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Alt 24.10.2002, 04:44
Aramil: Ein genialer Plan
#1
Sir Norand
Gast
 
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Ein genialer Plan (Auszug aus Aramils Tagebuch)
Ich lag in meinem Bett in der Assassinenfeste und konnte kaum galuben, daß ich wieder zuhause war. War ich gestern wirklich noch Darian,der Inquisitor?Hatte ich wirklich bis gestern im Schloss gewohnt-umzingelt von Gardisten und Paladinen?
Der Meister der Bruderschaft hatte wirklich einen genialen Plan entworfen und er hatte funktioniert!Vor einer Woche sprach er mich an und sagte mir das ich befördert wurde-er gab mir den roten Ring eines Bruders des Zwielichts!Ich war sprachlos."Ich habe eine Aufgabe für Dich, Aramil", fuhr er fort."Wir werden Vomath retten und Du wirst diese Aktion leiten."Er erklärte mir seinen Plan und ich lächelte, als ich die Details erfuhr. Es war meine erste große Bewährungsprobe. Als erstes mußten wir Darian gefangennehmen. Wir lauerten ihm und seiner Leibwache vor dem Westtor auf: J., R. und ich. Unsere schwarze Kleidung verschmolz perfekt mit der Dunkelheit der Nacht. Als unsere Zielpersonen kamen schleuderte ich dem Paladin eine Blendbombe vor die Füße. Noch bevor er sich wieder rühren konnte hatten wir ihn mit unseren Giftpfeilen gespieckt-er hatte keine Chance. Seine letzten Worte galten Darian:"Rettet euch!" Ein treuer und tapferer Mann dieser Paladin. Aber natürlich gab es für Darian keine Rettung, ich stieß ihn zu Boden und zielte auf seinen Kopf. Er verfluchte uns zwar im Namen Glarons, fügte sich aber schließlich unseren Anweisungen. Nur ihn dazu zu bringen den Schlaftrunk zu trinken erwies sich als schwerer als gedacht, ständig winselte er: Glaron wird euch strafen, ihr werdet in der Hölle schmorren und ähnlichen Unsinn. Ich lauschte gespannt, sollte ich doch seine Rolle spielen und dabei wären mir diese Phrasen sicher sehr nützlich. Nachdem er endlich in tiefen Schlaf gefallen war, entkleideten J. und ich den Paladin und versenkten seine nackte Leiche in dem Fluß. Wir verwischten die Spuren des Überfalls so gut es ging und schafften unseren Gefangenen dann in unser Versteck, wir mußten uns sputen den schon begann es zu dämmern.
Dort angekommen sperrten wir ihn in eine Zelle und entkleideten auch ihn-auch seine Insignien nahmen wir ihm weg. R. frisierte mich dann nach Darians Vorbild und nahm mir meinen Bart ab-hatte sie also doch noch ihren Willen bekommen! Schließlich schminkte sie mich und dann legte ich seine Gewänder an. Ich setzte seinen Siegelring auf, nahm seinen Stab und schon war ich Darian, der Inquisitor. J. verkleidete sich als Paladina und würde meine Leibwache spielen-in der Uniform sah sie zum anbeissen aus! R. wünschte uns Glück und dann machten wir uns auf dem Weg zum Schloss. Am Tor wurden wir bereits erwartet, man führte mich in die Kirche und ich tat als würde ich beten. Dann brachte man mich in komfortable Gemächer, so vornehm hatte ich noch nie gewohnt-hat wirklich Vorteile ein Inquisitor zu sein! Bis ich Vomath zu Gesicht bekam dauerte leider ein paar Tage, Tage die ich meißt betend in der Kirche verbrachte-seit meiner Zeit im Kerker habe ich mich nicht so gelangweilt! Dann führte man mich endlich zu Vomath. Meine Gefühle waren gemischt als ich zum drittenmal das Haus der Freude betrat: das erstemal als Gefangener, beim zweitenmal um Melina zu befreien und jetzt als Inquisitor! Der Nekromant war von den Spuren seiner Haft gezeichnet, doch er hatte genug Kraft um mich wortreich zu verfluchen. Ich spielte meine Rolle als Inquistor gut genug um die Wache nicht mißtrauisch zu machen und als ich schließlich sagte nur das Feuer könnte Vomath läutern, nickte der Gardist und eilte davon um einen Richter zu holen. Ich trat an die Gittertür. "Komm rein,Inquisitor! Glaron schützt Dich doch", höhnte Vomath. Leise sagte ich:"Ich scheisse auf Glaron." Vomath stutzte und ich genoß die Verwirrung auf seinem Gesicht. "Die Bruderschaft des Zwielichts grüßt Dich,Vomath." Der Zauberer fing sich erstaunlich schnell:"Ein falscher Priester!" Ich nickte:"Wenn du leben willst,mußt Du uns vertrauen und tun was ich dir jetzt sage!"
Vomath nickte und ich erklärte ihm unseren Plan."Du wirst die Kirche im Sarg verlassen-aber Du wirst leben!" Vomath war einverstanden,welche Wahl hätte er auch sonst gehabt? Der Richter kam und die Hinrichtung wurde auf den nächsten Abend angesetzt. In dieser Nacht konnte ich nicht schlafen und das Wissen das meine geliebte J. nur durch eine Wand von mir getrennt war, machte es mir nicht leichter. Als der Morgen endlich graute ging ich in die Kirche und betete-mal wieder. So verbrachte ich den ganzen todlangweiligen Tag. Schliesslich wurde ein Sarg herein getragen, der Plan lief wie am Schnürchen! Eigentlich sollte die Leiche eines Schusters darin liegen, doch die hatte H. schon lange entsorgt und nun befand sich Darian betäubt im Sarg. Dann tauchte J. auf und berichtete mir das voreilige Gardisten Vomath bereits zum Friedhof geschleift hätten! Verdammt der Plan war in Gefahr! Sie übergab mir die Henkerskappe und wir eilten zum Friedhof. Eine große, teils wütende Menge hatte sich bereits eingefunden. Manche der Leute waren sogar frech genug, mich den Inquisitor zu beschmipfen und ich fragte mich was geschehen würde wenn es einen echten Aufstand gäbe und man unseren Betrug bemerken würde. Eilig wies ich die Gardisten an Vomath die Kappe anzulegen und ihn in die Kirche zu schaffen damit er seine Beichte ablegen könne. Man gehorchte mir und wir kehrten zum Schloss zurück. Die Gardisten wies ich an vor der Tür zu warten. Auch die Trauernde Freundin des Schusters (es war die verkleidete R.!) scheuchte ich hinaus. Dann befreite ich Vomath von seinen Stricken, nahm ihm die Kappe ab und öffnete den Sarg. Darian war von dem Mittel betäubt, konnte aber stehen. Rasch zogen wir ihm Vomaths Sachen an, dann knebelte ich Darian und zog ihm die Kappe über. Hoffentlich bemerkte niemand unseren Tausch! Zuletzt fesselte ich ihn, Vomath legte sich in den Sarg und ich rief nach der Wache. Niemand schien unsere Aktion bemerkt zu haben und die Gardisten schleiften Darian unsanft zum Friedhof. Dort angekommen ergaben sich neue Probleme: der wütende Mob weigerte sich uns durchzulassen und ich fürchtete einer könnte Darian die Kappe herunterreissen. Schließlich aber schaffte die Garde es Darian zum Scheiterhaufen zu schaffen. Ich stellte mich daneben und begann zu beten. Aber die Menge hatte noch nicht aufgegeben und einige drangen auf die Plattform vor. Kurz dachte ich welche Ironie es wäre,als falscher Inquisitor gelyncht zu werden, während der echte von der Menge befreit würde. Es kam zu einigen Tumulten und es gab Verletzte, ich glaube sogar ein Golem war involviert! Aber zu guter letzt wurde der Scheiterhaufen entzündet! Ich atmete auf als die Flammen nach Darian griffen, es war vollbracht! Der Inquisitor fand den Flammentod, den er sicherlich schon vielen beschert hatte-für ihn hatte ich kein Mitleid. Und alle würden Vomath für Tod halten,der Plan war ein voller Erfolg! Eilig kehrten J. und ich ins Schloss zurück, jetzt brauchten wir nur noch Vomaths Reagenzien-sonst wäre er für uns wertlos. Ich beauftragte einen Höfling mir die Sachen des Ketzers zu bringen und ging in meine Gemächer und wartete. Bald schon würde ich aus dem Schloss verschwinden können und diese verfluchte Verkleidung ablegen können! Und nie wieder wollte ich beten müssen oder auch nur den Namen Glaron hören!


Geändert von Aramil am 22-10-2002 um 21:00


20-10-2002 21:08
 
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Alt 24.10.2002, 04:45
Gespenstische N
#2
Sir Norand
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Kurz darauf hatte ich mich erholt. Ich war wieder nur Aramil, der Assassine. Es hatte mir zuerst Spaß gemacht - alle Leute hatten Respekt UND Angst vor mir gehabt. Aber auf die Dauer war es ermüdend gewesen und ich hatte mich einsamer als je zuvor gefühlt. Wie konnte ein echter Inquisitor nur mit dieser Angst leben, die er überall - selbst unter den frommesten Bürgern? Oder genoßen sie diese Angst sogar?
Wie dem auch sei, ich war froh wieder nur "Ich" zu sein. Zwar war ich mir - bei meinen vielen Verkleidungen manchmal nicht sicher wer ich eigentlich war - aber ganz sicher war ich kein Inquisitor! Und die Leute begegneten mir in der Regel so wie ich es plante (also entsprechend meiner Verkleidung), aber Angst hatten sie nicht vor mir und das war mir ganz recht. Ich gehöre nicht zu den Leuten die Genuß an der Furcht anderer finden.
Als ich an diesem Morgen erwachte, war das geheime Versteck leer. Ich war ein wenig enttäuscht, denn J. hatte mir versprochen gemeinsam unser erfolgreiches Unternehmen UND meine Beförderung zu feiern. Aber ich fing mich rasch, wusch mich, verkleidete mich mittels einer beschlagenen Lederrüstung als Krieger und machte mich auf den Weg zur Ente.
In der Stadt angekommen, schlugen meine trainierten Sinne sofort Alarm!
Zuerst konnte ich das Gefühl der Bedrohung nicht zuordnen - doch dann fiel mir die Dunkelheit auf. Sollte es nicht längst dämmern? Auch die Straßen waren menschenleer. Unruhig schritt ich weiter. Plötzlich spürte ich einen kalten Hauch, wie ein Windstoß aus einer uralten und verbotenen Gruft. Ich erschauerte. Von allen Seiten schien plötzlich ein Wimmern an meine Ohren zu dringen, ich erbleichte und beschleunigte meine Schritte. In der Ente angekommen, fand ich diese verlassen. Meine Unruhe wuchs. Da fiel mir der Verrückte ein der mich gestern angesprochen und irgendwas von einem Schwarmagier auf dem Friedhof gefaselt hatte. Der Mann hatte versucht mich dazu zubringen ihn zum Friedhof zu begleiten und zu kämpfen. Ich hatte ihn für einen Toren gehalten - aber wer weiß?
Ich entschied das es nicht schaden könne, den Friedhof aufzusuchen. Ich machte mich auf den Weg - unterwegs ließ das leise Wehklagen und der eisige Windhauch nicht nach. Ich begann mich zu fürchten. Sterbliche fürchtete ich nicht - was könnten sie schon tun, außer mich zu töten (und mein Leben bedeutete mir nicht viel)? Aber wer weiß was dieser unreine Wind mit meiner Seele tun könnte?
Ärgerlich schüttelte ich diese Gedanken ab - wer war ich ein Frömmler? Am Friedhofstor angekommen öffnete ich es lautlos. Kurz zögerte ich, dann schlich ich geschickt weiter. Ich nahm meinen Bogen von der Schulter, legte einen starken Giftpfeil auf (ich war nicht gewillt ein Risiko einzugehen) und drang tiefer in das Dunkel ein.
Nach wenigen Schritten glaubte ich Stimmen zuhören. Ich orientierte mich kurz und öffnete dann eine der Gruften. Aber sie war leer. Ein neues Geräusch verriet mir plötzlich das etwas hinter der Gruft vorging. Ich schluckte und schlich um die Gruft herum.
Erst sah ich in der Dunkelheit nichts - dann bemerkte ich einige Gestalten, die leise miteinander sprachen! Ich schäme mich nicht einzugestehen das mich mein Mut verließ. Was suchte ich hier? Ich wandte mich um und verließ so schnell und lautlos wie möglich den verfluchten Friedhof.
Kurz bevor ich die Ente abermals erreichte, wurde die Kälte stärker. Der Wind schien aus allen Richtungen zugleich zu kommen. Ich fröstelte. Dann fuhr ich zusammen. Der Windhauch flüsterte meinen Namen!
"Aramil", klang es leise von überall zugleich. Schrecken griff nach meinem Herzen. Wer konnte meinen wahren Namen kennen?
Ich fuhr herum und floh in die Ente - sie war leer, trotzdem erschien sie mir als sichere Zuflucht. Ich warf die Tür zu, lief zum Fenster und riß meinen Bogen von der Schulter. Ängstlich und argwöhnisch starrte ich in die Dunkelheit. Doch der namenlose Schrecken hatte mich verfolgt!
Kerzen begannen zu flackern, eine erlosch, eine andere stürzte um! Und in der Schenke wurde es plötzlich eiskalt. "Aramil", raunten die Wände mir zu.
Dann erschien plötzlich eine durchscheinende Gestalt in der Mitte des Raumes. Ich wich langsam zurück und zielte auf sie - wohl wissend das ich verloren war.
"W-w-wer b-bist D-du", fragte ich stotternd.
Die Gestalt antwortete nicht, doch die Nebel verdichteten sich und ich konnte sie erkennen. Sie hatte nur ein Auge.
"Hauk?" Ich war sprachlos, sollte mein geliebter Mentor zurückgekehrt sein?
"Ja, Ich bin wieder da, Junge. Ich bin hier um mit Dir und J. vereint zu sein - nur ihr habt mir jemals etwas bedeutet!" Es war die Stimme von Lester Hauk, ich erkannte sie wohl, aber ein kalter und leidender Ton schwang in ihr, denn ich nicht ertragen konnte.
"Meister! Was wollt ihr von mir? Ihr seid tot!"
"Ich bin wieder da. Jetzt werden wir uns niemals trennen!"
Ich wich zurück. "Dann brauche ich Euch nicht zu fürchten Meister", fragte ich und ließ meinen Bogen sinken.
"Fürchten? Nein", langsam glitt die Erscheinung näher.
Ich wich nicht weiter zurück, es war Hauk. Und dann kam mir die Idee - seit seiner Hinrichtung fragte ich mich wer ihn verriet, um furchtbare Rache üben zu können. Warum sollte ich ihn nicht fragen? "Meister? Wer hat euch verraten?"
Das Hauk - Phantom wollte antworten doch plötzlich schien er von unaussprechlichen Kräften gezogen zu werden. Ein Strick erschien um seinen Hals und seinen Mund verließ nur noch ein entsetzliches Röcheln. Dann verschwand er.
Zitternd ließ ich mich auf einen der Barhocker fallen und schluchzte ungehemmt - verlor ich meinen Verstand?
PLötzlich hörte ich Stimmen HINTER mir! Aufspringen, den Bogen nehmen und einen Pfeil auflegen, war nur eine Bewegung für meine geschulten Reflexe. Ich erblickte drei Gestalten und glaubte jene, vom Friedhof wieder zu erkennen. Nekromanten?
"Wer seid ihr? Bleibt stehen", drohte ich und zielte auf die nächste Gestalt. Bisher hatten sie sich leise unterhalten, aber nun wanden sie sich mir zu und eine Frau näherte sich mir.
"Wir sind keine Geister. Sehen wir so aus", fragte sie mich beruhigend und lächelnd.
"Nein", erwiderte ich und ließ meinen Bogen sinken. Die Frau lächelte:"Dann setzt euch zu uns!"
Die Frau und ihre zwei Begleiter machten Anstalten sich an einem der Tische niederzulassen. Aber ich war noch mißtrauisch: "Seid ihr Nekromanten?"
Einer der beiden Männer stellte sich dicht vor mich:"Ich bin Kroono, Leutnant der Garde! Hört auf mit euren üblen Verdächtigungen!"
Ich schluckte, plötzlich wurde ich mir einer neuen - sehr viel realeren Gefahr - bewußt: Ich hatte Hauks Namen genannt und Hauk war ein berüchtigter Assassine, er hatte einige Gardisten getötet, und war schließlich gehängt worden! Wie lange hatten diese drei schon hier gestanden? Was hatten sie gehört?
Obwohl ich eigentlich lieber allein gewesen wäre setzte ich mich - soweit wie möglich von Kroono entfernt - neben den zweiten Mann. Kroono und die Frau unterhielten sich angeregt, er schien nicht argwöhnisch zu sein.
Ich begann eine harmlose Unterhaltung mit meinem Nebenmann - er hieß Coror und war Schmied - stellte mich selbst als Caine vor und fragte nebenbei ob sie meine Unterhaltung mit "Galen" (ich nannte einen falschen Namen und beobachtet sowohl Coror als auch Kroono aufmerksam auf ihre Reaktion darauf) gehört hätten. Coro bejahte, sagte zu meiner Erleichterung aber, dass sie nur wenige Worte gehört haben. Meine Tarnung war gerettet.
Kurz darauf entschieden die drei zum Friedhof zurückzukehren und ein Siegel zu überprüfen. Ich bot meine Hilfe an, der Gedanke Hauk wiederzusehen und den Verräter zu entlarven, ließ mich nicht mehr los.
Wir machten uns auf den Weg und der eigentliche Schrecken begann erst für mich....

22-10-2002 22:14
 
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Alt 14.11.2002, 17:27
Die Nacht der Geister
#3
Aramil
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Wir erreichten den Friedhof ungehindert. Die Frau, ihren Namen konnte ich mir nicht merken - aber sie war ein hochrangiges Mitglied der AAK, führte uns zu einer Gruft. Wir stiegen im gespenstischen Fackellicht hinab und näherten uns einer Tür. Dort überzeugte die Zauberin sich davon das ein magisches Siegel unversehrt war. Ich bekam nicht genau mit worum es dabei ging, aber es interessierte mich auch nicht. Ich wollte nur Hauk sprechen. Als wir die Gruft wieder verliessen trafen wir einen jungen Krieger. Er lief sofort auf uns zu und redete mehr oder weniger wirr auf uns ein. Als er erfuhr das Kroono zur Garde gehörte wurde er ganz hektisch und behauptete er hätte wichtige Informationen über der Schwarzmagier. Aber der junge Mann bestand darauf nur mit Kroono allein zu reden. Kroono, dieser vertrauenselige Narr, ging mit ihm ausser Sichtweite. Ich dachte daran das der junge Krieger - sein Name war Pakam - vielleicht doch kein Narr war, sondern Kroono vielleicht in einen Hinterhalt locken wollte. Andererseits, was gings mich an? Nur ein Gardist weniger.
Allerdings war mein Mißtrauen unbegründet und nach kurzer Zeit kehrten die beiden zurück. Nun interessierte es mich natürlich was er zu berichten hatte. Wir machten uns auf den Weg zurück zur Ente und ich schlenderte neben Pakam her und versuchte ihn auszufragen. Er erzählte mir das er zu den ersten gehört hatte, die den Schwarzmagier gesehen hatten. Nicht nur das, er habe ihn seit dem noch zweimal gesehen. Tatsächlich war er der Mann der mich gestern angesprochen hatte. Ich fragte ihn ob er glaube der Schwarzmagier würde die Geister rufen und beherrschen. Er bejahte. Und jedesmal hatte er ihn auf dem Friedhof gesehen! Ich musste zurück! Ich verabschiedete mich plötzlich von Pakam und stapfte zurück zum Friedhof. Mir war nicht ganzwohl in meiner Haut, aber ich konnte nicht anders. Vielleicht war es meine einzige Chance die Wahrheit zu erfahren. Ich erreichte den Friedhof und öffnete das Tor. Diesmal zog ich keine Waffe und ich versuchte auch nicht leise zu sein. Ich ging zur Mitte des Friedhofs, holte tief Luft, kämpfte die Angst nieder und rief dann laut nach dem Magier. "Zeige Dich! Ich will mit Dir reden", rief ich mehrmals. Aber es kam keine Antwort. Ich lauschte angestrengt aber nichts, nur der Wind schien mich zu verhöhnen. Plötzlich kam ich mir albern vor und schalt mich selbst einen Narren. Wütend machte ich mich auf den Rückweg. Als ich an dem Scheiterhaufen vorbeikam, beschleunigte ich meine Schritte - ich wollte Darians verkohlte Leiche nicht sehen. Am Tor wartete eine Überraschung auf mich: Pakam! Er hatte sich gedacht das ich zum Friedhof gegangen war und wollte mir beistehen.
"Kannst Du mir zeigen wo Du ihn gesehen hast?", fragte ich ihn.
Er war ein wenig nervös, willigte aber ein. Er führte mich zu einer Gruft im Südosten des Friedhofs. "Hier genau hier ist er verschwunden", er deutet auf eine Stelle zwischen zwei Grabmälern. Obwohl ich mir wenig Hoffnung machte, liess ich mich auf die Knie niedersinken und suchte den Boden nach einem verborgenen Mechanismus ab. Nichts. Aber ein Magier brauchte auch sicher keine Geheimtür. Vorsorglich untersuchte ich auch den Rest der Gruft, dann gab ich Pakams Drängen nach und ging mit ihm zurück nach Britain.
Dort angekommen trennten wir uns: er wollte Heim, ich ging zurück zur Ente. Ich war tief in Gedanken versunken und bekam vom Weg kaum etwas mit. Ich hatte die Ente beinahe erreicht, als mich plötzlich wieder diese Grabesluft umwehte. Ich schreckte auf und sah mich um. Ein Wimmern war zu hören. Plötzlich sah ich einen Schatten zwischen den Bäumen, der langsam Gestalt annahm. Ich schluckte, faßte mir aber ein Herz und trat einen Schritt näher. "Hauk?"
Die Gestalt sah mich nur an und schwieg. Das war nicht Hauk. Ich blieb stehen und starrte ins Dunkel. Plötzlich lag ein übler Gestank in der Luft - wie verschmorrtes Fleisch. Flammen loderten plötzlich um die Gestalt und als lebende Fackel kam sie langsam auf mich zu. Darian! Eiskalter Schrecken erfüllte mich. "Nein! Nicht DU! Verschwinde zurück in die Hölle", kreischte ich und fuhr herum. Wie von Teufeln gehetzt rannte ich zur Ente, riss die Tür auf und stürzte hinein. Schnell warf ich die Tür zu und sah mich ängstlich um. Kroono und die Zauberin waren noch da, ausserdem zwei andere Männer. Sie schenkten mir keine besondere Aufmerksamkeit und ich versuchte mich zu beruhigen und mir nichts anmerkenzulassen. Eine Kerze erlosch, eisige Luft erfüllte den Raum. In der Mitte des Raumes began eine Gestalt Form anzunehem... Darian!
"Oh, Nein", stöhnte ich und wich zurück.
Alle Anwesenden sprangen auf und starrten auf die Erscheinung. Darian glitt langsam auf Kroono zu und sprach dabei mit leise, unheimlicher Stimme: "Mord! Unrecht!"
Aber Kroono war ein tapferer Mann und wich nicht zurück. "Wer bist Du? Was willst Du?"
Der beissende Gestank nach verbranntem Fleisch breitete sich aus. Der Boden zu unseren Füßen wurde warm.
Kroono keuchte. "Vomath?"
Darian kreischte gequält auf. "Blind. So Blind", klagte er.
Ich wich noch weiter zurück. Ich hatte panische Angst das Darian sich jeden Moment auf mich stürzen würde, aber gleichzeitig war mir auch klar das ich nicht fliehen durfte. Darian versuchte sich Kroono zu offenbaren und es war lebenswichtig für mich zu erfahren ob ihm das gelang. Ich schob mich vorsichtig in Richtung Tür und griff heimlich in eine verborgene Tasche meine Umhangs und umklammerte eine Rauchbombe. Sollte darian mich angreifen, war ich rettungslos verloren - was konnte ich gegen einen Geist ausrichten? Aber sollte er mich entlarven und Kroono versuchen mich zu überwältigen, würde ich so wahrscheinlich entkommen können. Dann wäre es Zeit die Stadt zu verlassen, den Mord an einen Inquisitor würde man kaum ungesühnt lassen!
Auch Kroono begriff das etwas vor sich ging. Er musterte die Gestelt genauer. "Du bist nicht Vomath."
Ich schluckte und umklammerte die Bombe fester.
Doch bevor Darian antworten konnte, schrie er gepeinigt auf. Es war als würde etwas an ihm ziehen und jammernd und klagend löste er sich auf.
Meine Knie zitterten und kalter Schweiss stand mir auf der Stirn. Langsam löste ich den Griff um die Rauchbombe und machte ein, zwei unsichere Schritte zur nächsten Bank. Ich setze mich und umklammerte mit meinen Händen den Tisch - nur so konnte ich das Zittern unterdrücken.
Welches Grauen war über Britain gekommen? Und wie konnte ich mich davor schützen? Oder würde Darian mich holen? Mir war immer bewusst das ich wohl früh sterben werde: durch eine Waffe, wahrscheinlicher aber am Galgen. Doch zum erstenmal wurde mir Bewußt das ich für meine Taten in der Hölle schmorren würde...
 
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Alt 19.11.2002, 16:41
#4
Aramil
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Nachdem Darians Geist verschwunden war setzte ich mich noch einen Moment zu Kroono. Wir unterhielten uns und ich versuchte seinen Verdacht der Geist wäre nicht Vomath gewesen zu zerstreuen. Allerdings war ich nicht so wortgewand wie sonst, die Furcht Darian könnte zurückkehren war zu stark.
Nach einer Weile dann verabschiedete ich mich und verliess die Ente mit leicht unsicheren Schritten. Eigentlich wollte ich zur Assassinenfeste, aber irgendwie führten meine Schritte mich wieder zum Friedhof. Zögernd öffnete ich das Tor und atmete nocheinmal tief durch. Ich ging zum Scheiterhaufen und versuchte dabei meinen Herzschlag zu ignorieren, der übermässig laut hämmerte. Das Blut rauschte in meinen Ohren.
Darians verkohlte Überreste hingen immernoch am Schandpfahl. Die Ketten die ihn gehalten hatten waren russgeschwärzt, der Gestank war immernoch unerträglich. Fliegen summten umher.
Stumm starrte ich auf seine Leiche.
"Darian", sagte ich leise. "Was willst du von mir? Geh zurück in die Hölle! Es war nur ein Auftrag! Lass mich in Ruhe!" Keine Antwort, nur das Summen der Fliegen schien mich zu verhöhnen.
Ich wollte gerade gehen, da wandte ich mich noch einmal um: "Ich werde versuchen sie dazu zu bringen dich zu bestatten - mehr kann ich nicht tun."
Etwas leichter ums Herz ging ich zurück zur Stadt. Unterwegs sah ich keine Geister und hielt das für ein gutes Zeichen. Ich erreichte einen der geheimen Wege zu unserem Versteck und stieg hinab zur Assassinenfeste.
Als ich in die Halle eintrat sah ich das jemand mit einer Fackel in der Hand am Gang zu unserem kleinen Schiessstand stand.
Ich blieb stehen und wartete bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Dann erkannte ich J. . Sie trug nur ein leichtes Nachthemd, ihr lockiges, schwarzes Haar viel ihr offen über die Schultern. Sie war leichenblass.
"J. ?", sprach ich sie an.
Keine Reaktion. Ich näherte mich vorsichtig. "J.?"
Sie fuhr herum und sah mich mit glasigen Augen an. "Ich dachte ich hätte was gesehen..."
Ich nickte, fasste ihr leicht an die Schulter und führte sie mit sabften Nachdruck zu einem der Stühle. Sie liess sich wie ein schlafwandelndes Kind leiten, ich nahm ihr die Fackel ab und setzte mich neben sie.
"Du hast einen Geist gesehen, nicht wahr?", ich sprach leise und ernst.
Plötzlich begann sie zu schluchzen: "Es sind soviele! Ich hatte es vergessen... vergessen wie viele ich getötet habe..."
Ich drückte ihre Schulter. "Schon gut. Auch ich habe welche gesehen!"
Sie sah mich an. "Ich dachte ich verliere den Verstand!"
"Das dachte ich auch erst. Aber es ist real."
"Sie werden uns holen, Aramil", kreischte sie beinahe. Ich hatte die Tochter des Meisters noch nie ängstlich gesehen und selbst wenn ich sie nicht geliebt hätte, hätte ich sie trösten müssen - sie war nicht nur wunderschön, jetzt sah sie auch so verletzlich aus.
"Nein", sagte ich bestimmt. "Sie haben keine Macht über uns - sie sind TOT. Ich habe Darian gesehen und ich lebe noch! Hätte er es gekonnt, so wäre ich jetzt sicher in der Hölle..."
J. lächelte leicht. "Meinst Du?"
Bevor ich antworten konnte wehte ein kalter Wind durch den Raum. Wehklagen schien aus den Wänden zu erklingen. J. sprang auf. "Es geht wieder los."
Auch ich sprang auf.
In der Mitte des Raumes materialisierte sich der Geist eines Mannes. Er sah mit traurigen Augen auf J. .
"Du hast mich getötet! Warum hast du das getan? Warum hast du MICH getötet?"
J. wich wimmernd zurück. Der Geist schob sich langsam auf sie zu. Trotz meiner Angst stellte ich mich zwischen sie. "Verschwinde zurück in die Hölle", zischte ich.
Der Geist sah mich mit seinen toten Augen an. "Ist das dein neuer Freund?" Er sah zu mir. "Pass auf das sie dich nicht auch tötet."
"Lass sie in Ruhe", brüllte ich und versuchte ihn zu schubsen. Natürlich glitt meine Hand durch ihn hindurch.
Ich weiss nicht wie lange er uns quälte, aber irgendwann schrie er auf und wurde fortgezogen - so wie die anderen.
J. weinte herzzerreissend. "Ich... Ich habe ihn getötet. Er... Ich... es war...", stammelte sie.
"Psst.", machte ich und legte einen Finger auf ihre Lippen. "Hast du vergessen wer ICH bin? Du musst mir nichts erklären", beruhigte ich sie.
J. schmiegte sich an mich, ich nahm sie in die Arme und drückte sie fest. Darian war vergessen, die Hölle war vergessen: ich hatte meine geliebte J. im Arm!
"Ich möchte heute nicht alleine sein", hauchte sie.
"Ich bin da", antwortete ich.
Eng umschlungen liessen wir uns auf den kalten Boden sinken und blieben dort einfach liegen. Ich spürte ihren festen, geschmeidigen Körper und genoss die Berührung. Es dauerte lange bis ich in jener Nacht einschlief...
 
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Alt 21.11.2002, 18:10
#5
Aramil
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Als ich erwachte war ich allein. Etwas steif von dem harten Lager auf dem Boden erhob ich mich. Ich wusch mich und überprüfte meine Verkleidung, mir fehlte die Energie mich umzuziehen. Hatte ich geträumt? Hatte ich wirklich mit Hauk gesprochen? Und mit... Darian? Ich konnte es kaum glauben.
Aber mein Hunger riss mich schliesslich aus meinen Grübeleien und ich machte mich auf den Weg zur Ente. Die unnatürliche Dunkelheit lag immernoch wie ein erstickender Mantel über der Stadt. Obwohl ich schon von Berufswegen der Nacht den Vorzug gebe, ging mir diese ewige Dunkelheit doch ganz schön an die Nieren.
Ich erreichte die Ente, die beinahe leer war und setzte mich an einen freien Tisch. Zur Abwechslung war mal eine Bedienung da, wenigstens etwas. Ich bestellte Hirschbraten und Wein und begann genüsslich zu essen. Kaum hatte ich mein Mahl beendet und mich dem Wein zugewandt, da öffnete sich die Tür und ein Mann kam herein. Er fiel mir direkt auf, ich weiss nicht warum. Seine Kleidung hatte schon bessere Tage gesehen, aber das war es nicht. Eher die Art wie er sich umsah und alle Anwesenden mit seinem Blick taxierte. Ein Kollege, dachte ich mir.
Das besserte meine Laune, denn zu uns gehörte er nicht und die Bruderschaft hat einiges gegen Freischaffende in der Stadt. Zum Beispiel einen Dolch in die Kehle. Interessiert, aber so unauffällig wie möglich, beobachtete ich ihn. Er stand noch immer an der Tür und sah sich um. Sein Blick blieb einen Moment bei mir hängen und dann kam er zu meinem Tisch. "Darf ich mich setzten?" Ich zuckte mit den Achseln. "Wenn ihr wollt."
Er setzte sich mir gegenüber und musterte mich einen Moment. "Ich heisse übrigens Turael", stellte er sich vor.
"Ich bin Caine."
Er reichte mir seine Hand und ich drückte sie. "Und womit verdient ihr euer Gold, Caine?"
Ich sah ihn einen Moment schweigend an.
"Ich meine was tut ihr so", wiederholte er seine Frage.
Ich machte eine vage Geste. "So dies und das."
Er wiederholte meine Worte und sah mich dabei an. "Klingt interessant." Ich zuckte wieder mit den Achseln. "Und was tut ihr?", fragte ich.
Er imitierte meine Geste. "So dies und das", sagte er grinsend.
Innerlich lächelte ich, der Bursche gefiel mir, aber ich beschloss ihn ein wenig zappeln zu lassen. Ich deutete auf die Flasche. "Möchtet ihr Wein?"
Er wollte und ich erhob mich um ein weiteres Glas zuholen (die Bedienung schien schon wieder verschwunden zu sein). Dabei sah ich über die Schulter, ob er sich vielleicht an meinem Rucksack - den ich unter dem Tisch gelassen hatte - vergreifen würde. Er tat es nicht. Kluger Bursche. Ich stellte ihm das Glas hin und schenkte uns beiden ein. Wir stiessen an und ich nahm einen kleinen Schluck. Er trank nicht bevor ich auch getrunken hatte und ebenfalls nur ein kleinen Schluck - er war vorsichtig.
"Und wo seht ihr euch in zehn Jahren, Caine?"
Ich sah ihn schweigend an. "In Britain", sagte ich dann.
Er grinste. "Ihr kommt wohl nicht viel herum, was?"
"Ich verlasse die Stadt nur wenn ich muss."
"Ich bin auch ein ausgesprochener Stadtmensch."
"Das glaube ich."
"Aber wenn ihr so oft in Britain seit, dann kennt ihr bestimmt viele Leute hier?"
"In der Tat."
"Vielleicht könnt ihr mir helfen? Ich suche jemanden."
"Wen sucht ihr denn?"
"Hm. Das weiss ich nicht."
"Ihr wisst nicht wen ihr sucht?" Ich lachte leise.
"Nun, ich suche Leute die mir...", er beugte sich vor und sprach leise. "Eine bestimmte Waffe besorgen können, eine ganz besondere Waffe."
"Die Stadt ist voller Waffenschmiede", sagte ich betont gelangweilt.
"Nun, es ist keine legale Waffe... wartet ein Moment ich zeige euch etwas...", mit diesen Worten stapfte er davon. Nur um kurz darauf zurückzukehren, um mir zu zeigen was er haben wollte. Wir sprachen noch eine ganze Weile miteinander, aber diese Dinge möchte ich nichtmal meinem Tagebuch anvertrauen. Wenn er nicht gelogen hat, könnte er uns sehr nützlich sein. Und wenn er gelogen hat, nun - dann würde er es sehr bedauern. Schliesslich verabschiedete ich mich von ihm und sagte ihm das ich ihn in den nächsten Tagen ansprechen würde, dann ging ich zum Badehaus, ich musste nachdenken und das kann ich am besten wenn ich entspannt bin. Und vielleicht traf ich ja J. oder R. dort...
 
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