Weh weh.

Das war nun ein kleiner Zwischenstand – für dich, mein liebes Tagebuch. Damit du weißt, wie es derzeit ist! Nicht, dass ich dich das nächste Mal mit etwas, was passiert, überrasche! Wir werden sehen… m?

Klara
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Alt 22.07.2016, 17:34
der 17 im Glarim (Sommer), des Jahres 1320
#5
Klara Ergain
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Es ist der 17 im Glarim (Sommer), des Jahres 1320

Vertrauen, Sehnsucht, überaus große Freude, Lebenslust, Nähe, Zuneigung, Nervosität, Sicherheit, Weitsicht, Zuversicht... nur einige Dinge die mir einfallen, wenn ich an Abris und mich denke.

Und aus all dem - geballt in einem Wort - wird doch das Wort Liebe... oder nicht?!

Warum ich mir darüber Gedanke mache? Ganz einfach... Abris hat mir seine Liebe gestanden.... seine Liebe.... wieder verfalle ich in Tagträumerei, wenn ich nur daran denke. Und ich musste es natürlich übertreiben!... habe ihn gleich mit Verlobung und derlei "gedroht". Also nicht wirklich gedroht... aber ich glaube, Männer sehen sowas als Drohung?

Es fühlte sich so unendlich richtig an! Wir waren dort - an einem wundervollen Bergsee in Cove. Ein sehr nettes Dorf! Wir haben, wie ja eigentlich immer, geredet und geredet und geredet. Aber es gab doch einen entscheidenden Unterschied... wir haben nämlich nicht nur geredet, sondern auch getan....

Ich laufe nun schon wieder rot an wenn ich daran denke... aber ich habe ihn "gekostet"... seinen Hals geküsst - und er meinen! Wir haben eine ganze Nacht hindurch - neben dem Reden - uns am Halse gerochen... ab und zu gekostet... und beschlossen, dass wir es so wollen - nicht bereuen. Diese Nacht war irgendwie die Nacht der ersten Taten....

Am Tag darauf waren wir wieder am See. Wir saßen dort, am Ufer, und sprachen irgendwie... "wichtiger". Es war der Moment, an dem er mir seine Liebe gestand und ich ihm gestand, dass ich nicht länger als ein Jahr bis zur Hochzeit warten mag.... es fällt mir nun ja schon so schwer die Finger von ihm zu lassen. Wenn man wen so sehr mag, wie ich Abris mag... dann will man ihn doch in den Arm nehmen... und so?!!? Es ist irgendwie quälend. Aber das Verlobungsjahr muss sein - das habe ich mir fest vorgenommen!!! Nun... ich hoffe, ich habe Abris damit nicht... entmutigt oder enttäuscht... oder gar verscheucht?!... Ich hoffe nicht!

Was ich aber weiß ist, dass ich ihn liebe - und ich hoffe, dass bald der Moment kommt, an dem ich ihm das sagen kann.... !

Klara
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Alt 26.07.2016, 11:18
Es ist der 30 im Glarim (Sommer), des Jahres 1320
#6
Klara Ergain
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Es ist der 30 im Glarim (Sommer), des Jahres 1320

Das, was ich noch vor wenigen Tagen in dieses Buch schrieb - wirkt unheimlich weit weg. Nicht etwa, weil die Erinnerungen verblassen - eher, weil etwas großes... mächtiges dazu gekommen ist.

Vorweg: Nein, wir sind nicht verlobt.

Fange ich am besten zeitlich sortiert an - Frau und Herr Belatar aus dem Handelshaus in Britain feierten vor kurzem auf dem Marktplatz ein öffentliches Fest zu Ehren ihrer eigenen Hochzeit. Seitdem ich hier bin das erste organisierte Fest, das ich besuchen konnte - und ich habe mich sehr gefreut!
Ich habe meine Kleidung stundenlang geglättet, die Haare gefühlte Stunden gekämmt mal hier und mal dort gelegt - hoch frisiert und dann wieder geöffnet....

All das ist nämlich sehr sehr sehr schwer für mich.
Noch bis vor zwei Jahren wurde meinem Vater immer gesagt: "Na, deine Tochter sollte wohl eigentlich ein Junge werden?!" Und dann wurde gelacht - selbst ich habe gelacht! Ich sah als Kind nie niedlich aus oder war irgendwie typisch Mädchen. Ich war drahtig, ein wenig vorlaut... liebte es zu rangeln und zu provozieren... hatte das Haar immer zu einem Knoten hochgebunden - weil ich es nicht mochte. Und dann... kam das Jahr in dem ich ... wuchs. Kann man es so beschreiben?! Die wenigen Freundinnen, die ich hatte, waren bereits schon lange Frau! Sie hatten ihre Monatsblutungen ebenso lange wie Brust - und derlei Dinge! Nunja... ich erst mit 17 Jahren... und dann kam alles so schnell, dass ich gar nicht wusste wie ich damit umgehen soll. Mein Vater war keine große Hilfe... er fand es selbst nicht gut... manches Mal tat er so, als würde er mich nicht erkennen oder mir die Schuld dafür geben, dass ich meiner Mutter immer ähnlicher werde... einmal, da hat er mir gar eine gelangt. Ich stand schimpfend vor ihm, weil meine Oberteile mir allesamt nicht mehr passten. Diese... Brust - war einfach... nunja, es passte einfach nicht mehr! Ich weiß noch, dass mir die Tränen vor Wut die Wangen hinab liefen und ich ihn anschrie - er solle sich beeilen mir ein Hemd zu kaufen!... Da schlug er mich - und ich sah, dass er selbst Tränen in den Augen hatte. Zwei Wochen später war er tot....

Das wollte ich eigentlich gar nicht nieder schreiben! ...

Auf dem Fest war es gut. Es waren wirklich einige Leute da, das Essen schmeckte, das Wetter war warm, die Menschen waren allesamt gut gelaunt, das Brautpaar glücklich und sogar der hohe Adel nahm Teil. Yannick von Britain war auch da... ich wollte ihn zu uns an den Tisch rufen... aber er ignorierte mich - sah immerzu zur Bühne, wo eine Rede gehalten wurde - was ich gar nicht mitbekommen hatte. Aber selbst als die Rede dann vorbei war, würdigte er uns keinen Blickes. Ich denke, - er wollte sich einfach nicht zu uns setzen. Und ja, irgendwie war es kränkend!

Wie dem auch sei.... ich habe definitiv zu viel vom guten Wein getrunken. So viel, dass ich mich fast schäme! Ich habe gelacht und gescherzt und - hm.... es war zum Beispiel eine Verlosung und der dritte Platz war ein Gutschein bei der Schneiderin - der Braut. Und ich habe wohl recht laut kund getan, dass mir der Preis... gefallen würde! Und dann - hatte ich auch noch die Zahl 19 auf dem Loszettel stehen! Der Loszettel, den Abris mir zuvor geschenkt hat. Ich hoffe so so so sehr, dass mich keiner lächerlich fand. Oder das ich gar negativ beäugt wurde... Jarvar war da! Der Herzog selbst - ich könnte im Boden versinken....

Abris hingegen war irgendwie... brummig. Wie ein Bär, der sich einen Dorn eingetreten hatte. Er saß da und hörte uns zu - aß, ab und zu sprach er auch was und wenn ich ihn anlächelte erwiederte er es - aber ich bekam mit, dass das Lächeln schnell verebbte, wenn ich ihn nicht mehr direkt ansah. Mein armer Abris fühlte sich unwohl...

Nach der Verlosung verließen wir das Fest und stellten uns auf irgendeine Brücke der Stadt - sprachen eine Weile. Ich genoss, ehrlich gesagt, den leichten Nachtwind - der meine Wangen kühlte. Es war wirklich zu viel Wein gewesen!!!

Und es ist mir so unsagbar peinlich dies zu schreiben - ich weiß nicht mehr so ganz genau was wir besprochen! Ich weiß nur das Eine und Andere und im Grunde... hat es so geendet, dass wir uns umarmt haben - mit dem festen Willen, uns am nächsten Tag wieder zu sehen.

Was wir auch taten! Ja... wir sahen uns - und wir sahen uns nicht. Ich hoffe, wir sahen uns nicht! Ich weiß nun ja, dass er Magie ausüben kann - und ich weiß um den Trick, im dunkeln sehen zu können! Aber das würde er nicht tun, denke ich....

Doch von vorn! Ich habe wieder viele Momente damit verbracht mich zu "schmücken" - ein Mieder binden ist wirklich... sehr... anstrengend! Es soll keine Falten werfen, soll eng anliegen - und doch Platz lassen zum atmen... anstrengend. Aber ich habe es geschafft! Ich habe uns Wildfleisch mit Fruchtmuß vorbereitet. Er hat Wein mitgebracht - den ich vorsichtig genoss! Er hat mir außerdem eine wunderschöne orangene Blüte mitgebracht, die er mir ins Haar steckte! Ich habe sie zum trocknen aufgehängt... wie den Blumenstrauß, den ich einmal von ihm bekam.

Wir sprachen, er machte mir so viele Komplimente, dass ich gar nicht wusste wohin mit meiner Unsicherheit und ich habe versucht ihm zu erklären, dass ich - mich so, wie ich bin - eigentlich nicht sonderlich schön finde. Aber er tut es - davon bin ich überzeugt. Er lügt mich nicht an! Irgendwie war es wirklich sehr sehr schön! Und dann - mit unserer verlielten Art kam es dazu, dass ich verstand, warum er sich Gardinen wünschte. Er wollte sie zuziehen - damit wir uns küssen konnten. Wir sprachen am Abend auf der Brücke davon - das fiel mir in dem Moment ein! Draußen war es bereits stockdunkel - und ich schlug vor, dass wir die Kerzen löchten könnten. Dann würden wir zwar nichts sehen - aber uns würde auch keiner sehen können! Spielchen hin und Spielchen her... am Ende war es dunkel im Raum. Und was soll ich sagen?! Ich fühlte mich trotzdem sicher! Eigentlich hasse ich die Dunkelheit! Aber mit ihm dort... mit dem, was geschah... es war einfach perfekt!

Es ging alles sehr langsam... Küsse auf die Wangen, Annäherungen mit Umarmungen - unser was würdest du gern tun - Spiel... bis er dann sagte, er würde mich gern küssen... ich spürte schon seinen Atem auf meinen Mund da klopfte es!!! Es klopfte! Mitten in der Nacht an meine Tür! Wir beide sich so erschrocken! Ich glaube, ich hätte fast aufgequiekst.

Orak stand draußen. Er wollte fragen, ob er mir eben die beiden Pferde übergeben könnte. Er ist so himmlisch nett! Wir vertagten es und ich ging wieder in das dunkle Zimmer zurück. Abris hatte sich an den Tisch gesetzt und irgendwie hörte er sich entmutigt an. Ganz so, als wäre es das gewesen... und alles in mir protestierte dagegen! Ich wollte keinesfalls, dass das was war einfach so stehen gelassen wurde... es musste doch weiter gehen?! Also nahm ich wohl irgendwie die Initiative in die Hand... ich zog ihn wieder zum stehen hoch und ließ ihn genau das wissen - worauf er Glaron sei Dank einging!

Es war warm, leise, leicht, sanft, aufregend, kitzelnd, wohlschmeckend, tief - viel zu kurz... ich habe noch nie in meinem Leben geküsst. Ab und zu habe ich Gästen in unserem Wirtshaus zugesehen! Aber noch nie selbst... wen... geküsst. Und ich hoffe, ich habe mich nicht all zu dumm angestellt! Im ersten Moment wollten meine Lippen sich nämlich gar nicht wirklich bewegen! Dabei... wusste ich ja, dass... herje ist das peinlich! Schreibt man sowas eigentlich nieder?! ....

Ich dachte, ich würde fliegen und als der Kuss endete war es, als hätte man mich auf den Boden zurück gestoßen.... ich glaube, so fühlt sich eine Sucht an. Denn alles in mir befahl das zu wiederholen - zu intensivieren... und so! Und auch er hatte augenscheinlich ein Problem damit von mir abzulassen - sich zu verabschieden - zu gehen... Und ja, ich konnte in dieser Nacht kaum schlafen! Ich habe mir zwar den Schlaf gewünscht - der Träume wegen... aber er kam nicht. Ich war so unruhig und nervös und wollte unbedingt zu ihm... aber ich habe ausgehalten - sitze nun hier, am Schreibtisch... sehe sicherlich müde aus.... und schreibe - schreibe und schreibe... und hoffe so sehr, dass es bald klopft und Abris dort vor der Tür steht... um Zeit mit mir zu verbringen....

Klara
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Alt 28.07.2016, 05:31
Es ist der 6 im Lundin (Herbst), des Jahres 1320
#7
Klara Ergain
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Es ist der 6 im Lundin (Herbst), des Jahres 1320

Ich sollte schlafen gehen. Ja, ganz sicher sollte ich das sogar. Ich bin so müde, dass meine Augen schmerzen - nur, weil ich versuche sie offen zu halten! Sicherlich sehe ich ganz furchtbar grausam aus!!!! Und... nach langer Zeit, habe ich nun das erste Mal das Gefühl, ich könnte schlafen - ganz wunderbar schlafen! Denn .... es ist alles auf dem besten Weg. Der Weg, den ich nicht alleine gehen werde... wird gegangen!

Ja, wir sind verlobt! Ich möchte es ganz unbedingt jetzt und heute niederschreiben. Auch wenn ich müde bin und vielleicht Unsinn schreibe - möchte ich es heute schreiben... wo es noch so frisch ist!

Eigentlich fing der Abend wie jeder andere an... wir trafen uns, wir unterhielten uns... wie lachten und träumten, redeten Unsinn genauso wie ernste Dinge. Und wir hatten uns vorgenommen in die Öffentlichkeit zu gehen. Irgendwie war es die letzten Tage immer so gewesen, dass wir allein an einsamen Orten waren. Es war geradezu unmöglich irgendwen anzutreffen dort, wo wir waren. Aber das war ja auch beabsichtigt! Wir wollten allein sein!

Nunja, dieses Mal wollten wir es anders... versuchen. Wir gingen in die Bärenschenke und... ja... nunja, ich fühlte mich schon sehr schnell irgendwie... unbehaglich. Ich sprach mit Abris über so unendlich belangloses! Wir konnten ja gar nicht so sprechen, wie wir es normalerwise taten. Glaron sei Dank ging es ihm ganz genau so... also verließen wir die Taverne recht rasch wieder um durch Britain zu streichen. Wir suchten uns einen netten Fleck am großen See, setzten uns in das Gras und begannen zu reden...

Ich habe wirklich nicht gemerkt, wie sich das Gespräch zum Thema Verlobung begab. Wenn es es so geplant hatte, dann hat er es wirklich sehr geschickt angestellt!!!!

Er war so... aufgeregt! Obwohl ich ihm noch kurz vorher sagte, dass ich den Rest meines Lebens mit ihm verbringen möchte, zitterte seine Stimme ein wenig. Er gestand mir seine Liebe... und mein Herz flatterte! So doll, dass ich irgendwie gar nicht zum reden fähig war! Als er die Frage der Fragen gestellt hatte... saß ich dort und... es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis mein Mund endlich sprach!!!

Er steckte mir den Ring an und ... er passt! Er passt wie angegossen... wenn ich auch meine Hand schaue, den Ring sehe.... es ist ein so unbeschreibbar seltsam richtiges Gefühl, dass es fast schon unheimlich ist!

Nun geht es weiter -die Reise hat begonnen und ich bin die glücklichste Frau im Lande! Da bin ich mir ganz sicher!!!!

Vielleicht werde ich morgen noch mehr schreiben... wollte ich doch unbedingt so zeitnah schreiben... habe ich vor Müdigkeit doch sicherlich viel vergessen!

Nun mag es ich bald denen mitteilen, die ich kenne... wir werden sehen ob es... gut oder schlecht bei denen nachhallt...


Klara
Klara Ergain ist offline  
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Alt 02.08.2016, 10:24
Es ist der 27 im Lundin (Herbst), des Jahres 1320
#8
Klara Ergain
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Nun sitze ich hier an meinem Schreibtisch und schreibe mitten in der Nacht in dieses Buch. Eigentlich sollte ich schlafen - das weiß ich. Aber irgendwie finde ich es derzeit sehr befreiend zu schreiben was geschah...was ich denke... und noch lieber lese ich das, was ich in vergangenen Tagen geschrieben habe!

Zu erwähnen wäre.... gestern war ein bedeutender Tag für mich - und auch für Abris. Wir waren nämlich beim Hofkanzler Jakobus Rolin und haben ihm offenbart, dass wir verlobt sind....
Es war irgendwie ganz furchtbar seltsam....

Ich habe keinen Vater mehr - und irgendwie ist es auch gut so... aber in dem Moment, als er mich so ansah, habe ich mich fast so gefühlt, als hätte ich einem Vater die Liebe zu einem Jungen gestanden. Er dachte sogleich an eine Schwangerschaft! Herje! Warum denkt er das von mir...? Ich habe wirklich alles dafür getan, um es so zu machen, wie es sich gehört... gut.... ich bin einmal ... gescheitert aber... das war...

Das war richtig. Es hat sich sehr richtig angefühlt - und wir haben ganz sicher nichts getan, was ein Kind provoziert... zumindest hoffe ich das?!... Vielleicht sollte ich einmal zu Elsa gehen und mich aufklären lassen? Sie holt Kinder auf die Welt... dann wird sie vielleicht auch wissen, wie sie gemacht werden?...

Uns wurde nun also erlaubt die Verlobung auszuleben. Und Abris wurde sogar die Stelle am Hofe zugeteilt. Er ist nun Hofheiler und Bibliothekar. Das hört sich gut an - oder?! Irgendwie edler als Köchin.... hm.

Unangenehm war aber auch, dass Ardelle von Britain das ganze Gespräch mit bekam. Ich habe schon einmal von ihr geschrieben - sie ist die jüngere Schwester von Yannick von Britain. Ich würde sie etwa so alt schätzen, wie ich es selbst bin... also etwa 18 Jahre. Sie ist wirklich sehr nett - zuerst hatte ich bedenken... so sehr Yannick mich verwirrt, so sehr begeistert mich seine Schwester. Irgendwie wirkt sie so lebensfroh. Fast etwas quirlig. Das aber natürlich unterdrückt... sie deutete an, dass es nicht nur einfach ist, solch einen Beinamen zu tragen und das glaube ich ihr. Auf ihr liegen ganz sicher kritischere Blicke als etwa auf mir.

Sie ist nun Hofsjägerin und gleichzeitig Lehrling beim Herrn Fenthe in der Tierlehre. Und scheinbar wird auch bald Yannick hier anfangen. Zumindest habe ich es so verstanden.... die beiden Geschwister werden dann in einem Haus leben - in der Nähe von meinem. Und Abris? Er hat die Wohnung über mir zugeteilt bekommen! Ich höre nun also wenn er dort herumgeht... ein toller Gedanke! Und neben meinem Haus richtet er die Hofsheilerei ein....

Seit dem ich denken kann, sollte ich mein Haar aufhellen. Mein Vater war immer sehr darauf... bedacht, dass ich meiner Mutter nicht all zu ähnlich werde. Und da er blonde Haare hatte - und ich dann doch rote, wie meine Mutter es wohl hatte, hat er mir schon immer stinkendes Zeug in das Haar gemischt, die es aufhellen - also blond machten. Das habe ich geändert. Ich war beim Barbier in Britain und er hat mir empfohlen es zu lassen - es sei nicht gut für das Haar - außerdem würde mir das Rot sehr gut stehen.

Ich war sehr unsicher... als ich mich im Spiegel betrachtete, habe ich mich zuerst gar nicht erkannt... und dann stieg die Sorge in mir hoch, dass Abris dies hässlich finden könnte - so, wie mein Vater es immer schrie. Aber es war ganz anders... er gestand mir gar, dass es ihm viel besser gefällt, als das Blond. Ist das zu glauben? Ich fühle immer mehr, dass wir füreinander gemacht sind. Ich habe einmal ein Gauklerspiel auf dem Marktplatz daheim beobachten dürfen. Dort sang eine Frau davon, dass alles an und in ihr diesem einem Mann gehöre- und wenn er sie verstoßen würde, würde sie sterben - das habe ich damals belächelt... aber heute?! Der Gedanke, dass Abris... nein ich möchte gar nicht darüber nachdenken, dass er mich verlassen könnte.... und nach dem, wie er mich anschaut, berührt - und auch küsst, ist es ganz eindeutig, dass er mich nie verlassen wird...

Klara
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Alt 07.08.2016, 07:17
Es ist der 15 im Lorica (Herbst), des Jahres 1320
#9
Klara Ergain
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Es ist der 15 im Lorica (Herbst), des Jahres 1320

Zwei erwähnenswerte Dinge sind geschehen. Neben all den Dingen, die wohl nicht erwähnenswert sind?

Zum einem: Derzeit regiert die Herzogin Mutter hier am Hof. Unser Herzog ist ... fort. Auf Reisen, vermute ich. Insgeheim denke ich ja, dass er auf Brautschau auf dem Festland sind. So wie ich es derzeit einschätze, gibt es hier wenig bis gar keine edlen Mädchen, die er ehelichen könnte... und es muss ja weitergehen, nicht wahr? Und dafür bräuchte er nunmal eine Frau, die ihm Kinder schenkt - nicht wahr?

Die Herzogin Mutter ist beeindruckend. Wobei ich ja alles am Hof beeindruckend finde... die Möbel, die Teppiche, die Größe... das Verhalten... hm!

Alle Bediensteten im Schloss wurden Herzogin Mutter vorgestellt und ich fühle mich eigentlich ganz gut.... ich habe einige Aufgaben zugeteilt bekommen. Ich hoffe... all das nicht, weil ich meine Arbeit vorher schlecht machte... die Andeutung, dass Herr Rolin mich einmal suchen musste... hm... gefällt mir nicht sonderlich - aber es muss in meiner Freizeit gewesen sein.... das wissen sie hoffentlich.
Abris stand bei der Vorstellung neben mir... als Hofhseiler und Hofsbibliothekar. Das fühlte sich gut an... sehr gut! Nun, wo wir so nahe sind - wo wir so nahe beieinander leben, unsere Verlobung ausgelebt werden darf und wir gemeinsam am Hof leben geht es mir noch besser, als es mir vorher schon ging. Während der Arbeit am Hof sehen wir uns zwar so gut wie gar nicht - aber es tut gut zu wissen, dass er ganz nahe ist!

Wir waren beim Priester Beckler im Glaronskloster zu Britain. Wir hatten eine Verabredung mit ihm um alles zu besprechen, was die Verlobung betrifft. Ich war wirklich sehr aufgeregt. Wie gut, dass Abris die Ruhe selbst war. Und was soll ich sagen? Ich bin wirklich sehr glücklich aus dem Gespräch gegangen! Unser Priester Beckler ist ein wunderbarer Mann! Sehr einfühlsam, sehr volksnah - fast überraschend herzlich. Ich war einige Male fast ein wenig verwirrt über seine Worte... wir dürften von seiner Seite aus zusammenleben! Ich wusste gar nicht, dass Verlobte beisammen leben dürfen... für uns gelten natürlich noch zusätzlich die Regeln des Hofes... und uns wurde klipp und klar gesagt, dass wir bis zur Hochzeit mit allem "beisammen-sein" warten müssen... aber wären wir nicht am Hofe angestellt, könnten wir nun zusammen wohnen. Ist das nicht ein herrlicher Gedanke? Außerdem sprach er davon, dass vor der Hochzeit gebeichtet wird. Vor allem das, was die... nun - "Lust" aufeinander bewirken... kann. Er sprach davon so, als wäre es ganz selbstverständlich... er zeigte gar Verständnis. Ob er wohl einmal verliebt gewesen ist....?

Ich zumindest nehme an, dass Abris und auch ich nächsten Sommer - vor der Hochzeit viel zu beichten haben... ja.

Nun erröte ich... ich höre lieber auf zu schreiben.

Klara
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Alt 19.08.2016, 13:14
Es ist der 2 im Wyzzin (Winter), des Jahres 1320
#10
Klara Ergain
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Es ist der 2 im Wyzzin (Winter), des Jahres 1320

Liebes Tagebuch,

bisher wusste ich nicht, wie wichtig Gesundheit ist. Ich glaube, es ist das furchtbarste der Welt krank zu sein... zumindest ist es das für mich! Erst nun, nach so vielen Tagen im Bett - habe ich die Kraft die Feder zu führen. Und das ist tatsächlich anstrengend! Mein Arm brennt nun schon ein wenig... ganz so, als hätte ich Muskelkater.. und das nur, weil ich diese paar Worte schreibe?!

Ich war.. oder bin - krank. Eigentlich tat mir alles weh... bei den Haarwurzeln angefangen bis hinab in die Füße, die dauernd einschliefen. Ich glaube... so krank war ich noch nie in meinem Leben... das nun ja immerhin bereits 18 Jahre andauert!

Glaron sei Dank habe ich meinen Abris... der sich wirklich aufopferungsvoll um mich kümmerte. Jede freie Minute war er hier - bei mir. Und es war trotz einiger Peinlichkeiten wunderbar! Wenn ich zurück denke... weiß ich gar nicht mehr so ganz genau was geschah... ich glaube, ich hatte zwischendurch hohes Fieber... noch immer tut meine Brust ein wenig beim atmen weh... und dieses brennen in den Muskeln... herje!

Aber es geht mir besser! Viel viel viel vieeeel besser! Ich kann aufstehen - ich kann mich allein waschen. Ich habe mir eben sogar ein Brot ganz allein geschnitten, belegt und gegessen. Daran war vor ein paar Tagen noch gar nicht zu denken....

Weißt du, was ich faszinierend fand? Abris blieb die ganze Zeit über ruhig.... er strahlte eine solche ruhe aus, dass ich überhaupt gar keine Angst entwickeln konnte. Ich denke, wäre ich an seiner Stelle gewesen, wäre ich in Panik geraten... wenn er so krank vor mir liegen würde... hm! Das möchte ich ungern erleben. Aber er ist ja auch Heiler... er weiß wohl einfach, was er tun muss... m?! Oder hat er geschauspielert?! Ich werde ihn einmal fragen...

Ansonsten ist der Winter eingebrochen.... die Blätter haben ihre Bäume nun entgültig verlassen, draußen wird es kälter und kälter - und das Licht wird spärlicher. Morgens, wenn ich wach werde ist es draußen noch dunkle Nacht... die nach der kurzen Tageszeit schnell wiederkommt. Ich mag diese dunkle Zeit im Jahresverlauf nicht sehr gern.... am Allgemeinen mag ich die Dunkelheit nicht!...

Wenn Abris mich wieder lässt, werde ich bald Ardelle aufsuchen. Sie ist nun oberste Jägerin des Hofes und soll dafür sorgen, dass der Hof gut mit Fleisch versorgt ist. Ich werde es dann salzen und pökeln, auf dass wir den ganzen Winter lang haltbares Fleisch haben. Wenn ich eines gelernt habe - dann, dass Männer gern und viel und immer Fleisch haben wollen. Und da wir so einige Männer am Hofe haben... ist es sehr wichtig! Ich glaube sie würden über mich lachen, wenn ich ihnen gebratenes Gemüse serviere... und das möchte ich nicht.

Ein Gutes hat der Winter dieses Mal: Es sind nur noch 2 Jahreszeiten bis zu unserer Hochzeit. Wir müssen nur noch den Winter und den Frühling verleben und dann - dann ist ja schon Sommer!!! Irgendwie möchte ich noch gar nicht daran denken - denn wenn ich es tue, dann schlägt mir mein Herz an die Brust und meine Gedanken wirren im Kreis. Ich bin nun schon aufgeregt, wenn ich an diesen Tag denke...

Ich halte dich auf den Laufenden, wenn etwas geschieht.

Klara
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Alt 03.09.2016, 12:45
Es ist der 24 im Rado (Winter), des Jahres 1321
#11
Klara Ergain
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Es ist der 24 im Rado (Winter), des Jahres 1321

Wertes Buch mit ach so weißen Seiten....

immerzu starrst du mich an und ich habe dich immer wieder weg gelegt. Warum?! Weil ich absolut nicht weiß, wie ich gewisse Dinge schreiben kann und möchte... und was überhaupt!

Es ist alles gut - wirklich gut! Es ist zwar kalt und grau und nass und dunkel aber es ist alles gut. Das Wetter ist wie das Wetter ist... und Schneezeit ist nun einmal kalt... nicht wahr?

Meinem Abris geht es auch gut. Wir verleben jede freie Minuten zusammen. So gut es eben geht. Wir sind zwar verlobt - und laut der Kirche dürfen wir eigentlich auch gemeinsam leben. Dies tun wir aber noch nicht, weil es eben höfische Regel ist. Im Sommer wird sich all das ändern...

Dies hält uns aber nicht davon ab... gemeinsam zu sein. Wir essen gemeinsam, lesen gemeinsam, gehen gemeinsam zum Dienst, waschen und gemeinsam, schlafen gemeinsam - eigentlich tun wir wirklich fast alles gemeinsam! Und es ist gut so - sehr sehr gut. Auch wenn die eine Erfahrung schmerzvoll war - aufregend schmerzvoll und... ja. Mehr werde ich darüber nicht schreiben. Zumindest nicht heute...

Ich möchte ein paar Menschen erwähnen, die in meinen Gedanken kreisen. Zum einem ist das Jakobus - ich nenne ihn hier einfach einmal beim Vornamen. Auch, wenn wir dies im Dienst natürlich nicht tun. Er, als Hofkanzler, steht über mir. Ich wende mich bei Fragen an ihn und er... verhält sich mir gegenüber immer sehr korrekt und freundlich. Abris mag ihn nicht - weil Jakobus bei der Herzogin einen Brief "petzen" ging ohne Abris vorher über dessen Inhalt zu befragen... ohne sich zu vergewissern, ob es wirklich stimmte. Das war irgendwie falsch - das finde ich auch! Und mein Abris ist eben ein sehr standhafter Mann... ich glaube, er wird das nicht so schnell vergessen!

Wie dem auch sei; Jakobus - wirkt anständig. Ist er aber nicht. Ich weiß, dass er mit Aislin - die ich hier auch nur beim Vornamen nennen werde - "nahe war". Ich weiß es, weil ihr in seinem Gemacht Frühstück gebracht wurde. Das bekam ich mit - ob ich wollte... oder nicht. Das Frühstück wurde ja in meiner Küche zubereitet, m?! Für mich ist das ja auch nicht weiter schlimm... schlimm finde ich nur, dass er Abris und mir gegenüber so streng tat... und dann - scheinbar... selbst anders handelt....

Die liebe Ardelle macht sich richtig Sorgen um Jakobus. Sie ist so... wunderbar. Ich glaube, ich kenne keinen Menschen, der lieber ist. Reiner... sie glaubt so sehr an das Gute, dass es mir fast weh tut - sie so zu sehen. Sicher! Ich glaube auch an das Gute! Aber ich weiß eben auch, dass es auch die andere Seite gibt... mein Vater hat es mir viele Male bewiesen...
Ardelle versucht Jakobus aufzubauen - wenn er da sitzt und Liebeskummer hat (oder so...) Ich versuche mich daraus zu halten. Warum?! Weil ich dieser Aislin nicht traue.... Damals, Abris und ich waren noch nicht einmal zusammen, da hat sie Abris ganz eindeutig schöne Augen gemacht. Und da sie ... doch... naja - hübsch ist, fand ich es... unschön. Natürlich hat Abris das gar nicht bemerkt - und vielleicht war es von ihr auch gar nicht so gemeint! Aber seit dem hat sie einfach den Spitznamen "Kätzchen" bei mir und Abris. Weil sie, meiner Meinung nach, wie eine Katze um Abris herumschlich. Hätte nur noch gefehlt, dass sie ihren Kopf an ihm rieb... ! Wie gesagt... das ist sehr lange her. Und vielleicht auch falsch verstanden... aber das sie mit Jakobus so ... "umgeht" nach einer scheinbar so kurzen Zeit... ist für mich ein weiteres Zeichen, dass sie doch eher... nun - leicht zu haben ist.

Leicht zu haben wirkt auch Raya. Aber sie ist -anders. Offen! Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie weiß, wie sie auf Männer wirkt. Ihre Kleidung ist so eng geschneidert, dass es zu... klein aussieht. Zumindest in meinen Augen! Ihre Brust sieht man in Ansätzen, den Po... die langen Beine... selbst ihr Haar wirkt irgendwie lockend. Ich finde sie... lockend... ich kenne sie kaum! Aber ich denke oft an sie. Das habe ich zum Teil Abris erzählt... und als er dann fragte, ob ich auch für Frauen Gefühle entwickeln kann... naja - ich erzähle es ihm besser nicht nochmal. Denn so ist es ja nicht! Es ist was anderes. Sicherlich Unsinn - aber ich mag sie gern kennen lernen...auch, wenn sie sicherlich keinerlei... Gründe sieht... mich kennen lernen zu wollen...

Wenn ich Ardelle und Raya in Gedanken nebeneinander stelle muss ich schmunzeln... warum?! Sie sind so... unterschiedlich! Ich bin mir nicht sicher, ob sie sich verstehen könnten. Auf der einen Seite sie absolute Reinheit in Person auf der anderen Seite die... männerlockende Schönheit in Person.

Das sind die Personen, die mich ein wenig beschäftigen. Jakobus mit seiner Aislin, Ardelle und Raya. Aber nur wirklich ein wenig... denn die meiste Zeit wirrt Abris durch meine Gedanken - und durch mein Leben. Und so wird es auch bleiben... da bin ich mir sicher!!!

Er ist mein Mann - noch nicht mit einem Ehering besiegelt... aber er ist es. Das weiß ich, das weiß er und das weiß auch jeder, der uns gemeinsam sieht. Der Ehering macht mir ein wenig Angst. Nicht, weil ich es nicht möchte! Eher, weil ich... nicht weiß, wie es sein wird. Ich brauche noch immer wen, der mich zum Altar führen kann. Und ich habe noch immer keine männliche Person in meinem Leben die... diese Rolle spielen könnte. Ganz am Anfang dachte ich ja an Varkon. Frage mich nicht warum!?! Aber... ich glaube, er mag mich nicht einmal. Er mag andere... ähm... Frauen. Vermutlich hat er mich nichtmal wirklich gesehen... er spricht mit mir, ja... aber es ist Oberflächliches - ich weiß nicht, ob er meine Person schätzt... Nun liegt vielleicht Jakobus nahe?... Aber Abris mag ihn nicht - ganz und gar nicht. Also ... fällt er auch weg. Hm! Und alleine zum Altar gehen?! Wird dann nicht getuschelt?... Gelacht? ... Werde ich dann nicht zu sehr daran erinnert, dass das mit meinem Vater... "schief ging"?... Ich höre lieber auf darüber zu schreiben. Es.. tut mir nicht gut.

Nachher werde ich meinen Dienstschluss mit Abris verbringen - wie geschrieben, keine Seltenheit. Wir wollen in den Bären gehen... und dort werden wir Aislin treffen. Sie will... Abris irgendwas... sagen. Keine Ahnung... mir auch fast egal. Aber ich komme lieber mit!!!

Deine Klara
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Alt 30.09.2016, 11:52
Es ist der 29 im Tycua (Fruehling), des Jahres 132
#12
Klara Ergain
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Es ist der 29 im Tycua (Fruehling), des Jahres 1321

Nun ist es schon wieder drei Monate her seitdem ich in dieses Buch geschrieben habe. Ich muss gestehen - ich bin etwas schreibfaul. Verzeih.

Und das - obwohl mein Verlobter Bibliothekar ist.... eigentlich sollte ich dann doch mehr Interesse daran haben zu schreiben... Dinge festzuhalten und so?

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass nicht so wirklich viel geschieht, was in einem Buch festgehalten werden sollte...? Mein Leben besteht nun seit einigen Monaten schon aus Küchenarbeit... und Abris. Etwas dazwischen... also etwas Anderes ist sehr sehr selten - und oft nicht so erfolgreich, leider.

Was erfolgreich ist und immer erfolgreicher wird ist unser Verlobungsjahr, das tatsächlich sehr bald ein Ende finden wird. Ich werde nervös - wenn ich nur daran denke. Mir wird heiß, meine Stimme kommt nicht aus meinen Mund und ich habe Kopfschmerzen... ich habe gestern versucht mein Gelübte vor dem Spiegel zu sprechen... das lief unheimlich schief! Ich konnte kaum reden und wenn ich dann redete, musste ich über mich selbst lachen... herje. Das wird sehr peinlich werden....

Für Abris und mich wird es recht wenig ändern. Da wir eh jede freie Minute zusammen verbringen... wie ein Ehepaar. Gut, wir werden anders leben - also offiziell... aber auch das wird ganz sicher keine große Umstellung für uns. Es heißt immer nur: Bei dir oder bei mir? Dann wird sich entschieden und dann verbringen wir die gemeinsame Zeit dort - bis wir wieder arbeiten müssen.

Wir haben es nun ganz bewusst ein paar Mal versucht unter Leute zu gehen. Im Tala... im Bären... auf irgendwelchen Festivitäten... und ab und zu kommen wir auch in Gespräche!... Aber es ist immer so unendlich schnell langweilig. Es endet immer damit, dass wir beide allein irgendwo sitzen - uns langweilen und lieber nach Haus gehen um... ähm, allein zu sein.

Ich habe mir nun aber vorgenommen mutiger zu sein. Ich bin auch oft einfach zu schüchtern! Dann sitze ich da und höre den anderen beim sprechen zu... und wenn ich dann etwas sagen möchte, sind sie schon wieder bei einem ganz anderen Thema. Ich möchte nun aktiver werden... und ich habe da auch schon zwei Menschen ins Auge gefasst. Einmal Ardelle und einmal Korad. Ich weiß wirklich nicht warum, aber ich finde alle beide sehr... sie machen mich neugierig. Bei Ardelle fällt es mir leichter. Wir arbeiten beide am Hof - wir wohnen so gut wie nebeneinander... ich muss mir einfach mal einen Ruck geben und zu ihr hinüber gehen. Und bei Korad... ich habe wirklich keine Ahnung, warum ich so neugierig bin was ihn betrifft. Immer, wenn wir uns begegneten war er entweder mit Raya zusammen oder schlecht gelaunt. Eigentlich habe ich ihn nur einmal lächeln sehen - und auch das war wegen Raya. Ich habe ihm einen Brief geschrieben und bereue es schon ein klein wenig. Hoffentlich versteht er das nicht falsch...

Abris hat eine Freundin. Also... ich glaube, dass sie seine Freundin ist. Sie heißt Ailika und ist eine sehr talentierte Schreinerin. Vielleicht sollten wir sie mal einladen... oder so?

Am Hof geht alles seinen höfischen Weg... achso! Der Herr Kanzler ist nicht mehr verlobt. Das sollte ich vielleicht noch erwähnen. Und damit hat sich für mich wieder einmal bestätigt, dass meine Abneigungen absolut zutreffend sind. Ich kann mich eben doch auf mein Bauchgefühl verlassen... und so ist es ganz sicher besser für Jakobus... er muss es wohl nur noch verdauen... ich glaube, er hat Aislin wirklich geliebt.

Abris und ich kaufen uns ein Haus in Cove - ganz nahe dem See, an dem wir uns das erste mal küssten. Es ist wundervoll einmal dort - inmitten der Berge. Es ist so wundervoll, dass ich bereits jede Nacht von diesem Haus und dem Leben darinnen träume. Auch Abris freut sich schon sehr auf das Haus... auf das, was wir mit dem Haus erleben werden. So schön unsere Wohnungen hier in Minoc auch sind... es ist eben doch der Ort, an dem wir arbeiten. Die, mit denen wir arbeiten sind unsere Nachbarn. Ein Haus fern ab der Arbeit und den Menschen hier wird uns gut tun - vor allem als Ehepaar.

Ich werde berichten - so es etwas zu berichten gibt.

Ehrenwort.

Klara
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Alt 08.10.2016, 08:08
Es ist der 28 im Libani (Fruehling), des Jahres 13
#13
Klara Ergain
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Es ist der 28 im Libani (Fruehling), des Jahres 1321

Liebes Tagebuch,

es ist was passiert... sogar einiges! Fange ich am besten von vorne an.

Mein Vorhaben Freundschaften aufzubauen hat gefruchtet. Vor allem bei und mit Ardelle. Es ist erstaunlich... aber ich weiß ja schon wegen der Erfahrung mit Abris, dass es Menschen gibt, die man sofort und ohne große Umwege feste ins Herz schließt. So war es auch mit Ardelle. Wir sprachen einmal stundenlang - dann nochmal stundenlang... und schon dort hatte ich das Gefühl, dass wir füreinander geschaffen sind. Es hat sich gar so entwickelt, dass ich sie bat meine Trautzeugin zu werden - und sie macht es so voller Freude! Ich muss gestehen, ich bin da nicht so "weibisch" talentiert. Sie denke an Schleifen, Lichter und so weiter.... es erleichtert uns sehr viel, dass sie uns da so unterstützt und ich bin mir sicher in Ardelle eine Freundin fürs Leben gefunden zu haben!

Mit Korad hatte ich nach dem Brief auch Kontakt. Und er hat es Glaron sei Dank nicht falsch verstanden. Er ist... mächtig. Damit meine ich, dass er mir wie ein schöner, kräftiger Bulle vorkommt. Er geht über seine Wiese, mag es Bulle zu sein... und wenn irgendwer ihm negativ zu nahe kommt, zeigt er ihm Hörner... vorher scharbt er mit den Hufen am Boden und brüllt herum... ach herje! Hoffentlich bekommt er das nie zu lesen! Ich mag ihn! Sehr gern! Aber manchmal hab ich das Gefühl, ... ich komme nicht an ihn heran weil er sein Revier abschreitet und vor allem immer von redestarken Kühen umringt ist... was es mir schwer macht mich einzubringen. Mal schauen, was das wird.

Ich habe es gewagt. Ich habe bei Jakobus nach einer Beförderung gefragt. Und er reagierte so,wie Abris es hervorgesagt hat... nicht belustigt, wie ich es dachte... nein, er nahm es ernst. Und ich musste ihm das Wort kämmerin nicht mal direkt in den Mund legen - er sprach es aus. Nach einem längeren Gespräch verabredeten wir, dass ich einen Nachfolger für mich finden soll. Dann schlägt er mich als Kämmerin vor. Ist das nicht unfassbar aufregend??! Ich habe Nelin Vandrak, Korads Mutti, ins Auge gefasst. Mal sehen, ob sie so etwas möchte. Ansonsten habe ich noch 2 Frauen im Kopf.. aber Frau Vandrak würde mir am besten gefallen.

Nun zum weltlichen - es ist etwas geschehen. Und ich weiß es nur aus Erzählungen... Ein Mensch hat einen Dämonen befreit, der hat sich über Britain mit einem Drachen ähm... sie haben gekämpft. Und beide sind ums Leben gekommen. Und nun geben die Drachen wohl uns Menschen die Schuld...was ich noch nicht verstehe. Lydia wurde im Bären von einem Mann beschimpft, dass sie daran Schuld seie...?! Ich muss sie unbedingt einmal in der Küche abfangen und fragen. Warum sollte Lydia Schuld haben?!... alles sehr seltsam! Ich hoffe nur, dass sich alles wieder beruhigt. Alle wirken etwas panisch... ich hoffe... es gefärdet nicht unser geplantes Frühlingsfest.. oder gar unsere Hochzeit?! Aber das glaube ich nicht.. es übertreiben alle ein wenig nehme ich an.

Klara
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Alt 15.10.2016, 08:18
Es ist der 25 im Ador (Sommer), des Jahres 1321
#14
Klara Ergain
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Es ist der 25 im Ador (Sommer), des Jahres 1321

Gestern ist etwas furchtbares passiert. Dabei war alles ganz wunderbar... nun, wo ich hier sitze, bin ich so unendlich glücklich, dass es so ausging, wie es ausging.... denn es war wirklich gefährlich!

Abris und ich haben nach so langer Zeit endlich einmal wieder einen Ausflug gemacht. Er hatte eine wunderschöne Decke dabei und ich etwas zu Essen. Abris hat sich für einen wirklich schönen Ort entschieden - bei Cove in der Nähe... direkt am Wasser auf einer schönen Wiese. Ein wirklich wunderschöner Ort!!! Wir haben dort den Sonnenaufgang beobachten können - haben etwas Schokoladenkuchen gegessen und geplaudert. Den Tag... und die Nacht zuvor haben wir uns ähm - gesättigt. So hatten wir tatsächlich Konzentration für diese Unterhaltung. Die Sonne schien wunderbar warm, die Vögel sangen, meine Stute Rose graste das frische Sommergras. Perfekt!!!!

Wir sprachen gerade darüber, dass ich persönlich etwas verunsichert bin, was mich und die Berufung der Kämmerin betrifft - und es tut so gut, dass Abris so an mich glaubt! Ich habe gerade ein wenig herumgewitzelt, da wurde es etwas dunkler - wir lagen beide auf der Decke und sahen zum Himmel auf. Aber das - was da kam war keine Sommerwolke... es war ein Drache.

Dieses Gefühl kann ich überhaupt gar nicht in Worte fassen. Ich kann mich kaum daran erinnern... ich weiß nur noch, dass ich... gar nichts tun konnte. Wie ein Käfer, der sich auf den Rücken legt und sich tot stellt so lag ich wohl da?! Zumindest war ich eine gefühlte Ewigkeit nicht in der Lage mich zu bewegen... starrte diese grüne "Wolke" an die immer näher kam - und das schnell... Abris beugte sich über mich nachdem er mir zugerufen hatte, ich solle weglaufen - aber Glaron sei Dank sind wir nicht aufgestanden! Denn das Vieh sauste so dicht über uns herüber, dass der Windzug an unseren Haaren und unserer Kleidung riss.... und als ich die Augen wieder öffnete... war es still?!?
Abris eilte sich - stand auf - rieb an seinen Kräutern herum und sagte immer wieder, dass wir nun gehen müssen....

Meine Rose... meine wundervoll liebste Rose - er hat sie mitgenommen. Nachdem ich endlich Vertrauen zu einem Pferd gefasst habe... wurde sie nun... ich mag es gar nicht nieder schreiben. Ich bete zu Glaron, dass es schnell ging... das sie sich gleich das Genick brach oder so...

Meine Hände zittern noch immer ein wenig wenn ich daran denke, dass... dieses riesige, strake... Wesen hätte auch uns greifen können! Wahrscheinlich hat es auch nur uns nicht genommen, weil Rose da war... ein viel fetterer Braten?! ... Ach herje...

Es ist wirklich etwas anderes es zu sehen... ich meine, ich habe schon so viele Geschichten gehört. Und ich habe an der Bärenhöle ja auch gesehen, welch Verderben solch ein Drache bringen kann... wie gefährlich sie sind! Aber... es zu sehen, zu fühlen - mit dem Leben für einen Moment abgeschlossen zu haben ... das ist - furchterregend und grausam. Ich habe noch NIE so ein großes Wesen gesehen. Wie auch? Daheim war ist immer nur in der Stadt - im Wirtshaus und tat meine Arbeit... und auch hier halte ich mich daran! Ich bin eigentlich immer in der Stadt - oder halt am Hof. Was soll ich denn auch in den Wäldern?! ... Und das Thema Ausflug ist für mich nun auch unvorstellbar... wir können ja gern noch einmal ein Picknick machen... aber das geht doch auch im Garten - oder...?

Ich werde gleich meiner lieben Ardelle schreiben. Ich muss sie unbedingt warnen... ihr davon berichten. Sie ist viel zu oft in den Wäldern unterwegs... sie muss ganz unbedingt aufpassen nicht auf Lichtungen zu gehen!

Was auch immer die Drachen für Probleme haben - ich kann nichts dafür! Abris auch nicht - und schon gar nicht meine Rose! - Es ist alles so ungerecht... das muss doch aufhören?


Klara
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Alt 11.11.2016, 11:39
12 im Lorica (Herbst), des Jahres 1321
#15
Klara Ergain
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12 im Lorica (Herbst), des Jahres 1321

Die Tage sind gerannt – ebenso die Nächte. Die Ereignisse haben sich überrollt – die Guten wie auch die Schlechten. Ich habe in all diesen aufregenden Zeiten niemals daran gedacht… in dieses Buch zu schreiben. Und doch wäre gut gewesen… denn nun muss ich so viel aufholen und habe Bedenken, dass ich mich an alles so erinner, wie es gewesen war. Zumal die jüngsten Ereignisse, durchweg Gute – meinen Rückblick etwas verklären… und doch möchte ich im Sommer anfangen…

Im Sommer fand das Frühlingsfest des Hofes statt… Ich weiß nicht recht warum im Sommer… aber es war so. Mein Mahl war „leider“ auf den Frühling abgestimmt… ach was solls… ich habe so viele Gedanken und Dinge in meinem Kopf was den Hof betrifft, dass es mich fast ein wenig quält. Und doch erlaubt es mein Gewissen nicht, all dies nieder zu schreiben…. Kurz gefasst – vor allem nach dem Tod von Jakobus und der Art, wie damit umgegangen wurde… war mein Herz etwas gebrochen. Dies sollte man nun nicht falsch verstehen aber… es gibt so viel List und Geheimnis und … Schlechtigkeit, dass mir ab und zu übel wurde. Ich bin keine Frau ohne Fehler! Bei Glaron nicht! Aber im Herzen bin ich ein guter Mensch. Ich möchte niemandem etwas Schlechtes – ich möchte von niemandem schlecht behandelt werden. Ich erwarte von meinen Mitmenschen ebensolche Ehrlichkeit, wie ich sie ihnen entgegen bringe. Und dann – vermehrt – „hintergangen“ zu werden… das ist… nicht gut… um es milde auszudrücken.

Dort im Sommer begann mein Gedanke den Hof zu verlassen – die Wut in meinem Herzen wuchs, die Enttäuschung wurde größer – ohne dass etwas geschah. Doch musste ich der einen oder anderen Person einfach in die Augen schauen – oder schlimmer, einfach nur geschriebenes Wort lesen, wurde mir immer bewusster, dass ich nicht dorthin gehöre… Natürlich habe ich mit Abris darüber gesprochen. Wenn nicht mit ihm – mit wem dann?! Und er erwähnte immer wieder, dass er mit mir geht – egal wohin. Er legte all diese Verantwortung in meine Arme – ich weiß nicht warum er mich nicht leiten wollte… vielleicht wollte er vermeiden, dass ich ihm irgendwann Vorwürfe machen würde?!... Die Tatsache, dass am Hof so viel geschah, was ich als Köchin nur am Rande mitbekam… machte es mir etwas leichter.

Unser Herzog verstarb – ebenso wie der König. Und wirklich – ich bin wirklich und ehrlich traurig, dass Javar verstarb. Ich sah ihn nicht oft – aber immer wenn ich ihn sah dann… er war ein guter Mann. Er war die Hoffnung… meinerseits, dass dieses Fleckchen Land gut regiert werden würde. Er war sogar zu mir unheimlich… gut. Ich stand immer nur da – mit hochrotem Kopf und brachte kaum ein Wort heraus… und doch brachte er mich irgendwie zum lächeln. Es ist tragisch, dass er nicht mehr da ist – wirklich! Und umso tragischer, dass es nun einige am Hof gibt, die… die… das, was er ausstrahlte – beschmutzen. Mit ihrer Anwesenheit – mit ihren Taten, Worten… mit ihrem Dasein. Also entschied ich mich gegen den Hof… ich entschied mich gegen diese Arbeit… gegen diese schlechten Gefühle, die in mir rumorten….

Das war kurz vor dem Wunderbarsten, dass mir je wiederfahren ist…. Ich habe geheiratet! Es lief alles nicht so, wie wir es eigentlich geplant haben… wir hatten eigentlich vor gehabt im Sommer zu heiraten – in der Stadtkirche mit einem Fest auf dem Marktplatz – mit all denen, die wir mögen. Doch die Trauerzeit – unser Respekt für diese Trauerzeit, hatte es uns verboten, dies zu tun. Also haben wir im Herbst geheiratet. Genauer – am 13. Lundin 1321. Wir heirateten in der Klosterkapelle. Lediglich Ailika und Ardelle waren anwesend – und unsere Trautzeugen. Es ist wirklich überwältigend dies zu erleben… die große Liebe zu heiraten ist… schwer zu begreifen – schwer zu verstehen – das Wunderbarste, dass es gibt! Seine Worte streichelten in meine Ohren – seine Blicke streichelten sich in mein Herz und den Ring, den ich nun an meinem Finger trage, streichelte sich in meine Seele. Ich bin seitdem Frau Klara Ergain. Frau! Ergain!... Schon seltsam irgendwie… war ich vorher doch immer Fräulein Isold.

Wir haben uns in Cove ein Haus gekauft. Mit direktem Blick auf den Bergsee… den See, an dem wir uns das erste Mal küssten…. Das Haus ist noch nicht eingerichtet… wir haben lediglich die Küche mit Tisch… das Bett und einen Schreibtisch – aber auch das reicht um wunderbare Zeit miteinander zu verleben! Wir verbringen die Tage und Nächte hier miteinander – lassen das geschehen, was Glaron für die Ehe vorgesehen hat und genießen es. Ich bin mir sicher, dass ich da auch für Abris sprechen kann… zumindest lächelt er stets zufrieden. So könnte es immer sein – wirklich immer! Ich glaube, ich könnte sehr gut als Gefangene in diesem Haus leben… wenn Abris denn dabei ist…. Ich bete, dass diese gute Zeit nie verfliegen wird…

Und doch… es gibt da tatsächlich noch etwas, das ich berichten muss. Es geschah gestern und lässt mein Herz ganz zittrig werden. Meine Vergangenheit – ich glaube, ich habe noch nicht sonderlich viel über sie geschrieben… Ich lebte bei meinem Vater – in einem Wirtshaus und… freute mich, als er von uns ging… Wenn ich ihn nach meiner Mutter fragte wurde er stets wütend… so wütend, dass ich ihn mit etwa acht Jahren das letzte Mal gefragt hatte… was ich wusste war, dass sie mich gebar und dann noch ein Mädchen – bei der Geburt meiner Schwester starb meine Mutter – meine Schwester kam tot heraus. Nur ich lebte – und mein Vater. Er färbte mir seitdem ich denken kann mein rotes Haar blond – er hatte blonde Haare. Er sagte immer, ich solle nicht wie meine Mutter aussehen… Nun, wie sich herausstellte, hat er mich belogen. Denn gestern…

Ich war gerade dabei etwas aufzuräumen, da hörte ich vor dem Haus eine Stimme… ich wollte mich vergewissern und trat hinaus. Nur gut, dass es gerade nicht regnete… Doch was ich sah… WEN ich da sah… verschlug mir den Atem…. Denn ich sah mich selbst. Zuerst dachte ich an einen wirklich seltsamen Traum – aber ich träumte nicht – ich war ja wach! Dann dachte ich an einen faulen Zauber. Ich war kurz davor nach Abris zu schreien, der oben im Bett schlief…. Aber dieses „Ich“… stolperte zurück – war so… tollpatschig… selbst so erschrocken dass ich mich ihr näherte… sie stand auf – stand direkt vor mir und es war gruselig. Meine Augen, meine Nase… sogar meine Sommersproßen waren im Gesicht dieser Frau – direkt vor mir. In meinem Ohr sauste es einen ganzen Moment lang – ich konnte kaum verstehen was sie sagte…. Sie begann zu weinen und irgendwie… etwas in mir befahl mir, sie an mich heran zu lassen. Sie sagte, sie seie meine Schwester – und sie habe selbst nicht gewusst, dass wir so… gleich aussehen würden. „Mama“ war zu Glaron gegangen und hatte ihr vor dem Tod von mir erzählt… von einer Schwester. Sie begann zu suchen – und hatte mich gefunden… diese Frau, Sophie Lepus – ein Ebenbild meiner Selbst. Meine jüngere Zwillingsschwester… trat gestern wie ein Sturm in mein Leben. Wirbelte meine Vergangenheit auf… das, was ich eigentlich hinter mir lassen wollte!

Denn natürlich habe ich mich als Mädchen nach mütterlicher Liebe gesehnt. Mein Vater verfiel dem Alkohol immer mehr – irgendwann war er für mich gar nicht mehr erreichbar… ich tat alles um ihm zu gefallen… ich hätte wirklich alles getan… aber er… es ging nicht. Und als Sophie mir von der liebevollen Art ihrer… nein, unserer Mutter erzählte… mein Herz blutete – zugleich freute ich mich aber für sie. Wann war mein Vater liebevoll zu mir?!... ich kann mich an einen Moment erinnern, in dem er mir über die Wange strich und mich tatsächlich liebevoll ansah… aber da war ich jung! Nicht einmal zehn Jahre alt… und an mehr Liebe kann ich mich nicht erinnern… Ich habe mir schon damals ausgemalt, dass meine Mutter dann wohl die Liebevolle war – denn ich… bin trotz all dem… doch sehr… emotional… m? Es gefällt mir im Grunde nicht über meine Kindheit und Jugend nachzudenken – aber Sophie… ist, obwohl sie in der Vergangenheit ja nicht präsent war, ein Teil der Vergangenheit… oder? Hat sie nicht ein Recht darauf zu erfahren… wie mein Leben war? Wie ihr Vater war…?! Sie hat sich ein Zimmer genommen… und ich kann es kaum erwarten sie wieder zu sehen!... Abris muss ich noch davon erzählen… und irgendwie habe ich… angst davor. Ich hoffe sehr, er kann damit umgehen… wenn ich es selbst denn kann… Aber wie sagt man so schön? Es wird sich schon richten… Glaron hat diesen Weg für uns alle bestimmt – und wir gehen ihn… werde ihn immer weiter gehen.
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Alt 04.12.2016, 08:21
2 im Rado (Winter), des Jahres 1322
#16
Klara Ergain
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2 im Rado (Winter), des Jahres 1322

Liebes Tagebuch,

schon einige Male nahm ich die Feder in die Hand und starrte auf diese leere Seite. Ich tunkte sie sogar ab und zu in die Tinte! ... Doch geschrieben habe ich nichts. Es graute mir davor, niederzuschreiben, was ich wohl niederschreiben muss. Es ist nämlich so, dass mir die Worte und das Verständnis fehlen... neben der Tatsache, dass ich das, was war - eigentlich vergessen möchte.

Doch nun - in diesem verschneiten, kalten Winter ist es so... ruhig in unserem Haus... alles ist mindestens viermal geputzt und spazieren war ich nun auch schon einige Male... was mir aber keine wirkliche Freude bereitete. Also sitze ich nun hier - an unserem Schreibtisch und schreibe tatsächlich mal wieder in dieses Buch. Also gut - da alles wieder gut ist, kann es ja ruhig geschrieben werden, oder? Ich mache es kurz... vielleicht ist es besser.

Abris wurde vergiftet.

Eine junge Frau schenkte ihm Äpfel und Brot - nutzte den Vorwand, dass sie bald eine Nachbarin sein würde um Vertrauen zu wecken und ja... m.
Ich wollte an dem Morgen eigentlich Apfelkuchen aus diesen Äpfeln backen, weil Sophie sich zum Besuch angekündigt hatte. Ich habe es dann aber doch nicht getan, weil Abris und ich ein wenig länger im Bett blieben als normalerweise. Hm... Als Sophie da war, wollte Abris das Brennholz tragen... oben... und er hatte wohl vom Brot gegessen... wir waren unten. Auf einmal hörten wir es rumpeln...

Es ist gerade sehr schwierig sachlich zu schreiben...

Als ich nach oben kam um nach Abris zu sehen stand er da... an die Wand gelehnt und.... er zerrte an seinem Kragen herum und machte seltsame Geräusche. Seine Augen waren ganz groß und fast ein wenig panisch. Es war grausam! Ich rief Sophie hoch und da brach Abris auch schon zusammen- er brachte noch den Namen Veron Betrox hervor.

Diese Panik in mir kann ich gar nicht beschreiben... ich weiß auch gar nicht mehr so wirklich wo ich hinging... Ich wusste ja nicht einmal wo ich diesen Veron finden würde!!! Denn - ich kannte ihn nicht. Ich ging wohl in den Bären und dort traf ich auf Stina und Korad. Glaron sei Dank traf ich auf sie!!!!! Denn ich war doch sehr... ähm - kopflos.

Stina blieb bei mir - sie war so ... groß. Sie ist noch so unendlich jung! Ich glaube... 14 Jahre? Aber in dem Moment war sie meine ganze Stütze und führte mich - gab mir irgendwie ein wenig Kraft.. Ich erzählte den beiden sicherlich irgendwie was ich wollte - zumindest, wen ich suchte - denn wir machten uns getrennt auf die Suche nach Veron. Korad hatte ihn im Tala gefunden und mit nach Cove genommen - was Stina und ich einige Minuten später erfuhren.

Ich habe keine Ahnung wie Stina und ich nach Cove gingen... ich habe nur noch die Szenerie im Kopf wie ich dastand und zu dem Menschenhaufen starrte. Mein Abris lag da am Boden - Sophie war unheimlich hektisch... Veron kniete bei Abris... Korad stand da und sah zu ihm hinab und - ich glaube, sie sprachen... Bei Glaron ich konnte sie nicht verstehen! Ich sah Abris und er war blass... und atmete er?! Ich konnte es nicht sehen und alles begann sich zu drehen. Sophie umarmte mich die ganze Zeit - aber ich konnte irgendwie gar nicht reagieren...

Aber es ging alles gut... Veron hatte Abris etwas eingeflößt was ihn brechen ließ - und als er gebrochen hatte sah ich nun auch endlich wieder, wie er atmete... Korad trug ihn in unsere Minibett und... es dauerte drei Tage bis er endlich wieder bei sich war. In dem Sinne, dass er sprach - aß, mich ansah... er war trotzdem noch sehr schwach und es dauerte ... sicherlich über drei Wochen bis er wieder er selbst war... An Abris ist ja nicht viel dran!!! Die paar Tage ohne Essen taten seinem Körper nicht gut - und ich erwischte mich dabei, wie ich mit Absicht fettes Fleisch für fette Brühe nutzte und derlei... ich habe ihn regelrecht gepeppelt.

So - dieses Ereignis war mit Abstand das Schlimmste, was ich jemals erlebt habe! Ich habe einiges Schlimmes erlebt... möchte ich behaupten... zuletzt den Tod meines Vaters - was m... nicht schön war... aber das! Der Gedanke, meinen Abris zu verlieren... ich glaube - nein, ich weiß, ich könnte ohne ihn nicht weiterleben... unvorstellbar! Und es ist für mich sehr schwer zu ertragen, dass ich ihn kaum schützen kann. Ich kann ein wenig Mutter spielen... ich habe ihm "verboten" von Fremden Essen anzunehmen - ich achte darauf, dass ich weiß wo er ist und es macht mich fuchsig, wenn er es mir nicht sagt! Er darf ja fort - er darf ja ohne mich Dinge erleben... aber ich muss es wissen! Ich muss wissen, wo ich nach ihm suchen muss... oder so.... hm.

Ein etwas langweiligeres Thema bin ich selbst. Ich selbst weiß nicht viel mit mir anzufangen. Ich habe freiweilig am Hof gekündigt... ja - und es war auch gut so! Aber was mache ich seitdem? Ich habe dieses Haus, diese Ehe und meine Freunde, Familie... und das ist alles wunderbar! Aber....

Ich bin in einem Wirtshaus groß geworden in dem mein Vater alles leitete... ich habe IMMER etwas getan. Ein freier Tag war mir eigentlich fremd... Irgendwie brauche ich eine Aufgabe. Ich habe also etwas ausgehängt und ein Ritter hat sich bei mir gemeldet. Er hat Interesse mich kennen zu lernen UND er hat seinen Sitz hier in Cove! Ist das nicht... ein... wunderbarer Zufall? Da wohnen wir in diesem süßen kleinen Cove - und er auch? - Ich bin sehr neugierig ihn kennen zu lernen. Und vielleicht... ganz vielleicht finde ich ja eine gute Aufgabe bei ihm? Ich werde berichten.

Nun gilt es erst einmal diesen Winter zu überstehen... unseren ersten Winter als Ehepaar.... den wir ganz viel zusammen verbringen - vor dem Kamin. Eigentlich ist ein Kamin immer an - und wir liegen entweder davor oder... m... nein - wir liegen immer davor. Das, was Eheleute eben so tun?.. Hoffe ich. Denn aufhören mag ich damit nicht mehr.


Deine Klara
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Alt 09.01.2017, 12:14
10. im Libani (Fruehling) 1322
#17
Klara Ergain
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10. im Libani (Fruehling) 1322

Es ist Frühling!
Die Sonne kitzelt uns allmorgendlich wach – die Blumen kriechen aus dem Erdboden – das Wasser plätschert beruhigend … ist endlich nicht mehr gefroren! Kurzum – der grausame, kalte… lange Winter ist überstanden. Mein erster Winter hier in Cove… in unserem wunderschönen Berghaus am See.

Im Allgemeinen mag ich die kalte Jahreszeit ja nicht… Ich habe wirklich immer kalte Hände, kalte Füße und eine kalte Nase. Ich kann so viele Socken anziehen, wie ich möchte… die Füße werden nur sehr schwer warm! Etwas, dass Abris nur mit seinem Körper lindern konnte… der Arme… immer habe ich meine kalten Füße irgendwo an ihn heran gedrückt und er musste es aushalten – sonst habe ich herumgemeckert. Aber eigentlich haben wir es uns wunderschön gemacht! Wenn der Schneefall zu arg war, blieben wir auch mal Daheim… tagelang! Ich habe uns einen ordentlichen Vorrat angeschafft – so hatten wir keine Not in der Zeit – und nur uns beide. Das war schön.

Ich muss unbedingt etwas nieder schreiben… was mir sehr wichtig ist. Es geht um Stina. Stina ist ein ganz besonderer Mensch für mich geworden. Sie hat sich mit ihrer ganz besonderen Art in mein Herz geschlichen und hat dort einen ewigen Platz eingenommen… in etwa wie Sophie… die ja meine Schwester ist. Ich glaube, so kann ich die Gefühle zu Stina am besten beschreiben… es ist schon fast so schlimm, dass ich … gewisse Schutzinstinkte ihr gegenüber habe. Ich muss sogar manchmal aufpassen, dass ich sie nicht… erziehen mag! Auf der anderen Seite ist dieses Mädchen so stark, so selbstbewusst und quirlig, dass sie mich immer wieder… nun… berauscht. Ich selbst bin ja eigentlich ein eher stillerer Mensch gewesen… und ich habe das Gefühl, dass Stina mich irgendwie… stärkt. Und das tut sie ganz gewiss nicht mit Absicht! Aber ihre Art das Leben zu nehmen wie es nun einmal ist… ist insprierend. Sie ist jung – nun gerade einmal 15 Jahre alt – und sie ist ein Kind… so ein Kind, dass ich nie sein konnte… ich musste eigentlich immer im Wirtshaus sein, in der Küche arbeiten und hatte keine Zeit für Dinge wie… Schneeballschlachten… Und was organisiert Stina?! Eine Schneeballschlacht! Ich muss gestehen, ich hatte vorweg ganz schön bammel… Abris konnte leider nicht mit – das machte mir fast etwas angst. Denn es waren eigentlich nur „Krieger“ da – zumindest sportliche Leute. Damit will ich nicht sagen, dass ich unbeweglich und fett bin! Das bin ich nicht! Aber ich bin eben keiner, der… sich am Boden rangelt oder… ich weiß nicht… mit aller Kraft einen Schneeball wirft. Das war alles neu – und ich glaube, das haben die Anderen gemerkt. ABER! Ich hatte Spaß, wir hatten alle Spaß.

Es gab viele Momente, die ich so mit Stina verbrachte – auch alleine… und da konnte ich tatsächlich mein… seltsames Gefühl von „Schwester-sein“ ausleben. Denn Stina bekam ihre Monatsblutung und alles andere setzt gerade ein, was ein Mädchen durchmachen muss – um eine Frau zu werden. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, wie grausam es ist, wenn man sich keiner Frau anvertrauen kann… ich hatte nie eine Mutter… nur meinen stumpfen Papa… mit ihm konnte ich gewiss nicht darüber reden, warum meine Brust so unendlich weh tut, wenn ich dagegen kommt… nun weiß ich es… es sind normale Wachstumsschmerzen. Und es gibt noch so viel mehr, was Mädchen durchleben müssen… um eine Frau zu werden. Und ich werde für Stina da sein, wenn sie mich braucht – sehr gern sogar!

Stinas bester Freund ist ja Korad. Ein netter Kerl… er ist nun 16 Jahre alt. Er ist irgendwie sehr… dominant. Fast wie Stina. Wenn man Zeit mit beiden verbringt, bekommt man kaum die Möglichkeit zu sprechen, weil beide pausenlos reden… oder Unsinn treiben. Ich möchte hier – auf diese Seite – am heutigen Tage ganz offiziell aufschreiben, dass ich mir sicher bin, dass diese beiden Personen einmal ein Liebespaar werden – heiraten und mindestens 3 Kinder bekommen. Wenn es nach Darok geht, der ja Korads Vater ist, nur Jungs. Darok… das ist auch so ein Thema, das ich erwähnen möchte….

Eigentlich mochte ich ihn ja nicht… nein, nicht mögen ist falsch formuliert… irgendwie habe ich mich vor ihm gefürchtet. Er ist groß und breit und… uralt… und irgendwie so… man sieht ihm einfach an, dass sein Körper viel miterleben musste. Dann hat er auch noch eine Augenklappe und eine … laute Stimme und schaut immer so seltsam mit dem einen Auge… Dann redet er, was er denkt… manches Mal ohne nachzudenken… Ja, so dachte ich einmal über ihn. Aber das ist vorbei! Wirklich vorbei! Ich denke nun ganz anders über ihn… ganz ganz ganz anders! So anders, dass ich ihn Honigkuchenpferd nenne, wenn ich über ihn spreche. Er ist so… ähm… niedlich. So niedlich, wie man ein kleines Kind niedlich finden kann… wenn du verstehst? Ich glaube, dass ist von der Natur so gegeben… dass man kleine Kinder und alte Menschen niedlich findet. Weil beides im Grunde ja Wesen sind, die gewisse Aufmerksamkeit benötigen, m? Ich hoffe, Darok liest das hier nie. Er wäre wohl absolut gekränkt… weil er ganz schön damit zu kämpfen hat, dass er auf uns junge Frauen nicht mehr attraktiv wirkt… aber naja… so ist das Leben, oder? Wenn ich eine Oma bin, finden mich die Männer ja auch nicht mehr hübsch! Aber sein ehrlicher, humorvoller und weiser Charakter haben all meine Zweifel weggewischt – und er ist nun mein Honigkuchenpferd. Ich muss das Abris noch erzählen! Er wird sich freuen, dass ich Darok nun doch mag… !

Von einem älteren Mann – zum Anderen. Ritter Algado – für den ich nun ja arbeite, ist auch so ein Mann der… schwer zu beschreiben ist. Fast genauso besonders wie Darok – wenn auch ganz anders. Bei ihm hatte ich ja schon beim Vorstellungsgespräch das Gefühl, dass er ein guter Mann ist. Und damit meine ich, dass er sein Herz am rechten Fleck hat. Ich glaube, er hat schon viel gesehen und viel erlebt… allein die Tatsache, dass er auch einem ganz anderen Land mit einer ganz anderen Kultur kommt … zeigt ja, dass er hm… zumindest zwei Arten das Leben zu leben kennt und „lebt“ – denn ich finde, er ist eigentlich so wie wir – mit ein paar Ausnahmen. Er sitzt zum Beispiel am Boden. Eine Tatsache, an die sich meine Beine erst gewöhnen mussten. Aber vor allem die Beine von Sophie haben gelitten! Mit Abris sitze ich ja oft am Boden vor den Kamin – Sophie aber nie! Wir waren erst vor kurzem bei Ritter Algado. Ich habe mir den Schlüssel für das neue Ritteranwesen geholt und ihm dabei gleich Sophie vorgestellt. Ich wollte verhindern, dass er sie vielleicht einmal für mich hält. Das wäre… verwirrend für ihn und unheimlich peinlich für Sophie. Sophie ist ja sehr sehr schüchtern… zurückhaltend und nervös. Aber so unendlich herzvoll und liebenswürdig… ich glaube, sie ist das reinste und liebste Wesen, dass ich kenne. Nunja – das hat Ritter Algado wohl auch gesehen… zumindest, dass sie so nervös und schüchtern ist… und dann geschah etwas, das… mir den Atem raubte. Er ging hinter Sophie, die ja auch am Boden saß- hockte sich nieder und schlang die Arme um Sophie um sie fest an sich zu drücken. Ich war wirklich atemlos! Kurz wollte ich sogar eingreifen! Und die arme Sophie konnte für einen Moment nicht einmal atmen…. Und er? Er redete auf sie ein, dass sie atmen sollte, dass es besser werden würde, dass sie aushalten müsste, dass er ihr helfen würde, diesen peinlichen Moment zu überstehen… es war wirklich sehr sehr SEHR seltsam. So etwas habe ich noch nie gesehen oder erlebt – aber es half Sophie. Er verglich das kurz mit einem Pferd!... Dass, wenn man ein Pferd zureitet, ihm auch das Vertrauen geben muss, dass Reiter und Sattel dem Tier nichts tun – auch wenn sie sich so nahe sind…. Aber kann man das einfach so tun?! Einen Menschen, der scheu ist… mit einem scheuen Pferd vergleichen?! Ich glaube, dass war bisher die intimste und näheste Berührung, die Sophie von einem Mann bekommen hatte… erdulden musste, denn aus seiner Umklammerung kam sie nicht heraus. Aber wenn das wirklich geholfen hat – dass Sophie mehr sie selbst sein kann – auch vor einem Mann, dann werde ich dem Ritter die schönsten Blumen züchten! Versprochen!

Männer sind wirklich rätselhaft… Es gab einen Vorfall mit einer Waldelfin der… wirklich rätselhaft ist. Wir, Stina, Korard, Darok und ich waren mit Hühnern unterwegs … um die Hühner zu Korad nach Haus zu bringen… denn die sollten nicht mehr bei Stina herumpicken, weil wir einen Mädchenabend bei ihr im Garten verbringen wollten! Korad hatte seinen süßen Hund dabei – ich ging bei Darok eingehakt, weil er ein wenig… naja – angetrunken war. Und dann ging alles viel zu schnell. Ein Schaf kam angerannt… wie ein wilde Sau und biss die Hühner tot… der Hund… biss dann das Schaf… das wiederum den Hund – und als das passiert ist, biss der Hund vor allem Darok… immer wieder ins Bein. Er war wie verhext… konnte gar nicht aufhören. Ich sah, dass eine Waldelfe hinter uns stand und zuschaute…. Ich bat um Hilfe und als sie näher kam sprach sie nur, dass Menschen keine Tiere halten sollten… es hörte sich fast wie ein Vorwurf an! Als wenn all das passiert ist, nur weil wir Menschen waren?! Aber es lag doch an dem Schaf?! Der arme Hund war wild vor Schmerz… das weiß ich nun… aber das hätte die Elfin doch auch sehen müssen?! Das war die erste Waldelfe, die ich in meinem Leben sah – und da war gewisser Respekt, eine gewisse Achtung… die hatte Korad aber nicht… denn Korad war, nachdem Darok den Hund töten musste – blind vor Trauer – blind vor Wut… und da diese Elfin immer wieder abfällig sprach, schlug er sie in den Bauch und in das Gesicht – seine Stimme war so männlich bedrohlich, als er ihr immer wieder sagte, sie solle endlich gehen… Ach herje… der arme Korad. Er ist seinem Vater wirklich ähnlich. Ich glaube, im Grunde ist er auch ein Honigkuchenpferd… nur eben noch ein Fohlen. Er weinte um seinen Hund – und diese Tatsache, macht ihn so so… _so_ menschlich und lieb und… es hat schon wieder mein Herz geweckt, meinen… Beschützerinstinkt….

Ich weiß auch nicht was das in der letzten Zeit ist!!! Vor allem bei jüngeren Menschen wächst in mir so ein… Gefühl … so ein unbeschreibliches. Ich möchte sie beschützen – was ich im Ernstfall ja gar nicht könnte! – ich möchte sie ihn den Arm nehmen und an meine Brust drücken und wiegen und singen und küssen…! Was auch immer das ist… ich hoffe, es ist bald wieder vorbei!!!

Nunja – vom Mädchenabend möchte ich auch schreiben. Denn er war… anders als gedacht … aber gut! Ich habe zwei neue Mädchen kennen gelernt. Elli und Tunina. Sehr verschiedene Mädchen! Aber beide ganz angenehm! Tuina wird mir Fische fangen – und ganz sicher ihren Platz im Leben finden. Elli… ist Bognerin und… naja… da weiß ich nicht genau, ob sie ihren Platz finden wird. Ich glaube, sie raucht viel zu viel Kraut… aber sie ist sehr nett! Sehr nett! Darok hat unseren Mädchenabend gestört, als wir gerade „Wen würdest du heiraten – wenn du musst…?“ spielten. Er kam mit einem Elfen. Der heißt Liandrel und, wie wir erfuhren, ist er der… Anführer der Waldelfen. Und er hatte seltsame Kleidung an… sprach ganz wenig… und hatte so einen direkten Blick. Stina war genauso unwohl wie mir… Die beiden Mädchen gingen- und Liandrel, Darok, Stina und ich blieben zurück. Liandrel wollte wissen, was an diesem „Hundetag“ geschah und vorgefallen ist. Und Stina redete und redete…. Es war wieder sehr vielsagend für mich… ich kam kaum zu Wort obwohl ich natürlich auch hätte reden können! Aber Stina ist ein so starker und lauter Charakter… da hat man wenig Chance, wenn sie erst einmal loslegt. Vielleicht sollte ich ihr bei Zeiten einmal sagen, dass sie umsichtiger sein sollte… auf andere achten – auch auf die leisen… vielleicht. Darok spendete Stina und mir fast väterliche Fürsorge. Er zeigte mit seiner Nähe und seiner ganzen Haltung, dass er auf uns aufpasste – das der Elf somit keinerlei Bedrohung war…. das war schön! … Ich hoffe sehr, dass Korad nicht zu sehr in dieses „Alles Liebe stirbt“-Loch fällt… aber da werden Darok und Stina und seine Mutti sicherlich aufpassen… ob ich da viel anrichten könnte, weiß ich nicht. Ich habe manchmal das Gefühl, ich komme nicht so an Korad ran… da ist noch eine Art Mauer zwischen uns – auch wenn sie aus Papier ist….

Ansonsten bin ich gerade dabei, einen Feinkostladen auszurichten. Das Haus habe ich bereits gekauft – es steht neben dem, dass Sophie sich in Cove gekauft hat. Nun muss ich es nur noch einrichten, ausbauen… und dann eröffnen! Sehr aufregend!

Bis bald!

Klara
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