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Alt 17.09.2026, 19:01
In der Fremde
#1
Illia Ceres
Spieler, Mensch
 
Registriert seit: 16 Sep 2026
Beiträge: 10
"Land! Land!", schrie Illia begeistert, als sie die ersten grauen Schimmer Britannias am Horizont entdeckte, noch lange bevor einer der Matrosen im Ausguck hätte reagieren können. Aufgeregt lief das junge Mädchen an der Reling des Schiffes auf und ab, vorbei an freudigen Gesichtern, aber auch an den müden Mienen von Reisenden, die die sechs Wochen Fahrt aus Faerlan nur sehr leidend hinter sich gebracht hatten. Illia gehörte zum Glück nicht zu den Menschen, die leicht seekrank wurden. Sie hatte das Naturell ihres Großvaters, wie ihre Mutter immer witzelte. Immer unterwegs, immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Dabei schlug sie optisch wohl mehr nach ihrer Großmutter, einem sanften Wesen, das sie im Gegensatz zum Großvater nie kennengelernt hatte. Nur von der Seite ihres Vaters, von dem sie nicht einmal den Nachnamen trug, hatte sie scheinbar so rein gar nichts geerbt.

Ihr Vater hatte sich kurz nach ihrer Geburt davongemacht, seine Familie kannte sie nicht. Ihre Großmutter war schon vor ihrer Geburt gestorben und den Großvater hatte sie lange nicht mehr gesehen. Dass sie sich in ihrem jugendlichen Übermut (nicht ganz unschuldig) mit der Familie des Dorfältesten überworfen hatte und zuhause nicht mehr gut gelitten war, wurde damit zur willkommenen Ausrede für ein Abenteuer. Also hatte sie sich das Geld für die Reise zusammengespart und zum Leidwesen ihrer Mutter beschlossen, ihre Herkunft näher zu erforschen.

Und darum stand sie nun auf einem Schiff und war ganz aus dem Häuschen, als sie endlich an dem Ort ankam, an dem ihre Familiengeschichte begann. Ob sie noch Spuren der Vorfahren finden würde? Oder Menschen, die sie vielleicht sogar einmal gekannt hatten? Und unabhängig davon: Welchen Pfad würde sie einmal wählen? Vielleicht ins Militär? Oder etwas Schöpferisches? Oder ganz etwas anderes?

Oder überhaupt nichts?
Illia Ceres ist offline  
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Alt 29.09.2026, 14:09
#2
Illia Ceres
Spieler, Mensch
 
Registriert seit: 16 Sep 2026
Beiträge: 10
Die Wochen seit Illias Ankunft waren zäh verlaufen. Zwar gab es viel zu entdecken; mal mit, mal ohne ihren Reisegefährten Inar erkundete Illia die unterschiedlichsten Orte auf der ganzen Insel. Von Dörfern und Städten über Wüsten und Sümpfe reiste sie mal hierhin, mal dorthin, um nach Spuren ihrer Vergangenheit zu suchen. Doch das, was sie suchte, hatte sie bisher nicht finden können. Nirgendwo war der Name „Ceres“ eingemeißelt und auch die Orte, die Großvater beschrieben hatte, fand sie nicht wieder. Lediglich die „Taverne zum Lachenden Tala“ hatte sie gefunden und sich im Gasthaus darüber ein Zimmer genommen.



Doch Ludia war ihr offenbar gnädig, denn gestern Abend hatte sich Illias Glück gewendet. Auf dem Marktplatz war sie einem Zwergen über den Weg gelaufen und hatte ihn in – zugegebenermaßen – unhöflicher Faszination in ein Gespräch verwickelt. Tatsächlich lebte er schon seit über 600 Jahren, und er erinnerte sich gut an Großmutter! Illias Herz raste jetzt noch bei dem Gedanken, denn auch wenn Großvater sie immer als freundliche, mildtätige Frau beschrieben hatte, gab es doch einige Themen, über die er nie gern gesprochen hatte. So wusste Illia zum Beispiel nur, dass Großmutter vergleichsweise jung gestorben war, aber nicht wie. Dieser Zwerg nun konnte ihr dies vielleicht erzählen!



Aber es wurde noch besser. Offenbar war dieser Zwerg mit Namen Sragosch nicht nur sehr alt, sondern auch sehr bekannt, denn prompt wurde er von einem anderen Mann angesprochen, der sich offenbar sichtlich freute, den Zwergen nach langer Zeit wiederzusehen. Der Mann war teuer gekleidet und sicher wichtig. Illia überlegte schon, die beiden aus Höflichkeit allein zu lassen. Aber ihr Drang, mehr von Sragosch zu erfahren, war zu groß. Und so blieb sie wo sie war und versuchte, nicht zu aufdringlich zu wirken. Das zahlte sich immerhin aus, denn als Sragosch ihren Namen erwähnte, wurde der andere Mann stutzig. Er entpuppte sich schließlich als Herzog von Großbritannien – und von dem hatte Großvater sehr, sehr viel erzählt. Also besann sich Illia schnell ihrer guten Sitten, holte einen Knicks nach und schämte sich angemessen über ihr ungebührliches Verhalten dem Herzog gegenüber. Doch der war offenbar guter Dinge (oder einfach nur freundlich?) und war so wie der Zwerg sehr an ihrer Familie interessiert. Also gab es jetzt plötzlich zwei Men… Männer, die ihr mehr erzählen konnten.



Wenig später verabschiedete Illia sich, zufrieden, aber auch in höchstem Maße aufgeregt. Der Herzog schien nett zu sein, war Großvaters Schilderungen nach in jedem Fall ein großer, aufrichtiger Mann. Vielleicht war es das richtige, in seine Fußstapfen zu treten und den Herzog nach einer Arbeit zu fragen? Vielleicht war sie ja zur Gardistin geboren, oder zur Hofdame, oder meinetwegen auch zur Pferdepflegerin. Irgendwas, wo sie ihre Magie üben könnte, wäre zwar schön, aber zu schade war Illia sich für nichts.
Illia Ceres ist offline  
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Alt 04.10.2026, 15:18
#3
Illia Ceres
Spieler, Mensch
 
Registriert seit: 16 Sep 2026
Beiträge: 10
Illia hatte sich ein Herz gefasst und einen Brief an den Hof des Herzogs geschickt, um nach einer Anstellung zu fragen. Bisher hatte sie noch nichts gehört und deshalb schon fast befürchtet, dass keine Reaktion mehr kommen würde. Als der neueste Markt für Minoc angekündigt war, nutzte sie trotzdem die Gelegenheit, um sich im frei zugänglichen Teil der Burg umzusehen. Wie gepflegt und hübsch hier alles aussah. Es musste wundervoll sein, hier leben zu dürfen.

In leichtes Selbstmitleid gehaucht machte Illia sich auf den Weg zum Marktplatz und lief dabei überraschend dem Herzog in die Quere. Dieser forderte sie auf, eine klemmende Tür in der Mauer zu öffnen. Warum rief er keine Wachen? War das ein Test? Nachdem sie sich für ein paar Momente mit der Tür abgemüht hatte, überlegte sie, was Großvater wohl getan hätte. Sie warf einen kurzen Blick nach hinten zum Herzog, dann gab sie der missgünstigen Tür einen Tritt. Sie sprang auf. Aber wie undamenhaft das gewesen war! Illia glaubte schon, sich vor dem Herzog blamiert zu haben, aber er nahm das Ganze mit Humor und bat sie sogar noch, sich im Anschluss an den Markt für ein Gespräch bereit zu halten.

Doch Illia hatte keine Zeit, sich zu fragen, was der Herzog wohl besprechen wollte. Der Markt mit seinen vielen Angeboten lockte. Es gab einen Stand mit Tieren - wie schön wäre es, ein Pferd zu haben. Auch ein Schreiner war da, mit wunderschönen Möbeln, für die sie leider noch keinen Verwendungszweck hatte. Aber immerhin! Es war auch ein Schneider da. Hier konnte sie sich wenigstens mit warmer Kleidung für den Winter eindecken. Und was für schöne Dinge er alles hatte. Die kuschelweichen Puppen begeisterten sie. Was soll's dass sie dafür eigentlich schon zu alt war? Sie war hier in der Fremde und konnte ein bisschen Heimeligkeit gebrauchen. Zu ihrer Begeisterung fand Illia auch Handwerkszeug für Magier in Form einer Zauberrolle und eines Reagenzienbeutels. Was für eine Erleichterung das im Alltag wäre!
Der Schneider war ein Junge, höchstens ein paar Jahre älter als sie. Das war der erste Mensch in ihrem Alter, mit dem sie sich hier in Britannia unterhalten hatte! Und nett war er auch noch. Er schenkte ihr eine Sternenpuppe. Außerdem konnte sie noch einen warmen Schulterumhang und hübsche, rosa Handschuhe aus Leder kaufen. Wie schön es doch war, mal eigenständig ein wenig zu handeln.

Später am Tag rief der Herzog sie dann zu sich. Er erklärte ihr, dass sie einer Wirtin aus Britain bei einem Auftrag helfen solle. Danach würde er entscheiden, wo er sie am Hof gebrauchen könnte. Was für eine gute Nachricht! Doch das Beste kam zum Schluss: Er kündigte an, ihr demnächst etwas zeigen zu wollen, das mit ihrer Familie zu tun hatte. Würde sie endlich mehr über Großvater und Großmutter lernen?
Illia Ceres ist offline  
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Alt 17.10.2026, 18:28
#4
Illia Ceres
Spieler, Mensch
 
Registriert seit: 16 Sep 2026
Beiträge: 10
Was für eine chaotische Woche! Der vermeintlich einfache Auftrag des Herzogs entpuppte sich als schwieriger, als sie gedacht hatte. Nachdem sie die Köchin verpasst hatte, war diese daraufhin nicht mehr auffindbar. Stattdessen sprang kurzerhand die Ehefrau des Herzogs ein, eine Schneiderin und leidenschaftliche Köchin. Illia fand sie auf anhieb nett. Die beiden unterhielten sich eine ganze Weile über dies und jenes, ehe sie wirklich zu dem Auftrag kamen.
Leider hatte die Frau ihrerseits auch nur sehr oberflächliches Wissen darüber, was zu erledigen war. Sie packte ihr eine riesige Tasche mit Essen, die Illia sehr zu ihrer eigenen Beschämung selbst mit einem stärkenden Zauber nicht tragen konnte. Am Ende bekam sie dann aber doch noch alles transportiert. Frau von Britannia empfahl ihr, sich noch einmal an den Herzog zu wenden, wo das ganze Essen denn nun hin sollte. Sie mutmaßte, dass es für den Prinzen sei, der in der Residenz weilte.
Illia wollte dem Rat folgen, wollte andererseits aber nicht riskieren, dass das ganze Essen über ständiges Briefeschreiben hinweg verdarb. Deshalb machte sie einen kleinen Umweg nördlich des Tala. Vielleicht wusste eine Wache an der Residenz ja zufällig Bescheid und würde ihr die Sachen abnehmen?

Doch so weit kam Illia gar nicht. Prompt lief sie dem Herzog in die Arme, der sie in die Residenz brachte, ihr die Vorratskammer zeigte und sie ermahnte, beim Einräumen des Essens leise zu sein und dann ungesehen wieder zu verschwinden. Dann ließ er sie allein, was nur folgerichtig war. Zum Einen war er keine Wache und zum anderen hatte er wichtigeres zu tun, als sie zu beaufsichtigen.
Als Illia fertig war, wollte sie dann auch wie befohlen gehen, als sie durch einen Vorhang Stimmen hörte. Zwei Männer sprachen. Der eine ruhig, mit voller und angenehmer Stimme, der andere eifriger, beflissener. Das konnten nur der Prinz und ein Diener sein!
Illia wollte nicht lauschen, aber natürlich war sie neugierig darauf, einen Blick auf den Prinzen zu werfen. Leise schlich sie sich an den Vorhang und schob ihn gerade so weit zur Seite, dass sie hindurchsehen konnte. Tatsächlich stand er da, der Prinz. Ihrer aller Kronprinz, um genau zu sein. Illia fand, dass er unverschämt gut aussah. Und seine teure Kleidung entsprach auch ganz ihrem Geschmack. Es musste schön sein, wenn dieser Mann jemandem seine Aufmerksamkeit schenke. Es musste schön sein, wenn er sie IHR schenkte.
Aber Illia war nicht dumm. Ehe sie erwischt wurde, ließ sie den Vorhang zurücksinken und verließ leise die Wohnung.

In ihrer Herberge angekommen machte sie erst einmal einen Abgleich mit der Wirklichkeit. Sie hatte zwar ein schönes Zimmer, aber so behaglich und geschmackvoll wie in der Residenz war es natürlich nicht eingerichtet. Es war höchste Zeit, dass sie das Geld zusammenbekam, um sich irgendwo ein eigenes Dach über dem Kopf zu leisten. Es musste nicht einmal groß sein, denn Illia war entschlossen, eine hochwertige Ausstattung ihres Zuhauses einem großen, leeren oder hässlich ausgestatteten Heim vorzuziehen. Vergrößern konnte sie sich immer noch, wenn das Geld irgendwann mal stimmte.
Nicht, dass das absehbar war. Sie hatte immer noch keine Arbeit und würde auch kein Vermögen verdienen, wenn der Herzog sie nicht gerade zu seiner Sekretärin oder so etwas machte. Gleichzeitig hatte sie zwei linke Hände. Einem Handwerk nachzugehen, konnte sie also auch vergessen. Blieb ihr nur, das Gold mühsam irgendwelchen Trollen und anderen Biestern abzuknöpfen. Sie konnte nicht einmal mit deren Ledern handeln, da sie die lieber selbst behielt. Das war auf Dauer also auch keine erfüllende Arbeit.

Illia seufzte und warf sich aufs Bett. Egal. Darüber konnte sie sich morgen noch Gedanken machen. Heute war es dunkel geworden. Und da ihr der Lesestoff ausgegangen war, warf sie einfach das an, was sie ein "Kopf-Theater" nannte. Natürlich wusste sie, dass sie für den Prinzen nie in Frage kam. Das war dermaßen absurd, da könnte sie sich auch gleich dem Herzog als Geliebte andienen. Sie würde sich nicht mit einer offenen Schwärmerei lächerlich machen.

Aber gegen eine kleine Gedankenromanze, wie junge Backfische sie manchmal gerne hegten, war nichts einzuwenden. Also machte sie es sich im Bett gemütlich und stellte sich vor, wie der Prinz sie am Vorhang erwischt hätte, nur um ihr danach selbst geschriebene Gedichte vorzutragen...
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